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Test: Lemkesoft Graphic Converter 8.2

23.08.2012 | 09:02 Uhr |

Der Graphic Converter ist ein Urgestein auf dem Mac. Ein Fossil ist er freilich auch nach 20 Jahren nicht, vielmehr zeigt er sich besser als je zuvor.

Entwickler Thorsten Lemke kam vom Atari zum Mac und entwarf eigens für diesen Übergang ein Tool, mit dem sich Atari-Bilddateien in geeignete Mac-Formate konvertieren ließen. Seitdem gibt es den Graphic Converter als Shareware, mit der sich praktisch jedes bekannte Bildformat öffnen und in andere Bildtypen konvertieren lässt. Inzwischen hat sich der Graphic Converter deutlich weiter entwickelt und beherbergt eine ganze Reihe von Funktionen wie Filter und Effekte zur Bildverbesserung oder Verfremdung. Mit von der Partie ist auch ein übersichtlicher Bild-Browser mit einer Diaschau, die hübsche und variable Übergänge (Transitionen) bietet, sowie vielfältige Ausgabeoptionen, darunter die Möglichkeit, ganze Ordner von Bildern als Katalog zu drucken oder ins HTML-Website-Format zu bringen.

Geschickt hat Lemke die Core-Image-Filter von OS X in seine Bildbearbeitung integriert und dadurch den Funktionsumfang des Graphic Converter kostengünstig deutlich erweitert. Seit Version 7.5 gehört der automatische Xe-847-Filter zur Korrektur von Farben und Helligkeit zum Funktionsumfang dazu. Damit lassen sich auf überzeugende Weise Farbstiche und unnatürlich wirkende Belichtungsverhältnisse korrigieren. Möchte man dies mit einer schicken Bedienoberfläche auch manuell bewerkstelligen, kostet die erforderliche Lizenz allerdings 15 Euro extra. Meist wird dies jedoch nicht nötig sein. Durch den Erwerb dieses Filters hat der Graphic Converter in punkto Bildbearbeitung erheblich zugelegt.

Funktionsreich, aber unkomfortabel

Freilich kommt der Graphic Converter auch in Version 8.2 längst nicht so schick und intuitiv daher wie etwa Pixelmator. Nach den gewünschten Menüpunkten und Funktionen im Detail muss man oft ziemlich angestrengt suchen. Zudem unterstützt auch die aktuelle Version die Menüsuche nicht über die Hilfefunktion. Und dass sich hinter dem Medianfilter die Funktion zum Entfernen von Störungen verbirgt, muss man erst einmal herausfinden. Leider steht das auch nicht im aktuell mitgelieferten PDF-Handbuch von Hagen Hanke mit immerhin knapp 200 Seiten. So merkt man an vielen Details, dass der Graphic Converter mit Ingenieurskunst programmiert und gestaltet wurde, darin nicht unähnlich Photoline. Beide haben neben ihren oft beeindruckenden Funktionen eine wenig intuitive Bedienoberfläche. Immerhin sorgt dies dafür, dass man sich intensiv mit der Software auseinandersetzen muss. Belohnt wird man unter anderem damit, dass der Graphic Converter an praktisch keinem Format scheitert – über 200 Bildformate kann er öffnen und in 80 Formaten sichern. Er unterstützt 64 Bit und öffnet nun Bilddateien mit über 16 000 x 16 000 Pixel – in unserem Test geht das recht flott vonstatten. Gewissermaßen zum Ausgleich für die fehlende Menüsuche ist übrigens die Suche nach Dateinamen im Browser umso effektiver.

Keine Ebenen

Leider fehlen dem Graphic Converter wichtige Funktionen wie eine echte Ebenenunterstützung. So kann man im Graphic Converter 8.1 zwar mit Auswahlwerkzeugen und Alpha-Kanälen, nicht aber mit Ebenen und Ebenenmasken arbeiten. Allerdings bringt die von uns zuletzt getestete Version 8.2 eine Art rudimentärer Ebenenunterstützung, die optional aktivierbar ist. Damit lassen sich die importierten Ebenen gleichsam wie in einer Diaschau einzeln betrachten, aber nicht bearbeiten. Bis zum Redaktionsschluss gab es diese aktuelle Version noch nicht im Mac App Store, sie sollte dort aber bald erscheinen. Ferner vermissen wir einen Reparaturpinsel. Zwar ist ein Klonwerkzeug vorhanden, doch wünschte man sich für manche Bildstellen einen einfacheren Zugang für die Retusche. Dagegen gibt es besonders mit „Rote Augen Pro entfernen“ gute Werkzeuge für diesen Zweck, obgleich für manche Zwecke auch hier eine Automatik wie in iPhoto wünschenswert wäre. Die Möglichkeit, im Farbraum CMYK zu arbeiten, sowie Werkzeuge wie die Gradationskurve heben den Graphic Converter in den professionellen Bereich hinein. Das Scannen über die Twain-Schnittstelle klappt problemlos. Ab Version 8.2 kann man seine Produkte direkt bei Google+ oder per Flickr, aber nicht bei Facebook veröffentlichen.

Empfehlung

Mit dem Graphic Converter dürfte man bei kaum einer zu öffnenden Bilddatei verzweifeln. Selbst wenn man große Mengen von Bildern betrachten, bereitstellen oder in Stapeln nach bestimmten Kriterien konvertieren will, liegt man mit dem Tool von Thorsten Lemke goldrichtig. Zahlreiche Zusatzfilter, jetzt auch mit Unterstützung für Photoshop-Plug-ins, ersetzen in vielen Fällen eine weitere Bildbearbeitung, besonders in Ergänzung zu iPhoto. Insgesamt ist der Graphic Converter auch nach 20 Jahren ein mächtiges Tool, das Apple eine Zeit lang zu Recht seinen Rechnern beigelegt hat. Engagierte Bildbearbeiter sollten es zumindest probeweise auf ihrem Mac laufen lassen.

Graphic Converter 8.2

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