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Deus Ex: The Fall im Test

18.07.2013 | 16:45 Uhr |

Mit Deux Ex: The Fall führt Square Enix die populäre Spielereihe erstmals exklusiv auf iOS-Geräten fort. Ob das Experiment glückt? Der Test verrät’s!

Deus Ex: The Fall beschreibt ein düsteres Zukunftsszenario: Medizin und Forschung sind im Jahr 2027 weit fortgeschritten. Leistungsstarke Technik verbessert die Konstitution eines Menschen, sogenannte Augmentierungen erweitern die Handlungsmöglichkeiten. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Der menschliche Körper zeigt nach einer Weile massive Abwehrreaktionen gegen die Implantate. Die Folgeerscheinungen lassen sich einzig mit dem Medikament Neuropozyn behandeln. Dumm nur, dass die Pillen aus irgendeinem Grund knapp werden.

© 2015

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Spannende Romanvorlage

Superagent Ben Saxon will herausfinden, warum das Mittel ausgeht. Nicht ganz ohne Eigennutz, denn auch der Köper des ehemaligen SAS-Söldners ist ordentlich gepimpt. Noch bereiten ihm die Tuning-Teile nur selten Probleme, aber seiner Kollegin Anna Kelso setzen die Abwehrreaktionen deutlich zu. So geht Saxon der Sache auf den Grund und gerät dabei immer tiefer in ein komplexes Verschwörungsszenario.

Der Cyberpunk-Stil von Deus Ex ist unverwechselbar.
Vergrößern Der Cyberpunk-Stil von Deus Ex ist unverwechselbar.
© Square Enix

Die Geschichte von Deus Ex: The Fall fußt auf dem Roman Icarus Effect - die Handlung spielt größtenteils parallel zu den Ereignissen von Deus Ex: Human Revolution , das 2011 für PC, Xbox 360 und PS3 erschien. Die Story des Smartphone-Ablegers ist spannend, erreicht aber während der rund sechsstündigen Spielzeit nie die Klasse des großen Bruders. Atmosphäre kosten vor allem die in Spielegrafik gehaltenen Zwischensequenzen. Die Figuren wirken lust- und leblos. Starr rasseln sie ihre Texte runter - ausschließlich in Englisch übrigens. Die deutsche Übersetzung liefern Textboxen.

Wer Deus Ex: Human Revolution kennt, wird sich im iOS-Ableger pudelwohl fühlen - die Spielmechanik des großen Bruders wurde nahezu 1:1 übernommen. Aus der Ego-Perspektive steuert man Saxon durch die düsteren Szenerien. Sobald der Agent hinter Schränken, Säulen oder Gemäuern Deckung sucht, schwenkt die Kamera in eine Verfolgeransicht.

Im Verlauf des Abenteuers sammelt Saxon serientypisch Dutzende von Dokumenten ein. Die liefern zumeist interessante Story-Nebenaspekte - das kommt der Atmosphäre enorm zugute. Das Studieren von Tablet-PCs, Büchern, Zeitungen und E-Mails verschafft dem Spieler aber auch regelmäßig Zahlencodes, die elektronische Türsperren entriegeln. Doch auch ohne die entsprechende Kombination lassen sich verschlossene Wege öffnen. Entweder jagt man eine Tür mit einer Ladung Sprengstoff in die Luft oder man hackt das elektronische Schloss - das dazugehörige Minispiel ist Human-Revolution-Spielern bereits bestens bekannt: Hier gilt es, möglichst schnell Computersysteme miteinander zu verbinden und den Hauptcomputer zu erreichen, bevor ein Abwehrsystem Alarm schlägt. Die Fingersteuerung klappt dabei prima.

