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Test Poser 8: 3D-Figuren aller Art schnell erstellen

24.09.2009 | 13:26 Uhr |

Als Komplettlösung für die Herstellung von 3D-Figuren aller Art bewirbt nun der seit Version 7 verantwortliche Hersteller Smith Micro die neue Ausgabe von Poser 8. Ungewöhnlich ist, dass ein Hersteller für Faxsoftware und Kompressionswerkzeuge sich dem Thema Figurenanimation annimmt. Dennoch finden sich seit geraumer Zeit verschiedene Grafik- und 3D-Designtools im Portfolio von Smith Micro, sodass genug Potential für eine Weiterentwicklung von Poser vorhanden zu sein scheint.

Poser-Anwender platzieren aus einer Bibliothek vorgefertigte Figuren aller Art in einer 3D-Szene. Anschließend werden nach Belieben Haare und Kleidung mit der Figur kombiniert. Um die Poser 3D-Szenen zu beleben, fügt man Lichter und Kameras hinzu, sowie die "Props" getauften Szenebestandteile wie Stühle, Tische, Fahrzeuge, Häuser. Mittels des Walk-Designers gelingt die automatisierte Herstellung von laufenden oder rennenden Figuren. Wer möchte, kann eigene Gesichter aus Fotografien automatisch generieren. Alle Lichter und Kameras sind animierbar. Die Resultate lassen sich als Standbild und Filmdateien ausgeben. Auch die Kombination von Poser Elementen mit importierten Filmschnipseln ist möglich. Für die Weiterverarbeitung lassen sich 3D-Figuren in andere Programme exportieren.

Figuren, Tiere und Bewegungsabläufe erstellt der Anwender in Poser 8 im Handumdrehen. Der neue Renderer für die Berechnung globaler Illumination sorgt für zeitgemäße Bildausgabe. Einziger Haken ist, dass manche Interface Elemente nach wie vor praktisch unbeweglich sind. Beispielsweise ist der Material-Editor fast unbenutzbar, wenn man die Material-Knoten verschieben möchte. Zudem gestaltet sich der Kauf des Programms schwierig. Wählt man im Online-Shop die Downloadoption, müssen etwa viereinhalb Gigabyte den Weg auf die Festplatte finden. Das ist in DSL-Zeiten eigentlich kein Problem. Wenn aber der Hersteller die Daten nur mit knapp 30 Kilobyte in der Sekunde zur Verfügung stellt und sich Verbindungsabbrüche hinzugesellen, wird das Laden zum Geduldsspiel. Daher sind ein paar Dollar extra für einen DVD-Versand gut angelegtes Geld.

Benutzeroberfläche gestrafft

Neben Funktionsverbesserungen hat sich der Hersteller um die obligatorische Überarbeitung der Benutzeroberfläche bemüht, die in Vorversionen mitunter wie ein Gemischtwarenladen wirkte. Dabei sind - wie in vielen vergleichbaren Programmen inzwischen üblich - Paletten zu einer homogenen Programmoberfläche zusammengefasst worden. Bereiche können innerhalb der Oberfläche skaliert und zu individuellen, durch Reiter getrennte Funktionsbereiche zusammengestellt werden. Die Werkzeuge und Symbole sind platzsparend komprimiert. Mit verschiedenen Knöpfen können Bereiche herausgelöst oder umgruppiert werden. Ist "Drag-Docking" aktiviert, können Paletten an die gewünschte Position per Drag-and -Dop verschoben werden. Eine farbige Markierung zeigt die Zielposition an. Die durch Reiter getrennten Arbeitsbereiche, die den Arbeitsablauf strukturieren sollen, wie Pose, Material, Setup und Hair sind nach wie vor vorhanden. Die schwebenden Paletten sind nun in das Interface eingefügt, lassen sich aber bei Gelegenheit wieder herauslösen. Die Oberfläche erinnert jetzt mehr an typische 3D-Programme. Die Open-GL-Vorschau der Arbeitsfenster ist verbessert worden. In der beschleunigten Ansicht können jetzt bis zu acht Lichtquellen in Echtzeit dargestellt werden. Mittels der MIP-Mapping getauften Funktion (multum in parvo - viel auf kleinem Platz) wird die Auflösung von Texturen dynamisch zum Betrachtungsabstand im 3D-Fenster angepasst, was ebenfalls in verbesserter Darstellungsgeschwindigkeit resultiert.

Erweiterte Bibliothek

Obligatorisch sind bei jedem Poser Update neue Figuren in der Bibliothek. Acht an der Zahl finden sich in der vorliegenden Version. Dazu gehören Varianten der weiblichen Figur Alyson und Varianten der Figur Ryan sowie ein neuer Hund. Die neuen Figuren unterscheiden sich in der Detailtiefe nicht wesentlich von den Figuren aus Poser 7, jedoch bieten sie eine Reihe mehr Einstellregler für die Variation der Körperteile. Praktischer Weise lassen sich Figuren ohne lästige Rückfragen der Szene hinzuaddieren oder bequem auswählen und entfernen. Eine Andy genannte Gliederpuppe soll als Grundeinstellung mit reduzierter formaler Ästhetik den Einstieg in die Figuren-Mechanik erleichtern. Mediziner und Infografiker können endlich auf ein einigermaßen brauchbares Skelett zurückgreifen. Zu den Figuren Alyson und Ryan liegt ein so genanntes "Conforming Skeleton" vor. Die Besonderheit dieses Skeletts soll die Übereinstimmung mit den Körperkonturen der neuen Figuren sein. Sofern Figuren gleichen Namens platziert sind, lassen sich in Kombination mit dem passenden Skelett Grafiken herstellen, bei denen das Skelett semitransparent unter der Haut durchscheint. Dazu gibt es eigens für diesen Zweck geschaffene Materialkombinationen in der Poser-Materialbibliothek. Leider passt das Skelett bei Ryan nicht auf Anhieb - kleine Anpassungen des Benutzers bei der Position der Beinknochen sind erforderlich. Auch bei der Figur Alyson klappt die Kombination aus Körper und Figur nicht sofort. Man fragt sich, warum der Hersteller das nicht vorher ausprobiert hat.

