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Disk Warrior 5: Mac-Rettungs-Software von Alsoft im Test

08.03.2016 | 13:14 Uhr |

Es gibt wenige Rettungsprogramme für den Mac, die so unverzichtbar scheinen wie Disk Warrior 5 von Alsoft.

Im Grunde kann Disk Warrior 5 (DW 5, hierzulande im Vertrieb von Software Box erhältlich) nicht viel, aber das dafür richtig und so gründlich wie kaum ein anderes Rettungstool für den Mac: nämlich im Notfall sowie prophylaktisch das Festplattenverzeichnis reparieren. Doch halt, schon diese Formulierung widerspricht der Philosophie von Alsoft: Nicht reparieren will die Software, sondern wiederherstellen im Sinne von komplett neu aufbauen. Man möchte nicht an einem beschädigten System und Dateiverzeichnis herumfrickeln (”patchen”) und dadurch den Schaden vielleicht noch größer machen. Sondern eben nach Lage und Analyse der Dinge das Dateiverzeichnis von Grund auf neu aufbauen, um so wieder einen sicheren Zugang auf das Mac-System und die wertvollen Dokumente zu erzielen. Dabei unterstützt Disk Warrior 5 auch beispielsweise Disk Images und kann nach Versprechen des Entwicklers wie nach eigener Erfahrung oft Festplatten wieder in Gang setzen, die aufgrund schwerwiegender Fehler im Dateiverzeichnis nicht mehr starten wollten.

Mit Stick geht alles flotter

Während man früher relativ langatmig von der CD mit Disk Warrior starten oder schon etwas flotter von einem externen Firewire-Laufwerk, um das Startvolume des Mac zu richten oder gar zu reanimieren, kommt das Tool heute recht stylisch direkt auf einen USB-Stick gepackt. Dieser bootet auf Macs, die ursprünglich mit Mac-OS X 10.4, 10.5 oder 10.6 ausgeliefert wurden. So drückt man beim Neustart des Mac die Alt-Taste und erhält die Partition mit Disk Warrior 5 als Startmedium zur Auswahl. Bei neueren Betriebssystemversionen ab OS X 10.7 gilt ein anderes Standardprozedere. Dann muss man laut Alsoft den Disk Warrior 5 enthaltenden USB-Stick mit in den Mac einstecken, von der Wiederherstellungspartition auf der Mac-Festplatte mit Tastaturkürzel Cmd-R starten, dort in das Terminal  "/Volumes/DW/go" eingeben und abschließend die Entertaste drücken.

Dann startet Disk Warrior 5 und prüft automatisch, ob es Optimierungsbedarf gibt. Um auch den Flash-Stick auf den aktuellen Stand des OS X auf dem gewünschten Mac zu bringen, setzt man den auf dem USB-Stick mitgelieferten ”DiskWarrior Recovery Maker” ein – damit ist man auch für zukünftige Updates des Betriebssystems auf der sicheren Seite. Ältere Macs starten dann aber nicht mehr auf diesem direkten Weg, wir haben daher für einen iMac von 2009 mit Mac-OS X 10.6 ein Firewire-Laufwerk mit dem Tool ausgerüstet.


Wie von dem ”Festplattenkrieger” gewohnt, lässt sich mit ihm das Dateiverzeichnis umfassend analysieren. Disk Warrior 5 sucht auch nach verschollenen Dokumenten und stellt diese gegebenenfalls im Vergleich zur ”zerschossenen” Dateistruktur in der Preview des neuen Dateiverzeichnisses dar. Wenn man möchte, kann man auch gezielt suchen, das geht leicht versteckt über die Tastaturbefehl Cmd-F. Außerdem lassen sich gefundene oder zu rettende Dateien und Dokumente auf ein externes Medium wie einen zusätzlich angeschlossenen USB-Stick kopieren.

Disk Warrior 5 kann auch ”Vorsorge”

Klickt man schließlich auf ”Rebuild”, wird das neue Dateiverzeichnis aufgebaut, nach einem Neustart sollte alles wieder einwandfrei funktionieren. Wir haben in der langen Geschichte mit Disk Warrior noch keinen Fall erlebt, in dem das nicht geklappt hätte. Ansonsten, wenn es sehr wichtig ist und auf anderem Wege nicht mehr zugänglich, hilft nur ein professioneller, aber teurer Datenretter von der Festplatte. Freilich, regelmäßige Backups etwa mit Time Machine oder mit dem kürzlich von uns getesteten Get Backup 3 sind die beste Versicherung gegen Datenverlust. Doch hat man vielleicht nicht immer die neueste Sicherung zur Verfügung, dann hoffentlich rettet DW 5 den Tag.
 Der Entwickler empfiehlt, Disk Warrior 5 regelmäßig auch zur Vorsorge einzusetzen und wenigstens einmal im Monat von dem Stick zu starten und möglicherweise auftretende Probleme gleich im Vorfeld beseitigen zu lassen.

