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Eizo CG277 im Praxistest

19.05.2014 | 14:05 Uhr |

Mit dem CG277 hat Eizo seinem ehemaligen Flaggschiff einen Nachfolger verpasst. Statt eines CCFL-Backlights kommt nun erstmals eine LED-Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz. Auf dem Macwelt Prüfstand muss der Monitor zeigen, was er kann.

Das Hardware-kalibrierbare 27-Zoll-Display richtet sich nach wie vor an Profis in den Bereichen Foto, Druck und Film, denen es auf kleinste Farbnuancen ankommt. Es kann quasi alle gängigen Arbeitsfarbräume wie sRGB , Adobe RGB , ECI-RGB 2.0, ISOcoated v2 (Softproof), REC 709 und DCI vollumfänglich darstellen. Während Farbdriftkorrektur, Helligkeitsstabilisierung und Techniken zur Homogenisierung (Digital Uniformity Equalizer) auch bei Mitbewerbern zu finden sind, sticht der eingebaute Messsensor "Eizo-Swing" heraus. Er ermöglicht automatisierte Selbstkalibrierungen, ohne dass sich der Anwender darum kümmern muss. Der Listenpreis von stolzen 2290 Euro unterstreicht Eizos Selbstvertrauen in sein Premiumprodukt.

Im Bildschirm arbeitet ein 27 Zoll großes IPS -Panel mit einer Auflösung von 2560 mal 1440 Pixel (109 dpi) im 16:9-Format, das einige Raffinessen aufweist. So ist die Lookup Table (LUT) dreidimensional und 16 Bit breit, was zu einer sehr akkuraten Farbdarstellung führt. Ein Digital Uniformity Equalizer genannter sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung und Farbdarstellung über den gesamten Tag hinweg. Schwankungen werden durch den Chip automatisch korrigiert.

Eizo CG277 Rückseite
Vergrößern Eizo CG277 Rückseite
© Eizo

Das Wide-Gamut-Panel ist ausgesprochen blickwinkelstabil (178° H/V) und wird dank seiner matten Oberfläche professionellen Ansprüchen gerecht. Besonders augenfällig ist der robuste und dennoch formschöne Standfuß. Er ermöglicht das Drehen, Neigen und Absenken des Displays bis zum Fuß sowie das Kippen in den Porträt-Modus. Mit dem Mac kommuniziert der CG277 über DVI, HDMI, Display Port sowie einen USB-2.0-Hub mit zwei Upstreams. Fünf Jahre Garantie inklusive Vor-Ort-Service sowie eine Sichtschutzblende komplettieren das professionelle Erscheinungsbild.

Der CG277 im Testcenter

Der Monitor wird mit der Kalibrierungs-Software Color Navigator 6 ausgeliefert. Mit der Software lassen sich quasi alle Monitor-Parameter nach Belieben anpassen: Helligkeit, Weißpunkt, Schwarzpunkt und Tonwertkurve. Darüber hinaus können verschiedene Profile in den Monitor geladen werden und dieser simuliert dann den gewünschten Geräte- oder Arbeitsfarbraum. Als Messgeräte werden neben dem eingebauten Swing auch alle gängigen externen Messsensoren akzeptiert. Die Software liegt allerdings nur auf Englisch vor und kann auch nur Eizo-Monitore kalibrieren.

Die Kalibrierung ist in logische Einzelschritte unterteilt. Nach der Auswahl von Luminanz und Weißpunkt werden Schwarzpunkt und Tonwertkurve justiert. Nach der Auswahl des Messsensors beginnt die Kalibrierung. Im Anschluss erhält man eine Art Messprotokoll über die tatsächlich erzielten Parameter. Bedauerlicherweise lässt sich das erzeugte Profil in der Anwendung nicht speziell benennen. Es erhält von der Anwendung lediglich eine numerisch fortlaufende Kennung. Bei mehreren Profilen kann dies verwirren.

Testergebnisse

Den CG277 testen wir zunächst im unkalibrierten Zustand mit dem aktuellen UDACT 2.3 und einem i1 Pro von X-rite, da der eingebaute Swing-Sensor vom UDACT aktuell noch nicht unterstützt wird. Die Bild-Presets sind zahlreich und orientieren sich an bekannten Arbeitsfarbräumen, wie sRGB, Adobe RGB, REC.709, SMPTE-C oder EBU. Bereits hier macht der CG277 eine gute Figur, kann aber seine Qualitäten noch nicht ausspielen. Nach der Kalibrierung auf Adobe RGB offenbaren sich dann die inneren Werte. So weicht die Farbtemperatur mit 6481K nur um 0,4 Delta E vom Ziel ab. Auch der Schwarzpunkt ist mit 0,2 cd/qm ausgesprochen gut. Bei der Vermessung der Graustufen kommt die 16-Bit-3D-LUT zum Tragen. Eine Farbdrift von nur 0,66 Delta C über die gesamte Monitorfläche ist exzellent. Da der Monitor Hardware-kalibriert ist, verliert der CG277 bei der Kalibrierung auch keine Tonwerte. Die Arbeitsfarbräume von Adobe RGB, sRGB und ISOcoated v2 stellt der Monitor komplett dar.

Bei all dem Licht gibt es aber auch etwas Schatten. Die Reaktionszeit der Flüssigkristalle von Schwarz auf Weiß und zurück gibt Eizo mit 12 ms an. Die können wir nicht ganz erreichen und landen bei 16,5 ms (6,6 ms rise, 9,9 ms fall). Kein Drama, aber Gamer sind deutlich bessere Werte gewöhnt. Der Stromverbrauch ist in dieser Geräteklasse prinzipiell zweitrangig. Es fällt jedoch auf, dass der CG277 im Ruhezustand 12 Watt und selbst im ausgeschalteten Zustand noch 6,4 Watt verbraucht, während er bei 120 cd/qm moderate 47,2 Watt aus dem Stromnetz zieht. Mit dem separaten Primärschalter an der Rückwand des Bildschirms lässt sich dieser Umstand aber umgehend lösen. Man sollte also stest daran denken, den Primäschalter zu benutzen, wenn man den Monitor längere Zeit nicht verwendet

Fazit

Wie sein Vorgänger gehört der CG277 zu den Top-Geräten seiner Klasse. Der darstellbare Farbraum ist riesig und dank des eingebauten Sensors sowie der Kalibrierungs-Software muss sich der Anwender noch nicht einmal um die turnusmäßige Nachkalibrierung kümmern. Der Umstieg von einer CCFL basierten Hintergrundbeleuchtung auf LED-Backlights wirkt sich allerdings kaum auf den Stromverbrauch aus.

Eizo CG277

Hersteller: Eizo

Preis: € 2290, CHF 2800

Note: 1,1 sehr gut

Leistung (40 %) 1,0

Ausstattung (30 %) 1,0

Handhabung (20 %) 1,2

Ergonomie/Verbrauch (10 %) 2,0

Vorzüge: Sehr großer Farbraum, sehr genaue Kalibrierung, eingebauter Messsensor

Nachteile: Hoher Stromverbrauch, Kalibrierungs-Software nur auf Englisch

Alternative: NEC Spectraview Reference 272

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