Von Florian Kurzmaier - 20.12.2012, 12:00

Oldie but Goldie

Baldur's Gate: Enhanced Edition für das iPad im Test

Wer Baldur's Gate hört, fühlt sich womöglich an seine ersten RPG-Gehversuche erinnert. Im Test der Baldur's Gate: Enhanced Edition für das iPad haben wir herausgefunden, dass im Vergleich zu 1998 vieles anders geworden ist – und besser!
Baldur‘s Gate: Enhanced Edition führt den Spieler wie schon im 14 Jahre alten Original durch eine in Kapiteln erzählte epische Geschichte, in der man Verrat erlebt und eine Verschwörung aufdecken muss. Dabei kann Overhaul die große Stärke von Baldur‘s Gate, nämlich die Dialoge und das Design der Figuren, sehr gut ins Jahr 2012 bringen – und das ohne der Spielmechanik des Klassikers zu schaden.

Boo-Boo

Unser Held hat natürlich eine Geschichte. Und einen Hamster gibt es auch noch. Dazu später mehr. In der kleinen Stadt Kerzenburg wächst der Held unter den Fittichen des Magiers Gorion auf – behütet und in Frieden. Was er nicht ahnt: Er stammt von Bhaal, dem „Gott des Mordes“, ab und ist demnach selbst ein Halbgott. Und als wäre das nicht schon genug, hat der Held auch noch einen ziemlich fiesen Halbbruder namens Sarevok, der die Nachfolge seines Vaters als Gott antreten möchte. Nur muss er dafür seinen Halbbruder – unseren Helden – beseitigen.

Von Battleground Infinity zu Baldur‘s Gate

Die Geschichte von der Entstehung von Baldur‘s Gate ist schnell erzählt: Das damals noch weitgehend unbekannte kanadische Entwicklerstudio Bioware. Das Studio hat inzwischen mit seinen Serien Mass Effect, Dragon Age: Origins und Neverwinter Nights sowie dem Star-Wars Hit Knights of the Old Republic äußerst erfolgreich unterwegs ist, war auf der Suche nach einem Publisher für sein Rollenspiel „Battleground Infinity“. Der war mit dem damaligen Branchenriesen Interplay (der zwischenzeitlich komplett von der Bildfläche verschwunden ist) auch schnell gefunden – jedoch mit einer Bedingung: Bioware solle für das fertige Spiel die Dungeons & Dragons-Lizenz benutzen. Gesagt, getan: Im Dezember 1998 kommt Dungeons & Dragons: Baldur‘s Gate auf den Markt und wurde kommerziell ein großer Erfolg.
Einen ersten Versuch unternimmt der fiese Sarevok, als wir mit unserer Begleiterin Imoen und unserem Lehrmeister Gorion Kerzenburg in Richtung der Hauptstadt der Schwertküste, nämlich Baldur‘s Tor, verlassen – mit einem tragischen Ende für unseren Mentor. Schnell entspinnt sich eine sehr gut erzählte Geschichte um die Abstammung des Helden, Verschwörung und Mord. In Sachen Storytelling und Dialoge hat Bioware schon früh überzeugt (nicht erst mit seinem Meisterwerk Mass Effect). Und auch die Charakterzeichnung konnte sich durchaus sehen lassen. Neben unserem selbst erstellten Helden gibt es noch eine Vielzahl von verschiedensten NPC‘s und ... den Hamster Boo. Boo ist Teil der Ausrüstung des Waldläufers Minsk und jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle – Boo quietscht sogar ganz Hamster-like, wenn er im Inventar bewegt wird (Youtube-Link).
Insgesamt hat die Geschichte nach all den Jahren kaum gelitten. Das verdankt die Enhanced Edition von Baldur‘s Gate vor allem den neu gestalteten Zwischensequenzen und den im Vergleich zum Ur-Spiel erweiterten Dialogen.

Gewohnt klassisch

Im Kern bleibt Baldur‘s Gate auch in der Enhanced Edition ein Rollenspiel mit starkem Fokus auf dynamischen Gruppenkämpfen und der perfekten Abstimmung unserer Party. In knapp 100 Stunden Gesamtspielzeit erkunden wir wie damals im Jahre 1998 die Areale der Schwertküste, sammeln Gegenstände und kämpfen um Erfahrungspunkte und Level-Aufstiege. Nur, um am Ende Sarevok gehörig in den Hintern zu treten.
Dabei erweitert Overhaul das klassische Baldur‘s Gate um drei neue spielbare Figuren (Neera, Dorn Il-Khan und Rasaad yn Bashir), die per In-App-Kauf (2,69 Euro) erworben werden können und eigene Quests und Dialoge bieten. Zusätzlich bieten die „Schwarzen Gruben“ als Erweiterung des Hauptspiels direkte und schonungslose Kampfherausforderungen für unsere Gruppe. Leider setzt hier mangels Abwechslung schnell Monotonie ein – da ist im Hauptspiel deutlich mehr geboten. Das Add-on „Die Legenden der Schwertküste“, das ursprünglich 1999 erschienen ist, wurde ebenfalls als Teil der Enhanced Edition verbaut und wartet mit einer eigenen Quest-Linie auf, die parallel zu der des Hauptspiels abläuft. In technischer Hinsicht ist Baldur‘s Gate Enhanced Edition im Vergleich zu seiner Ur-Version deutlich hübscher anzusehen, auch auf dem iPad. Versüßt wird die stets flüssige Optik durch nahezu nicht vorhandene Ladezeiten.

