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Die beste Cloud für den Urlaub

06.06.2016 | 08:12 Uhr |

Cloud-Anbieter gibt es wie Sand am Meer, die noch dazu ähnliche Features bieten. Doch Cloud ist nicht gleich Cloud und die Feature-Listen wirken auf den ersten Blick extrem unterschiedlich. Was bieten die Clouds? Und welche ist auf Reisen die beste Wahl?

Sommer, Sonne, Strand und Meer. Die Kamera läuft heiß und die Fotos wollen irgendwo gespeichert werden, um die wertvollen Bilder vor zufällig auftretenden Speicherkartenfehlern zu schützen. Aber wohin damit? Nach dem Überspielen auf ein Tablet oder ein kleines Macbook bleibt die Frage, was ist, wenn die Geräte gestohlen werden – in solchen Fällen sollten wenigstens die Bilder und Videos noch da sein. Und überhaupt: Was, wenn man unterwegs Daten braucht, die man eigentlich nicht dabei hat? Die Lösung für all diese Urlaubs-Probleme ist eine Daten-Cloud: Die Online-Speicher sind längst mehr als virtuelle USB-Sticks und bieten zahlreiche Möglichkeiten, um Daten sicher zu verwahren und jederzeit auf sie zugreifen zu können. Welcher Anbieter bietet für Apple-Kunden am meisten und welchen sollten sich Mac-Nutzer besser sparen? Wir haben die wichtigsten Cloud-Dienste und einige kleine Anbieter verglichen.

Das Testszenario: Fotosammlung, wichtige Dateien und Passkopien

Gerade im Urlaub oder bei Backpacking-Trips kann die Cloud wichtige Daten fernab vom Reisegepäck sichern, die im Fall der Fälle benötigt werden. Das ist besonders dann wichtig, wenn das Risiko besteht, dass Geräte wie Notebook und Kamera unter die Räder oder in die Hände von Langfingern geraten können. Das mag zwar jederzeit überall passieren können, doch bei einigen Reiseformen in bestimmten Gegenden ist das Risiko höher als anderswo. Während sich Geräte wie Kamera und Notebook mit dem entsprechenden Kleingeld ersetzen lassen, sind Daten das wahre Gold der Moderne – und es wäre doch schade, wenn die wertvollen Bilder, selbst geschriebenen Reisetagebücher und andere Dateien mit dem Notebook, Tablet oder der Kamera ins digitale Nirwana verschwinden würden. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sinnvoll, wichtige Reisedokumente wie den Pass, den Personalausweis, Flugtickets oder Visa-Dokumente unabhängig vom Endgerät zu lagern, damit sie sich leicht neu beschaffen lassen oder sogar einfach archiviert sind, wenn das ganze Reisegepäck verloren geht. In all diesen Fällen ist der Einsatz einer Cloud Gold wert, weshalb wir die verschiedenen Cloud-Dienste einem Urlaubstest unterzogen haben: Wie gut lassen sie sich einbinden? Wie funktional ist das Webinterface? Und wie sicher liegen die dort archivierten Daten auch im Hinblick auf Spionageaktivitäten von Regierungen oder Langfingern?

Die verschiedenen Cloud-Dienste im Vergleich

Zu diesem Zweck haben wir die populären Cloud-Dienste iCloud , Google Drive, Dropbox und One-Drive unter die Lupe genommen. Außerdem dabei ist der populäre deutsche Anbieter Strato mit seinem Hi-Drive, das erst vor kurzem endlich mit einer Synchronisationssoftware ausgestattet wurde. Als weitere Alternativen haben wir noch Wuala und Amazons Cloud Drive unter die Lupe genommen und werfen zuguterletzt noch einen Blick über den Tellerrand: Denn auch eine NAS in den heimischen vier Wänden kann problemlos als Cloud-Speicher verwendet werden, was einige handfeste Vor- und Nachteile hat.

