2160727

HDR-Bilder mit Aurora HDR Pro erstellen

07.12.2015 | 08:45 Uhr |

Macphun hat das Programm Aurora HDR Pro veröffentlicht, das aber mehr kann als Bilder mit hoher Dynamik zu produzieren.

Zahlreiche Smartphones beherrschen sie schon, aber manuell mit einer ordentlichen Kamera erhält hat man deutlich mehr Möglichkeiten: HDR-Fotografie (High Dynamic Range), die mit einem hohen Dynamikumfang arbeitet. Software berechnet aus verschiedenen Aufnahmen desselben Motivs mit Über-, Normal- und Unterbelichtung optimale Werte - HDR-Bilder zeigen daher einen deutlich höheren Dynamikumfang. Für den Mac hat Macphun ein neues Programm namens Aurora HDR Pro herausgebracht, dessen besonderer Reiz auch in den mitgelieferten Presets unter anderem vom Profi-Fotografen Trey Ratcliff liegt. Damit lassen sich Fotos auf ganz spezielle Weise ”frisieren” und eindrucksvoll gestalten. Wir haben Aurora HDR intensiv ausprobiert.

Einzelbilder und Presets

Doch zunächst benötigt man die entsprechenden Vorlagen – also Bilderserien mit Über-, Unter- und Normalbelichtung. Aurora HDR arbeitet zwar auch mit Einzelfotos, darauf kann man wie mit anderen Bildprogrammen Filterwirkungen und Effekte ansetzen, die ebenfalls sichtbare Verbesserungen beim Hervorheben von Strukturen und Beleuchtungswerten bringen können. Vor allem die mitgelieferten Filter und die genannten Presets darauf anzuwenden, macht schlichtweg Spaß, wenn man etwas experimentierfreudig ist. Doch benötigt man für solche Effekte selbstverständlich kein HDR-Programm.

Um ohne weitere Vorbereitungen erste direkte Erfahrungen zu sammeln, kann man beim Start des Programms ein Beispielbild von einer City-Skyline mit drei unterschiedlichen Belichtungen laden. Dabei hat man jeweils die Optionen zum Ankreuzen zur Verfügung: "Alignment", wenn man etwa drei Bilder ohne Stativ gemacht hat und diese nicht genau deckungsgleich sind. "Ghosts Reduction", was praktisch ist, wenn sich auf der Aufnahme bewegliche Objekte oder Menschen befinden. Und schließlich "Chromatic Aberration Reduction", wenn es im Bild auffällige farbliche Abweichungen (wie Farbsäume) gibt.

Um es vorweg zu nehmen: die Funktion, leicht unterschiedliche Aufnahmen desselben Motivs zu kombinieren und fast nahtlos zu vereinen, beherrscht Aurora HDR Pro in unserem Test sehr gut. Trotzdem ist es in der Regel besser, ruhige Motive vor der Kamera zu haben respektive möglichst ein Stativ zu verwenden. In einem Fall konnten zunächst sämtliche Verbesserungsversuche nicht helfen, unser Vorgartenzwerg auf einem arrangierten Bild trug von seiner roten Zwergenmütze ein geisterhaftes Abbild, obwohl das Motiv statisch aufgenommen war. Doch mitten in unsere Versuche hinein als ”work in progress” erschien das Update auf Version 1.1.0, und das Problem war gelöst, die ”Geistermütze” verschwunden, was offenbar an der neuen Option zur Wahl eines Referenzbildes aus den drei verfügbaren liegt. Sehr schön!

Beeindruckende Ergebnisse – und eine Einschränkung

Die verschiedenen Prozesse wie HDR Merging und Tone Mapping verlaufen selbst auf unserem gut fünf Jahre alten iMac (Mid-2010, i3 mit 3,2 GHz und 8 GB RAM, Grafikkarte 512 MB VRAM) relativ flott, das bedeutet in deutlich weniger als einer Minute, je nach Komplexität des Motivs oder welche der oben beschriebenen Funktionen man hinzu gewählt hat. Das Ergebnis ist ein leuchtendes, in den Farben etwas künstlich wirkendes Bild einer Stadt mit Hochhäusern und Fluss. Doch alle Details und Strukturen sind sehr gut zu erkennen. Wer mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann nun mit den vielfältigen Werkzeugen der Bildbearbeitung von Macphun arbeiten. Das geht übrigens direkt im Programm als Stand-alone oder auch als Plug-in für Bildbearbeitungen wie Photoshop, Aperture, Lightroom & Co. Aurora HDR Pro fahndet nach der Installation automatisch nach passenden Bildprogrammen. Über die Hilfe-Funktion kommt man direkt auf eine Internetseite , auf der die diversen Schieberegler kurz beschrieben sind. Sehr empfehlenswert dort ist ein Tutorial-Video vom "Meister" Trey Ratcliff persönlich, der anhand der Beispielbilder die vielfältigen Funktionen des Programms vorstellt. Der Haken dabei: Bedienoberfläche, Erklärungen auf der Website, im Video oder auch das PDF-Handbuch komplett nur auf Englisch verfügbar sind.

