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Civilization 5: Brave New World im Test

03.09.2013 | 13:00 Uhr |

Unser Test zum Civilization 5-Addon Brave New World zeigt, wie man ein großartiges Rundenstrategiespiel weiter abrundet. Indem man Staatenlenkern die Möglichkeit bietet, sich noch mehr abseits des Schlachtfelds auszutoben.

Ob Civilization 5 wohl zur Völkerverständigung beiträgt? Obwohl das Rundenstrategie-Epos weltweit Millionen Anhänger fesselt, scheinen Zweifel angebracht. Denn wer hat sich nach einer ausgedehnten Partie noch nicht über diese vermaledeiten Griechen aufgeregt, die sich mal wieder die einzige Ölquelle auf dem Kontinent unter den Nagel gerissen haben?

Oder diese Franzosen! Dienen sich 100 Jahre lang als Bündnispartner an, nur um einem dann beim kleinsten Anzeichen von Schwäche mit ihren Musketieren in den Rücken zu fallen. So gesehen bietet Brave New World noch mehr Gelegenheiten, sich zu ärgern - schließlich führt das zweite Addon zu Civilization 5 gleich neun zusätzliche Nationen ein, darunter Portugal, Brasilien und Venedig.

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Alle Neuankömmlinge bringen jeweils eigene Spezialeinheiten, Gebäude und Boni mit. Beispielsweise entpuppen sich die Schoschonen vor allem in der Frühphase als mächtige Kontrahenten, da sie ihr Staatsgebiet deutlich schneller ausdehnen als der Rest. Die Zulu hingegen führen dank reduzierter Unterhaltskosten gigantische Armeen ins Feld, und die Assyrer mopsen bei der Einnahme fremder Städte gegnerische Technologien. Im Folgenden stellen wir unsere drei Lieblings-Neuzugänge vor:

Die Karawane zieht weiter

Die Marokkaner fühlen sich in der Wüste pudelwohl: Ihre Kasbah-Erweiterung macht das unfruchtbare Sandmeer zum einträglichen Siedlungsgebiet.
Vergrößern Die Marokkaner fühlen sich in der Wüste pudelwohl: Ihre Kasbah-Erweiterung macht das unfruchtbare Sandmeer zum einträglichen Siedlungsgebiet.

Die frischen Völker von Civilization 5: Brave New World sind allerdings eher als Dreingabe zu betrachten - sie gehören zu einem Civ-Addon traditionell einfach dazu. Weit größeren Einfluss auf den Spielverlauf nehmen die Neuerungen bei Kommerz, Kultur und Politik. Füllten Staatschefs ihr Säckel im Hauptprogramm vor allem indirekt über Steuern, Luxusgüter und Einrichtungen wie Banken, müssen sie dank Brave New World nun aktiv Handel dafür treiben.

Gelegenheit dazu bietet sich bereits früh in der Civilization-Zeitskala. Sobald die Tierzucht entdeckt ist, lassen sich die ersten beiden Karawanen anfordern. Diese pendeln dann automatisch als sichtbare, aber nicht steuerbare Einheit zu einer ausgewählten fremden Stadt und generieren damit Einnahmen. Dabei sind die Handelsrouten keine Einbahnstraßen, der Partner profitiert ebenfalls von der Verbindung. Neben Gold werden auch Forschungs- und Glaubenspunkte ausgetauscht, und zwar in beide Richtungen. Findige Spieler können dadurch nicht nur die einheimische Wirtschaft, sondern auch Wissenschaft und Kultur fördern. Wer nicht aufpasst, holt sich durch den Austausch aber eventuell unerwünschten Einfluss (lies: fremde Religionen) ins Land oder stärkt unterlegene Gegner.

Handelswege (die türkis eingefärbte Route) richten wir mithilfe eines simplen Menüs ein, das übersichtlich anzeigt, welche Vor- und gegebenenfalls Nachteile wir aus der Verbindung ziehen (links).
Vergrößern Handelswege (die türkis eingefärbte Route) richten wir mithilfe eines simplen Menüs ein, das übersichtlich anzeigt, welche Vor- und gegebenenfalls Nachteile wir aus der Verbindung ziehen (links).