Grundsätzlich gilt: Für die genannten Szenarien auf Reisen sind alle Cloud-Dienste geeignet – und in vielen Fällen auch für den professionellen Einsatz. Allerdings gilt es hier zu bedenken, dass US-amerikanische Anbieter durch den nach dem 11. September 2001 beschlossenen Patriot Act auf Anfrage der Ermittlungsbehörden dazu gezwungen werden können, Daten herauszugeben. Zwar dürften die meisten privat gelagerten Dateien für die amerikanischen Terroristenjäger kaum von Interesse sein, trotzdem hinterlässt diese Tatsache bei vielen Usern ein flaues Gefühl. Zumal in der Vergangenheit – Stichwort NSA-Skandal – auch Rasterfahndungen durchgeführt wurden und nicht sicher ist, ob ausgelesene Daten nicht anderweitig verwendet werden, etwa für Wirtschaftsspionage. Das führte so weit, dass der EuGh das zuvor 15 Jahre geltende Safe-Harbor-Abkommen im Herbst 2015 kippte . Für reisende Privat- und Geschäftsleute spielt diese staatlich organisierte Spitzelei der Vereinigten Staaten eine unangenehme Rolle: Die US-Ermittlungsbehörden sind nervös – entsprechend ärgerlich wäre es, vor dem geplanten Road-Trip im Südwesten der Staaten bei der Einreise wegen einer dämlich in die Cloud gelegten Datei plötzlich ins Verhörzimmer geführt zu werden. Sicherheit vor diese bieten nur Dienste mit Dateiverschlüsselung oder solche, die sich außerhalb der USA befinden. Deutsche Anbieter wie Strato oder TeamDrive lagern ihre Daten in Deutschland und haben den großen Vorteil, dass das deutsche Datenschutzrecht zu den besten der Welt gehört. Weder deutsche noch ausländische Behörden können sich hier auch nur ansatzweise so leicht Zugriff verschaffen wie bei den US-Anbietern.

Cloud-Anbieter im Vergleich

Amazon Cloud-Drive

Apple iCloud

Box

Dropbox

Gratis-Speicher

5 GB

5 GB

10 GB

2 GB + X

Kosten Speicherupgrade (Monat)

20 GB/0,67 Euro, 200 GB/6,67 Euro, 1 TB/33,34 Euro

50 GB/0,99 Euro, 200 GB/2,99 Euro, 1TB/9,99 Euro

100 GB/8,00 Euro, Unbegrenzt ab 36 Euro

1 TB/9,99 Euro, Unbegrenzt ab 12 Euro

Website

https://www.amazon.de/clouddrive/home

http://www.icloud.com

http://www.box.com

Firmensitz

USA

USA

USA

USA

Daten-Verschlüsselung

Nein

Ja

Ja

Ja

Zero-Knowledge-Privacy

Nein

Nein (geplant)

Nein

Nein

Mac-Client

Ja

Ja

Ja

Ja

iOS-Client

Ja

Ja

Ja

Ja

Andere Clients

Windows, Android

Windows

Windows, Android, Blackberry, Windows-Phone

Windows, Android, Linux

Web-Interface

Ja

Ja

Ja

Ja

Online-Officetools

Nein

Ja

Nein

Nein

Foto-Galerie

Ja

Ja

Ja

Ja

Dateivorschau im Webinterface

Ja

Ja

Ja

Ja

Medien-Wiedergabe im Webinterface

Ja

Nein

Ja

Ja

Dateien Teilen

Ja

Nein

Ja

Ja

Speicher-Backup

Ja

Nein

Ja

Ja

Papierkorb

Nein

Nein

Ja

Nein

Ein sicheres Passwort ist das A und O – oder?

Abgesehen davon bieten US-Dienste allerdings in aller Regel den besseren Leistungsumfang, auch wenn der Preis dafür hoch ist. Wichtig ist bei allen Anbietern vor allem der Passwortschutz: Wer sich bei einem Cloud-Dienst anmelden, sollten Sie darauf achten, dass sie ein sicheres, aber natürlich auch leicht zu merkendes Passwort wählen. Am einfachsten und sichersten ist die Kombination mehrerer Worte in einem kurzen Satz, der durch Standard-Sonderzeichen und Ziffern getrennt wird: Ein Passwort wie „Ich#Liebe?Meine$Cloud!123“ ist lang und komplex genug, um Passwort-Knacker vor eine schier unlösbare Aufgabe zu stellen, gleichzeitig kann man es sich aber ohne Weiteres merken, wenn man die Sonderzeichen-Positionen im Kopf behält. Wichtig gerade für Reisende ist in diesem Zusammenhang auch der Einsatz von „normalen“ Sonderzeichen – andernfalls gerät die Passworteingabe auf einer fremdsprachigen Tastatur zu einem Roulettespiel.

