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Defragmentier-Tool für Mac-OS X

12.07.2002 | 14:24 Uhr |

Durch das Update auf Version 7.01 bekommt der Anwender der Norton Utilities endlich auch den vollen Funktionsumfang unter Mac-OS X.

München/Macwelt - Über die Funktion Live-Update- erhält der Besitzer nach einem 3 MB großen Update eine Carbon-Version des Defragmentier-Tools Speed Disk. Bisher steht das Update allerdings nur Besitzern einer englischsprachigen Programmversion zur Verfügung. Aufgabe von Speed Disk ist es, eine fragmentierte Festplatte zu optimieren.
Die Defragmentierung von Festplatten ist fast eine Glaubensfrage. Viele Anwender behaupten, ihr Mac würde dadurch schneller, andere halten es für reine Zeitverschwendung.

Technischer Hintergrund dieses Vorgangs ist die Dateiverwaltung auf der Festplatte: Jede Datei belegt auf einer Speicherplatte eine bestimmte Anzahl von Sektoren. Reicht der vorhandene Platz für das wiederholte Speichern, etwa einer großen Bilddatei, nicht aus, wird die Datei aufgespaltet und quer über die Festplatte verteilt, also fragmentiert. Speed Disk fügt diese Dateiinseln wieder zusammen und soll auf diese Weise die Arbeitsgeschwindigkeit des Systems erhöhen. Eine zweite Aufgabe ist die Anordnung von Dateien: Dateien gleicher Art, etwa Programme, werden an bestimmten Orten abgelegt. Theoretisch macht diese geplante Anordnung Sinn: Je näher sich eine Datei am äußeren Rand einer Festplatte befindet, desto schneller kann sie aufgerufen werden. Je nach Profil werden nun die Dateien an bestimmte Stellen der Festplatte geschrieben. Mit dem so genannten Profil-Editor können auch eigene Profile angelegt werden. Die Möglichkeiten sind allerdings begrenzt. Die Schaffung eines sehr schnellen freien Bereiches auf dem äußersten Rand der Festplatte ist damit etwa nicht möglich.
Für Mac-OS X-Volumes ist in der neuesten Version von Speed Disk ein eigenes Profil dabei, das die speziellen Unix-Dateianordnungen des Mac-OS X berücksichtigt. Mac-OS X verteilt seine Bestandteile nämlich völlig anders als Mac-OS 9, alte Speed Disk-Versionen sollten deshalb nicht für Mac-OS X-Volumes verwendet werden.

Traditionelle Unix-Rechner benötigen kein Defragmentierungsprogramm, da sich ihre Dateisysteme selbst optimieren. Da jedoch die meisten Mac-OS X Rechner mit HFS+ arbeiten, ist auch unter Mac-OS X eine Defragmentierung der Dateien möglich. HFS+ ist kein Unix-Dateiformat und ebenso wie unter Mac-OS 9 anfällig für Fragmentierung.

Die erste Schwierigkeit mit dem neuen Programm ist, es unter Mac-OS X zum Laufen zu bringen. Die eigene Partition, von der man gebootet hat, kann das Programm nämlich nicht defragmentieren. Beim Versuch einer eingeschränkten Optimierung, was unter Mac-OS 9 möglich ist, stürzt der Rechner sogar ab. Um Speed Disk zu starten muss folglich von CD oder einer anderen Partition gestartet werden. Da bisher auch bei Kaufversionen von Norton keine Mac-OS X-Boot-CD beiliegt, ist der einfachste Weg der Start von einer zweiten Mac-OS X-Partition. Schnellster Weg um zu einer solchen zu gelangen ist die Duplizierung seines Systems mit der Shareware Carbon Copy Cloner. Kopiert man damit seine Mac-OS X-Installation auf eine beliebige Partition, kann man seinen Rechner von diesem neuen "geklonten System starten und sein altes System optimieren.

Speed Disk sollte grundsätzlich nur nach einer vollständigen Plattenprüfung durch Norton Disk Doctor durchgeführt werden, ein Backup der wichtigsten Dateien sollte aber aus Sicherheitsgründen auch dann Pflicht sein. Startet man Speed Disk stehen einem verschiedenen Optimierungsmöglichkeiten zur Verfügung: Da Mac-OS X seine Dateien mit einer bestimmten Logik auf die Festplatte verteilt gibt es eine spezielle Optimierungsart für Mac-OS X, aber auch für Multimediaanwender und Programmierer stehen spezielle Profile zur Verfügung.

Enttäuschend sind allerdings die Ergebnisse der Optimierung. Die getestete schwer fragmentierte Partition ist nach ihrer Optimierung unter Mac-OS X kaum schneller geworden. mit How Fast können keine Geschwindigkeitsverbesserungen gemessen werden. Durch die Neuverteilung der Dateien wird die Festplatte beim Schreiben neuer Daten sogar langsamer. Bei einer zweiten Partition testen wir das Profil Multimedia, das die Platte für Multimedia-Anwendungen optimieren soll. Bei einem Standard-Photoshop-Test können wir auch hier keine nennenswerte Geschwindigkeitsveränderung feststellen.
Als Fazit müssen wir feststellen, dass das Ergebnis in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Erschwerend kommt hinzu, dass Speed Disk unter Mac-OS X weit langsamer arbeitet als unter Mac-OS 9. Eine Defragmentierung macht wohl nur nach jahrelanger intensiver Nutzung Sinn. Bei diesen Anwendungen empfiehlt sich aber als schnellere Alternative ein regelmäßiges Backup mit Neuformatierung der Festplatte. Theoretisch macht die Defragmentierung einer Festplatte sicher Sinn, für den Normalanwender ergeben sich allerdings kaum merkliche Performanceverbesserungen.

Stephan Wiesend

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