Ohne Handel herrscht bald Ebbe in der Kasse. Das kann in unglücklichen Partien durchaus in eine Sackgasse führen, etwa wenn man nach ein paar Runden merkt, dass man als einziger Spieler auf eine Insel startet und weit und breit keinen Partner findet. Oder wenn die schutzlosen Karawanen von Barbarenhorden geplündert, respektive von verfeindeten Nationen überfallen werden. Ab dem Mittelalter sind solche Verluste leichter zu kompensieren, auch weil dann mehr Routen offenstehen und sich Handelsschiffe mit größerer Reichweite zu den Land-Karawanen gesellen.

Tour de cult

Der zweite Bereich, in den Brave New World eingreift, ist die Kultur. Die war freilich bereits im ursprünglichen Civilization 5 ein wesentliches Spielelement, wurde nun aber deutlich aufgebohrt. Das beginnt damit, dass die Kultur nun nicht mehr nur ein abstrakter Wert wie die Forschungspunkte ist. Vielmehr erfreuen uns einheimische Künstler dann und wann mit großen Werken nach historischem Vorbild wie Gemälden, Büchern oder Musikstücken. Je mehr wir die Meister fördern, desto produktiver arbeiten sie.

Die Kunstwerke dürfen wir anschließend zur Freude aller in Museen, Gilden und anderen Einrichtungen ausstellen, was wiederum unserem Land international Prestige einbringt und uns zum begehrten Ziel für Touristen macht. Wenn wir es schaffen, unseren Einfluss so weit auszudehnen, dass wir alle anderen Nationen dominieren, erringen wir einen Kultursieg.

Dabei erweitern sich in späteren Spielperioden unsere Möglichkeiten noch durch die Archäologie. Wir schicken Forscher (eine neue Spezialeinheit) zu Ausgrabungsstätten, die ähnlich wie natürliche Ressourcen à la Aluminium oder Baumwolle auf der Karte zu finden sind. Dort lassen wir die Wissenschaftler nach Artefakten buddeln, die wir anschließend als Touristenmagneten ausstellen oder in Kulturpunkte verwandeln können.

Das frische Kultursystem von Brave New World greift zwar nicht ganz so tief ins Spielgeschehen ein wie der Handel - auch weil ein Kultursieg verdammt schwer zu erringen ist -, stellt aber insbesondere in den mittleren bis späten Abschnitten einer Civilization-Partie einen netten zusätzlichen Zeitvertreib und eine Alternative zum üblichen Wettrüsten in Militär und Technik dar.

König der Welt

Weitgehend der finalen Spielphase vorbehalten bleiben die Änderungen in der Politik. Die zehn Sozialpolitik-Bäume des Hauptprogramms haben die Entwickler um Ästhetik (erhöht den Kulturausstoß) und Erkundung (am besten für Seefahrernationen) erweitert.

Sobald wir die Archäologie erforscht haben, dürfen wir mit Indiana Jones und Gehilfen auf die Jagd nach Artefakten gehen. Die Fundstücke steigern unseren Kulturwert.
Vergrößern Sobald wir die Archäologie erforscht haben, dürfen wir mit Indiana Jones und Gehilfen auf die Jagd nach Artefakten gehen. Die Fundstücke steigern unseren Kulturwert.

Dafür sind die drei Gesellschaftsordnungen Ordnung, Freiheit und Autokratie nun zu sogenannten Ideologien mutiert, die das Ringen der politischen Großmächte im 20. Jahrhundert nachstellen sollen. Wer sich für einen der drei Pfade entscheidet, macht sich damit nämlich Staaten, die einer anderen Ideologie anhängen, fast automatisch zum Feind.

Das spielt vor allem auch dann eine große Rolle, wenn in der Renaissance oder dem Industriezeitalter schließlich der Weltkongress ins Spiel kommt. Dieser kann diverse Resolutionen verabschieden, die teils gravierende Auswirkungen haben. So können die Mitglieder (anfangs nur große Länder, später auch Stadtstaaten) etwa ein Handelsembargo verhängen, das den Betroffenen nahezu sicher ruiniert. Oder Strafsteuern auf Armeen erheben, beziehungsweise Nuklearwaffen verbieten, um allzu aggressive Völker im Zaum zu halten.

Dabei dürfen die mächtigsten Mitglieder dabei die meisten Stimmen verteilen, wodurch auch Einzelgänger gezwungen sind, sich Alliierte zu suchen - wahlweise durch Geschenke oder Erpressung und Spionage. Wer es schafft, genügend Verbündete zu gewinnen, darf sich zum Weltpräsidenten wählen lassen und damit einen diplomatischen Sieg beanspruchen.