RAW-Variationen und Profioptionen

Nun probieren wir es mit eigens erstellten Aufnahmen und fotografieren ausgewählte Motive mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und/oder Verschlusszeiten als Bilder im RAW-Format, die nach klassischer HDR-Lehre mal unterbelichtet, mal normal und dann überbelichtet sind. Außerdem machen wir ein Vergleichsbild im Automatikmodus im JPEG-Format. Es zeigt sich, dass Aurora HDR zwar nicht immer sofort, aber mit ein bisschen Nacharbeit beeindruckende und kontrastreiche Resultate bringt, die über den Ergebnissen eines herkömmlich geschossenen Fotos liegen.

Die Vielfalt der Schieberegler und Werkzeuge mit mehreren Unteroptionen finden wir etwas verwirrend, die Effekte sind im Vergleich nicht unmittelbar klar. Nur wer sich genau auskennt, wird davon maximal profitieren. Doch die vielen Presets, in der aktuell von uns getesteten Version 1.1.0 noch mit dem neuen ”Realistin HDR”, sind stets ein guter Ausgangspunkt, zudem sie alle kleine Vorschaubilder bieten.

Insgesamt bietet die Bildbearbeitung umfassende Möglichkeiten, ein Bild zu verbessern und anzupassen, darunter auch professionelle wie die Gradationskurve, das Werkzeug zum Rauschvermindern (Denoise), welches zwar flott und effektiv arbeitet, aber dazu neigt, die entsprechenden Ausschnitte unscharf zu stellen. Nicht umsonst wohl bietet Macphun vorübergehend in einem ”Holiday Bonus” das (eigenentwickelte) Tool Noiseless CK  im Paket an. Dazu kommen die Optionen zum Arbeiten mit Ebenen, Maskierungen sowie zum Exportieren eines Bildes auch als PSD und in den Farbräumen sRGB, Adobe RGB und Pro Photo RGB. CYMK findet jedoch keine Unterstützung.

Preise und Verfügbarkeit

Die Systemvoraussetzungen liegen bei mindestens OS X 10.9.5 (Intel 64 Bit-Mac), der Preis beträgt 99 US-Dollar, die deutlich einfacher gestrickte Version aus dem Mac App Store (die zum Beispiel keine Ebenen bietet) schlägt mit 40 Euro zu Buche. Demoversionen gibt es auf der Website des Anbieters nach Registrierung mit Namen und E-Mail-Adresse.

Empfehlung Macphun Aurora HDR Pro

Dies ist ein erster intensiver Blick, kein umfassender Test des neuen HDR-Tools Aurora von Macphun. Es zeigt sich, dass man mit dieser Bildbearbeitung digitale Fotos gut bearbeiten und verbessern kann. Vieles davon geht jedoch auch mit Programmen, die man vermutlich schon auf der Festplatte hat, wie Photoshop, Photoshop Elements oder Lightroom. Mit diesen Apps fungiert Aurora HDR aber auch gut als Plug-in. Seine Stärken spielt es aus bei echten HDR-Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungen desselben Motivs. Wer sich die Mühe dazu gern macht oder beruflich darauf angewiesen ist, findet mit Aurora HDR Pro ein gutes Werkzeug, um auch RAW-Formate wirkungsvoll zu bearbeiten und zumindest in Pro Photo RGB zu exportieren. Wie immer finden sich viele unterschiedliche Erfahrungen und Kommentare durch User bei Macupdate.com , die ebenfalls einen Blick wert sind. Eindrucksvoll ist, wie flott hier die Entwickler direkt reagieren und Abhilfe versprechen. Auch Support ist ein wichtiges Kriterium beim Anwenden und Kauf eines brandneuen Programms auf dem Markt.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2160727