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Infinity Blade 3 im Test für iPhone und iPad

08.01.2014 | 13:00 Uhr |

In Infinity Blade 3 bereisen wir endlich die weite Welt. Warum es nun doppelt so viel Spaß macht, sich von hünenhaften Giganten niederstrecken zu lassen, klären wir im Test.

Der Todlose, der Hüter, ein Gottkönig: Viele Begriffe und Namen, die bereits zu Beginn des Spieles ohne Erklärung über den Bildschirm flimmern. Für Neulinge ist der Einstieg in Infinity Blade III wie ein Sprung ins kalte Wasser. Dabei scheint Epic die Geschichte seines Action-Adventures durchaus wichtig zu sein: Immerhin wurde die Story-Brücke vom ersten zum zweiten Teil über einen Roman aus der Feder Brandon Sandersons geschlagen.

Allerdings ist trotz Story-lastigkeit auch Einsteigern schnell klar, dass Schwerpunkt von Infinity Blade 3 woanders liegt: Wer sich in den Duellen mit namenlosen Schurken und anderen Monstrositäten verliert, wird von Hintergrundgeschichte und realer Umgebung kaum noch etwas wahrnehmen.

© 2015

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Fingerakrobatik und Gestenzauberei

Das Spielprinzip ist wie schon in den Vorgängern simpel: Während wir unseren Kontrahenten im direkten Duell gegenüberstehen, müssen wir ihre Hiebe und Schläge mit gezielten Wischbewegungen blitzschnell parieren oder einfach seinen Fußtritten, Schildschlägen und anderen Tricks mit Blocks oder Ausweichbewegungen entrinnen. Öffnet sich eine Lücke in der Verteidigung, beharken wir den Feind bis er wiederum zum Gegenschlag ansetzt oder endlich zu Boden geht.

Um den eigenen Angriffspart nicht zu einem chaotischen Betappsen des Spielgeräts verkommen zu lassen, können wir mit gezielten Gesten Angriffskombinationen auslösen, die besonderen Eindruck in Form physischer Verletzungen hinterlassen. Und haben sich unsere Angriffs- oder Magieanzeige aufgeladen, dürfen wir selbst die gefährlichste Attackenserie mit einem Konterangriff oder einem Zauberspruch unterbrechen, etwa um uns selbst zu heilen oder die Körpertemperatur und damit Angriffsgeschwindigkeit unseres Gegenübers so zu senken, dass sogar kleine Eiskristalle auf seiner Haut wachsen.

Taktische Verzögerung: Eismagie hilft uns, hektische Kämpfe zu unseren Gunsten zu entschleunigen.
Vergrößern Taktische Verzögerung: Eismagie hilft uns, hektische Kämpfe zu unseren Gunsten zu entschleunigen.

Unsere Strategie müssen wir zudem den Gegebenheiten anpassen: Ein meterhoher Fleischkoloss, der uns mit einem Stahlrohr gigantischer Ausmaße grobschlächtig massieren möchte, ist ein leichtes Opfer für Ausweichkünstler; wendigen Kämpfern mit zwei Dolchen begegnet man besser mit einem soliden Schild. Die beiden spielbaren Charaktere Isa und Siris tragen zwar gänzlich andere Waffen, unterscheiden sich in Sachen Taktik aber kaum voneinander.

Klamottenfimmel und stachelige Garderobe

Als Belohnung für gewonnene Kämpfe sammeln wir allgemeine und ausrüstungsgebundene Erfahrungspunkte; erstere lassen uns beim Stufenaufstieg stärker werden, letztere tragen zur Meisterung des jeweiligen Gegenstandes bei. Beides werfen jedoch Fähigkeitspunkte ab, die wir zum Beispiel zur Freischaltung von waffenspezifischen Komboattacken oder zum Erlernen des Schlösserknackens kleinerer Truhen nutzen können.

Die Ausrüstung sammeln wir dabei wie im Vorgänger als direkte Belohnung nach Kämpfen, klauen sie aus unbewachten Truhen oder kaufen sie jederzeit während unseres Abenteuers im Shop - magische Sofortzustellung inklusive. Dazu gibt es die Möglichkeit, das begrenzte Sortiment der zwischen den Missionen vorbeischauenden Schmugglerin zu durchwühlen.

Die Hatz nach neuer Ausrüstung ist dabei Triebfeder von Infinity Blade 3: Stufenaufstiege allein reichen kaum aus, um neue Gegner zu besiegen; vielmehr sind wir auf die attributsverbessernden Eigenschaften höherwertiger Gegenstände angewiesen. Damit landen wir schnell in der altbekannten Suchtspirale: Nur noch ein wenig mehr Geld für den Helm mit den großen Stacheln und den fehlenden Sichtschlitzen, nur noch einen Kampf, um das neue Schwert direkt am lebenden Objekt einem Test zu unterziehen.

Reise, Reise

Ein Grund, warum man trotz der durchschaubaren Mechanik bei der Stange bleibt, ist die opulente Grafik: Hinter Infinity Blade III arbeitet wie gewohnt die Unreal Engine. Dieses Mal hinterlassen wir unsere Spur aus Leichen jedoch nicht wieder und wieder im selben Gemäuer, sondern reisen auf unseren Missionen durch das ganze Land: Karge Wüsten unter glühend heißer Sonne und schattenspendende Ruinen finden wir ebenso wie japanisch anmutende Burganlagen im Nebel - inklusive Regen, der innen am iPad-Display herabrinnt. Dabei stört es kaum, dass wir bei unserer Reise nur automatisch auf vorgegebenen Pfaden wandeln und nur hin und wieder unsere Route aussuchen dürfen.

