Von Michael Graf - 21.05.2012, 13:32

Der Action-Hit auf dem Mac

Diablo 3 im Test

©Michael Graf

Den Action-Hit Diablo 3 gibt es auch für den Mac. Im Test erweist sich Diablo 3 als Paradies der Jäger und Sammler, als Tretmühlen-Eldorado schlechthin.
Hinweis: dieser Test stammt von unseren Kollegen der GameStar. Dort findet Sie viele weitere Informationen zu Diablo 3
Wir wollen keine Seuchenpanik schüren, müssen aber klar und deutlich warnen: Die Daktylalgie bedroht weltweit Millionen Menschen, vielleicht sogar Sie selbst! Zumindest, wenn Sie Diablo 3 spielen. "Daktylagie" lautet nämlich der medizinische Fachausdruck für – Fingerschmerz. Und wenn ein Spiel das Zeug dazu hat, Mausklickfinger an die Grenzen ihrer Belastbarkeit zu treiben, dann doch wohl Blizzards Teufelshatz, die am 15. Mai endlich für den Mac und PC erschienen ist.

Allerdings unter schweren Geburtswehen: Die Entwickler hatten den Fan-Ansturm unterschätzt, die Battlenet-Server brachen zeitweise schneller zusammen als ein von Gabe Newell scharf gerittenes Shetland-Pony. Statt mit Mördern, Monstern und Dämonen rangen viele Käufer mit dem "Fehler 37", der ihnen den Zugang zu Blizzards Online-Plattform und damit zu Diablo 3 verwehrte. Denn zum Spielstart muss man sich im Battlenet anmelden – und angemeldet bleiben, der Kampf für das Gute erfordert eine permanente Internet-Verbindung.

Systemvoraussetzungen am Mac

Damit Diablo III am Mac läuft, benötigen Sie mindestens OS X 10.6.8 oder 10.7. Zudem ist ein Prozessor ab dem Core 2 Duo nötig. Als Grafikkarte setzt Hersteller Blizzard eine Geforce 8600m oder eine Radeon HD 2600 voraus. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher sind ebenfalls Pflicht.
Inzwischen hat Blizzard das Serverchaos weitgehend im Griff und die Gefahr einer Daktylalgie-Epidemie so drastisch erhöht. Denn Diablo 3 entpuppt sich im Test als herausragendes Action-Rollenspiel, als Klick-Tretmühle erster Güte – in deren ansonsten perfekt geöltem Mahlwerk allerdings ein wichtiges Rädchen klemmt.
Die Versionen
Die normale Verkaufsversion von Diablo 3 kostet je nach Händler rund 50 bis 60 Euro, die Download-Fassung gibt’s im Battlenet für 60 Euro Festpreis -- sehr teuer für einen reinen Digitalkauf. Die Collector’s Edition kostet regulär 90 Euro, ihre Ladenbestände dürften inzwischen aber ausverkauft sein.

Neben dem Spiel (sowohl für den Mac, als auch den PC) enthält die Sammlerfassung eine DVD sowie eine Blu-ray mit Making-Of-Videos und sämtlichen Render-Zwischensequenzen (alles im englischen Original, nur die Filmszenen lassen sich deutsch untertiteln), eine Soundtrack-CD, ein 208seitiges Artbook sowie einen 3,72 Gigabyte großen USB-Stick in Form eines Seelensteins mit Diablo-Kopf-Sockel. Auf dem Speicherstäbchen liegt die Vollversion von samt des Addons .

Zudem bringt die Collector’s Edition ein Schamanen-Pet für , drei Battlenet-Portraits und ein neues Armee-Decal für sowie drei optische Gimmicks für Diablo-3-Helden: gleißende Engelsflügel und die Farbsets "abgefüllte Wolke" sowie "abgefüllter Rauch".

Knalliger Spielfluss

Natürlich schnurrt auch in Diablo 3 der klassische Hack‘n‘Slay-Motivationsmotor: Die Helden zerprügeln Monsterhorde um Monsterhorde, um immer mächtiger zu werden, immer bessere Ausrüstung zu sammeln. Wie kein anderer Entwickler erschafft Blizzard dabei den rauschhaften "Flow", den (beinahe) ununterbrochenen, barrierefreien, mit höchster Strömungsgeschwindigkeit dahinbrausenden Spielfluss.
Der nächste Erfolg ist stets nur ein paar Axthiebe, ein paar Magiegeschosse weit entfernt – sei‘s ein besiegtes Bossmonster, ein wertvolles Beutestück, ein Questtriumph oder eines der vielen Battlenet-Achievements. Weil der Held Goldmünzen und Heilkugeln beim einfachen Drüberlaufen aufklaubt, entfallen zudem längere Sammel- und Heilpausen. Frustfreier und flüssiger kann ein Spielerlebnis kaum sein.

