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Ausprobiert: O2 Car Connection

19.02.2015 | 11:04 Uhr |

Mit einem kleinen Modul will Telefónicas Lösung zum Thema Connected Car Ihr Auto mit dem iPhone verknüp­fen und Fahrzeuganalyse, Fahrstil-Infos, Fahrzeugfinder und Logbuch liefern – wir probieren es aus.

Mit Carplay beziehungsweise Android Auto wollen Pionier Apple und der ewige Herausforderer Google auch des deutschen liebstes Kind vernetzen: das Auto. Während Carplay quasi die Funktionalität des iOS-Geräts in das Bordcomputersystem eines unterstützten Fahrzeugs integriert, gibt es schon länger Lösungen, die Fahrzeuginformationen aus dem Kfz an Computer oder mobile Endgeräte liefern. Sie nutzen dabei die Schnittstelle OBD-2 (On-Board-Diagnose), die in fast allen Autos verbaut ist, die nicht älter als acht Jahre sind. Von auf den ersten Blick unerwarteter Seite ist seit Oktober 2014 ein OBD-2-Modul erhältlich, das die Fahrzeugdaten auf das iPhone des Benutzers liefert, dazu weitere nützliche Analysen und Hilfen bietet. Angeboten wird "O2 Car Connection" von Telefónica, dem Mutterkonzern von O2.

Dass gerade ein Mobilfunkanbieter mit einem solchen Modul auf den Markt kommt, hat einen Grund: O2 Car Connection sendet die aus dem Fahrzeug erhobenen Daten über eine fest im Modul verbaute Datenkarte für Mobilfunk in die Cloud von Telefónica und von da aus auf das iPhone des Benutzers. Über die kostenlose App hat – so Telefónica – der Fahrzeughalter nicht nur in Echtzeit die relevanten technischen Daten und auftretende Fehler beziehungsweise deren Diagnose im Blick, sondern erhält auch Tipps zum bezinsparenden Fahren, kann sein Auto jederzeit lokalisieren und bekommt ein Logbuch aller Fahrten.

Hintergrund: OBD-2

On-Board-Diagnose (OBD) ist ein Fahrzeugdiagnosesystem. Während des Fahrbetriebes werden alle abgasbeeinflussenden Systeme überwacht. Zugang zur Fahrzeugdia­gnose gibt es über OBD-2, die 16-polige OBD-2-Diagnosebuchse im Fahrzeug. Diese wird in den meis­ten Fällen nicht nur für das herstellerübergreifende, abgasrelevante OBD-2-Diagnoseprotokoll verwendet, sondern auch für die spezifischen Diagnoseprotokolle der Hersteller. Werkstätten und Bastler nutzen schon länger Messgeräte, die, mit der Buchse verbunden, Fehlerprotokolle auswerfen und bei der Reparatur eines Fahrzeugs helfen.

Car Connection installieren

Telefónica verlangt 149 Euro, alternativ eine Anzahlung in Höhe von 29 Euro und eine monatlichen Zahlung in Höhe von 10 Euro – für zwölf Monate. Der Preis beinhaltet das Modul und die Nutzung des benötigten Cloud-Dienstes für ein Jahr. Das "Abo" wird dankenswerterweise nicht automatisch verlängert, wer nach einem Jahr die Lösung weiter nutzen will, zahlt 5 Euro pro Monat. Da konnten wir natürlich nicht Nein sagen und haben Car Connection seit Oktober im Einsatz.

Wichtig vor dem Kauf: Prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug eine OBD-2-Buchste bietet. Telefónica bietet eine Website, auf der sich genau das checken lässt, bei unterstützten Modellen zeigen Fotos sogar den Ort im Kfz, wo die Buchse zu finden ist – klasse. Bei unserem Fahrzeug mussten wir im Elektronikfachhandel noch einen Adapter mit Verlängerungskabel für 5 Euro erwerben, da das Modul nach dem Aufstecken die darüberliegende Blende nicht mehr einbauen ließ.

Das OBD2-Modul steckt man in die Diagnosebuchse des Autos.
Vergrößern Das OBD2-Modul steckt man in die Diagnosebuchse des Autos.

Vor der Modulinstallation ist die kos­tenlose App O2 Car Connection zu laden und zu starten, die gibt es übrigens auch für Android. Die erste (leichte) Enttäuschung: Die App ist noch nicht für das iPhone 6 optimiert, das sollte der Anbieter schnellstens nachholen. Zunächst erfolgt die Anmeldung, das Anlegen eines Benutzerkontos mit E-Mail-Adresse und einem frei wählbaren Passwort. Das sollte unbedingt sicher sein, da es den Zugang zu Ihren Kfz-Daten und der Cloud von Telefónica freigibt.

Über die Option "Modul aktivieren" ist in der App dann die Verbindung zwischen iPhone, Modul und Cloud-Dienst zu schließen. Das hätte man elegant lösen können, wäre im Modul auch ein Bluetooth-Chip verbaut. So ist von der Verpackung des Moduls die Seriennummer und die Aktivierungsnummer abzutippen – alternativ der Code mit der iPhone-Kamera zu scannen – was bei unseren Versuchen nicht gelang. Im vorletzten Schritt ist nun das Modul aufzustecken und innerhalb der ersten 24 Stunden eine Fahrt von mindestens fünf Minuten zu unternehmen, zur finalen Aktivierung. Die ganze Aktion hat bei uns keine 30 Minuten gedauert.