Die Sache mit der Verschlüsselung

Der Vorteil eines sicheren Passworts liegt theoretisch auch in der Verschlüsselung durch den Cloud-Anbieter: Falls eine anbieterseitige Verschlüsselung vorliegt, sind die Daten zumindest auf den ersten Blick sicher bei der Übertragung und Lagerung. Wirklich vor Geheimdiensten und den Anbietern selbst verborgen sind sie allerdings nur, wenn auch der Anbieter selbst keinen Einblick in die Daten hat, was bei verschlüsselnden Dienstleistern wie Box, Dropbox oder auch Apples iCloud leider derzeit nicht der Fall ist. Da der Anbieter die Daten offenlegen kann, sind sie potentiell auch für Geheimdienste einsehbar, eine entsprechende Anfrage durch Ermittlungsbehörden in den USA vorausgesetzt. Dagegen hilft nur die sogenannte „Zero-Knowledge-Privacy“: Die Verschlüsselungsalgorithmen sind dann so gewählt, dass der Provider selbst nicht direkt auf die Daten schauen kann. Allerdings kann jeder Cloud-Nutzer für eine „Zero-Knowledge“ sorgen, indem er die Daten vor dem Upload eigenhändig auf dem Rechner verschlüsselt. Programme wie Boxcryptor erleichtern diese Aufgabe, reduzieren aber massiv den Komfort der Cloud-Lösungen. Immerhin: Einmal in Betrieb, ermöglichen sie die vollständig sicherer Benutzung jeder Cloud. Unter dem Strich bleibt aber festzuhalten: Wer maximalen Datenschutz will, ist nur bei deutschen Firmen gut aufgehoben. Den besten Komfort bieten jedoch die Dienste aus den Vereinigten Staaten.

Cloud-Anbieter im Vergleich

Google Drive

Microsoft One-Drive

Strato Hi-Drive

TeamDrive

Gratis-Speicher

15 GB

5 GB

5 GB

2 GB

Kosten Speicherupgrade (Monat)

100 GB/1,99 US-$, 1 TB/9,99 US-$, 30 TB/299,99 US-$

50 GB/2 Euro, 1 TB/7,00 Euro

100 GB/5,80 Euro, 500 GB/12,52 Euro

10 GB/4,99 Euro, 50 GB/24,90 Euro

Website

http://drive.google.com

http://onedrive.live.com

https://www.free-hidrive.com

Firmensitz

USA

USA

Deutschland

Deutschland

Daten-Verschlüsselung

Nein

Nein

Nein

Ja

Zero-Knowledge-Privacy

Nein 

Nein

Nein

Ja

Mac-Client

Ja

Ja

Ja

Ja

iOS-Client

Ja

Ja

Ja

Ja

Andere Clients

Windows, Android

Windows, Android, Windows Phone

Windows, Android

Windows, Android, Linux

Web-Interface

Ja

Ja

Ja

Nein

Online-Officetools

Ja

Ja

Nein

Nein

Foto-Galerie

Ja

Ja

Nein

Dateivorschau im Webinterface

Ja

Ja

-

Medien-Wiedergabe im Webinterface

Ja

Ja

Nein

-

Dateien Teilen

Ja

Ja

Ja

Ja

Speicher-Backup

Ja

Ja

Ja

Ja

Papierkorb

Ja

Ja

Ja

Ja

 

