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Bragi The Dash - Kabellose In-Ear-Kopfhörer mit Siri-Ansage

15.12.2016 | 09:20 Uhr |

Während Apples AirPods sich endlich vorbestellen lassen, haben wir mit ”The Dash” schon mal Musik gehört und per Wangentippen Siri oder Google Now aufgerufen.


Update: Wir haben auf den Hinweis des Herstellers die Beschreibung mit der deutschen Version der App und der dafür notwendigen Software " Desktop Updater " erweitert.

”The Dash” vom Münchner Hersteller Bragi kommt schon mit seiner Verpackung äußerst ansprechend daher und entfaltet automatisch eine kleine ”Unpacking-Prozedur”: Ein für die kleinen Ohrhörer recht großer schwarzer Kasten enthält eine Schicht von Pappe mit Fenstern, die man wie die Seiten eines Buchs nacheinander aufblättert und dabei auf Englisch diverse Informationen über die Bedienung und den Anschluss der neuen Gadgets erhält. Im Hinblick auf umweltfreundliche und nachhaltige Verpackung mag dies eher kritisch zu betrachten sein, aber ein prickelndes Gefühl vermittelt es doch. Schlussendlich enthält die Verpackung neben den beiden drahtlosen Ohrhörern, die verheißungsvoll vor sich hin blinken, eine USB-Ladeschale, die auch einige Stunden ohne Stromanschluss weiter auflädt. Und ein USB-zu-Mikro-USB-Kabel, verschiedene – etwas unhandliche – ”FitSleeves” für die Ohrhörer zum besseren Sitz bei größeren Ohreingängen sowie eine Aluminium-Aufbewahrungsschutzhülle, ”The Slide” genannt. Unsere direkt vom Hersteller zugesandten Test-Ohrhörer sind schon aufgeladen und einsatzbereit.

Sofort startbereit

Das Besondere: Auch ohne Verbindung mit der Bragi-App lassen sich die Ohrhörer nutzen, sie bieten nämlich etwa 3,5 GB freien Speicherplatz, die wir auf dem Mac oder PC zunächst mit ein paar Liedern (MP3 oder AAC ohne DRM) in unterschiedlichen Playlists befüllen. Diese lassen sich dann recht einfach über das ”EarTouch Interface” anstoßen, indem man auf den rechten Ohrhörer einmal tippt. Zweimal tippt man für den nächsten Song, die Lautstärke reguliert man durch hin und her Wischen nach oben oder nach unten. Beim linken Ohrhörer stellt man dagegen durch Wischgesten die sogenannte Audio-Transparenz samt ”Windshield” ein oder aus oder erhält Feedback zu den Aktivitäten. Einen durchschlagenden Effekt haben wir dabei nicht wahrgenommen, grundsätzlich fühlt man sich mit den beiden Ohrstöpseln von der Außenwelt ziemlich ausgeschlossen. Was zum Musikhören natürlich prima ist. Der Klang ist ebenfalls gut, auch Bässe kommen ausreichend zum Tragen.


The Dash und die Apps-Kontrolle

Noch spannender wird es freilich mit der entsprechenden iOS- oder Android-App , mit der sich nach erfolgreicher Bluetooth-Kopplung diverse Einstellungen vornehmen lassen. Dazu wird man durch eine freundliche weibliche Stimme unterstützt – freilich nur auf Englisch, was unter Umständen etwa bei der Eingabe des gesprochenen Codes für die Kopplung zum Audio-Streaming (was nach der allgemeinen Bluetooth-Verbindung einen eigenen, zweiten Prozess bedeutet) eine gewisse Hürde sein kann. Es gibt jedoch eine deutsche Version der gesprochenen Anweisungen, diese muss sich der Nutzer über die Software Desktop Updater extra laden. Die geschriebenen Anweisungen auf der App selbst sind weitgehend auf Deutsch, die Hilfe und die an sich sehr guten Tutorial-Videos aber wieder nur auf Englisch verfügbar. Gerade ein Hersteller, der seinen Sitz in München hat, sollte an dieser Stelle etwas mehr auf seine deutschsprachige Kundschaft achten. Dies gilt auch für die schicke Verpackungshülle mit den nur englischsprachigen Anweisungen. Diese sind zwar leicht zu verstehen, aber ein kleines Heftchen oder zumindest ein Online-Manual auf Deutsch wäre wünschenswert.

Sensorik: Von Fitness bis Siri

Zu den Einstellungen gehört etwa, ob man sich beim Einsetzen der Ohrhörer die Zeit (”natürlich” auf Englisch) ansagen lässt, oder ob die beiden ”Dashs” blinken – was je nach Kontext und Geschmacksrichtung entweder cool oder albern wirkt. Hier findet man auch die Anzeige der Herzfrequenz (optional), kann Schritte und Kalorienverbrauch ebenso messen wie Bewegungen beim Schwimmen –  The Dash, was laut Hersteller so viel wie ”etwas machen” oder einen Anklang an ”dashboard”/Armaturenbrett enthält, soll bis zu 1 Meter Tiefe wasserfest sein (wir haben das aber nicht getestet): Auch beim Fahrradfahren bleibt der Hörer im Ohr. Für diese sportlichen Zwecke hat Bragi seinen Kopfhörern eigene Sensoren eingebaut, die Ergebnisse lassen sich auch etwa mit der Apple-Gesundheitsapp Health kombinieren, und die Aufzeichnung direkt über die kleinen Touchpads an den Ohrhörern starten.

Nun wollen wir aber auch Musik von unserem Test-iPhone (iPhone SE) über iTunes hören, später wiederholen wir das mit einem Sony-Androidphone und Google Play Music.

