1804553

Das iPhone als Joggingtrainer

13.04.2016 | 13:51 Uhr |

Apps können das iPhone in ein multifunktionales Trainingstool verwandeln. Wir haben uns im Praxistest angeschaut, wie es zum prima Sportpartner wird.

Die Laufschuhe schnüren und los – für viele gehört eine lockere Joggingeinheit durch den benachbarten Park oder den nächsten Wald zum festen Bestandteil ihrer Wochenplanung. Neben dem Radfahren zählt das Joggen aktuellen Studi­en zufolge zu den beliebtesten Freizeitsportarten. Die Gründe für das Laufen sind dabei immer die gleichen: Endlich den von der Arbeit am Schreibtisch trägen Körper wieder in Schwung bringen, die kleinen Fettpölsterchen am Körper bekämpfen, auf den nächsten Marathon trainieren oder einfach nur die Natur genießen. Das Hauptargument für Jogger ist aber sicherlich: Laufen ist gratis und laufen ist simpel.

Apps für Läufer - eine Auswahl

Gibt man im App Store das Wort „Laufen“ ein, merkt man schnell: Die Auswahl an speziellen Sportprogrammen ist mittlerweile unüberschaubar groß. Für ihren App-Test hat Katharina drei bekannte Anbieter in die engere Auswahl genommen: Runtastic, Runkeeper und Nike+ Running. Alle drei erfreuen sich bei den Usern derzeit großer Beliebtheit und bieten die gängigen Funktionen, die man sich von einer Lauf-App erwartet: GPS-Tracking, Messung der Laufzeit, Geschwindigkeit, Abspielen von Musik in der App, Auswertung am Computer und das Teilen der Trainings auf Social-Media-Plattformen. Mit entsprechendem Zubehör lässt sich die Herzfrequenz ebenfalls messen. Alle Apps fordern dazu auf, ein Benutzerprofil zu erstellen sowie festzulegen, welche Daten die App erfassen und teilen darf, und sich Trainingsziele zu setzen. Wenn man bedenkt, dass ähnlich funktionelle Sportuhren mehrere 100 Euro kosten, ist das die Mühe definitiv wert.

Wohin mit dem iPhone?

Im Vergleich zu herkömmlichen Sportuhren ist das iPhone schwieriger zu transportieren. Eine Lösung sind die Taschen der Laufhose oder der Laufjacke. Manche nehmen das Smartphone in die Hand, andere befestigen es mithilfe spezieller Sportarmbänder und Halterungen am Oberarm. Letzteres ist wohl die beste Lösung: So ist das Gerät vor den drei bösen „Sch’s“ des Laufens geschützt: Schlägen, Schmutz und Schweiß. Durch die Frontfolien der Halterungen kann man das Display weiterhin ablesen und auch die Bedienung des iPhone ist gewährleistet. Preislich und funktionell gibt es hier – genau wie bei den Apps – die verschiedensten Modelle. Ein gängiger Anbieter ist Belkin, beispielsweise mit dem Pro-Fit-Armband für das iPhone 5. Auch zur App Runtastic gibt es als Zubehör ein Sportarmband.

Katharina läuft zwei- bis dreimal pro Woche – frei nach Lust und Laune. Etwa 750 Kilometer kommen bei der 24-Jährigen pro Jahr zusammen. Sie läuft, um fit und gesund zu bleiben. Damit spiegelt sie genau die Bedürfnisse des Großteils der rund sechs Millionen Jogger in Deutschland wider. Als iPhone-Userin stößt sie in letzter Zeit immer öfter auf Lauf-Apps, Anwen­dungen, die das Apple-Gerät in einen Trainingscomputer verwandeln und auf diese Weise kostengünstig herkömmliche Sportuh­ren ersetzen sollen. Wir haben Katharina mit folgenden Fragen losgeschickt: Wie lässt sich das iPhone in ihr Training integrieren? Und kann das iPhone alleine auch schon helfen, ganz ohne Apple Watch oder eine dedizierte Sportuhr?