Apples iCloud: Gut für den Apple-Sync, schlecht für andere Betriebssystem

Der Cloud-Service, der aus Apples .mac-Service hervorgegangen ist, erlaubt vor allem eines: Das Synchronisieren von Daten quer über alle Apple-Endgeräte . Das bedeutet, dass zum Beispiel Adressbücher, Kalender, Notizen und Safari-Lesezeichen vollautomatisch per Cloud zwischen Mac, iPhone und iPad abgeglichen werden können. Der Fotostream beziehungsweise die iCloud-Fotomediathek erlauben einen bequemen Austausch von Fotos zwischen Apple-Geräten – Videos werden vom Fotostream allerdings derzeit nicht unterstützt. Und dank iCloud-Drive ermöglicht der Service auch Drittanbieter-Apps, auf die Cloud zuzugreifen und hier Dateien zwischenzuspeichern. Online gibt es zudem unter iCloud.com eine vollwertige Office-Lösung auf Basis von Apples iWork-Programmen Pages, Numbers und Keynote. Praktischerweise gibt es auch einen Windows-Client für die iCloud , der jedoch mangels proprietärer Apple-Software auf Windows-Rechnern an vielen Stellen nicht wirklich sinnvoll ist. Die volle Leistungsfähigkeit – und das ist der größte Haken an der iCloud – entfaltet Apples Cloud-Dienst nur auf Apple-Gerätschaften, Betriebssysteme wie Linux und Android werden sogar komplett ausgeklammert.

Apple bietet bei der iCloud zahlreiche Zusatzfunktionen.
Vergrößern Apple bietet bei der iCloud zahlreiche Zusatzfunktionen.

Zudem ist die iCloud chronisch überfüllt: Dank Features wie megapixelstarken Live-Fotos, 4K-Videos und Slow-Motion-Videos auf neuen iPhones und iPads können die Geräte-Backups den Speicherplatz schnell sprengen. Um die maximale Leistung aus der Cloud zu holen – Fotomediathek inklusive – ist also der Kauf von zusätzlichem Speicher unabdingbar, sobald mehr als ein iOS-Endgerät ins Spiel kommt. Immerhin: Die Speicherpreise liegen, Apple-untypisch, auf dem Niveau der wichtigen Mitbewerber oder sogar leicht darunter: Das  sinnvolle Terabyte-Upgrade kostet bei Apple 9,99 Euro und liegt damit auf dem Niveau von Dropbox oder Google. Der große Vorteil der iCloud sind ihre tiefe Integration in die beiden Apple-Betriebssysteme und die starke AES-128-Datenverschlüsselung mit immerhin künftig geplanter Zero-Knowledge. Der größte Nachteil sind der fehlende Papierkorb und die nicht vorhandene Backup-Funktion: Was aus der iCloud gelöscht wird, ist weg.

Das Problem dabei: 5 Gigabyte Speicher werden schnell knapp, besonders durch die iOS-Backups.
Vergrößern Das Problem dabei: 5 Gigabyte Speicher werden schnell knapp, besonders durch die iOS-Backups.

 

Amazon Cloud-Drive

Mit dem Cloud-Drive bietet Amazon eine Cloud-Lösung klassischer Bauart, die für alle Gerätetypen verfügbar ist und jedem Amazon-Kunden mit dessen normalen Login-Daten zum Online-Kaufhaus zur Verfügung steht. Das Cloud-Drive wird auf den leistungsstarken Serverfarmen des Amazon-Netzwerks gehostet, bei denen sich auch Apple mit seinen Online-Diensten bedient. Ausfallzeiten oder Geschwindigkeitsprobleme sind also so gut wie ausgeschlossen. Amazon bietet in der Grundausstattung fünf Gigabyte Speicher, die mit flexiblen Speicherplänen auf bis zu ein Terabyte erweitert werden können – das kostet dann allerdings satte 33,34 Euro im Monat.

Amazon bietet einen praktischen Ordner-Sync.
Vergrößern Amazon bietet einen praktischen Ordner-Sync.

Dafür hat der Cloud-Client für Mac, iOS, Windows und Android die praktische Funktion, beliebige Ordner und Benutzerordner über die Cloud synchron zu halten, wodurch es sich bei dem Dienst tatsächlich um ein „Cloud Drive“, also ein Laufwerk in der Cloud handelt. Amazon-Prime-Kunden erhalten zudem ohne Mehrkosten unbegrenzten Foto-Speicherplatz. Der hohe praktische Wert der Amazon-Cloud wird allerdings durch die Tatsache getrübt, dass Amazon die Daten zwar per HTTPS-Verbindung verschlüsselt überträgt, sie aber auf dem Server nicht verschlüsselt, insofern empfiehlt sich der Einsatz von Boxcryptor und Co . Immerhin: Amazons Cloud-Drive bietet einen Papierkorb und eine leistungsstarke Backup-Funktion, Daten lassen sich also jederzeit wiederherstellen.

