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Finder-Alternative am Mac: Commander One Pro

25.04.2016 | 11:56 Uhr |

Vor allem Intensiv-Nutzer des Finders sind mit dessen überschaubaren Funktionen oft unzufrieden. Wir haben getestet, ob Commander One Pro als Ersatz herhalten kann.

Geradezu legendär ist auf Windows-PCs der Total Commander als komplexer und für Intensivanwender komfortabler Ersatz für den  Windows-Explorer. Der Total Commander für Windows bietet insbesondere eine Zwei-Fenster-Ansicht, mit der sich Dateien zum Beispiel leichter verschieben oder kopieren lassen. Integriert ist zudem ein FTP-Client ebenso wie die Möglichkeit, Dateien in unterschiedlichen Formaten zu packen (wie etwa ZIP oder RAR). Auf dem Mac kennt man seit längerer Zeit schon den Path Finder , der ebenfalls variable Optionen bietet und den Mac-Finder von Apple rasch vergessen lässt – vorausgesetzt, man benötigt diese unzähligen Möglichkeiten und kommt mit der entsprechend differenzierten Bedienung klar.

Aufs Kommando – FTP, Dropbox & Co.


Noch relativ neu auf dem Mac ist dagegen der Commander One von Eltima Software , der sich ganz bewusst die Windows-Vorlage als Vorbild genommen hat. Auch hier findet man die nicht veränderbare Zwei-Fenster-Ansicht auf Ordner, Dateien und Laufwerke. Darunter die direkte Verbindung mit Online-Speichern wie Dropbox, One Drive oder Google Drive (mit der iCloud allerdings nicht). Mit dem integrierten FTP-Client kann man mit seinen Zugangsdaten auf entsprechende Verzeichnisse zugreifen, auch mit gesicherter Verbindung (wie TLS-SSL) und SFTP.
 Innerhalb der Zwei-Fenster-Ansicht lassen sich in unterschiedlichen Ansichten verschiedene Laufwerke und Ordner anzeigen und Aktionen ausführen.

Übersichtlich zeigt das Programm dafür die entsprechenden Funktionstasten an, wie etwa F5 für das Kopieren, F6 für das Verschieben, einen neuen Ordner legt man mit F7 an und so weiter. So hat man die gewünschten Ordner oder Laufwerke, auch die geöffneten Netzwerklaufwerke, während eines solchen Vorgangs immer im Blick. Auch der Zugriff auf die erwähnten Online-Speicher oder Netzwerklaufwerke per FTP gelingt leicht über das Tastaturkürzel Cmd-F, woraufhin sich der Verbindungsmanager im eigenen Fenster mit diesen Optionen öffnet. Hier gibt man entsprechend seine persönlichen Daten und Kennwörter für die Verbindung ein. 
Pfade werden jederzeit angezeigt und lassen sich in die Zwischenablage kopieren, und auch Tabs wie beim Mac-Finder gehören zum Leistungsumfang. Dazu kommen sogenannte Symlinks (oder symbolische Links ), die sich einfach erstellen lassen. Eine weitere Besonderheit ist wie beim großen Vorbild Total Commander, Archive in unterschiedlichen Formaten wie ZIP oder 7Z inklusive Passwort anzufertigen, speziell RAR fehlt aber. Unsichtbare Dateien in den diversen Ordnern zeigt das Tool auf Knopfdruck an. Und sogar über ein internes Terminal-Fenster verfügt das Tool.

Kein vollwertiger Finder-Ersatz

Eine echte Stärke, aber auch mit Gefahren verbunden ist die Möglichkeit, iPhones und iPads als externe Laufwerke zu mounten und auf die Verzeichnisse zuzugreifen. Hier sollten sich jedoch nur Kenner der Materie heran trauen, denn wer dort Unfug treibt, etwa wichtige Systemdateien löscht oder verschiebt, hat anschließend keine Freude mehr an seinem iOS-Gerät.

Die Funktionsvielfalt insgesamt ist beeindruckend und kann hier nicht im Detail aufgeführt werden. Es fehlen aber leider Optionen, die der Path Finder bietet, etwa Dateien in einen Container zu legen, um sie später an anderer Stelle weiter zu verwenden. Oder sich Dateien direkt nach bestimmten Kriterien wie Dateiendungen anzeigen zu lassen. Dafür gibt es eine eigene komplexe Suche, die schneller sein will als Apples Spotlight und auch in Archiven sucht. In unserem Test konnten wir aber keinen überzeugenden Vorteil feststellen, teilweise scheint sie bei uns überhaupt nicht richtig zu funktionieren. Auch anderes fehlt uns, wie etwa in Apples Finder eine direkte Dateivorschau über die Leertaste, wozu man im Commander One umständlich per Maus den entsprechenden Menübefehl oder einen Schalter betätigen muss – auch das Scrollen durch Bilder mit der Vorschau klappt nicht immer. E-Mails oder andere Arten des sogenannten ”Teilens” von Dateien und Dokumenten inklusive Bildern klappt auch nur über die Schnellansicht genannte Dateivorschau. Das hätte man sicherlich eleganter und einfacher lösen können. Aber vielleicht kommen solche im Alltag sehr nützlichen Funktionen per Schnellzugriff mit weiteren Updates auf den Commander One.


Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Commander One Pro 1.5.1 läuft ab OS X 10.9, die Kosten belaufen sich auf 30 Euro. Die einfachere Version von Commander One ist kostenfrei und hat die gleichen Systemvoraussetzungen, bietet aber beispielsweise keinen FTP-Client oder die Archivierungsfunktionen sowie den Zugriff auf iOS- und Android-Geräte.

Fazit und Empfehlung

Derzeit können wir Commander One nicht als vollwertigen Finder-Ersatz empfehlen. Auch solche Selbstverständlichkeiten wie Seitenleiste oder die obere Fensterleiste mit Schnellzugriff auf zahlreiche Funktionen und bevorzugte Ordner fehlen dem alternativen Dateimanager. Andere intuitive Features sind hier ebenfalls noch nicht vollwertig integriert – wir haben ein paar davon beschrieben. Andererseits ist die Pro-Version mit dem einfachen Zugriff auf Netzwerklaufwerke inklusive FTP-Client für Vielnutzer und ”Poweruser” durchaus als Zusatzprogramm zum Finder zu erwägen – denn die beiden Programme laufen völlig harmonisch nebeneinander her und ergänzen sich in der Hinsicht gut. Lediglich der Preis von 30 Euro könnte dem entgegenstehen – die kostenlose Version von Commander One bietet eben doch deutlich weniger. Die Pro-Version lässt sich zum eigenen Testen immerhin 15 Tage lang kostenfrei nutzen.

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