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Cinema 4D R17 - 3D-Grafik leicht gemacht

27.08.2015 | 09:30 Uhr |

Für das neueste Release verspricht Maxon zahlreiche Verbesserungen in den Bereichen Bedienbarkeit und Produktivität.

Tatsächlich verteilen sich die neuen Features und Verbesserungen sehr gerecht über den Cinema-4D-Workflow, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich Highlights wie das Take-System und die Houdini -Anbindung eben auf alle Programmbereiche auswirken. Richtig gut weggekommen sind Modelling und Rendering; besonders erfreulich ist, dass diese Neuerungen zum größten Teil den Anwendern aller Varianten zu Gute kommen.

Aufnahmen mit dem Take-System

Die Erstellung verschiedener Modell- oder Szenen-Varianten hat man in Cinema 4D bislang entweder durch entsprechend viele Duplikate oder Projektdateien gelöst. An schnelle Kombinierbarkeit, komfortable Verwaltung oder variantenbezogenes Rendering war dabei aber nicht zu denken. Das neue Take- bzw. Aufnahme-System nimmt sich dieser Aufgabe an, in dem sich ausgehend von der Basis-Aufnahme des Cinema-4D-Projekts fast alles, was im Attribute-Manager als Eigenschaft durchgeht, gezielt überschreiben lässt. Neben den üblichen Parametern und Positionsdaten gehören dazu auch die zugewiesenen Tags, Materialien und auch Shader. Diese per Aufnahme überschriebenen Parameter lassen sich miteinander kombinieren, hierarchisch aufbauen und weitervererben. Zu jeder Aufnahme kann man außerdem per Aufnahme-Manager oder auch erst beim Rendering spezifisch die gewünschte Kamera und Render-Voreinstellung wählen. Als besonders praktisch erweist sich dabei eine feine Neuerung beim Rendering: sogenannte Token, variable Pfad- und Dateinamen. Gibt man diese Platzhalter für die Render-Ausgabe an, erstellt Cinema 4D aus den gewählten Projekten bzw. Aufnahmen die angegebenen Verzeichnisse und versieht die Ausgabe-Dateinamen mit allen per Token definierten Informationen.

Modelling und Sculpting

Im Bereich Modelling wurden die Spline-Funktionen einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen. Der neue Spline-Stift tritt dabei als universelles Pfad-Zeichenwerkzeug in Erscheinung, dank Modifikationsvorschau lässt sich mit ihm sehr intuitiv und komfortabel im Editor arbeiten. Aus dem früheren Freihand-Werkzeug entstand das neue Skizzieren-Werkzeug, das nicht nur Snapping-Funktionen beherrscht, sondern auch auf das Tempo der Mausbewegung reagiert: je langsamer man zeichnet, desto detaillierter gerät die Spline-Kurve. Ausgefeilte Kreisbögen und weiche Verbindungen ermöglicht das Splinebogen-Werkzeug (Arc Tool), sowohl interaktiv im Editor, als auch per Parameter im Attribute-Manager. Unebenheiten und Nachbesserungen an den Pfaden sind mit dem Spline-Glätten-Werkzeug schnell erledigt. Mit insgesamt fünf booleschen Operationen für Spline-Objekte fällt die Verrechnung bzw. Kombination von Pfaden nun schnell und übersichtlich aus.

Keine neue Cinema-4D-Version ohne verbesserte Sculpting-Funktionen. Dazu gehört beispielweise das Feintuning an den Pinsel-Werkzeugen, wie unter anderem die automatische Erkennung von Objektkanten, das Snapping auf Hilfslinien und die Modifikation von Objektrückseiten. Wieder wurde an den Workflow gedacht, so dass man aus Sculpting-Ebenen nun direkt PoseMorph-Posen generieren kann.

Shader und Linsenverzeichnung

Die Neuerungen im Bereich Texturing beschränken sich im Wesentlichen auf ein paar neue Shader. Während der Formel-Shader nun ermöglicht, Graustufenverläufe aus mathematischen Formeln zu generieren, besticht der neue Variations-Shader durch umfangreiche Optionen zur Farbvariation, wenn viele Objekte mit unterschiedlichen Texturen ausgestattet werden müssen. Anstatt lauter einzelne Material- bzw. Shader-Varianten zu erstellen, legt man im Variations-Shader fest, nach welcher Logik und mit welchen Mitteln (Zweittextur, Farbverlauf, Zufallsfarben, Farbgrading, etc.) variiert werden soll. Ebenfalls neu ist der Linsenverzeichnung-Shader, der mit Hilfe eines Linsenprofils Bilder bzw. Footage entzerren kann.