Durch langsames und bedachtes Vorgehen lässt sich in Deus Ex meist mehr erreichen, als mit brachialer Gewalt.
Vergrößern Durch langsames und bedachtes Vorgehen lässt sich in Deus Ex meist mehr erreichen, als mit brachialer Gewalt.
© Square Enix

Tuning für den Super-Söldner

Auch die aus Deus Ex: Human Revolution bekannten Verbesserungsmöglichkeiten hat Square Enix in das Hosentaschenabenteuer verfrachtet. Im Spielverlauf schalten Spieler etwa eine Tarnfunktion frei, verstärken die Rüstung des Protagonisten oder verbessern dessen Hack-Fertigkeiten. Auch Waffen lassen sich mit allerhand technischem Schnickschnack wie einem Schalldämpfer oder einem Laser-Visier aufwerten. Letztere kosten Geld, sogenannte Credits, das aufmerksame Spieler in Mülltonnen, auf Kisten oder Tischen finden. Wer sich die Suche ersparen möchte, kann Credits auch für Echtgeld über den Online-Shop beziehen. Das ist aber nicht notwendig, um das Spiel zu beenden.

Augmentierungen lassen sich mithilfe von Erfahrungspunkten und Praxis-Kits freischalten und nutzen. Wie viele Erfahrungspunkte ein Hobby-Agent sammelt, hängt stark von seiner Spielweise ab. Zwei Optionen hat der Super-Spitzel grundsätzlich: schleichen oder schießen. Wer die Schurken auf die harte Tour mit roher Waffengewalt ausschaltet, sammelt deutlich weniger Punkte als unauffällige Schleicher, die Fieslinge hinterrücks mit einem Nahkampfangriff ausschalten. Auch alternative Routen spülen zusätzliche Punkte auf das Erfahrungskonto - wer regelmäßig unbemerkt über Lüftungsschächte in den nächsten Abschnitt schleicht, ist klar im Vorteil.

Optisch gehört Deus Ex: The Fall zu den bislang eindrucksvollsten iOS-Titeln
Vergrößern Optisch gehört Deus Ex: The Fall zu den bislang eindrucksvollsten iOS-Titeln
© Square Enix

Wer schleicht, gewinnt!

Schleichen ist grundsätzlich zu empfehlen - speziell im iOS-Ableger. Denn mittels Touchscreen-Steuerung ist es schwierig bis unmöglich, Gegner in der Hitze eines Schussgefechts präzise anzuvisieren - trotz Hilfestellungen wie einer automatischen Zielfunktion. Ansonsten lässt sich Saxon aber prima durch das Abenteuer steuern. Besonders komfortabel: Nach Doppelklick auf eine beliebige Stelle im Abschnitt huscht der Held automatisch zum gewünschten Zielpunkt - hinter Kisten, Wänden oder Säulen geht er dann sogar selbstständig in Deckung.

Aber auch ganz klassisch lässt sich der Protagonist lenken: Über die linke Bildschirmhälfte bewegt man den Agenten, über den rechten Bereich des Touchscreens lässt sich die Blickrichtung ändern. Es gibt keine virtuellen Joypads, überall auf dem Schirm reagiert das Spiel auf die Richtungseingaben - sofern kein anderer Button im Weg ist. Vor allem auf dem vergleichsweise kleinen Display des iPhone 4S wird es angesichts der vielen Schalter eng. Es gibt Knöpfe fürs Ballern, fürs Ducken, für den Wechsel der Deckungsposition, für die Waffenauswahl, für das Pausenmenü, für Nahkampfattacken - und und und.

Die Bedienelement sind auf dem iPhone zu klein geraten
Vergrößern Die Bedienelement sind auf dem iPhone zu klein geraten
© Square Enix

Hinzu kommen diverse Anzeigen wie Radar und Energiebalken. Der Bildschirm ist proppenvoll. Manchmal löst man im Eifer des Gefechts ungewollt eine Aktion aus, weil unbeabsichtigt ein Button berührt wurde - da hilft es nur wenig, dass sich die Schaltflächen und Fenster beliebig auf dem Touchscreen anordnen lassen. Nur iPad-Nutzer haben ausreichend Spielraum.