So funktioniert Car Connection

Der Anbieter Telefónica gibt sich sehr verschlossen, was die Funktionsweise des Moduls O2 Car Connection betrifft. Nach unseren Tests ergibt sich folgendes Bild: Die OBD-2-Daten werden zusammen mit den Daten des integrierten GPS-Moduls gesammelt und alle ein bis zwei Minuten über das ebenfalls integrierte Datenmodul nebst integrierter SIM-Karte in die Cloud von Telefónica übertragen. Von dort bekommt das iPhone seine Informationen. Die Infos samt der in den letzten Tagen und Wochen zurückgelegten Strecken werden nicht nur in der Telefónica-Cloud, sondern auch lokal am iPhone gespeichert. Entscheidend beim Thema „In Echtzeit“ ist die Frequenz des Datenuploads. Der erscheint mit gemessenen ein bis zwei Minuten etwas zu lang, kürzer wäre teurer für Telefónica.

Erster Eindruck

Nach einer Runde um den Block fällt der erste Blick auf das iPhone, die ersten Daten sind erfasst, an die Cloud übertragen und auf dem iPhone gelandet – dazu ist natürlich eine Internet-Verbindung am iPhone Voraussetzung. Das iPhone kommuniziert also nicht direkt mit dem Modul, sondern via Cloud des Anbieters.

Unterwegs haben wir angehalten, um zu schauen, was die App an Informationen bietet. Sie zeigt im Startscreen den aktuellen Standort und den Fahrer. Das funktioniert auch, wenn Sie nicht selbst fahren: dazu verfügt das Modul über einen inte­grierten GPS-Empfänger, weiß also immer, wo sich das Auto befindet. Ziehen Sie das Fahrerprofil nach oben, stellt das Interface den Fahrzeugzustand, also die über die OBD-2-Schnittstelle empfangenen Daten dar. Wenn wie bei uns keine Fehler vorliegen, sind die Icons von Motor und Batterie in Grün dargestellt, sonst gibt es eine Analyse. Dabei kann das O2 Car Connection Modul laut Hersteller über 9000 verschiedene OBD-2-Diagnose-Fehlercodes zu Motorproblemen abrufen und in der App darstellen. Schwerere Probleme verursachen das Aufleuchten des Motor-Warnlichts (in der App rot markiert), leichtere Probleme tun dies nicht (in der App gelb markiert). Weitere Informationen hält Telefónica in einem Support-Dokument bereit.

Etwas viel Social Media

Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt, dass fast jede App Social Media integriert hat, also das Teilen von Gemütszuständen und Erlebnissen mit Freunden und Bekannten via Facebook, Twitter und Co. – da macht auch die App von Telefónica keine Ausnahme. Zusätzlich kann man hier jedoch "Batches" erhalten, fährt man benzinsparend – und diese mit anderen Car-Connection-Anwendern oder Familienmitgliedern teilen. Es gibt Ranglis­ten und mehr – für unseren Geschmack sind das klar zu viele Möglichkeiten, das Fahrverhalten mit der Welt auszutauschen.

Echtzeit – nicht ganz

Telefónica erweckt den Eindruck, das Fahrzeug über die App in Echtzeit verfolgen zu können, das stimmt nur bedingt. Aufgrund der Funktionsweise bekommen Sie die Daten leicht verzögert. Wir haben Zeitintervalle von ein bis zwei Minuten gemessen, in denen das Modul ein frisches Datenpaket auf die Reise in die Cloud von Telefónica schickt und damit für das iPhone verfügbar macht. Damit spart das Unternehmen natürlich Geld, erfolgt die Kommunikation doch ausschließlich via integrierte Mobilfunkkarte über die Cloud des Anbieters. In der Stadt bei 50 km/h Geschwindigkeit verursacht die Verzögerung in schlimmsten Fall einen Fehlschluss um bis zu 1,7 Kilometer, auf der Autobahn bei 130 km/h rund 4 Kilometer.

Falle Tiefgarage

Was sich noch verschmerzbar anhört, hat fatale Auswirkungen, wenn man wie der Autor dieses Beitrags einen Stellplatz in einer Tiefgarage hat, in der es keinerlei Mobilfunkverbindung gibt. Die Fahrten des Autoren enden nie zu Hause, sondern regelmäßig "endet" die Fahrt zwei bis drei Kilometer vor dem Erreichen des Ziels. Die App vermutet, die Fahrt dauere an, man sei noch nicht am Ziel. Der Cloud-Service hat in dem Fall ein bis zwei Minuten vor Erreichen des Endpunkts das letzte Datenpaket erhalten, dann "schweigt" das Modul. Von dem Phänomen sind Laternenparker natürlich nicht betroffen.

Das nervt wirklich

Was am meisten nervt an der App: Immer wieder zwischendurch ist die "Session abgebrochen", der Benutzer muss sich mit Benutzernamen und dem hoffentlich sicheren Passwort neu einloggen. Hier könnte man sicheres Einloggen eleganter über Code-Sperre oder Touch-ID regeln. Die App behält lokal die Fahrten des Benutzers im Blick und gespeichert, nur aus der App bekommt man sie nicht. Hier wäre eine geeignete Exportversion wichtiger als die zahlreichen Social-Media-Spielereien.

Die iPhone-Version scheint noch "in Arbeit", von einer iPad-Version ist nichts in Sicht. Der Grund könnte sein, dass Telefónica Modul und App offensichtlich zukauft, und zwar von Zubie . Modul und App scheinen "rebranded" zu sein.

Fazit

Die Telefónica-Lösung ist zumindest ein guter Anfang zu einem fairen Preis. Aktuell ist die App der größte Schwachpunkt, und es bleibt abzuwarten, ob der Telefonieanbieter das auf die Reihe bekommt. Man sollte sich hier vom Vorbild Zubie lösen und schnellstens eigene Programmierer ans Werk setzen. Wenn die App von unnötigen Elementen befreit ist und sich auf das Wesentliche konzentriert, verlängert der Autor das Abo in zehn Monaten.

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