Checkliste: Joggen mit dem iPhone

Ihre Checkliste sollte über die nötigsten Funktionen wie Distanz, Zeit & Co. verfügen und gewünschte Zusatz-Features wie Sprachausgabe, Einfärbung der Karte und Koppelung mit einem Online-Portal bieten

Die App kennenlernen Nichts ist ärgerlicher, als sich zum Training zu quälen und dann von einer nicht wie gewünscht funktionierenden App genervt zu werden.

Zubehör finden Wichtig ist hier vor allem eine Armhalterung. Ambitionierte Läufer sollten auch mit einem Pulsgurt liebäugeln, diesen sollte die App unterstützen.

Stabiles GPS Die Aufzeichnung immer erst im Freien starten und warten, bis das Signal des iPhone stark genug ist.

Das Online-Portal Wenn man schon Daten aufzeichnet, will man diese natürlich auch auswerten. Aus diesem Grund sollte man bei der Auswahl auch die Online-Portale der Anbieter begutachten. Diese machen schließlich die Hälfte der Funktionalität der Apps aus.

Import und Export von GPX-Daten Diese Funktion von Apps und den zugehörigen Online-Portalen ist vor allem dann sinnvoll, wenn man die aufgezeichneten Daten in anderen Programmen weiterverwenden will.

Eines trifft bei allen Lauf-Apps zu: Nachdem Katharina die jeweilige App heruntergeladen und installiert hat, ist die Arbeit noch nicht getan. Es geht zunächst darum, ein eigenes Benutzerprofil zu erstellen und schließlich festzulegen, welche Daten die App erfassen und teilen darf. Darüber hinaus soll sie sich Ziele für das Training setzen.

Das alles hört sich allerdings viel komplizierter an, als es letztendlich ist. Zum einen sind die verschiedenen Einstellungen bei jeder App selbsterklärend und zum anderen bieten sie ja auch jede Menge Vorteile – selbst eine teure Sportuhr bringt nicht so viele individuelle Funktionen mit.

Runtastic Pro

Als erste App testet Katharina Runtastic Pro . 4,99 Euro kostet das Programm im App Store. Selbst Joggingmuffel kennen Runtastic oft schon indirekt: Auf Face­book teilen fleißige Fitnessliebhaber gerne ih­re mit dieser App zurückgelegten Strecken, und auch ansonsten ist Runtastic funktionell unglaublich breit aufgestellt. Nach dem Starten der App und dem Finden des GPS-Signals geht es los – ein Countdown läutet den Start des Trainings ein: „5, 4, 3, 2, 1“ tönt es aus den Ohrstöpseln, während das Display sämtliche gewünschte Informationen anzeigt. Das Design ist übersichtlich, und auf einer Karte lässt sich anschließend die aktuelle Position ablesen.

Ein nettes Feature ist die einstellbare Stimme, die – ähnlich wie ein Lauf-Instructor – Katharina regelmäßig über aktuelle Daten, wie etwa die Zeit, die Geschwindigkeit oder die zurückgelegte Distanz informiert. Vor allem durch letztgenannte Funktion erfährt man so bereits nach den ersten Kilometern ein ganz neues Lauferlebnis: Die Durchsagen des Voice-Trainers bestätigen die eigene Leistung und zusammen mit dem zusätzlich abgespielten Powersong motivieren sie ungemein.

Zurück an der Haustür fasst der Lauftrainer noch einmal alle Informationen zusammen und überträgt die Daten zudem automatisch auf die Runtastic-Plattform. So gelungen die App bis hierher erscheint, am Ende handelt sie sich doch einen entscheidenden Minuspunkt ein: die ständige Werbung auf der Webseite. Obwohl wir statt der Gratis-Version die Pro-Variante gekauft haben, werden wir mit Kaufempfehlungen überschüttet. Dies macht die Webseite unübersichtlich und wirkt auch sehr störend. Um die gelaufenen Kilometer auf der Website werbefrei anschauen zu können, müsste unsere Testläuferin nochmals zusätzlich ein Abo abschließen. Positiv dagegen ist der Online-Store, in dem man zusätzliche Tools, wie beispielsweise einen Pulsgurt erwerben kann.

