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Photoshop CS6 im Test

20.08.2012 | 13:50 Uhr |

Im Gegensatz zu vorhergehenden Versionen, sind in Photoshop CS6 annähernd alle Bereiche von Neuerungen betroffen. Im Test zeigen wir die Highlights der neuen Version

Die optisch auffälligste Neuerung von Photoshop CS6 ist der neue, dunkelgraue Lightroom-Look. Allerdings haben die Entwickler ein Hintertürchen offengelassen: Die Programmvoreinstellungen unter „Benutzeroberfläche“ ermöglichen fünf Grauabstufungen – darunter auch das bislang gewohnte Hellgrau. Die neue Interface-Tönung gilt nur für Paletten und Dokumentenfenster. Ebenfalls neu sind die in einem dezenteren Grauton gehaltenen Icons in der Werkzeugleiste.


Einer der wichtigsten Neuzugänge ist die Creative Cloud – ein Service, der im wesentlichen vier Dinge beinhaltet: externe Backups in der Cloud, Zugriff auf Daten von unterschiedlichen Rechnern aus, exklusive Tools, die nur in der Cloud zur Verfügung stehen und schließlich die Option, Photoshop und andere CS6-Programme zu abonnieren – wobei die Programme bei diesem Modell lokal installiert bleiben.


Angenehm macht sich Photoshop CS6 vor allem bei rechenaufwendigen Bearbeitungen bemerkbar. Die neue Mercury-Grafikengine lagert rechenintensive Prozesse auf die GPU des Rechners aus, das wirkt sich vor allem im Bereich 3D, bei Transformationen, Verflüssigungen und ähnlichen Prozessen spürbar aus.

Das ist neu in Photoshop CS 6

  • Creative Cloud

  • Mercury-Grafik-Engine

  • Camera Raw: Neuer, verbesserter Prozess 2012

  • Camera Raw: Zusätzliche Optionen für lokale Korrekturen und Farbkorrekturen

  • Neues Fenster „Eigenschaften“

  • Neuer Korrekturbefehl zum Erzeugen von Farblooks

  • Neue Filter: Weichzeichnungseffekte, Beleuchtungseffekte, Ölfarbe und Adap­tive Weitwinkelkorrektur

  • Neue Werkzeuge und Werkzeugoptionen für inhaltssensitive Retusche, Perspektivbegradigungen und Bildausschnitt

  • Video-Bearbeitung auch in der Normal-Version

  • Neuer, interaktiver Workflow im Bereich 3D (Extended)

  • Speichern im Hintergrund und Intervalle für die Automatikspeicherung

  • Neu in der Palette „Farbbereich“ ist eine Funktion zum Auswählen von unterschiedlichen Hauttönen. 

Verfeinerte Bildbearbeitung


Im Bereich der klassischen Fotoaufbereitung sind vor allem die verfeinerten Grundlagen erwähnenswert. Anders als frühere Prozesse bewirkt der (im Reiter „Kamerakalibration“ ansteuerbare) neue Camera-Raw-Prozess 2012 zwei Dinge: Eine neue Reglerkon­figuration im Reiter „Grundeinstellungen“ und eine bildschonen­dere Ausführung einiger Korrek­turen. Bei den Grundeinstellungen gibt es nur noch die Helligkeitsregulierung „Belichtung“ statt der bisherigen zwei: Der Kontrast ist an die zweite Stelle gerückt. Die restlichen vier Regler im oberen Bereich – Tiefen, Lichter, Weiß und Schwarz – entsprechen funktional zwar weitgehend denen älterer CR-Versionen. Anders als früher sind jedoch sämtliche Regler in der Mitte angeordnet – eine Konfiguration, die das Ausführen von Korrekturen erheblich vereinfacht. Ein weiteres Plus: Der Regler „Klarheit“ erzeugt in der neuen Version deutlich weniger Konturensäume.

Interface und Ebeben: Ob dunkel oder hell, lässt sich in den Voreinstellungen festlegen. Neu in der Palette "Ebenen" ist eine Such-Funktion zum Filtern von Dokumenten mit vielen Ebenen.
Vergrößern Interface und Ebeben: Ob dunkel oder hell, lässt sich in den Voreinstellungen festlegen. Neu in der Palette "Ebenen" ist eine Such-Funktion zum Filtern von Dokumenten mit vielen Ebenen.


