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Features von macOS Sierra: Bild-im-Bild-Funktion

19.07.2016 | 08:40 Uhr |

Das bereits vom iPad bekannte Feature „Bild-im-Bild“ findet mit macOS Sierra seinen Weg auf den Mac: Videos in iTunes, Quicktime oder Safari können nun ganz bequem in ein eigenes Player-Fenster auf dem Desktop geschoben werden. Damit entfällt insbesondere im Browser lästiges Fensterschieben.

Das Bild-im-Bild-Feature, das Anwendern seit iOS 9 auf dem iPad das Weiterarbeiten ermöglicht, während ein Film in einem kleinen Fenster läuft, wird gerade bei Filmfreunden als außerordentlich praktisch wahrgenommen. Mit macOS 10.12 Sierra landet die Funktion auch auf dem Mac – und dürfte auch hier künftig Videofreunde glücklich machen. Die Bedienung ist denkbar einfach: Es reicht, ein Video in Safari, in Quicktime oder iTunes zu starten und unten rechts in der Bedienleiste auf das Bild-im-Bild-Symbol zu klicken – schon wird das Video in einem eigenen Fenster angezeigt, das immer im Vordergrund steht. So weit, so praktisch und einfach – wenn da nicht gewisse Einschränkungen wären.

Das Video wird mit einem Klick aus dem Browser…
Vergrößern Das Video wird mit einem Klick aus dem Browser…

Funktioniert nicht überall

Denn derzeit funktioniert die Bild-im-Bild-Funktion noch längst nicht auf allen Videoplattformen: Youtubes Player etwa verweigert sich dem neuen Mac-Feature, weshalb wir für den Test auf Vimeo ausgewichen sind. Dessen HTML5-Player – ollen, unsicheren Kram wie Flash sollte man ohnehin nicht mehr verwenden – zeigt brav das nötige Icon an, das bei Googles Super-Videodienst leider fehlt. Ursache dafür ist vermutlich die Programmierung der Website – und damit hängt das Bild-im-Bild-Feature ganz offensichtlich davon ab, ob die Entwickler einer Videoplattform es verwenden möchten oder nicht.

… auf den Desktop geholt.
Vergrößern … auf den Desktop geholt.

Hier ist iOS als extrem bevormundendes Betriebssystem im Vorteil: Da Apps und Safari hier gleichermaßen für die Wiedergabe auf genau dieser Plattform optimiert sind, gab es hier keine Schwierigkeiten mit der Umsetzung der Bild-im-Bild-Funktion. Bei macOS Sierra sieht das leider anders aus.

Viele große Dienste klappen nicht

Ursächlich für dieses Nichtfunktionieren der Funktion auf manchen Videoplattformen scheint weder der HTML5-Standard, noch ein Bug in der für diesen Artikel verwendeten Public Beta 1 von macOS Sierra verantwortlich zu sein: Vielmehr verlangt die Funktion laut unseren US-Kollegen der Macworld von den Seitenbetreibern, dass sie die Bild-im-Bild-Funktion aktiv einbauen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Bild-im-Bild zunächst bei (fast) keiner Videoplattform verfügbar ist – bis sie denn vom Betreiber aktiviert wird.

Das freischwebende Videofenster lässt sich danach in jeder Bildschirmecke positionieren
Vergrößern Das freischwebende Videofenster lässt sich danach in jeder Bildschirmecke positionieren

Zwar bietet Apple dafür eine API an, allerdings ist die Zahl der Mac-Nutzer im Web doch verhältnismäßig klein, entsprechend langsam wird die Umsetzung erfolgen. Man bedenke: Ein Videocontent-Riese wie Facebook bietet sogar noch nicht in allen Fällen eine HTML5-Version eines Videos und verlangt vom Anwender ernsthaft den Einsatz des Flash-Players. Auch der Netflix-HTML5-Player ist noch nicht für Apples entsprechende Funktion ausgelegt. Andere Streamingdienstleister, die auf Flash oder Silverlight statt HTML5 setzen, sind derzeit ebenfalls „raus“. Übrig bleibt Vimeo – und einige sehr innovative Erotikplattformen, was den praktischen Nutzen der Funktion derzeit leider massiv reduziert. Ob und wann eine Implementierung stattfindet, steht in den Sternen – zumal gerade Anbieter mit digital geschütztem Content möglicherweise Copyright-Probleme sehen könnten. Denn immerhin wird das Video durch die Bild-im-Bild-Funktion aus der geschützten Browser-Umgebung herausgenommen.