Wie alle anderen Cloud-Anbieter hat auch Amazon einen praktischen Mac-Client.
Vergrößern Wie alle anderen Cloud-Anbieter hat auch Amazon einen praktischen Mac-Client.

 

Box

Ursprünglich als früher Cloud-Dienst als Konkurrent zu Dropbox angetreten, hat Box inzwischen die Kernkompetenz auf die Datensicherheit verlegt. Zwar sitzt auch dieser Anbieter in den Vereinigten Staaten, hat allerdings gegenüber den meisten Mitbewerbern den Vorteil, dass liegende Daten mit einer AES-256-Verschlüsselung auf den Box-Servern abgelegt werden, wenn auch ohne Zero-Knowledge-Strategie. Die Datenübertragung ist per SSL geschützt. Auch sonst zeigt sich Box als Cloud-Primus: Neukunden erhalten zunächst 10 Gigabyte Speicher kostenlos, allerdings mit einer lästigen Dateigrößen-Beschränkung auf 250 Megabyte in der Gratis-Version. Die entfällt erst bei Kauf eines der kostenpflichtigen Upgrades. Dafür gibt es für Entdeckernaturen eine Reihe von praktischen Apps direkt von Box .

Box integriert sich ähnlich wie Dropbox im Finder...
Vergrößern Box integriert sich ähnlich wie Dropbox im Finder...

Die einfachste ist dabei Box-Sync, die im Grunde der Dropbox-App entspricht und einen Cloud-Ordner auf dem System anlegt, dessen Inhalte automatisch mit der Cloud synchron gehalten werden. Auch die Datei- und Ordnerfreigabe ist genau wie bei Dropbox direkt aus dem Finder oder Windows-Explorer möglich. Zudem wird Box von einer Reihe von Drittanbietern unterstützt und eignet sich hervorragend für den professionellen Einsatz. Privatnutzer, die einfach ihre Daten, Videos und Fotos in der Cloud sichern und synchronisieren wollen, werden leider wegen der Dateigrößen-Beschränkung auf den Kauf des „Personal Pro“ Pakets angewiesen. Das ist mit seinen 100 Gigabyte für acht Euro im Monat aber vergleichsweise teuer. Profi-Pakete sind sogar noch einmal deutlich teurer, bieten dafür unbegrenzten Speicherplatz und zahlreiche Kooperationsfunktionen inklusive Datei-Backups und ähnlichem. Box positioniert sich damit hauptsächlich als Cloud-Service für Unternehmen, bietet aber trotz Sicherheitsversprechen kaum zusätzliche Sicherheit zu Dropbox. Immerhin: Die Profi-Features können vor allem kleinen Unternehmen einen gewissen Mehrwert bieten.

...und bietet auch im Web-Interface zahlreiche Funktionen.
Vergrößern ...und bietet auch im Web-Interface zahlreiche Funktionen.

 

Dropbox

Dropbox ist der Klassiker unter den Cloud-Diensten und war auch einer der ersten am Markt. So viel Prominenz macht allerdings arrogant: Nach wie vor erhalten Neukunden bei Anmeldung heutzutage lächerliche zwei Gigabyte Speicher im Gratis-Paket. Immerhin lässt sich das Gratis-Konto mit Hilfe verschiedener Upgrade-Aktionen dauerhaft um ein Vielfaches vergrößern , zumal es hin und wieder Aktionen beim Kauf von Endgeräten gibt, die den Speicher eine Zeitlang massiv aufrüsten. Einer der größten Kritikpunkte von Dropbox, die fehlende Verschlüsselung, ist zwar seit geraumer Zeit Geschichte – Daten werden bei Dropbox mit einem AES-256-Schlüssel abgelegt. Dass das allerdings nicht zwangsläufig Datensicherheit bedeutet, hat Dropbox selbst im Rahmen des NSA-Skandals bewiesen: Whistleblower Edward Snowden bezeichnete Dropbox als in der Vergangenheit „sehr kooperativ“ bei Anfragen des US-Inlandsgeheimdienstes NSA , wodurch der Dienst gleich zeigte, dass die stärkste Datenverschlüsselung wenig nützlich ist, wenn es Hintertüren gibt.