Tuning Marke Firaxis

Ansonsten beschränken sich die Änderungen und Verbesserungen weitgehend auf Details wie neue Weltwunder und Bauwerke. An der Technik haben die Entwickler nicht geschraubt, was man der inzwischen fast drei Jahre alten Engine auch ansieht. Die Systemanforderungen sind zwar nicht gestiegen, die Zugberechnung dauert nun aber spürbar länger als früher.

Im Weltkongress und später den Vereinten Nationen dürfen wir Anträge zur Abstimmung stellen, die weltweite Auswirkungen haben. Große Nationen vergeben mehr Stimmen, deshalb sind mächtige Verbündete wichtig.
Vergrößern Im Weltkongress und später den Vereinten Nationen dürfen wir Anträge zur Abstimmung stellen, die weltweite Auswirkungen haben. Große Nationen vergeben mehr Stimmen, deshalb sind mächtige Verbündete wichtig.

Wer statt des freien Spiels vorgegebene Szenarien bevorzugt, darf sich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Eroberung Afrikas über zwei neue Missionen freuen. Und schließlich wäre da noch das KI-Feintuning, wodurch sich die Computergegner nun etwas nachvollziehbarer verhalten. Im Kampf verhalten sie sich zwar immer noch nicht schlauer, an Engstellen lassen sich auch übermächtige Armeen beliebig lange aufhalten. Aber immerhin fallen sie einem nicht mehr dauernd aus heiterem Himmel in den Rücken - nicht mal diese fiesen Franzosen!

Empfehlung: Civilization V: Brave New World: Vom ersten Addon Gods & Kings waren wir etwas enttäuscht, vor allem die Spionage wirkte etwas aufgepfropft. Ganz anders die neuen Spielbestandteile von Brave New World. Der Handel verlangt einem echte Entscheidungen ab: Verzichtet man auf ein paar Goldstücke und tausche lieber mit dem schwächlichen Nachbarn, um seine Forschung aufzupäppeln, oder handelt man für mehr Gewinn mit dem dominanten Imperium, öffnet dabei aber deren Religion Tür und Tor? Dass der Start aufgrund der geringen Reichweite der ersten Karawanen mitunter holprig verläuft, sei mal dahingestellt. Auch die Weltpolitik eröffnet interessante neue Optionen, auch wenn man als Veteran der Serie die meisten auch schon aus dem vierten Teil kennt. Civilization-Fans brauchen das Addon sowieso. Wer sich bislang noch nicht für das Runden-Epos erwärmen konnte, schlägt eben beim nächsten Schlussverkauf zu, wenn es das Hauptprogramm inklusive Addons für wenig Geld gibt.

Civilization V Brave New World

Hersteller: 2k, Mac-Version: Aspyr

Preis: € 30, CHF 37 (Steam), € 26, CHF 33 (Mac App Store); Hauptspiel erforderlich!

Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren

Note: 1,8 Gut

Grafik (25%): 2,0

Sound (25%): 1,8

Umfang (25%): 1,8

Bedienung (25%): 1,6

Vorzüge: hübsch animierte Einheiten, viele Wege zum Sieg, Endlosspiel bring (beinahe) endlos Spaß, der Rundenstrategieklassiker schlechthin

Nachteile: einige der neuen Menüs (Weltkongress) wirken etwas aufgesetzt, strategische Ressourcen des letzten Spieldrittels oft ungleich verteilt

Alternative: Xcom: Enemy Unknown

Anforderungen:

  • Betriebssystem:   10.6.4 (Snow Leopard)  

  • Prozessor:   Intel Core 2 Duo (Dual-Core) CPU 2.4 GHz  

  • Speicher:   2 GB  

  • Festplatte:   8 GB frei  

  • Grafikkarte:   (ATI): Radeon HD 2600; (NVidia): GeForce 8600  

  • Video RAM:   256 MB  

  • Unterstützte Grafikkarten:   NVIDIA GeForce 8600, 8800, 9600, GT 120, 320M; ATI Radeon HD 2600, HD 3870, HD 4670, HD 4850, HD 5670, HD 5750, HD 5770, HD 5870, HD 6490, HD 6750.

Testgeräte: Macbook Air 4,1

Bezugsquellen: Steam , Mac App Store (via In-App-Kauf)

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