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Test Sony Alpha 55: Halb Spiegelreflex, halb Systemkamera

29.11.2010 | 13:10 Uhr |

Mit der Alpha 55 hat Sony viel gewollt und vieles gut umgesetzt. Doch einige Kritikpunkte gibt es trotz geballter Technik

Die Vorteile einer Spiegelreflexkamera und einer Systemkamera will die hier getestete Alpha 55 wie ihre kleine Schwester Alpha 33 vereinen. Denn statt eines Spiegelsystems, bei dem der Spiegel für eine Aufnahme hochklappt, nutzen beide Kameras ein fest eingebauten Spiegel, der nur einen Teil des Lichts umleitet. Auf diese Art kann die Kamera sowohl einen schnellen Phasen-Autofokussensor verwenden und permanent im Liveview-Modus bleiben.

Vorteil für Videos

Systemkameras verwenden dagegen wie Kompaktkameras eine Kontrastmessung über den Bildsensor zum Bestimmen der Schärfe, dies ist zeitaufwändiger als mit einem eigenen Phasen-Sensor. Spiegelreflexkameras können dagegen ihren Phasen-Autofokussensor während der Liveview-Funktion nicht verwenden. Besonders bei Videoaufnahmen ist dies vom Nachteil, denn hier ist ein schlecht arbeitender Autofokus bei Spiegelreflexkameras die Regel. Die Nikon D90 muss sogar ohne Autofokus während Videoaufnahmen auskommen. Hier liegt der größte Vorteil der Sony Alpha 55: Sie kann im Liveview-Modus den Phasen-Autofokus verwenden. Das macht sich insbesondere bei Videoaufnahmen positiv bemerkbar. Die Kamera kann blitzschnell zwischen Motiven im Vorder- und Hintergrund fokussieren und den großen Bildsensor einer Spiegelreflex-Kamera verwenden. Video-Aufnahmen sind mit der Sony Alpha 55 in Full-HD-Auflösung möglich, die Videos speichert sie im AVCHD-Format auf der Speicherkarte (alternativ in VGA-Auflösung als MPEG 4). Am Mac angeschlossen erkennt iMovie die AVCHD-Videos anstandslos und importiert sie ohne Probleme. Die Aufnahmequalität ist sehr gut. die Tonqualität über das integrierten Stereo-Mikrofon mittelmäßig. Ein externes Mikrofon lässt sich anschließen.

Nach unserem Geschmack ist der Aufnahme-Knopf für Videos nicht günstig positioniert, wir erwischen bei spontaner Videoaufnahme, bei der wir nicht auf die Bedienelemente schauen, öfters den Finder/LCD-Schalter statt dem Movie-Schalter. Der größte Nachteil indes: In unserem Praxiseinsatz erscheint nach rund 15 Minuten filmen der Warnhinweis, dass der Bildsensor zu warm geworden ist und man ihn abkühlen lasen soll. Nach wenigen Minuten konnten wir weiterfilmen. Ein weitere Nachteil ist, dass gerade bei Videoaufnahmen der Akku schnell zu Neige geht. Einen Ersatzakkus sollte man daher einrechnen.

Von GPS bis Panoramen

Das Gehäuse der Alpha 55 ist so kompakt, dass es mit großen Händen etwas unbequem zum halten ist. Allerdings bietet sie an der rechten Griffseite gute gummierte Bereiche und eine Ausbuchtung für den Daumen, so kann man sie stabil halten kann. Die Ausstattung der Kamera ist bemerkenswert: Sie bietet außer der Full-HD-Videofunktion ein nach unten schwenkbares und drehbares Display, einen eingebauten GPS-Empfänger, einen HDMI-Anschluss und allerlei Automatiken. So nutzt die Kamera einen elktronischen Sucher, der eine gute Darstellungsqualität bietet. Sein Vorteil gegenüber optischen Suchern ist, dass er 100 Prozent des Motivs anzeigt und Zusatzinfos wie etwa eine Wasserwaage einblenden kann. Diese lässt sich auch am rückwärtigem Display anzeigen. Auf der Oberseite der Kamera befindet sich ein extra Schalter, der unter anderem eine automatische HDR-Aufnahme ermöglichen soll. Die Kamera erstellt in schneller Folge drei unterschiedlich belichtete Fotos, die zu einem dynamikreichen Gesamtbild zusammen gesetzt werden. Das Ergebnis ist zwar nicht so gut wie das aufwändigere Nachbearbeiten mit HDR-Programmen, aber für kritische Lichtsituationen immerhin besser als ein einzelne Aufnahme. Eher Spielerei ist die Panorama-Funktion: Man schwenkt in diesem Modus die Kamera, die in schneller Folge Fotos aufnimmt und diese später zu einem Panorama-Foto zusammen setzt. Dies gelingt ihr mittelmäßig gut, das fertige Panorama bietet allerdings nur eine geringe Auflösung. Deutlich bessere Ergebnisse erhält man mit der Panormaa-Funktion von Photoshop Elements beziehungsweise Photoshop CS5.

Trotz allen Extras lässt sich mit der Kamera auch noch ganz klassisch fotografieren. Wie von einer Kamera dieser Preisklasse gewohnt kann man Belichtungszeit und Blende bequem manuell wählen.

Geschwindigkeit

Dank des Phasen-Autofokussensors, den die Kamera in seinem permanenten Liveview-Modus verwendet, arbeitet der Autofokus sehr schnell und exakt. Zudem bietet die Kamera eine eigene Serienbild-Einstellung, mit der man zehn Bilder pro Sekunde aufnehmen kann. Dies geling bei bis zu 28 Bildern in Folge. Die Kamera bietet zudem ein eigenes RAW-Format. Hier wird die Kamera indes nach drei Bildern, die sie noch in schneller Folge schafft, sehr langsam.

Aus dem Testlabor

Wir messen die Bildqualität der Kamera nach dem umfangreichen Testverfahren DC Tau. Im Vergleich zu der Canon EOS 550D, die in ihrer Preisklasse eine hervorragende Bildqualität bietet, fallen bei der Sony Alpha 55 zwei Schwächen auf. Zu einem ist trotz nahezu gleichguter Eingangsdynamik die Ausgangsdynamik der Alpha 55 schlecht. Die Ausgangsdynamik beschreibt, wie Umfangreich die Kamera zwischen hellsten und dunkelsten Bildelement darstellen kann. Dunkle Bildbereiche kann die Kamera nicht so detailreich darstellen wie die Canon EOS 550D. Der zweite Qualitätsnachteil gegenüber der sehr rauscharmen Canon EOS 550D ist das Bildrauschen, das indes dennoch auf Niveau anderer Einsteiger-Spiegelreflexkameras liegt. Bei unseren Praxistest arbeitet die Belichtung wie der automatische Weißpunkt der Kamera korrekt.

Empfehlung

Würde der Akku der Sony Alpha 55 länger halten und die Kamera bei längeren Videoaufnahmen nicht wegen Überhitzung pausieren müssen, wäre sie eine gute Empfehlung als Allround-Kamera für anspruchsvolle Fotografen, die auch Videos in guter Qualität drehen wollen. Wer sich mit diesen Einschränkungen arrangieren kann, bekommt eine super ausgestattete Kamera, die sich sehr gut bedienen lässt.

Sony Alpha 55
Vergrößern Sony Alpha 55
© Sony
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