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Corel Painter X

01.06.2007 | 11:43 Uhr |

In der vorliegenden Version 10 des Mal- und Zeichenprogrammes Painter füllt der Hersteller Corel den Malkasten mit neuen und interessanten Werkzeugen und Funktionen weiter auf

Painter X
Vergrößern Painter X

Painter hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, doch trotz mehrfacher Wechsel von Hersteller und Entwicklerteam bleibt das Malprogramm seinem Ruf treu, mit innovativen und einzigartigen Funktionen punkten zu können. Eine solche Neuerung ist das „Real-Bristle“-System für noch realistischere Pinselsimulation, das sogar die Länge der Borsten beim Andruck des Pinsels berücksichtigt. Als Kompositionshilfe lassen sich Bilder mit einem dem „Goldenen Schnitt“ entsprechenden Raster versehen. Zusätzlich können unterschiedliche Layout-Raster als Hilfslinien angelegt werden. Verbesserungen finden sich auch bei Bearbeitungswerkzeugen für die Umwandlung von Fotos mit erweiterten automatischen Malfunktionen. Pinsel zur Bildrestauration und Werkzeuge zum Bearbeiten von über- und unterbelichteten Bildbereichen runden das Bild ab.

Besserer Workflow

Auch zum Thema Arbeitsfluss hat sich Corel Gedanken gemacht. Anwender können nun Konfigurationen der Arbeits-oberfläche untereinander austauschen, Farbmanagement lässt sich programmbezogen einstellen. Painter merkt sich mehr Anwendereinstellungen, und automatisierte Speicher- und Backup-Mechanismen sorgen für zusätzliche Datensicherheit. Auch ist die aktuelle Version im Format Universal-Binary komplett an die Intel-Macs angepasst und zeigt mit allen Prozessortypen deutliche Geschwindigkeitssteigerungen.

Pinsel und Flächen

Painter sortiert Pinsel in so genannten Pinselkategorien. Dazu gehört auch die neue Kategorie „Real-Bristle“ mit insgesamt 16 Pinselvarianten. Sie reichen von glattem Farbauftrag bis hin zu pastosen Farbschichten. Dieses Malsystem ist eine herausragende Neuerung dieser Painter-Version, denn es berücksichtigt die Andruckstärke des Pinsels. Basierend auf der Länge der Borsten, verbreitert sich passend dazu der Pinselstrich und führt zu verblüffenden Ergebnissen. Bestehende Pinselkategorien können in eigene Real-Bristle-Pinsel umgewandelt werden.

Wer in Painter X Farben mittels der „Mixer Palette“ anmischt, erhält eine noch genauere Kontrolle über die Interaktion zwischen Farbe und Leinwand. Das gilt besonders für die Verwendung mehrfarbiger Pinselstriche, die noch realistischer ineinander verlaufen.

Corel hat sein Malprogramm um Grundlagen zum Thema Malen und Bildkomposition erweitert: Bestimmte Seitenverhältnisse von Bildern und die räumliche Position der Elemente einer Komposition gelten als ästhetisch ansprechend.

Dabei zeigen sich idealisierte Formate in Seitenverhältnissen, die etwa der Aufteilung 1:1,618 entsprechen. Innerhalb einer Fläche, die einem solchen Seitenformat entspricht, kann ein Rechteck nach einer definierten Regel in regelmäßig kleiner werdende Quadrate unterteilt werden. Diese ursprünglich als „Divine-Proportion“ oder „göttliche Teilung“ bezeichnete Regel ist als „goldener Schnitt“ in die Begriffswelt eingegangen. Painter X verfügt über ein „Divine-Proportion“-Werkzeug, das den Künstler beim Arrangement seiner Bildidee mit Hilfslinien unterstützt. Das ist nicht als Kunst auf Knopfdruck zu verstehen – Generationen von namhaften Künstlern bedienten sich dieser Regeln. Eine eigene Palette steuert das Werkzeug. Dort lassen sich Rotation, Ausrichtung, Größe sowie die verschiedenen Farben der Hilfslinien bearbeiten. Zusätzlich zu den Proportionshilfslinien gibt es ein komplett neues Layout-Raster-Werkzeug. Dieses Werkzeug unterteilt die Zeichenfläche in gleichgroße Rasterfelder. Voreinstellungen unterteilen die Arbeitsfläche auf Wunsch in Drittel oder wahlweise in 3 x 5 oder in 5 x 5 Felder zählende Bereiche. Über Individualeinstellungen lassen sich weitere Raster definieren.