Auf Hochglanz poliert

Greller Neonschein, trübe Straßenzüge, strahlende Hochhäuser, ein verstörender Orangefilter - der mobile Deus-Ex-Ableger ist ein ein Hingucker. Die Schöpfer haben visuell den Cyberpunk-Stil von Human Revolution prima auf die iOS-Syteme verfrachtet. Allerdings sind die Areale nicht so weitläufig und bieten dem Wohnzimmer-Agenten somit spielerisch weniger Optionen.

Die Klangkulisse ist stimmig und passgenau auf das Abenteuer zugeschnitten. Schwere Geigenklänge etwa intensivieren regelmäßig das bedrückende Gefühl beim durchkämmen düsterer Areale. Die Akustik passt sich zudem dynamisch den Geschehnissen an: Bei Schießereien beispielsweise heben die Schöpfer den Lautstärkepegel an, die Musik wird rockiger. Sind alle Gegner beseitigt, flacht das Klangbild wieder ab. Es beruhigt sich - genau wie der Puls des Spielers. Toll!

Wichtiger Bestandteil der Welt von Deus Ex sind Verbesserungen des menschlichen Körpers, sogenannte Augmentationen.
Vergrößern Wichtiger Bestandteil der Welt von Deus Ex sind Verbesserungen des menschlichen Körpers, sogenannte Augmentationen.
© Square Enix

Einschätzung: Deus Ex: The Fall

Deus Ex: The Fall hat vieles von dem, was ein vollwertiger Ableger der populären Action-Rollenspielserie bieten muss: Entscheidungsfreiheit in Dialogen und beim Erkunden der Abschnitte, Dutzende motivierender Upgrades, eine ordentliche Story, deren Bild sich beim Lesen von E-Mails, Büchern, PDAs und sonstigen Dokumenten im Spielverlauf dynamisch vervollständigt sowie eine stimmungsvolle Optik samt gelungener akustischer Untermalung.

Die Klasse eines Deus Ex: Human Revolution erreicht der iOS-Ableger aber nicht. Das liegt zum einen an der unpräzisen Steuerung, die speziell actionorientierte Spieler so manches Mal zur Weißglut bringt. Zum anderen verhalten sich die Gegner nicht sonderlich clever. So irren die Fieslinge während der Scharmützel teils orientierungslos umher und jagen einen flüchtenden Spieler nicht. Auch die Zwischensequenzen wirken lieblos und kalt - genau wie der Held Saxon. Human-Revolution-Protagonist Adam Jensen ist wesentlich vielschichtiger und damit interessanter. Dass das Abenteuer recht kurz ist, lässt sich angesichts des fairen Preises von 5,99 Euro verschmerzen. Schade nur, dass das Ende so abrupt kommt ...

Speziell mit der Version für das iPhone 4S gab es im Testbetrieb häufig Probleme. Regelmäßig stürzte das Spiel ab - hier liefert der Hersteller sicher in Kürze ein Update nach. An dem überfüllten Display lässt sich dagegen nicht viel machen - die vielen Buttons sind der Komplexität des Spiels geschuldet. Unschön auch: Die Schrift fällt speziell in den Waffenmenüs der iPhone-4S-Variante extrem klein aus - fast schon unleserlich.

Steckbrief: Deus Ex: The Fall

Hersteller: Square Enix

Preis: 4,99 Euro

Note: 2,3 gut

Grafik (25%) 1,2

Sound (25%) 1,6

Umfang (25%) 3,2

Bedienung (25%) 3,2

Vorzüge: Atmosphärisch wie technisch gelungener Smartphone-Ableger, Entscheidungsfreiheit bei Dialogen und Spielweise, intuitive Nutzeroberfläche und Steuerung

Nachteile: unpräzise Steuerung bei Actioneinlagen, miese künstliche Intelligenz, keine deutsche Sprachausgabe, kurze Kampagne, Abstürze auf dem iPhone 4S

Bezugsquellen: App Store

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