Wir wollten wissen, ob diese Art der Wartung eigentlich auch Geschwindigkeitsvorteile bringt, was ja zu erwarten wäre, wenn ein Dateiverzeichnis schon ein Stück weit durcheinander geraten ist. Dieses stellt so etwas wie das Inhaltsverzeichnis auf der Festplatte für das System dar. Doch nur, wenn die Dateien im Notfall nach schweren Crashs noch nicht überschrieben oder endgültig gelöscht sind, können Tools wie Disk Warrior 5 überhaupt etwas bewirken.

Wir starten unseren Mac für unseren kleinen Performancetest im sicheren Modus (” Sicherer Systemstart ”) neu, dazu drückt man nach dem Startton sofort die Umschalttaste, bis das Apple-Logo erscheint. Der Mac startet dann in einer Art Basisversion des Systems, vor allem mit den erforderlichen Kernel-Erweiterungen, ohne die zuvor geöffneten Programme und Fenster und sonstige Tools. Außerdem wird das Startvolumen schon einmal überprüft und gegebenenfalls das Verzeichnis repariert. Dennoch bleibt für Disk Warrior 5 immer noch genug zu tun, und man kann auf diese Weise störende Faktoren wie andere Programme im Hintergrund ausschließen. Dann kopieren wir zwei größere Ordner (293 MB und 1,4 GB) im Finder, stoppen die Zeit, starten neu mit dem Disk-Warrior-5-Stick und lassen diesen nach Feststellung mehrerer Probleme im Dateiverzeichnis dieses neu aufbauen. Anschließen wiederholen wir den sicheren Systemstart und das Kopieren im Finder. Tatsächlich ergibt sich vor allem beim kleinen Ordner mit knapp 300 MB ein geringer Tempovorteil (weniger als 9 Sekunden gegenüber mehr als 10 Sekunden zuvor), beim größeren Ordner stellen wir nur einen kaum messbaren Vorteil nach der ”Behandlung” mit Disk Warrior 5 fest. Freilich ist dies ja nicht der Hauptzweck des Tools, sondern die Hilfe im Notfall.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Ferner stellen sich User mit SSD-Laufwerken in ihrem Mac die Frage: Klappt das damit auch? Antwort: Ein klares Ja. Denn, wie Alsoft es auch selbst beschreibt, Disk Warrior 5 kümmert sich ums Dateiverzeichnis, dabei ist es dem Tool egal, ob dieses sich auf einer ”klassischen” Festplatte oder einer flotteren SSD respektive einem Fusion Drive befindet. Zudem hilft DW 5 auch bei mit File Vault (inklusive 2) verschlüsselten Mac-Festplatten .

Prinzipiell setzt DW 5, der jetzt mit 64 Bit-Unterstützung kommt, mindestens Mac-OS X 10.5.8 voraus, für den Einsatz mit einem Fusion-Drive mindestens OS X 10.8.2. Der USB-Stick mit Disk Warrior 5 wird so ausgeliefert, dass er laut Entwickler jeden Intel-Mac, der ursprünglich mit Mac-OS X 10.4, 10.5 oder 10.6 geliefert wurde, booten kann. Für neuere Intel-Macs verwendet man wie beschrieben den mitgelieferten Disk Warrior Recovery-Maker, um den Disk Warrior-USB-Stick zu aktualisieren.

Der Preis freilich ist nach oben hin ”heiß”: 135 Euro inklusive Mehrwertsteuer werden dafür fällig , mit Versand fast 140 Euro. Selbst das Upgrade (benötigt Seriennummer der Vorversion und Kundendaten) schlägt noch mit 75 Euro zuzüglich Versand zu Buche. Für den Preis sollte man eigentlich zumindest einen flotten Support seitens des Entwicklers erwarten – doch wie es ein User bei Macupdate beschrieben hat: das kann dauern. Auch auf eine Anfrage von uns wurde von Alsoft noch nicht reagiert …

Empfehlung

Disk Warrior 5 gibt es nur auf Englisch, und keineswegs alle Funktionen und Ergebnisse sind intuitiv. Es bietet neben der Wartung des Festplattenverzeichnisses auch eine Analyse von wichtigen Daten wie den plists, das heißt Präferenzen von Programmen auf deren mögliche Beschädigung. Auch eine Prüfung des SMART-Status ist im Leistungsumfang enthalten.

Dennoch: Muss man so viel Geld ausgeben für ein Tool, das man vielleicht nie dringend braucht? Klare Antwort: Nein, man muss nicht. Es kann auch sein, dass man das niemals ”bereut”, und die Bordmittel des Mac mögen durchaus reichen, um seinen Apple-Computer bei Laune und am Laufen zu halten. Doch mit dem Disk-Warrior-5-Stick in der Schublade haben wir ein deutlich besseres Gefühl – dass der Festplattensamurai es im Notfall wirklich mit seinen scharfen Werkzeugen richten wird. Und in diesem Fall ist das Tool seinen Preis unbedingt wert.

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