Das besondere an Dropbox ist, dass sich das Gratis-Konto mit einigen Aktionen deutlich erweitern lässt.
Vergrößern Das besondere an Dropbox ist, dass sich das Gratis-Konto mit einigen Aktionen deutlich erweitern lässt.

Trotzdem hat das Dropbox keine all zu große negative Presse beschert: Der Dienst ist nach wie vor ausgesprochen populär, was auch daran liegt, dass er einfach praktisch ist: Ein Ordner wird auf dem Rechner angelegt, dessen Inhalte automatisch in die Cloud übertragen werden. Alle Dateien lassen sich auch an User ohne Dropbox-Konto freigeben und mit wenigen Klicks können Austausch-Ordner mit anderen Dropbox-Nutzern eingerichtet werden. Ebenfalls praktisch ist die Tatsache, dass es offizielle Dropbox-Clients für alle gängigen Betriebssysteme gibt, die noch dazu Fotos und Videos über die Cloud synchron halten. Insgesamt bietet Dropbox also viele Vorzüge, ohne dabei größere Nachteile als andere Cloud-Anbieter zu haben. Die schlechte Presse im Rahmen des NSA-Skandals war vor allem der Tatsache geschuldet, dass Dropbox der populärste „Online-USB-Stick“ war und ist.

Google Drive

Wo es um Webdienste geht, ist natürlich auch Google nicht weit. Google Drive ist vergleichbar mit Amazons Cloud Drive, bietet allerdings in der Grundausstattung 15 Gigabyte Speicher ohne Beschränkungen. Auf eine Verschlüsselung der liegenden Daten verzichtet der oft als „Datenkrake“ geschimpfte Anbieter, dafür ist Googles Cloud-Dienst wohl der umfangreichste von allen: Mit nur einem Google-Konto können Anwender nicht nur auf Google Drive zugreifen, sondern auch Google Mail, Kalender, Photos, Youtube, das Online-Office Docs und viele andere Dienste nutzen. Durch diese Trennung und Vermischung der Dienste ist zwar nicht immer ganz klar, wo genau welche Daten nun liegen, doch das ist eher ein organisatorisches Problem seitens Google.

Ein Konto, dutzende Dienste: Google könnte seine Cloud-Services ruhig etwas übersichtlicher gestalten.
Vergrößern Ein Konto, dutzende Dienste: Google könnte seine Cloud-Services ruhig etwas übersichtlicher gestalten.

Leider schöpft Google das Potential des Dienstes noch nicht voll aus: Der Desktop- und Mobile-Client für alle wichtigen Betriebssysteme ist kaum mehr als eine Oberfläche für das (sehr gute) Web-Interface, Sharing-Optionen sind nur sehr eingeschränkt und kreisen um das Google-Netzwerk, wodurch sich Drive in letzter Instanz als weniger flexibel erweist als zum Beispiel Dropbox und als deutlich unübersichtlicher als etwa Apples iCloud. Wer einen Mac und ein Android-Smartphone besitzt, kann durch die umfassenden Sync-Funktionen des Dienstes allerdings kaum auf Google verzichten. Trotzdem täte es Google gut, die über anderthalb Dekaden wild gewucherten Dienste und Funktionen, die mit einem Cloud-Konto nutzbar sind, übersichtlicher zusammenzuführen.

Microsoft OneDrive

Wo Google und Apple spielen, ist in aller Regel auch Microsoft nicht weit. Spät kam der Anbieter mit OneDrive auf den Markt, das im Kern eine „iCloud für Windows“ ist. Mit 5 Gigabyte Einstiegsspeicher bewegt sich Microsoft auf dem Niveau der Mitbewerber, der größte Vorteil der umfassenden Microsoft-Cloud ist die Office-365-Funktion, die ein vollständiges, allerdings auch kostenpflichtiges Online-Office bereitstellt.