Neu ist das Symbol für den Bild-im-Bild-Modus – leider gibt es das längt nicht überall.
Vergrößern Neu ist das Symbol für den Bild-im-Bild-Modus – leider gibt es das längt nicht überall.

In der Praxis gut umgesetzt

Unabhängig von dieser Problematik ist die Bild-im-Bild-Funktion unter macOS jedoch hervorragend umgesetzt: Ein Klick auf das besagte Icon, schon springt das Video aus dem Safari-Browser oder der jeweiligen App in eine Ecke des Desktops. Genau wie unter iOS bleibt es hier auch: Zwar kann die Ecke gewechselt werden, eine zentrale Positionierung des Videos ist jedoch nicht möglich. Dafür kann der Anwender das Videofenster ganz nach eigenem Gusto in der Größe verändern. Etwas störend ist allerdings, dass im Player-Fenster kein Vollbild-Modus aktiviert werden kann: Gerade das Umschalten zwischen Vollbild und „Eckenplayer“ würde die Funktion nämlich ausgesprochen praktisch gestalten. So jedoch erfolgt der Workflow vom Bild-im-Bild-Player zum Vollbild derzeit immer über zwei Klicks: Klick um in den Browser zurückzukehren, Klick um das Video hier in den Vollbild-Modus zu setzen – ein einzelner Klick oder ein Hotkey wäre hier natürlich deutlich sinnvoller. Praktisch ist hingegen die Möglichkeit, das Player-Fenster einfach auf dem Desktop umherzuschieben und bei Bedarf zu vergrößern und zu verkleinern sowie das Video zu stoppen. Weitere Bedienelemente fehlen im PiP-Fenster allerdings, wodurch zum Beispiel ein Spulen nur möglich ist, wenn das Video in den Browser oder iTunes zurückgesetzt wird.

Wie bei vielen Webdiensten fehlt die Funktion im Netflix-Webplayer, was den Nutzwert leider…
Vergrößern Wie bei vielen Webdiensten fehlt die Funktion im Netflix-Webplayer, was den Nutzwert leider…

Fazit: Eine gute Lösung – wenn die Anbieter sie umsetzen

Insgesamt kann die Bild-im-Bild-Funktion unter macOS Sierra überzeugen: Sie spielt Videos zuverlässig im Vordergrund ab, ohne dass andere Fenster sie überdecken könnten. Auf diese Weise können Anwender zum Beispiel Musikvideos bei der Arbeit genießen oder einen Film schauen und gleichzeitig im Internet surfen, ohne die Browser-Fenster umständlich in die richtige Größe ziehen zu müssen. Das ist gerade auf kleinen Bildschirmen ein nicht zu verachtender Vorteil.

… genau wie bei YouTube derzeit deutlich reduziert. Schuld daran ist die fehlende Nutzung der Apple-API durch die Anbieter.
Vergrößern … genau wie bei YouTube derzeit deutlich reduziert. Schuld daran ist die fehlende Nutzung der Apple-API durch die Anbieter.

Das Problem der praktischen Umsetzung der Funktion scheint aber – Apple-untypisch – an die Seitenbetreiber ausgelagert worden zu sein: Wenn diese die Funktion nicht unterstützen, ist kein Bild-im-Bild-Modus möglich. Das beschränkt sich übrigens nicht nur auf Drittanbieter-Websites: Auch andere Browser und Apps wie VLC bieten die in Safari eingebaute Funktion derzeit nicht an oder besitzen eigene Lösungen. Wer Bild-im-Bild also nutzen möchte, ist derzeit noch gezwungen, auf Safari zu setzen, was nicht alle Anwender als ideal empfinden dürften. Dennoch: Die Bild-im-Bild-Funktion war etwas, das auf dem Mac bislang fehlte – mit Sierra wird diese Lücke nun geschlossen.

Bei Macwelt schon umgesetzt: Unsere Videos unterstützen die Bild-im-Bild-Funktion
Vergrößern Bei Macwelt schon umgesetzt: Unsere Videos unterstützen die Bild-im-Bild-Funktion
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