Zur Erstellung von Linsenprofilen bietet Release 17 ein eigenes Linsenverzeichnung-Werkzeug. Mit ihm zeichnet man in der Editor-Ansicht auf ein importiertes Bild über Hilfslinien die Linsenverzeichnung nach. Vor der Berechnung des Linsenprofils ist dann noch eines der gängigen Linsenmodelle auszuwählen, danach erkennt Cinema 4D die Entzerrung des Bildes bereits im Editor. Das auf diese Weise erstellte Linsenprofil kann anschließend im gleichnamigen Shader, bei der Kamera-Kalibrierung, oder auch beim Motion-Tracking Verwendung finden. Doch auch der umgekehrte Weg ist möglich: mit dem Post-Effekt „Linsenverzeichnung“ kann man die 3D-Szenerie über das Linsenprofil passend zum Ausgangsmaterial verzerren.

Animation, Rendering und Pipeline

Viel Detailarbeit hat Maxon in die Zeitleiste investiert, die nun übrigens in der Key-Ansicht Dope Sheet heißt. Key-Presets sollen dabei helfen, möglichst weiche Übergänge zwischen den Keyframes zu schaffen. Auf Wunsch wird dabei die oft störende Überschwingung automatisch entfernt. Die neu eingeführte gewichtete Tangente passt ihre Länge relativ zum Abstand des Nachbar-Keyframes an. Sehr praktisch ist auch, dass man mit gedrückter Shift-Taste selektierte Keys exakt wert- bzw. zeitneutral verschieben kann. Der neue Euler-Filter beseitigt Gimbal-Lock-Sprünge im problematischen Grenzbereich bei 0° bzw. 360° effektiv. Während Marker zuvor nur auf genaue Zeitpunkte verwiesen, lassen sich jetzt auch Zeitspannen in der Zeitleiste mit Markern einrahmen.

3D-Modelle bauen und drucken

Zur besseren Beurteilung von Modellen ist das sogenannte Clay-Rendering bekannt, bei dem die Materialien beim Rendern durch ein einziges, schlichtes Material ersetzt werden. In Cinema 4D gibt es hierfür nun die Rendervoreinstellung „Einziges Material“, mit der sich gezielt Materialien ersetzen, dabei aber auch bestimmte Materialeigenschaften wie Transparenz oder Reflektivität erhalten lassen. Neben einigen Optimierungen sind am Webinterface des Team Render Servers nun auch die Render-Clients auf der Überwachen-Seite zu sehen.

Für besseren Datenaustausch hat Maxon nun die Import- und Export-Funktionen für das gängige OBJ-Datenformat verbessert und außerdem eine Schnittstelle für den Import von Sketchup-Dateien geschaffen. Bereits vor einiger Zeit angekündigt und in einem öffentlichen Beta-Programm als Test laufend, bietet Cinema 4D Release 17 eine Anbindung zum Import von Assets aus Houdini an. Voraussetzung ist eine auf dem gleichen Rechner installierte und lizenzierte Version von Houdini (alle außer „Apprentice“). Man darf gespannt sein, was sich in Zukunft neben Houdini noch unter dem neuen Menü „Pipeline“ einfindet.

Empfehlung

Programmupgrades, die sich stark dem Workflow und der Produktivität verschreiben, sind aus Marketing-Sicht immer undankbar.  Cinema 4D 17 ist zwar kein revolutionäres, aber ein solides Release mit vielen Verbesserungen im Detail. Wir empfehlen jedem Anwender, sich selbst ein Bild von der neuen Version zu machen, es könnte gut sein, dass sich ein dabei doch ein persönliches „Killerfeature“ findet.

Cinema 4D - R17

Hersteller: Maxon

Preise: Prime R17: 833 EURO, 900 CHF
Broadcast R17: 1547 EURO, 1672 CHF
Visualize R17: 1904 EURO, 2057 CHF
Studio R17: 3570 EURO, 3857 CHF
BodyPaint 3D R17: 952 EURO, 1029 CHF
Upgrade Prime von R16: 309 EURO, 334 CHF
Upgrade Broadcast von R16: 536 EURO, 580 CHF
Upgrade Visualize von R16: 655 EURO, 708 CHF
Upgrade Studio von R16: 893 EURO, 965 CHF
Maxon Service Agreements (jährlich):
MSA Prime: 183 EURO, 198 CHF
MSA Broadcast: 309 EURO, 333 CHF
MSA Visualize: 381 EURO, 411 CHF
MSA Studio: 595 EURO, 641 CHF

Einzelnoten:

Funktionsumfang (30%) 1,8
Geschwindigkeit (30%) 1,3
Bildqualität (30%) 1,2
Bedienung (10%) 1,3

Vorzüge: Neue und verbesserte Spline-Werkzeuge, erweiterte Sculpting-Funktionen, mächtiges Take-System für Objekt- und Szenen-Varianten, Werkzeuge und Funktionen gegen bzw. für Linsenverzeichnung, erweiterter Farb-Wähler, neue und überarbeitete Shader im Materialsystem, verbesserte Keyframe- und Zeitleisten-Tools, Houdini-Engine für Übernahme von Assets.

Nachteile: Hohe Systemanforderungen, manche Programmbereiche wie BodyPaint 3D sind seit längerem unangetastet.

Alternative: Maya, Lightwave 3D

Systemanforderungen: Ab Mac OS X 10.8.5, Mac mit Intel Core 2 Prozessor

Gesamtnote: 1,4 sehr gut

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