1034379

Test Photoshop Plug-In Magic Bullet Photo Looks 1.0

26.04.2010 | 10:56 Uhr |

Das Photoshop-Plugin Photo Looks von Magic Bullet Photo stattet Einzelbilder mit Film- und Videolooks aus. Das ungewöhnliche Zusatzmodul kann dafür auch HDR-Bilder in 32 Bit floating point verarbeiten. Die Effekte sind beeindruckend.

Photo Looks, hier mit dem aufgeklappten Preset-Bereich, bringt Looks und Grading-Effekte aus dem Film- und Videobereich in die Photoshop-Welt.
Vergrößern Photo Looks, hier mit dem aufgeklappten Preset-Bereich, bringt Looks und Grading-Effekte aus dem Film- und Videobereich in die Photoshop-Welt.

Red Giant Software, der Hersteller des hier besprochenen Photoshop-Zusatzmoduls Magic Bullet Photo Looks 1.0 ist eigentlich im Bereich Effekte-Software für Video und Kino beheimatet. Mit Photo Looks bringt er nun seine Tools für Bildeffekte und Bild-Looks in den Bereich der "Standbilder", der fotografischen Einzelbilder. Photo Looks ist darauf ausgerichtet, Bildern ein cinematografisches Aussehen zu verleihen, und basiert dabei auf einem Modell mit Kamera, Filtern, Objektiveigenschaften und Filmverarbeitungstricks. Dieses soll laut Hersteller den Weg des tatsächlichen Lichts nachberechnen und damit eine sehr hohe Renderqualität der resultierenden Looks erzielen. Seine Herkunft aus der Videoeffekte-Welt kann Photo Looks nicht verleugnen. So ist an verschiedenen Stellen von frames (Einzelbildern von Videos) die Rede und auch einige Tools erinnern an die Video-Postproduktion. Photo Looks entspricht in seiner Funktionälität weitgehend dem Programm Looks, seinem Bruder für Bewegtbilddateien, das sich als Plugin für After Effects und Final Cut Pro einsetzen lässt.

Die 32 Werkzeuge von Photo Looks sind alle regelbar, die meisten davon lassen sich auch in der Belichtung kompensieren.
Vergrößern Die 32 Werkzeuge von Photo Looks sind alle regelbar, die meisten davon lassen sich auch in der Belichtung kompensieren.

Das englischsprachige Interface von Photo Looks, der Looks Builder, gliedert sich im Wesentlichen in drei Bereiche. Links vom Vorschaubereich sind in einem via mouseover aufklappbaren Bereich 102 Vorgabe-Looks unterteilt nach Themenbereichen versammelt. Die Vorgabe-Looks lassen sich anhand von Miniaturen des geladenen Bilds betrachten und bei Gefallen in das Herzstück von Photo Looks, der Tool Chain, laden. Hier sind die einzelnen Effekte entsprechend des Lichtwegs vom Motiv über Matte-Filter, einen Objektivbereich, der Kamera-Verarbeitung bis schließlich zu Postpro-Effekten angeordnet und werden nach dieser Reihenfolge auch gerendert. Rechts vom Vorschaubereich sind die Tools selber angeordnet, und von hier zieht man einzelne Tools in die Tool Chain. Ist dort ein Tool aktiviert, kann man es im rechten unteren Bereich des Interfaces genauer einstellen. Die optionale Regelung über Tastatur ist jedoch auf das US-amerikanische Keyboard ausgerichtet und mit einem deutschen Keyboard nur teilweise möglich.

An Tools selber zählt das Smart-Filter-fähige Photo Looks 32 verschiedene Effekte und Bildeinstellungswerkzeuge, von Verlaufsfiltern und Farbüberlagerungen über Füllicht bis hin zu Spezial-Objektiveffekten wie einen Shift-and-Tilt-Effekt. Bei vielen der Tools läst sich auch die Belichtung steuern, und das in der feinen Abstufung der 32-Bit-Arbeitsfarbtiefe. Einige der Effekte wie der Lift-Gamma-Gain sind für Anwender, die nicht aus der Videoeffekte kommen, in ihrer Anwendungsweise etwas schwer zu verstehen und insbesondere die Kombination von Filtern wird schnell zu einem Unterfangen, das etwas Einarbeitung voraussetzt. Eigene Tool-Kombinationen lassen sich speichern, werden allerdings nicht in den Presets aufgelistet.

32-Bit-Effektmaschine

Im Tool Chain stellt Photo Looks die Effekte entsprechend des Wegs des Lichts dar.
Vergrößern Im Tool Chain stellt Photo Looks die Effekte entsprechend des Wegs des Lichts dar.

Die Dateiunterstützung ist außergewöhnlich: Photo Looks versteht sich nicht nur auf RGB-Bilder mit 8 oder 16 Bit Farbtiefe pro Kanal und auch anamorphe Bildformate, sondern kann nativ mit 32-Bit-HDR-Bilddateien umgehen. Photo Looks ist damit das wohl erste Effekte-Plugin für HDR-Bilder - und seine Verarbeitungs-Bittiefe ist für alle Bilddateien 32-Bit floating point. Bilder mit geringeren Farbtiefen werden beim Öffnen in Photo Looks in 32 Bit gewandelt und nach Rendern der Effekte in die ursprüngliche Bittiefe zurück konvertiert. CMYK- und Lab-Modus versteht Photo Looks jedoch nicht (es kann zwar, eher "unbeabsichtigt" 16-Bit-Lab und -CMYK verarbeiten, aber nur mit Farbverfälschungen im Ergebnis). Bei RGB-Farbräumen beschränkt sich Photo Looks 1.0 nur auf sRGB. Erst zukünftige Versionen sollen auch andere Arbeitsfarbräume wie Pro Photo RGB oder Adobe RGB unterstützen. Trotz der hohen internen Verarbeitungs-Bittiefe ist das Rendern der Vorschauen und Look-Miniaturen erstaunlich schnell. Selbst bei vielen in der Tool Chain angereihten Effekten schafft Photo Looks die Effektdarstellung dank GPU-Unterstützung praktisch in Echtzeit, und das auch bei größeren Bilddateien von im Test bis 200 MB. Erst das finale Rendern kostet je nach Look etwas Zeit.

Empfehlung

Photo Looks bringt neuen Wind in die Plugin-Szene für Photoshop. Einsteiger werden viele vorgefertigte Effekte finden, mit denen sich Looks und Gradings aus der Video- und Filmwelt auf große Einzelbilder übertragen lassen. Für eigene Effekte muss man sich etwas in Photo Looks einarbeiten, wird dafür aber von der guten Qualität der Effekt-Renderings belohnt. Ein 64-Bit-Update für Photoshop CS5 will Red Giant Software noch diesen Sommer veröffentlichen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1034379