Da passiert zunächst nichts. Erst nach einer erneuten Kopplung durch fünfsekündiges Drücken des rechtes Ohrhörers und der Eingabe eines Codes in den Systemeinstellungen klappt es. So dass wir unser ”Tom’s Dash” im iPhone gleich zweifach eingetragen finden. Doch was soll's, es funktioniert nun sehr gut, und beim nächsten Mal ist die Verbindung sofort da. Diese hält auch über Bluetooth sehr stabil. Einschränkungen durch das Tragen des iPhones in der Hintertasche oder auch über Räume hinweg, wie von manchen Nutzern hier und da berichtet, können wir jedenfalls nicht feststellen. Allerdings hören wir manchmal auf dem linken Ohr keine Musik, obwohl beispielsweise die englischsprachige Stimme bei entsprechenden Befehlen klar zu hören ist. Woran das liegt, konnten wir nicht klären.

Insgesamt sitzen die Dash-Ohrhörer gut, wenn man erst einmal den Dreh heraus hat. Das müssen sie aber auch, denn wenn sie einmal herausfallen, sind sie durch nichts mehr geschützt, wenn sie etwa auf den Boden fallen. Oder gar verloren gehen. Bei kleineren Ohren finden sie aber nur schwer ihren stabilen Weg dort hinein, wir haben das ausprobiert. Und selbst beim Tester, wo sie zuverlässig Halt finden, stellt sich nach einiger Zeit doch ein unangenehmes, leicht drückendes Gefühl in den Ohrhöhlen ein. Daran mag man sich ebenso gewöhnen wie an die unterschiedlichen Gesten und das Tippen für die Bedienung – vielleicht aber auch nicht. Ein bisschen ist das vergleichbar, als würde man Ohropax tragen. Aber das ist eine sehr subjektive Wahrnehmung, die hier trotzdem mitgeteilt sei.

Siri und Google Now per Wangentap


Ganz gespannt waren wir natürlich auf eine wirklich coole Funktion, die mit dem jüngsten Firmwareupdate von Bragi-OS auf 2.1 oder jetzt 2.2 erfolgen sollte. Und tatsächlich, es funktioniert sehr zuverlässig. Wir tippen uns zweimal auf die rechte Wange in Nähe der Ohrhörer, dann meldet sich Siri, respektive unter Android startet Google Now. Hören wir Musik, wird diese eigens für Siri oder Google Now unterbrochen. Unsere Frage stellen wir, auch wenn das Smartphone in der Tasche ist, problemlos über die Mikrofone der Ohrhörer. Ungünstig ist es in solchen Situationen zwar, wenn Siri oder Google Now mit dem Hinweis auf eine Website antworten, die man selbst lesen müsste. Doch für viele Auskünfte erhält man eine direkte Aussage, oder es werden wie gewohnt die Anfangssätze eines Wikipedia-Artikels vorgelesen. Praktisch sind auch Funktionen wie das Annehmen eines Telefonanrufs durch Nicken oder das Ablehnen desselben durch Kopfschütteln, dies lässt sich in der Bragi-App aktivieren. Die Akkus (110 mAh) halten übrigens etwa drei Stunden durch, für zusätzliche Ladung sorgt das erwähnte leicht transportable Aluminium-Case, das die beiden Ohrhörer auch ohne Anschluss an den Mac oder PC eine Zeit lang frisch mit Strom versorgen kann. 


Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit


Viel außer der Verpackung von Bragi mit ”The Dash” benötigt man nicht – um Musik zu hören, nutzt man zur Befüllung die USB-Verbindung zum Mac oder PC. Außerdem braucht man ein bisschen frei verfügbares Geld auf seinem Konto – denn 300 Euro, die The Dash etwa bei Amazon.de   kosten, sind keine Kleinigkeit. Schade, dass man speziell die Sitzqualität in den Ohren vorher nicht testen kann – außer, man macht gegebenenfalls von seinem Rückgaberecht Gebrauch. Im Bragi Onlinestore   gibt es The Dash auch in Weiß sowie weitere Modelle und Zubehör. Das Smartphone (beispielsweise iPhone ab 4S, Android-Handys ab 4.3) sollte Bluetooth 4.0 ebenso wie Bluetooth LE unterstützen: Die genauen technischen Daten gibt es hier.

Fazit und Empfehlung

Der Coolness-Faktor des auch auf Kickstarter beworbenen Projekts ist ohne Zweifel groß, wenn man etwa Siri auf seinem iPhone oder Android-Handy durch Doppeltippen mit zwei Fingern auf die rechte Wange aktiviert und freihändig mit dem Apple-Assistenten respektive Google Now spricht. Auch die Bedienung der Playlist oder von Lautstärke und Audio-Transparenz durch Tippen und Wischgesten gelingt nach etwas Eingewöhnungszeit intuitiv und ist dann auch sehr alltagstauglich. Insgesamt ist das Produkt sowohl auf ”cool” und praktisch getrimmt. Beides darf man bei dem Preis auch erwarten.

Die Firmware-Updates mit zusätzlichen Funktionen zeigen zudem, dass der Hersteller Interesse hat, seine Ohrhörer und das zugehörige Bragi-OS auch weiter zu entwickeln. Nicht alles funktioniert gleich reibungslos, aber das Potenzial ist hoch, und wer viel unterwegs ist, hat davon eindeutig Vorteile – sofern einen die Ohrhörer in den Ohrmuscheln nicht stören und auch nicht, dass diese ein bisschen herausragen, wie das berühmte ”Knopf im Ohr”, nur auf beiden Seiten. Zweifellos aber hat Bragi mit ”The Dash” ein Produkt entwickelt, das sich sehen und hören lassen kann.

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