Ein Detail irritiert beim neuen Workflow: Möchte man Bilder, die bereits mit einer älteren Einstellung entwickelt wurden in der neuen Umgebung bearbeiten, muss man zunächst die Prozesseinstellung ändern oder via Bridge die Entwicklungseinstellungen ganz löschen. Neu in Camera Raw sind zusätzliche Parameter für lokale Korrekturen mit dem Einstellungspinsel oder dem Verlaufsfilter sowie die Möglichkeit, RGB-Kanäle im Reiter „Gradationskurve“ auch einzeln zu bearbeiten. Das ist praktisch für alle, die Farbveränderungen gerne über Gradationskurven einstellen.


In Photoshop CS6 selbst steht für die Autokorrektur eine zusätzliche Optionseinstellung zur Verfügung, die Tiefen, Lichter sowie die Gesamthelligkeit des Bildes stärker berücksichtigt. Der Knopf „Auto“ ist nun auch in Helligkeit/Kontrast präsent. Eine weitere Neuerung kommt vor allem Portraitfotografen zugute – die neue Option „Hauttöne“ in dem Auswahl-Tool „Farbbereich“. Weitere Veränderungen für die klassische Bildoptimierung sind das neue Fenster „Eigenschaften“ sowie eine neue Korrekturenfunktion für die Erzeugung von Farblooks.

Neue Filter und Kreativ­effekte


Die augenfälligsten Veränderungen verbergen sich im Menü „Filter“. Zwei davon sind direkt im Hauptmenü abgelegt: Der Gemälde-Look-Filter „Ölfarbe“ und ein Modul für die Korrektur von Weitwinkelverzerrungen. Das Untermenü „Weichzeichnungsfilter“ enthält gleich drei neue Module: „Feld-Weichzeichnung“, Iris-Weichzeichnung“ und „Tilt-Shift“. Alle drei Filter wollen kreative Unschärfeeffekte erzielen. Neu ist die Handhabung, denn das Aufziehen der Unschärfezone findet – unter Zuhilfenahme interaktiver Werkzeuge – direkt im Bild statt. Für die eigentlichen Einstellungen steht ein separates Feld zur Verfügung. Nach diesem interaktiven Prinzip funktioniert auch die neue Version der Beleuchtungseffekte – ein Photoshop-Traditionsfilter, der jetzt an die 64-Bit-Architektur des Programms angepasst und daher wieder mit an Bord ist.

Mit dem neuen Gemäldefilter "Ölfarbe" kann man in Photoshop CS 6 schnell ein Ölbild simulieren.
Vergrößern Mit dem neuen Gemäldefilter "Ölfarbe" kann man in Photoshop CS 6 schnell ein Ölbild simulieren.


Bei den Korrekturbefehlen findet sich ein neues Tool zum Erzeugen von Farblooks. Vom Prinzip her funktioniert „Color Lookup“ ähnlich wie Sets mit indizierten Farben. Über drei Aufklapplisten kann der Anwender unterschiedliche Arten von Profilen anwählen – darunter auch den in Werbung und Film sehr beliebten Bleach-Bypass-Effekt. Nachteil des Werkzeugs ist, dass Photoshop derzeit keine Möglichkeiten bietet, 3D-LUT- oder Device-Link-Profile selbst zu erzeugen. Allerdings ist davon auszugehen, dass Drittanbieter bald in diese Lücke springen, um diese neue Funktion mit entsprechenden Vorgaben zu versorgen.

Das Freistellungs-Werkzeug bietet nur neue Raster, mit denen man den Bildausschnitt besser bestimmen kann.
Vergrößern Das Freistellungs-Werkzeug bietet nur neue Raster, mit denen man den Bildausschnitt besser bestimmen kann.


Potenzial zum Lieblingseffekt hat der neue Filter „Ölfarbe“. Er ist eine Adaption des gleichnamigen Moduls aus der Pixel-Bender-Reihe, glättet Flächenbereiche und vereinfacht die Bilddetails unter Zuhilfenahme wischfingerähnlicher Verteilungsmuster. Im Ergebnis ähneln bearbeitete Fotos mehr oder weniger stark dem Malstil nativer Maler. Der neue Weitwinkelkorrekturfilter „Adaptive Weitwinkelkorrektur“ orientiert sich stark am bereits vorhandenen Filter „Objektivkorrektur“. Attraktiv dürften vor allem die dort zur Verfügung stehenden Perspektivbegradigungs-Werkzeuge sein, die objektivbedingte Verzerrungen einbeziehen.

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