Runtastic Pro

Preis: € 4,99

Note: 1,8 gut

Vorzüge: Viele Features, große Auswahl an Zubehör, große Community

Nachteile: Teilweise unübersichtlich, Werbung

Voraussetzung: iPhone (ab iOS 5)

Runkeeper

Auf ihrer nächsten Trainingsrunde nimmt Katharina Runkeeper ins Visier. Die Basisversion dieser App ist gratis und überzeugt dennoch mit allen notwendigen Funktionen: Positiv fällt die in hellen Farben gehaltene Display-Gestaltung auf, die äußerst aufgeräumt und informativ wirkt. Per Wischbewegung kann man zwischen verschiedenen Anzeigemöglichkeiten hin- und herschalten, und nach den vorangegangenen Kilometern mit Runtastic gewöhnt man sich auch bei Runkeeper schnell an die regelmäßigen Durchsagen über unsere aktuelle Lauf-Performance. Hier lassen sich ebenfalls verschiedenste Einstellungen vornehmen, sodass man das Programm individualisieren kann.

Runkeeper unterstützt den Motion-Coprozessor für Spaziergänge.
Vergrößern Runkeeper unterstützt den Motion-Coprozessor für Spaziergänge.

An Runkeeper gefällt uns außerdem die aufgeräumte Online-Plattform, die lange nicht so überladen ist wie bei Runtastic. Bequem können wir unsere Trainingsein­hei­ten auswerten und unterschiedlichste Statistiken, wie zum Beispiel die Kilometer-Pace, ablesen. Darüber hinaus gibt es ein Upgrade auf eine erweiterte Version der App, mit dem sich zusätzliche Funktionen freischalten lassen. Einen Online-Store mit Erweiterungen für die App bietet der Hersteller ebenfalls an.

Runkeeper

Fitnesskeeper

Preis: kostenlos

Note: 2,2 gut

Vorzüge: Viele Features, großer Online-Store

Nachteil: Abo für vollen Funk­tionsumfang

Voraussetzung: iPhone (ab iOS 5)

Nike+ Running

Zurück auf die Laufstrecke: Die dritte App im Praxistest ist Nike+ Running . Bereits beim Öffnen fällt das gelungene Design auf. In knalligem Rot-Orange und mit großer Schrift tritt die Anwendung auf – ein echter optischer Leckerbissen. Dass sie außerdem kostenlos ist, macht die App sehr attraktiv – auch wenn man sich dabei dann mit der omnipräsenten Werbung für den Sportartikelhersteller anfreunden muss. Ein nettes Gimmick ist zudem, dass die gelaufene Strecke je nach Geschwindigkeit auf der Karte bunt markiert wird. Selbst wenn das Nike-Tool nicht mit ganz so vielen Funktionen wie die beiden anderen Testkandidaten aufwar­ten kann – es fehlt beispielsweise die Berechnung der verbrannten Kalorien – überzeugt die App insgesamt durch ihre große Benutzer­freundlichkeit. Dadurch gelingt es ihr letzten Endes doch, es mit den beiden anderen Kandidaten aufzunehmen.

Nike+ Running

Nike

Preis: kostenlos

Note: 1,6 gut

Vorzüge: Schicke Optik, gratis

Nachteil: Werbung für Nike

Voraussetzung: iPhone (ab iOS 5)

Schwere Entscheidung

Hier eine der drei getesteten Apps besonders hervorzuheben, fällt schwer. Alle drei überzeugen auf ihre Art und Weise beim Test. Aufgrund des übersichtlichen De­signs würde Katharina sich beispielsweise für Nike+ Running entscheiden. Viele andere Läuferinnen und Läufer schwören dagegen auf die unglaubliche Funktionsvielfalt von Runtastic oder Runkeeper. Auch weitere Anbieter wie Endomondo , Runstar oder Sports Tracker bieten einen ähnlichen Service. Bei der Auswahl der richtigen App ist daher das individuelle Bedürfnis entscheidend. Durch entsprechendes Zubehör – wie etwa Pulsgurte – gibt es einige Möglichkeiten, die Leistungen der Apps zu erweitern. Je mehr man sich mit professio­nellem Zubehör eindeckt und das iPhone so immer stärker zum Lauftrainer wandelt, desto eher drängt sich aber auch ein anderer Vergleich auf, nämlich der mit speziellen Sportuhren, die extra für das Lauftraining entwickelt wurden.

