Von Oliver Krüth - 08.11.2012, 13:20

Einsteiger-Displays

Test: Einsteiger-Monitore für Office, Web und Gaming

Nicht jeder Anwender kann 1000 Euro berappen, um seinen Schreibtisch mit einer Design-Ikone wie Apples Thunderbolt Display zu adeln oder gar 3000 Euro für einen Hardware-kalibrierbaren 30-Zöller, der die höchste Farbgenauigkeit verspricht. Günstige Monitore leisten mehr als man denkt
Wir testen fünf 24-Zoll-Displays, die den Besitzer bereits für unter 200 Euro wechseln, den E2460Phu vom taiwanesischen Hersteller AOC, aus dem Hause LG den Flatron E2411PU-BN, Philips’ Brilliance 248C, den SyncMaster S24B350H LED von Samsung sowie den VX2453MH-LED vonseiten Viewsonics.
Monitore lassen sich, vereinfacht gesagt, in zwei Klassen rubrizieren: In preiswerte Modelle mit einem TN-Panel, das den Standardfarbraum (72 Prozent NTSC), respektive sRGB abbildet und solche mit einem IPS- oder VA-Panel, deren Farbraum bis 100+ Prozent NTSC beziehungsweise AdobeRGB reichen kann. Die erste Gruppe ist für Anwendungen im Büro, das Browsen im Web und Games konzipiert, während sich die zweite Gruppe an professionelle Nutzer wie Grafiker, Bildbearbeiter und Fotografen richtet.

Panel und Backlight

Die fünf Testkandidaten sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Neben der Bildschirmdiagonalen von 24 Zoll (60 - 61 cm) nutzen alle ein TN-Panel, das ein Bild mit 1920 mal 1080 Pixel, beziehungsweise einer Auflösung von 92/93 ppi darstellt. Das Backlight besteht aus weißen LEDs und stellt den Standardfarbraum dar. Die Blickwinkeleigenschaften der Panels bilden das technisch derzeit untere Niveau ab und liegen bei 170° horizontal und 160° vertikal. Die Helligkeit der Panels beträgt 250 Candela pro Quadratmeter. Ausnahmen sind Philips’ Brilliance und der VX von Viewsonic, die mit 300 cd/m2 spezifiziert sind. Den Kontrast geben die Hersteller mit zwei Werten an, den typischen – meist 1000:1 – und den dynamischen. Bei letzterem werden aberwitzige Werte von 20 oder 30 Millionen zu eins angegeben, die sich aber nur auf Bewegtbilder beziehen.

Glossar

DeltaE: DeltaE gibt den Abstand zweier Farbwerte innerhalb eines Farbsystems wie Lab an. Obwohl das Auge für einige Farben empfindlicher ist als für andere, gilt im Mittel ein DeltaE von 4 bis 6 als Wert, ab dem ein Betrachter einen Unterschied zwischen Farben wahrnimmt.
DeltaC: DeltaE setzt sich aus DeltaL (Luminanzfehler) und DeltaC (Chroma = Farbfehler in der A/B-Achse) zusammen. Ein DeltaC von 1 ist bereits wahrnehmbar.
Gamut (Farbumfang): Der Farbumfang eines Monitors wird durch seine Primär- (Rot, Grün, Blau) und Sekundarfärben (Cyan, Magenta, Gelb) bestimmt. Der Gamut eines Monitors wird meistens nach NTSC referenziert (% NTSC), was jedoch wenig aussagekräftig ist. Sinnvoller ist die Angabe einer Gamutqualität bezogen auf ein Ausgabesystem wie sRGB, AdobeRGB, ISOCoated oder ECI-RGB.
ISO 13406-2: ISO-Norm, die die ergonomischen Anforderungen an Flachbildschirme nach Kriterien wie Leuchtdichte, Kontrast, Bildaufbauzeit und Pixelfehler regelt.
Kontrast: Bei TFT-Displays wird neben dem statischen (oder nativen) Kontrast oft ein dynamischer Kontrast angegeben. Während der statische Kontrast das Verhältnis zwischen der Lichtstärke des hellsten und des dunkelsten Punktes eines „statischen“ Bildes bezeichnet, beschreibt der dynamische Kontrast den hellsten und den dunkelsten Punkt zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bewegtbildern. Hierbei arbeiten die Hersteller mit Tricks. So wird etwa bei einem allgemein dunklen Bild zusätzlich die Hintergrundbeleuchtung reduziert und bei einem allgemein hellen Bild wird sie verstärkt. Bei Filmen entsteht so ein deutlich höherer Kontrasteindruck.
Profil-Qualität: Hiermit wird die Fähigkeit des Panels beschrieben, wie korrekt es die im ICC-Profil hinterlegten Farbinformationen verarbeiten und letztlich den RGB-Farbraum darstellen kann.
Softproof-Fähigkeit: Bei der Eignung zum Softproofen werden die 48 Felder des UGRA/FOGRA-Medienkeils vermessen. Diese Felder definieren den Zielfarbraum ISOCoated, den der Monitor mindestens zu 90 Prozent abbilden und deren durchschnittliche Abweichung 4 DeltaE nicht überschreiten sollte.
Für Gamer ist vor allem ein Wert von Interesse, die Reaktionszeit der Flüssigkristalle. Je schneller das Panel bei einem Ego-Shooter in den nächsten Zustand schalten kann, desto eher kann der Spieler auf die neue Situation reagieren. Hier sind zwei Werte gebräuchlich, der sogenannte Schwarz-Weiß-Schwarz-Wechsel und der Grau-zu-Grau-Wechsel. Während ersterer zwei reproduzierbare Zustände beschreibt, können die Hersteller bei den Grauwechseln etwa den Wert beim Wechsel von zwei eng nebeneinander liegenden Grauwerten angeben. So kommen Zeiten von einer oder zwei Millisekunden zu Stande.