Ein Problem bei jeder Weiterentwicklung von Poser ist die Rückwärtskompatibilität der Figuren. Denn in der Poser-Bibliothek finden sich Figuren und Szeneelemente zurück bis zu Version 1. Das hat zur Folge, dass der Anwender nicht mehr weiß, ob Bestandteile wie Haare oder Kleidung mit der ausgewählten Figur zusammenpassen. Letztendlich passen am Besten die aktuellen Bestandteile zusammen. Mittels eines Phyton-Scripts sollen sich auch nicht auf Anhieb passende Kleidungsstücke an die neuen Figuren anpassen lassen, was bei unseren Versuchen schlicht nicht funktionierte. Selbst die empfohlene Installation des "Poser Hotfix" brachte keine Verbesserung.

Umfangreiche Bibliothek

Um menschliche Figuren, Tiere oder andere Szenebestandteile zu verwalten, mussten sich Anwender bis dato mühsam durch die überbordende Vielfalt der Poser-Elemente wühlen. Eine neu eingebaute Suchfunktion hilft jetzt den Überblick zu behalten. Wer sich über die Vorschausymbole orientieren möchte, muss einen einzelnen Mauskick auf den Listeneintrag machen, der die Vorschau dann vergrößert. Mit den Pfeiltasten lässt es sich dann durch die Listen navigieren. Poser 8 möchte die 3D-Szenerie komplett gestalten. Im Library finden sich viele vorgefertigte und texturierte Alltagsgegenstände wie Werkzeuge, Sitzgelegenheiten oder Autos. Im Content-Paradise getauften Bereich des Librarys sammelt der Poser-Designer die über den gleichnamigen Online-Shop kostenpflichtig zu erwerbende 3D-Elemente.

Durch manipulierbare Wirkbereiche von Körpergelenken, lässt sich die Verformung der Haut bei Bewegungen feiner einstellen. Für jede Art der Gelenkbewegung oder Drehung lassen sich solche Wirkbereiche definieren. Unter "Windows > Joint Editor" ruft man die Palette für diese Einstellungen auf. Mit dem Befehl "Falloff Zones > Add…" kann wahlweise ein sphärischer oder kapselförmiger Wirkbereich festgelegt werden. Zusätzlich lassen sich die Wirkbereiche miteinander kombinieren oder gegenseitig ausschließen. Die Falloff-Zones werden über die Poser-Werkzeuge oder die Parameter Palette bearbeitet.

Um die Erscheinung der Figuren zu bearbeiten, kommen Schieberegler für die verschiedenen Körperteile zum Einsatz. In Poser 8 ist es möglich, Regler herzustellen, die mehrere Körperteile gleichzeitig beeinflussen. Beispielsweise kann Muskulatur simuliert werden, die sich verändert, wenn sich Körperteile bewegen.

Um für die Bildberechnung die Unterstützung der indirekten Beleuchtung zu aktivieren, öffnet man die Render Settings. Im Bereich Firefly wechselt man zu den "Manual Settings". Nun setzt man im Eintrag "Indirect Light" einen Haken. Mittels des "Quality"-Schiebereglers reguliert man die Qualität, bei gleichzeitig zunehmender Berechnungsdauer. Dort kann übrigens auch die Größe der Ränder-Blöcke verändert werden. Auf schnellen Rechnern sollte man die Blöcke im Verhältnis zur Grundeinstellung vergrößern. Eine zuschaltbare Option zur exponentiellen Tonwertverteilung kann die Bilddarstellung verbessern. Die Abnahme von Licht ist über erweiterte Einstellungen Licht-Eigenschaften zusätzlich variierbar.

Empfehlung

Poser ist eine Software für die Ausrichtung und Animation von Figuren, die mit zahlreichen Hilfsmitteln auch die Gestaltung ganzer 3D-Szenen ermöglicht. Das Programm eignet sich für diejenigen, die oft Grafiken von Menschen oder Tieren erstellen, beispielsweise für Infografiken oder Bewegungsabläufen.

Die Oberfläche von Poser 8 integriert nun Paletten und Werkzeuge in einer homogenen Benutzerschnittstelle. Die Bibliothek lässt sich nach Stichworten durchsuchen. Auf Wunsch kann man die Funktionsbereiche umgruppieren oder herauslösen.
Vergrößern Die Oberfläche von Poser 8 integriert nun Paletten und Werkzeuge in einer homogenen Benutzerschnittstelle. Die Bibliothek lässt sich nach Stichworten durchsuchen. Auf Wunsch kann man die Funktionsbereiche umgruppieren oder herauslösen.
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