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Call of Duty: Strike Team im Test für iPhone und iPad

16.12.2013 | 11:00 Uhr |

Ehemalige Rockstar-Entwickler spendieren dem Call-of-Duty-Universum eine pfiffige Taktikkomponente – und treffen damit voll ins Schwarze, wie der Test zeigt!

Das Spiel kam praktisch aus dem Nichts: Vollkommen überraschend veröffentlichte Activision Anfang September 2013 mit Call of Duty: Strike Team einen frischen Serienableger für iOS-Geräte. Ebenso unbekannt war bis dato der Schöpfer - trotz zahlreicher namhafter Mitarbeiter: The Blast Furnace besteht größtenteils aus ehemaligen Rockstar-Entwicklern, die bereits an Hochkarätern wie Max Payne schraubten und damit Glanzpunkte in der Videospielgeschichte setzten. Auch dem neuesten Call-of-Duty-Ableger spendieren die Schöpfer eine ganz eigene Note.

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Gefährliche Weltreise

Zu Beginn merkt man davon allerdings nicht viel. Die Story ist serientypisch, das Abenteuer spielt im Black-Ops-2 -Universum: Im Jahr 2020 sorgen Anschläge der Terrororganisation Cordis Die weltweit für Chaos - es kommt zu gefährlichen Spannungen zwischen den Großmächten USA, Russland und China. Eine Spezialeinheit der US Army soll für Ruhe sorgen und die führenden Köpfe der Terrorverbindung ausschalten. Die 15 Missionen des spannenden Abenteuers führen Spieler an den Polarkreis, nach Afghanistan und Kowloon. Erzählt wird die Geschichte mithilfe kurzer, in Spielegrafik gehaltener Sequenzen. Die wirken allerdings weitaus unspektakulärer als die aufwendigen Filme der PC- und Konsolenableger. Wer hier ein serientypisches CoD-Spektakel erwartet, wird enttäuscht.

Auf dem Schlachtfeld angekommen, erscheint dagegen zunächst alles beim Alten. Aus einer Ego-Perspektive steuert man die Spielfigur mithilfe virtueller Sticks durch die feindverseuchten Szenerien. Über zahlreiche auf dem Bildschirm eingeblendete Knöpfe lassen sich Waffen wechseln, Schüsse abfeuern, Haltungen der Spielfigur ändern, et cetera. Die Benutzeroberfläche ist eingängig und die Steuerung geht gut von der Hand. Jedoch vermissen Kenner die Präzision eines echten Joypads - die Eingaben über den Touchscreen sind vor allem während hektischer Kampfsituationen vergleichsweise fummelig, trotz praktischer Zielhilfe.

In der Ego-Perspektive spielt sich Strike Team wie ein klassischer Shooter.
Vergrößern In der Ego-Perspektive spielt sich Strike Team wie ein klassischer Shooter.

Tödliches Teamplay

Der große Clou des Spiels sorgt steuerungstechnisch jedoch für Abhilfe: Beinahe zu jeder Zeit lässt sich die Ansicht wechseln: von der Ego- in die Vogelperspektive - und zurück. Die Draufsicht sorgt nicht nur für mehr Überblick, sondern spendiert der Ballerei auch eine tiefgreifende taktisch Note - denn in puncto Bedienung erinnert der Titel jetzt an ein Echtzeit-Strategiespiel im Stile von Genre-Klassikern wie Commandos. Die bis zu vier Team-Mitglieder werden per Fingertipp durchs Gelände gescheucht - wahlweise einzeln oder im Verband. So lassen sich Gegner spielend leicht flankieren.