Zumal sich auch die Gefechte selbst unglaublich befriedigend anfühlen, vor allem dank des sehr direkten Treffer-Feedbacks. Wenn unser Barbar einem Ungeheuer den Kriegshammer an die Schläfe drischt, dann spüren wir das auch, durch die Animationen ebenso wie durch den wuchtigen Sound. Physikeffekte steigern den Knallfaktor zusätzlich: Flächenangriffe zerbröseln Säulen, Tische und Vasen; heftige Hiebe schleudern das Opfer weg oder blasen Skelettteile Richtung Gewölbedecke.

Diablo 3: Das Ultimative Kompendium

Jetzt erhältlich ist das umfassende Sonderheft zu Diablo 3 unserer Kollegen der GameStar. In ausführlichen Skill-Guides erklären wir alles über die fünf Klassen, mit ihren 113 aktiven und 75 passiven Fertigkeiten, stellen sämtliche neue und überholte Spielelemente vor und geben einen Einblick ins neue Autionshaus - inklusiver anwaltlicher Rechtsberatung, was Sie beim Handel mit echtem Geld unbedingt beachten müssen. Wer sich noch nicht sicher ist, welche Klasse er spielen soll, kann das in unserem großen Psychotest herausfinden.
Kurzum: Die Monsterjagd macht in Diablo 3 einfach irren Spaß. Wobei "einfach" hier durchaus auch für "simpel" stehen darf. Wer die vier Story-Akte in rund 15 Stunden einmal durchgespielt hat, darf mit demselben Helden auf einem höheren Schwierigkeitsgrad von vorne beginnen: Auf die Normalstufe folgen "Alptraum", "Hölle" sowie schließlich der neue, extraharte "Inferno"-Modus, jeweils mit immer stärkeren Gegner und besserer Ausrüstungsbeute. So dreht sich die Motivationsspirale immer weiter, tage- und nächte-, wochen- und monatelang – meisterlich!
Noch dazu sieht die Metzelei klasse aus, denn Diablo 3 erbt den typischen Blizzard-Look: Auch wenn die Grafik angesichts der teils matschigen Texturen und der generellen Polygonarmut technisch nicht unbedingt taufrisch wirkt, haben die Entwickler auch noch das letzte Quäntchen Stilsicherheit und Effektgewalt aus der Engine gekitzelt. Die Fähigkeiten der Helden und ihrer höllischen Widersacher brennen auf dem Bildschirm bunte Feuerwerke ab, in denen sogar schon mal der Überblick flöten gehen kann.

Die fünf Runenkrieger

Die fünf Charakterklassen gewinnen zwar keine Innovationspreise, glänzen aber mit grundverschiedenen und vielfältigen Talenten. Der Barbar springt mitten ins Getümmel und beherrscht reihenweise Spezialschläge, der Mönch reiht Kombo-Angriffe aneinander und stärkt Verbündete mit Mantra-Auren, der Hexendoktor beschwört Begleitmonster und verflucht Feinde, der Dämonenjäger beharkt Monster aus der Distanz und legt Fallen, und der Zauberer sprengt, zerstrahlt und vereist seine Widersacher. Alle Weltenretter gibt‘s in einer männlichen und weiblichen Variante, deren Aussehen sich allerdings nicht weiter anpassen lässt – außer durch die erbeutete Ausrüstung, die sich zum mit bei Händlern erstandenen Farbtöpfen kolorieren lässt.
Ebenfalls nicht anpassen lassen sich die Fähigkeiten der Recken, zumindest nicht so wie früher. Während wir uns in Diablo 2 noch spezialisieren und Talente gezielt steigern konnten, lernen wir nun alle Fähigkeiten automatisch bei Levelaufstiegen. Talentbäume und -punkte sind Geschichte, dafür schalten wir bis zur Höchststufe 60 regelmäßig Runen frei, mit denen wir die Wirkung der zugehörigen Fertigkeiten anpassen können.
Der Mönch etwa darfseine Donnerfäuste-Kombo, die Blitzschaden anrichtet, mit einer "Donnerschlag"-Rune ausrüsten, damit ihn der Angriff zusätzlich zum Ziel teleportiert und Schockwellen auslöst. Oder er wählt das "Blitzschnell"-Zeichen, damit die Kombo seine Ausweichchance erhöht. Bis zu sechs Fähigkeiten dürfen wir auf die beiden Maustasten sowie vier frei belegbare Hotkeys (standardmäßig die Zahlen 1 bis 4) verteilen, zudem aktivieren wir bis zu drei passive Talente. Beispielsweise verstärkt der Zauberer all seine Rüstungs-Hexereien, steigert seinen Kälteschaden oder verleiht seinen Blitzattacken die Chance, Feinde zu betäuben.
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