Ausstattung

Wenn der Preis möglichst klein sein soll, wird an der Ausstattung meist zuerst gespart. Da wundert es schon, dass alle Monitore neben einem digitalen Eingang, DVI oder HDMI, sogar noch einen analogen VGA-Eingang besitzen. Dafür vermissen wir aber einen integrierten USB-Hub zum Anschluss von Peripherie wie Maus und Tastatur. Einzige Ausnahme ist der E2460 von AOC. Der zweite Sparansatz betrifft das Gehäuse. Hier verzichten die Hersteller gern auf aufwendige Fußkonstruktionen. Der Anwender bezahlt dies oft mit eingeschränkter Ergonomie, da sich die Displays wie etwa von Philips, Samsung und Viewsonic nur neigen, nicht jedoch drehen, in der Höhe verstellen oder in den Porträt-Modus kippen lassen, was die Modelle von AOC und LG sehr wohl können. Ein weiterer Punkt ist der After-Sales-Bereich. In den letzten Jahren hatte sich ein Garantiezeitraum von drei Jahren mit einem ebenso langen Vor-Ort-Service im Schadensfall als Standard etabliert. Davon gehen einige Hersteller nun ab und gewähren bei den Einstiegsmodellen nur noch zwei Jahre Garantie. Das betrifft hier die Geräte von LG, Philips und Samsung.  

Handhabung

Die Monitore werden in derart Platz sparenden Verpackungen ausgeliefert, dass der Anwender den Fuß selbstständig an das Monitorgehäuse montieren darf. Der Fuß wird entweder gesteckt oder mittels einer Schraube arretiert. Der Aufbau gelingt selbst Baumarkt-Ignoranten problemlos. Auf Grund der bereits beschriebenen ergonomischen Einschränkungen, bedarf es bei dem einen oder anderen Gerät möglicherweise einiger Anstrengungen, um den Monitor optimal aufzustellen.
Die Bildparameter lassen sich per OSD bei fast allen Modellen individuell einstellen. Während Helligkeit, Kontrast, Menüsprache und Positionierung einfach und verständlich angepasst werden können, gibt es bei den Farb- und Gamma-Einstellungen Kleinigkeiten zu bemängeln. Auch wenn sich Farbeinstellungen mit "warm", "normal" und "kühl" halbwegs sinnvoll beschreiben lassen, so fehlen doch meist korrekte Angaben in Kelvin. Löbliche Ausnahme ist Viewsonics Modell. Positiv ist, dass bis auf Samsungs SyncMaster alle Displays eine Voreinstellung für sRGB anbieten. Gamma-Anpassungen offeriert lediglich das Gerät von AOC. Was dem Anwender allerdings die Gamma-Einstellungen 1, 2 und 3 sagen sollen, erschließt sich uns nicht.

So testet Macwelt Office-Monitore

Die TFT-Displays kalibrieren wir zunächst auf 6500 Kelvin, ein Gamma von 2,2 sowie eine Luminanz von 120 Candela/Quadratmeter und erstellen ein ICC-Profil. Zur Kalibration nutzen wir das Spektralphotometer Eye-One Pro von Xrite mit der Software Eye One Match v3.6.3.

Test

Nach Kalibration und Profilierung ermitteln wir mit How Fast Display 2 Helligkeit, Homogenität und Kontrast. Mit der UDACT-Software 2.2 vermessen wir die Farbeigenschaften, wie Weiß- und Schwarzpunkt, die Graustufen, die Profilqualität sowie die Farbraumabdeckung des Monitors im Vergleich zu sRGB. Schließlich vermessen wir mit einem Oszilloskop  und einer Fotozelle die tatsächlichen Schaltgeschwindigkeiten der Flüssigkristalle beim Bildaufbau zwischen den Zuständen Schwarz nach Weiß und Weiß nach Schwarz.

Bewertung

Ein guter Office-Bildschirm sollte zunächst einmal homogen ausgeleuchtet sein. Helligkeitsschwankungen von maximal 10 Prozent sollten nicht überschritten werden. Die Graustufen gelten als akzeptabel, wenn die Schwankungsbreite des Farbdrifts nicht mehr als maximal 2 DeltaC beträgt. Das Farbraumvolumen sollte sRGB zu 95 Prozent abdecken. Beim Stromverbrauch orientieren wir uns an der EuP-Verordnung (Standby ≤2 Watt, Aus ≤1 Watt).
Für die Ausstattung berücksichtigen wir die Dauer der Herstellergarantie sowie den damit verbundenen Vor-Ort-Service im Garantiefall. Beides sollte mindestens für drei Jahre gewährt werden. Ferner werden die Anzahl der Videoschnittstellen (DVI, VGA), Hubs (USB) und die Ergonomie (höhenverstellbar, drehbar, neigbar, Portraitfunktion) gewichtet.
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