Während sich die Kameraden beim Antippen des Zielpunkts gemächlich und aufmerksam zum Zielpunkt bewegen, spurten sie beim Doppelklick in Windeseile von A nach B. Berührt man Kisten, Bäume oder Wände, suchen die Burschen dahinter automatisch Deckung. Sobald Gegner im Sichtradius der Kämpfer auftauchen, genügt ein Klick auf den Schurken, um über ein Auswahlmenü die Angriffstaktik zu bestimmen: Nimmt man den Gegner aus sicherer Entfernung mithilfe seines Scharfschützengewehrs aus dem Spiel? Attackiert man ihn in bester Rambo-Manier frontal? Oder schleicht man sich in seinen Rücken, um ihn mit einem Messerangriff zu überraschen? Der Spieler hat stets die Wahl. Grundsätzlich empfiehlt sich ein unauffälliges, leises Vorgehen. Ansonsten rücken weitere gegnerische Einheiten an. Allerdings agieren die Burschen nicht sonderlich intelligent. Nicht selten irren die Fieslinge während der Scharmützel orientierungslos umher und jagen einen flüchtenden Spieler nicht.

Die serientypischen Verbesserungsmöglichkeiten hat Activision auch in das Hosentaschenabenteuer gepackt - im Vergleich zu den PC- und Konsolenablegern hat man die Optionen allerdings abgespeckt. Extras wie verkürzte Nachladezeiten oder eine größere Munitionskapazität lassen sich ebenso erwerben wie durchschlagskräftige Waffen oder Medikits. Die dazu benötigte Kohle, sogenannte Tokens, fließen im Spielverlauf aufs Spielerkonto - oder lassen sich über In-App-Käufe zulegen. Notwendig ist der Echtgeldeinsatz aber nicht, um das Actionspiel durchzuspielen.

In der Draufsicht wird aus dem Shooter ein Taktik-Titel.
Vergrößern In der Draufsicht wird aus dem Shooter ein Taktik-Titel.

Technisch gehört Call of Duty: Strike Team zweifelsohne zu den derzeit aufwendigsten Mobile-Games. Zwar setzen die Schöpfer hier und da unschöne Matschtexturen ein, dafür verwöhnen sie mit schicken Rauch- und Explosionseffekten immer wieder das Spielerauge. Auch die Szenerien und Spielfiguren hat man detailliert digitalisiert. Der Spielumfang fällt hingegen weniger prächtig aus. Nach circa fünf Stunden ist das Abenteuer durchgespielt. Der Wiederspielwert ist gering, daran ändert auch der fordernde Veteran-Schwierigkeitsgrad nichts, der sich im weiteren Spielverlauf freischalten lässt. Neben der Kampagne haben die Schöpfer mit dem Überlebensmodus eine zweite Spielvariante eingebaut. Hier müssen Gegnerwellen aus der Ego-Perspektive ausgeschaltet werden.

Fazit von Udo Lewalter:

Wer ein neues klassisches Call-of-Duty-Actionspiel erwartet, wird enttäuscht. Die Inszenierung von Call of Duty: Strike Team ist weitaus unspektakulärer als gewohnt, das Abenteuer bietet weniger Abwechslung und überdies fehlt der Ballerei ein Mehrspielermodus. Dennoch sollten Actionfans mit Taktik-Faible zuschlagen. Activision überrascht mit der mit einem pfiffigen Perspektivwechsel, der tiefgreifenden strategischen Spielraum ins Spiel bringt - jederzeit zwischen Ego-Shooter und Taktikspiel wechseln zu können, ist ein echter Mehrwert.

Steckbrief: Call of Duty: Strike Team

Hersteller: Activision

Preis: 4,49 Euro

Altersfreigabe: keine Angabe

Note: 2,0 (gut)

Grafik (25%): 1,6

Sound (25%): 2,2

Umfang (25%): 2,0

Bedienung (25%): 2,0

Vorzüge: Innovativer Mix aus Ego-Shooter und Taktiksimulation, Eingängige Steuerung, Schicke Grafik

Nachteile: Kurze Kampagne, Kein Multiplayer-Modus, Schwache KI, Unpräzise Steuerung in der Ego-Ansicht

Alternative: Modern Combat 4: Zero Hour, Breach & Clear

Bezugsquellen: App Store

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