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Digitalkameras mit zwölf Megapixel

01.02.2008 | 14:02 Uhr |

Längst sind Kompaktkameras kleine Schmuckstücke, die mit ihren großen Displays beeindrucken. Doch die Gehäuseform ist bereits an der Schmerzgrenze der Bedienbarkeit und die zwölf Megapixel auflösenden Bildsensoren haben die Grenze des technisch Sinnvollen überschritten

Ein zu hochauflösender Bildsensor schadet der Abbildungsqualität, wie unsere Labortests mit dem DC-Tau-Testverfahren belegen. Denn schon längst können die Optiken der Kameras die hohe Auflösung nicht mit ausreichend Bildinformationen versorgen, ein schlechter Wirkungsgrad vor allem am Bildrand ist die Folge. Zudem messen wir ein höheres Bildrauschen. Dieses Manko versuchen die Kameras durch eine aufwendigere Nachbearbeitung auszugleichen. Das schlägt sich nicht selten negativ auf die Geschwindigkeit nieder. Um zu zeigen, warum solch hochauflösende Bildsensoren in Kompaktkameras technisch nicht sinnvoll sind, beschäftigen wir uns erst mit den Messergebnissen der Kameras und gehen dann auf den Praxiseinsatz und die Funktionen der einzelnen Modelle ein.

Was von 12 MP übrig bleibt

Drehwurm: Für die Steuerung nutzt die Nikon Coolpix S700 ein Drehrad. Doch die Bedienelemente sind zu nahe am Rand.
Vergrößern Drehwurm: Für die Steuerung nutzt die Nikon Coolpix S700 ein Drehrad. Doch die Bedienelemente sind zu nahe am Rand.

Insgesamt fällt bei allen Testkandidaten auf, dass die Auflösung zum Bildrand hin übermäßig stark abfällt. Der Grund ist physikalischer Natur. Denn gerade am Bildrand können die kleinen Objektive den Bildsensor nicht mit so viel Bildinformationen versorgen wie in der Bildmitte, da sich am Rand des Objektivs das Licht am meisten krümmt. Dieser Effekt kommt bei den hochauflösenden Bildsensoren, bei denen zwölf Millionen CCD-Elemente auf der Größe eines kleinen Fingernagels gepackt sind, deutlich stärker zum tragen als bei Sensoren niedrigerer Auflösung. Zudem beeinflusst der kompakt gebaute, optische Zoom die Abbildungsqualität. So müssen Kamerahersteller immer einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Brennweiten und der Abbildungsqualität finden. Beeinflusst werden hier die Randabdunklung, die Verzeichnung und die Auflösungsverteilung, die sich je Brennweite teils deutlich ändern können.

Doch nun zur Auflösungsmessung unserer Testkandidaten. Den geringsten Abfall der Auflösung zum Bildrand hin messen wir bei der Canon Digital Ixus 960 IS. Allerdings ist der Wert in der Bildmitte vergleichsweise niedrig, so dass die Kamera im Mittel keinen höheren Wirkungsgrad erreicht, als die anderen Modelle.

Das insgesamt beste Ergebnis schafft die Fujifilm Finepix F50fd bei unserer Auflösungsmessung. Zwar fällt bei der kurzen Brennweite die Auflösung zum Bildrand hin von rund 95 Prozent auf etwa 55 Prozent stark ab. Dagegen zeigt die Kamera bei mittlerer bis langer Brennweite eine sehr gute Auflösung.

Anschmiegsam: Als einzige Kamera ist die Canon Digital Ixus 960 IS ergonomisch geformt. So gefertigt liegt sie sehr gut in der Hand.
Vergrößern Anschmiegsam: Als einzige Kamera ist die Canon Digital Ixus 960 IS ergonomisch geformt. So gefertigt liegt sie sehr gut in der Hand.

Schlusslicht in der Disziplin Auflösung ist die Panasonic Lumix DMC-FX100. Bereits in der Bildmitte ist die Auflösung nur mittelmäßig, zum Bildrand hin fällt sie besonders bei kurzer bis mittlerer Brennweite auf einen Wert von deutlich unter 40 Prozent extrem ab. Sprich: Am Bildrand beträgt die effektive Auflösung weniger als fünf Megapixel – ein Wert, den beispielsweise die nur 7,2 Megapixel auflösende Casio Exilim HI-Zoom EX-V7 zumindest am Bildrand übertrifft. Etwas besser schaut es bei der langen Brennweite aus, hier ist der Abfall zum Bildrand moderat auch wenn die Auflösung allgemein auf mäßigem Niveau ist.

Auch die Sony DSC-W200 überzeugt nicht. Ihre Auflösung fällt zum Bildrand hin bei kurzer und mittlerer Brennweite stark ab. Ein kurioses Phänomen stellen wir bei der langen Brennweite sowie bei der Casio EX-Z1200 in mittlerer und langer Brennweite fest: Die Auflösung ist nicht wie üblich in der Bildmitte, sondern auf halben Weg zum Bildrand hin am stärksten ausgeprägt. Ursache hierzu ist ein schlecht zentriertes Objektiv.

Bei der kurzen Brennweite messen wir bei der Nikon Coolpix S700 in der Bildmitte eine Auflösung von über 100 Prozent. Ursache ist eine Überschärfung des Bildes, der man durch eine Verringerung des Schärfegrads in der Kamera entgegen wirken kann. Deutlich ist der starke Verlust der Auflösung zum Bildrand hin, das über alle Brennweiten auftritt und bei mittlerer Brennweite am stärksten ist.

Besonders bei kurzer Brennweite macht sich bei der Olympus FE-300 eine schlechte Auflösung bemerkbar. Während die Auflösung in der Bildmitte noch gut ist, fällt sie zum Bildrand hin extrem ab. Vertretbar ist die Auflösung in mittlerer und hoher Brennweite. Bei kurzer Brennweite messen wir dagegen bei der Samsung NV 20 noch akzeptable Werte, doch auch hier fällt zum Bildrand hin die Auflösung stark ab. Bei mittlerer und langer Brennweite ist bereits in der Bildmitte die Auflösung mäßig, sie kann sich aber bis zum Rand recht gut halten und sinkt erst am äußersten Bildrand stark ab.

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