Auch OneDrive bietet eine Reihe von Zusatzfunktionen. Die sind allerdings primat für Windows-Anwender interessant.
Vergrößern Auch OneDrive bietet eine Reihe von Zusatzfunktionen. Die sind allerdings primat für Windows-Anwender interessant.

Für Mac-Anwender ist der Dienst nicht all zu interessant, da er hier primär als Speicherlösung fungiert und beim (seltenen) Einsatz von Macs mit Windows-Phones die einzige Möglichkeit ist, das Smartphone mit dem Mac zu synchronisieren.   Microsoft verschenkt hier leider viel Potential, zumal der Anbieter ähnlich wie Google darunter leidet, dass die Cloud spät eingeführt wurde und nun alle vorhandenen „alten“ Online-Dienste wie etwa den Adressbuch-Abgleich, den Kalender und Office, zusammenführen soll. Interessant ist OneDrive vor allem für Nutzer, die hauptsächlich am Windows-Rechner arbeiten und den Apple-Produkte nur als zusätzliches System einsetzen. Immerhin: Einmal eingerichtet, funktioniert auch Microsofts Cloud nahtlos mit Apple-Systemen.

Strato HiDrive

Strato tritt vor allem als Webhoster auf. Da liegt es nahe, auch einen deutschen Cloud-Dienst anzubieten. Stratos HiDrive war relativ früh am Markt, hatte aber anfänglich keine Gratis-Option und bis vor kurzem keine Sync-Clients. Stattdessen mussten User sich in technische Themen wie WebDAV, SMB und FTP eindenken – eine einfache Einrichtung an Mac und PC war damit nur für versiertere Anwender möglich. Insgesamt wirkt HiDrive bis heute eher „nerdig“ und komplex, hat allerdings dadurch einen handfesten Vorteil: Als Anwender ist man nicht zwangsläufig an ein Web-Interface oder einen Sync-Client gebunden, vielmehr kann es auch als Netzwerk-Volume am Mac eingebunden werden – und das nach WebDAV, FTP, rsync und SMB-Standard.

Dank des Sync-Clients schließt HiDrive endlich mit anderen Cloud-Diensten auf. Das Web-Interface des deutschen Anbieters wirkt aber unnötig technisch.
Vergrößern Dank des Sync-Clients schließt HiDrive endlich mit anderen Cloud-Diensten auf. Das Web-Interface des deutschen Anbieters wirkt aber unnötig technisch.

Damit sind vor allem Anwender mit Netzwerk-Kenntnissen mit HiDrive deutlich besser beraten als mit allen anderen Cloud-Diensten, zumal sich Backups – leider nicht mehr per Time Machine – auf dem HiDrive sichern lassen, als stünde der Server in den eigenen vier Wänden. Reichlich günstiger Speicherplatz ermöglicht sogar eine vollständige Spiegelung der Mac-Festplatte per rsync. Auch sicherheitstechnisch hat HiDrive gegenüber den großen Clouddiensten von Apple, Google und Co. einen Vorzug: Die Daten liegen in Deutschland auf deutschen Servern und unterliegen damit deutschem Datenschutzrecht, allerdings ohne eigene Verschlüsselung. Deshalb und aufgrund der anderen Aspekte ist HiDrive nach wie vor eine Lösung, die vor allem technisch versierte Cloud-Nutzer anspricht – dafür aber auch eine Reihe von praktischen Möglichkeiten als Online-Fileserver bietet.

TeamDrive

Mit dem relativ kleinen TeamDrive kommt ein weiterer Dienst aus Deutschland und hat vor allem eines zu bieten: Enorme Datensicherheit. Anders als die meisten anderen Cloud-Anbieter bietet TeamDrive nämlich eine Verschlüsselung direkt auf dem Endgerät, was bedeutet, dass die Daten nicht nur in der Cloud verschlüsselt lagern, sondern schon vorher gesichert werden. Das hat den Vorteil, dass der Anbieter selbst keinen direkten Zugriff auf die Daten hat, im Grunde also „Zero Knowledge Privacy“ bietet. Ein Web-Interface gibt es dementsprechend nicht.