Bild- und Fotobearbeitung

Ein beliebter Anwendungsbereich von Painter ist die mehr oder weniger automatisierte Umwandlung von Fotos in gemalte oder gezeichnet wirkende Bilder. Der als „Photo Painting“-System bezeichnete Funktionsbereich vereinfacht diesen Vorgang deutlich. Denn die neue Maltechnik „Smart Stroke“ ist eine Pinselsteuerung, die Pinselbreite, Farbauftrag und Andruck dynamisch den Farben und Formen im Foto anpasst. Die überarbeitete „Underpainting Palette“ ist verantwortlich für die Vorbereitung eines Fotos für den Übertragungsprozess in ein gemaltes Motiv. Dort können Bildparameter wie Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung sowie Kontureneffekte definiert werden. Voreingestellte Techniken, wie Kreidezeichnung, Bleistiftskizze oder Wasserfarben, und weit gefasste Stilrichtungen, wie Klassisch oder Modern, geben die Tendenz der Arbeitsweise vor. Zusätzlich kann man die Malfarben an die Farben des Ursprungsfotos anpassen. Dann wandelt man über die Palette „Auto-Painting“ Fotos in Bilder um. Dazu wählt man ein gewünschtes Bild auf der Festplatte aus und öffnet es in Painter. Dann wechselt man in die Auto-Painting-Palette und definiert Parameter wie Zeichenstil, Zufallssteuerung, Andruck des Malgeräts, Pinseldurchmesser und Geschwindigkeit. Ein Mausklick auf den Abspielknopf der Palette startet die Umwandlung. Der Anwender kann stoppen, wie lange die Zeichenwerkzeuge eine Vorlage bearbeiten. Je länger man die Verarbeitung laufen lässt, desto stärker wird das Motiv verfremdet.

Zwei neue Werkzeuge namens „Dodge“ und „Burn“ in der Werkzeugpa-lette erlauben es, Bildbereiche gezielt über- oder unterzubelichten. Befindet sich beispielsweise in einem Foto ein zu dunkler Bildbereich, da er im Schatten liegt, greift man zum Dodge-Werkzeug, um ihn aufzuhellen. Der umgekehrte Fall einer Überbelichtung lässt sich mit dem Burn-Werkzeug abmildern.

Für die Restauration von Fotos bietet die gleichnamige Palette zwei spezielle Pinsel, die wahlweise über harte oder weiche Kanten verfügen. Bei Anwendung registrieren die Pinsel die Farbwerte um die beschädigte Bildstelle und reparieren den Bereich mit neu berechneten Werten.

Wer unterschiedliche Bilder gemeinsam arrangieren will, kann Farbwerte und Helligkeitsverteilung zweier Fotos an-einander anpassen. Der Befehl „Match-Palette“, der sich unter „Effects > Tonal Control“ findet, führt auf Wunsch die Angleichung durch. Dabei sind Farbe, Farbvariation, Helligkeit und deren Variation sowie Farbsättigung für die Angleichung als Referenz zu definieren.

Die Farbdarstellung der zu bearbeitenden Bilder hat Corel weiter verbessert. Painter unterstützt den aktuellen ICC-Standard 4.0 für die Einbindung von Farbprofilen zur Bilddarstellung am Monitor.

Bei der überbordenden Palettenvielfalt von Painter liegt es nahe, individuelle Zusammenstellungen der Benutzeroberfläche zu speichern. In der vorliegenden Version ist es auch möglich, diese Zusammenstellungen zu exportieren und an anderen Arbeitsplätzen aufzurufen. Ein als „Session Memory“ bezeichneter Vorgang speichert Benutzereinstellungen zwischen Arbeitssitzungen. „Secure Saving“ und „Auto Backup“ versprechen besseren Schutz vor Datenverlusten.

Das ist neu

- Borstensimulation mit„Real Bristle“

- automatisierte Definition des „goldenen Schnittes“

- neues Werkzeug für individuelle Layout-Raster

- besseres Bearbeitungswerkzeug für die Fotoumwandlung

- erweiterte automatischeMalfunktion

- besondere Pinsel zur Bildrestauration

- Austausch von Konfigurationen zwischen Anwendern

- Werkzeuge zum Bearbeiten von über- und unterbelichteten Bildbereichen

- Farbmanagement nicht mehr projektbezogen

- mehr individuelle Anwendereinstellungen werden gespeichert

- Automatische Backup- und Speichermechanismen

Fazit

Corel nimmt die kontinuierliche Produktpflege von Painter ernst. Daher ist und bleibt das Programm Marktführer, wenn es um die realistische Simulation von Pinselstrichen und Zeichenwerkzeugen auf unterschiedlichsten Oberflächen und Malmedien geht. Die neuen Funktionen stellen einen angemessenen Erweiterungsschritt dar, und von den Geschwindigkeitsverbesserungen profitieren nicht nur Anwender der Intel-Rechner, sondern auch Anwender älterer Modelle.

Nikolaus Netzer

Feedback: marlene.buschbeck@macwelt.de

Wertung

Note: 1,4 sehr gut

Vorzüge noch realistischere Pinselsimulationen, schneller, Intel-nativ

Nachteile keine ersichtlich

Alternative Studio Artist, Photoshop

Preis € (D) 400, € (A) 400, CHF 600, Upgrade € (D) 210, € (A) 210, CHF 300

Technische Angaben

Systemanforderungen ab Power Mac G4 mit 700 MHz oder Intel Core, ab Mac OS X 10.3.9, ab 256 MB RAM, ab 280 MB freiem Festplattenspeicher

Info Corel

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