iPhone versus Sportuhr

Auch Katharina hat bei ihren Testläufen genauer hingeschaut und bei den ihr entgegenkommenden Läufern immer wieder die piepsenden Trainingshelfer am Handgelenk entdeckt. Garmin, Polar, Suunto oder Timex sind die typischen Marktführer, die allesamt verschiedenste, auf den Laufsport spezialisierte Sportuhren anbieten. Diese überzeugen ihrerseits mit Herzfrequenzmessung per Pulsgurt, GPS-Sensor sowie detaillierten Online-Plattformen zur Auswertung der persönlichen Performance. Solche Uhren bieten zwei entscheidende Vorteile: Man muss kein schweres Handy mitnehmen und man bekommt alle Funktionen übersichtlich aufs Handgelenk. Hätten die guten Lauf-Apps nicht die nützliche Funktion, dem Laufenden per Trainerstimme Infos über die Kopfhörer mitzuteilen, man würde sich wohl kaum die Mühe machen, während des Laufs über das Display zu wischen, um sich die aktuellen Daten genauer anzusehen. Bei einer Uhr fällt das viel leichter. So ist auch die Apple Watch für Jogger durchaus zu empfehlen , Apps wie Runtastic, Runkeeper oder Nike+ lassen sich bequem von dort aus starten, die Uhr bringt auch ihre eigene Sport-App mit. Nachteil: Das iPhone muss man nach wie vor mitnehmen, um per GPS eine exakte Aufzeichnung der Strecke zu bekommen. Ist die Apple Watch einmal kalibriert, kann sie zwar anhand der Schritte die Strecke abschätzen, aber das nun mehr oder minder genau. Eine genaue Aufzeichnung, wann man wo wie schnell gelaufen ist, ist so nicht möglich. Aber vielleicht kommen ja künftige Generationen der Apple Watc h mit einem eigenen GPS-Chip...

Fazit

Das Resümee unserer Testläuferin fällt da­her gemischt aus. Hat sich das iPhone als Lauftrainer bewährt? Katharina findet „ja“. Insbesondere seine Vielseitigkeit lässt das Apple-Gerät punkten. Man kann aus der Vielzahl von Apps aussuchen und sich so die eigenen Wunschfunktionen zusammenstellen. Darüber hinaus werden alle beim Laufen erwünschten Features in einem Gerät kombiniert. Besonders der häufig zusätzlich gewünschte MP3-Player fällt dank iPhone weg.

Sowohl die Größe als auch das Gewicht des iPhone erweisen sich im Praxistest als dessen gravierendste Nachteile. Zwar fällt das Gerät mit einer Arm- oder Gürtelhalterung oder gut verstaut in den Taschen nach einiger Zeit nicht mehr auf – trotzdem sind klassische Sportuhren hier klar im Vorteil. Gerade für etablierte Läufer bietet sich deshalb der Griff zu einer professionellen Pulsuhr mit Auswertungssoftware an. Letztere ist zudem in Sachen Datenverarbeitung meistens genauer. So treten bei den getesteten Apps jeweils unterschiedliche Angaben über Höhenmeter oder die Distanz zutage – obwohl wir immer die exakt gleiche Runde laufen. Für den Großteil der Zielgruppe kann das Smartphone aber doch ein toller Trainingspartner werden. GPS-Empfänger zum Feststellen der zurückgelegten Distanz, Zeitnehmung, Herzfrequenzmessung sowie viele Trainingshinweise und zugleich motivierende Musik aufs Ohr – da können selbst spezielle Trainingsgeräte nicht mithalten. Die wichtigste Sache kann das iPhone einem aber nicht abnehmen: das Laufen selbst.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1804553