Teamdrive ist ein deutscher Anbieter mit hohen Sicherheitsstandards. Dafür ist die Bedienung etwas weniger simpel.
Vergrößern Teamdrive ist ein deutscher Anbieter mit hohen Sicherheitsstandards. Dafür ist die Bedienung etwas weniger simpel.

TeamDrive richtet sich allerdings dediziert an Unternehmen, was sich auch im Preismodell niederschlägt, das sogar eine Begrenzung des Datenumsatzes pro Monat vorsieht. Unternehmen können den Dienst sogar für noch mehr Kontrolle über die Daten auf eigenen Servern hosten. Privatanwender erhalten zwei Gigabyte gratis, was in vielen Fällen schnell knapp werden dürfte. Dafür bietet Team Drive von allen Cloud-Anbietern im Vergleich die höchste Datensicherheit. Wer vertrauliche Daten ohne eigenhändige Zusatzverschlüsselung speichern möchte, kann also auf diesen Anbieter zurückgreifen.

 

Die eigene Cloud zu Hause

Zuguterletzt gibt es natürlich noch eine weitere Möglichkeit, aus dem Urlaub heraus Daten in einer Cloud zu sichern: Eine eigene Cloud zu Hause. Der Vorteil dieser Lösung ist vor allem der de facto unlimitierte Speicherplatz. Außerdem sorgt die Tatsache, dass die Daten nicht auf irgendwelchen Serverfarmen Begehrlichkeiten von Langfingern und Regierungsspitzeln wecken, sondern in den eigenen vier Wänden stehen, für eine gewisse Sicherheit. Der Nachteil ist sicherlich, dass Sie selbst für die Datensicherung, Verschlüsselung und die Wartung der Hardware sorgen müssen.

Lösungen dieser Art gibt es viele: So bietet zum Beispiel Western Digital mit den MyCloud-NAS-Systemen eine einfache Lösung, um eine Cloud ohne viel technischen Aufwand zuhause aufzusetzen. Wer mehr will, installiert einfach die Cloud-Software Owncloud auf einem alten Mac /PC, Raspberry Pi oder einer Synology-NAS: Die Software bietet volle Cloud-Funktionalität ohne den Zwang, die Daten einem Dritten übermitteln zu müssen. Allerdings ist die Erinrichtung einer zuverlässigen Verbindung ins eigene Heimnetzwerk eine Wissenschaft für sich und gerade unbedarften Anwendern nicht unbedingt zu empfehlen. Von daher ist der Einsatz einer eigenen Cloud nur technisch versierten Nutzern an Herz zu legen, die Spaß am Basteln haben.

 

Fazit: Acht Teller der gleichen Suppe

Zusammenfassend wird im Vergleich vor allem eines klar: Für die schnelle Datensicherung im Urlaub ist Cloud gleich Cloud, preislich wie funktional. Mac- und iOS-Clients sind bei allen Anbietern vorhanden und ähneln sich in Sachen Funktionsumfang inzwischen sehr stark. Während sich die „freien“ Cloud-Anbieter auf das Hosting von Dateien konzentrieren, versuchen die Betriebssystem-Hersteller Apple, Microsoft und Google, ihre Cloud mit diversen Zusatzfunktionen möglichst attraktiv zu gestalten – und sie gleichzeitig maximal an das eigene Software-Ökosystem zu binden. Die Datensicherheit ist nach wie vor vor allem bei US-Anbietern problematisch,  Verschlüsselung hin oder her. Wer wirklich sichergehen will, dass niemand Zugriff auf die eigenen Daten hat, muss auf eine eigene Cloud-Lösung zu Hause setzen oder muss die Daten vorab selbst auf dem Rechner verschlüsseln – mit allen damit verbundenen Nachteilen. Für die schnelle Datensicherung auf Reisen ist es daher im Grunde inzwischen völlig egal, auf welchen Dienst man setzt; Mac- und iOS-Anwender können für maximalen Komfort also ruhig zur iCloud greifen.

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