Ferne Orte: Die neuen Landschaften bereichern Infinity Blade III um malerische Szenerien.
Vergrößern Ferne Orte: Die neuen Landschaften bereichern Infinity Blade III um malerische Szenerien.

Den Missionsort wählen wir vorab auf einem Lageplan aus. Eine große Wahl haben wir nicht, meist stehen nur ein bis zwei Aufträge zur gleichen Zeit zur Verfügung. Dazu gibt es eine Reihe von Clashmobs und Prüfungen, in denen wir alleine oder mit mehreren Spielern zeitgleich bestimmte Aufgaben meistern müssen, etwa möglichst viele Hiebe in die Parade eines Kontrahenten zu schlagen; andere Spieler bekommen wir dabei jedoch nicht zu Gesicht.

Lieferzeiten und das perfekte Gebräu

Nach und nach scharen wir einige NPCs um uns, denen wir zwischen den Aufträgen mit unseren Wünschen auf die Nerven gehen dürfen: Der bereits zu Anfang verfügbare Trankbrauer mischt aus zufällig in der Landschaft gefundenen Zutaten beispielsweise aufputschende Tränke, die uns sicherlich lebenslang für die Tour de France sperren, dafür aber unsere Attribute in die Höhe schießen lassen. Oder er kocht Tinkturen für zusätzlichen Giftschaden, von denen wir uns nicht sicher sind, ob der Held sie nicht lieber auf seine Waffe als auf seinen Magen anwenden sollte.

Ein Besuch in der Schmiede oder Schmelzkammer bringt uns - rekrutiertes Personal vorausgesetzt - die Möglichkeit, Waffen zu verbessern. Außerdem kombinieren wir hier Edelsteine, die sich wiederum in Waffen einsetzen lassen. Allerdings braucht man eine gehörige Portion Geduld, denn die Aufträge sind erst nach einiger Zeit, mitunter sogar Stunden fertig. Ungeduldige Naturen können die Zweitwährung des Spiels einsetzen, um den Prozess zu beschleunigen. Diese bekommen wir zu Beginn förmlich hinterhergeworfen, da ihr Erhalt an freizuschaltende Achievements gebunden ist, später tröpfeln nur noch wenige Punkte auf unser Konto.

Portemonnaies und das Grillen über offener Flamme

Die Währungsknappheit hemmt den Spielfluss und soll Spieler natürlich in den Ingame-Store treiben, wo es für echtes Geld Nachschub gibt. Da bleibt bei einem ohnehin schon »teuren« Spiel wie Infinity Blade III ein fader Beigeschmack. Zusammen mit den Truhen, deren Schlüssel über dieselbe Währung bezogen werden, scheint Epic Games Käufer des letzten Serienteils stärker als bisher zur Kasse locken zu wollen.

Klassisch: In Infinity Blade III wird wie in den beiden Vorgängern Mann gegen Monster gekämpft.
Vergrößern Klassisch: In Infinity Blade III wird wie in den beiden Vorgängern Mann gegen Monster gekämpft.

Ein Spielelement haben wir uns bewusst ganz zum Schluss aufbewahrt: Drachen. Diese erwischen uns in Infinity Blade III oft auf falschem Fuß, ziehen eine Reihe von Quick-Time-Events nach sich und fordern oftmals unseren Tod - durch Zerquetschen, Zerbeißen oder das schonende Garen in der eigenen Rüstung. Wer dennoch überlebt, darf dem Ungetüm einige Wunden zufügen, bevor es sich aus dem Kampf zurückzieht, um zu ungünstiger Zeit erneut aufzutauchen - über die Belohnung beim Erlegen der Biester schweigen wir uns jedoch ebenso aus wie über die Hintergrundgeschichte, die in Infinity Blade III ein Ende findet.

Fazit von Jan Knoop

Die Kurzfassung: Infinity Blade III ist der beste Teil der mit ihm abgeschlossenen Trilogie. Bekannte Elemente wurden gekonnt verfeinert, die Grafik nochmals verbessert, mit zweitem Charakter, neuen Schauplätzen und Crafting-Optionen das Suchtpotential vergrößert. Wer aufgrund der simplen Spielmechanik noch Bedenken hat, wird sie spätestens nach wenigen Spielminuten begeistert über Bord werfen und kräftig fluchen, wenn eine misslungene Parade den bereits sicher gewähnten Sieg vereitelt. Persönlich möchte ich gerne ein Klagelied über die Moral der In-App-Käufe anstimmen, die in ihrer Höhe und Menge einem Bezahltitel unwürdig erscheinen - wer jedoch nicht jede Truhe aufschließen und jedes Utensil aus dem Abenteurerkleider- wie Waffenschrank aufrüsten möchte, wird davon in seinem Spielspaß nicht eingeschränkt.

Steckbrief: Infinity Blade III

Hersteller: Chair

Preis: 5,99 Euro (App Store)

Altersfreigabe: keine Angabe

Note: 1,6 gut

Grafik (25%): 1,3

Sound (25%): 1,6

Umfang (25%): 2,0

Bedienung (25%): 1,6

Vorzüge: Großartige Technik, Atmosphärische Landschaften, Motivierende, actionreiche Kämpfe, Motivierende Jagd auf Ausrüstung, Sondereinsätze und Herausforderungen, Zwei Charaktere

Nachteile: Innerhalb der Einsätze recht linear, Wartezeiten bei (Juwelen-)Schmied und Tränkebrauer, Optionale In-App-Käufe (Schlüssel)

Alternative: Infinity Blade I und II

Anforderungen: iPhone 4S, iPad 2

Bezugsquellen: App Store

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