Die Mac-Version

Das Entwicklerstudio hat neben einer Version für den PC und das iPad auch eine Android- und eine Mac-Version der Baldur‘s Gate: Enhanced Edition angekündigt. Diese soll in Kürze für knappe 20 Euro im Mac App Store erscheinen und alle Erweiterungen und Zusatzinhalte der PC-Version mitbringen – man muss also nicht per Nachkauf die neuen Charaktere extra bezahlen. Das interessanteste neue Feature der Mac-App wird ein plattformübergreifender Mehrspielermodus sein, sowie die Möglichkeit, zwischen den Plattformen Spielstände zu synchronisieren. Wir sind gespannt drauf!
So flüssig die Optik auch daherkommt, man muss dennoch sagen: Wirklich taufrisch ist das Grafikgerüst nicht mehr! Overhaul Games nutzt zwar die verbesserte Grafik-Engine von Baldur‘s Gate II, aber auch diese ist bereits zwölf Jahre alt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Baldur‘s Gate ist nicht hässlich und spielt sich auch 14 Jahre nach dem Ersterscheinungstag noch ausgesprochen gut; doch von einer Enhanced Edition hätte man zumindest ein kleines bisschen mehr erwarten können. Sound und Vertonung gehen dagegen voll in Ordnung – wenngleich sich die iPad-Version im Moment nur in englischer Sprache spielen lässt. Support für andere Sprachen hat man aber bereits für ein kommendes Update versprochen.

Genickbruch Steuerung?

Kommen wir am Ende zum wohl wichtigsten Punkt: Wie hat man bei Beamdog und Overhaul Games die Steuerung eines klassischen mausgesteuerten Rollenspiels auf das iPad gebracht? Die Antwort: fast perfekt! Viele Spiele für iPhone oder iPad kranken an nicht gut umgesetzten Steuerungsschemata. Beispiele: GTA 3? Grausam. Modern Combat? Nicht optimal. Ein Spiel wie Baldur‘s Gate dagegen passt hervorragend auf ein Tablet, da man wie mit der Maus meist nur eine Aktion gleichzeitig ausführt.
Insofern musste das Interface nur auf die Größe Ihrer Fingerkuppen angepasst werden – schwupps geht die Steuerung auch in hitzigen Gefechten gut von der Hand. Dank der Pause-Funktion können wir unsere Party-Mitglieder auch in unübersichtlichen Situationen genau befehligen und geraten nur ganz selten der Steuerung wegen in Schwierigkeiten. Es heißt also im wahrsten Sinne des Wortes: Daumen hoch!

Empfehlung

Auch wenn es vielleicht nicht mehr ganz taufrisch aussieht, kann Baldur‘s Gate: Enhanced  Edition selbst nach 14 Jahren noch mit seiner Story, seinen Dialogen und dem Design der Spielwelt sowie der Charaktere punkten. Für knapp neun Euro werden Sie rund 80 bis 100 Stunden bestens unterhalten und können – falls Sie damals das Original verpasst haben – einen Klassiker nachholen, der den Namen auch verdient hat.

Baldur‘s Gate: Enhanced Edition

Äußerst gelungenes Remake eines zeitlosen Klassikers. Wer gerade Kapazitäten für einen echten Zeitfresser hat, darf zugreifen!

Hersteller: Beamdog, Overhaul Games
Preis: € 8,99
Altersfreigabe: 12+ (App Store Richtlinie)
Note: 1,75 gut
Grafik (25%) 2,0
Sound (25%) 1,5
Mehrspieler (25%) 2,0
Bedienung (25%) 1,5
Vorzüge: hervorragende Bedienung, gelungenes Design, fesselnde Geschichte, abwechslungsreiche Charaktere
Nachteile: Zusatzinhalte kosten extra, Grafik nicht gut gealtert, „Schwarze Grube“ ziemlich monoton
Alternative: Aralon: Sword and Shadow HD (App-Store-Link), Secret of Mana (App-Store-Link)
Anforderungen: iPad 2 oder besser, iOS 6 (Support für iOS 5.1 angekündigt)
Testgerät: iPad 2
Bezugsquellen: App Store
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