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Fitness: Fitbit, Jawbone und Co. im Vergleich

04.01.2015 | 10:57 Uhr |

Wenn der Frühling kommt, kommt auch die Zeit von Sportvorsätzen und Diäten. Wir haben aktuelle Fitnesshelfer für das iPhone getestet.

Die nur wenig unterschwellige Aussage der ganzen Diättipps und Sportartikel im Frühjahr: Sie sind zu faul, nicht fit genug und das allerletzte Weihnachtsplätzchen ist offenbar auf der Hüfte hängen geblieben. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag Technikerkrankenkasse im Jahr 2013 habe ergeben, dass nur 4 von 10 Deutschen im Alltag auch mal zu Fuß unterwegs sind. Zwei Drittel der Befragten bewegen sich weniger als eine Stunde am Tag – der Gang zur Kaffeemaschine im Büro ist dabei schon mit eingerechnet. Meist genannter Grund für wenig Bewegung und Sportabstinenz: fehlende Motivation.

Genau hier sollen Fitnessgadgets wie digitale Schrittzähler ansetzen. Wir vermessen uns selbst, bekommen täglich Rückmeldung, ob wir uns "genug" bewegt haben. Das soll motivieren und Bewegung mess- und vergleichbar machen. Die Standardwährung der Fitnesstracker ist die Zahl der täglich gegangenen Schritte. Das widerspricht dem Namen ein wenig, denn Fahrradstrecke, geschwommene Bahnen oder Aerobicstunden werden schließlich nicht in Schritten gemessen.

Die Aktuellen Trends der Schrittzähler

Apple Watch wird die Herzfrequenz permanent messen.
© Apple

Zwar gibt es digitale Schrittzähler inzwischen schon seit einigen Jahren, dennoch gibt es hier neue Entwicklungen und erst jetzt zeichnen sich langsam die Konzepte ab, die sich erfolgreich durchsetzen. Ein Trend ist überdeutlich: Das Armband hat gewonnen. Schrittzähler sind inzwischen fast ausschließlich für das Handgelenk konzipiert. Der kleine Stick, der in der Hosentasche steckt, stirbt langsam aus. Teilweise bleibt die frühere Hosentaschen- oder Gürtelbefestigung noch möglich, die Mehrzahl der Tracker ist aber ausschließlich als Armband gedacht. Am Handgelenk sind Tracker jederzeit gut abzulesen und zudem signalisiert ein solcher Schrittzähler gut sichtbar: "Ich kümmere mich um meine Fitness!"

Als logische Folge dieser Gewohnheit entwickeln sich aktuelle Schrittzähler zudem immer mehr in Richtung Smartwatch: Der Runtastic Orbit ist zugleich eine einfache Fitness-Smartwatch, der Fitbit Charge zeigt immerhin eingehende Anrufe auf dem kleinen Display an. Ein weiterer Trend, der sich jetzt derzeit langsam zeigt: Pulsmessung rund um die Uhr. Was die Apple Watch ab 2015 machen wird, werden dann auch die kommenden Top-Modelle von Fitbit erlauben: den Verlauf der Herzfrequenz über den Tag verfolgen. War ich vor dem Vortrag messbar aufgeregt und vor allem: wo lag mein HF-Maximum und Minimum früher und heute – ein echter Indikator für körperliche Fitness.

Nur bedingt für Sportler geeignet

Dies ist und bleibt eines der Hauptprobleme der Fitnesszähler. Denn wer aktiv lebt, dem reicht ein reiner Schrittzähler bei weitem nicht aus. Die Hersteller reagieren ganz unterschiedlich auf diese Anforderung. Withings beispielsweise konzentriert sich ganz auf Gesundheit und importiert Sportdaten nur aus Apps anderer Anbieter. Einige Apps der Tracker erlauben es zumindest, Trainingseinheiten manuell in der App einzutragen. So bekommen wir die „aktiven Minuten“ und den zusätzlichen Kalorienverbrauch zumindest über Umwege gutgeschrieben, müssen uns aber abends selbst darum kümmern, unsere Aktivität einzutragen. Nicht ideal!

Für echte Hobbysportler gab es bislang kaum Lösungen. Der österreichische Anbieter Runtastic hat seit kurzem einen Fitnesstracker auf dem Markt, der zumindest einige Sportarten gut abdeckt. Denn der Orbit getaufte Schrittzähler kooperiert prima mit der bekannten Sportapp "Runtastic". Wenn wir die Trainingsapp öffnen, wechselt der Tracker sofort in den Trainingsmodus und wird zur simplen Sport-Smartwatch.

Runtastic Orbit zeigt Trainingsdaten aus der Runtastic-App in Echtzeit an.
Vergrößern Runtastic Orbit zeigt Trainingsdaten aus der Runtastic-App in Echtzeit an.

Dann zeigt Orbit am Handgelenk in Echtzeit Daten an, die das iPhone gemessen hat, beispielsweise die absolvierte Strecke oder Durchschnittsgeschwindigkeit. Besonders praktisch, die Trainingswerte werden anschließend über die Cloud auch mit der "Me"-App synchronisiert, in der wir die Schritte des Orbit verwalten. Dann bekommen wir unsere hart erarbeiteten Kalorien und die aktive Zeit automatisch in der App und auf dem Display des Trackers gutgeschrieben, toll!

Alltagstauglichkeit

Solch ein digitaler Schrittzähler ist ein weiteres elektronisches Gerät in unserem Alltag, um das wir uns kümmern müssen. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei die Akkulaufzeit. Im Schnitt müssen die Schrittzähler ein Mal pro Woche ans Ladegerät. Das variiert von etwa fünf Tagen (Runtastic Orbit) bis zu knapp zwei Wochen (Jawbone Up 24). Der Misfit Shine wird per Batterie betrieben, die mehrere Monate hält. Zweiter wichtiger Punkt ist die Frage, wie wasserscheu solch ein Tracker ist. Fast alle Schrittzähler im Test dürfen mit unter die Dusche (Ausnahme: Withings Pulse Ox). Aber nur manche sind tatsächlich wasserdicht, dürfen also auch im Schwimmbad oder der Badewanne bedenkenlos am Handgelenk bleiben. Nur der Misfit Shine und der Runtastic Orbit sind wasserdicht.

Die Verbindung

Alle Tracker, die wir getestet haben, funken zeitgemäß mit Bluetooth 4.0. Vorbei sind die Zeiten, in denen man seine Schritte umständlich per USB am Rechner oder per Klinkenstecker wie bei den ersten Jawbone-Versionen abgleichen muss. Dennoch gibt es immer noch Unterschiede. Denn einige Hersteller schaffen es, im Hintergrund automatisch regelmäßig aktuelle Daten auf das iPhone zu schaufeln, bei anderen muss man die Datenübertragung manuell starten. Denn Zubehör kann unter iOS Apps per Bluetooth wecken.

In den Apps der Tracker sehen wir unseren Tagesfortschritt und erhalten Rückmeldung und Motivation.
Vergrößern In den Apps der Tracker sehen wir unseren Tagesfortschritt und erhalten Rückmeldung und Motivation.

Fitbit (die für sich beanspruchen, als erste den Hintergrundabgleich entwickelt zu haben) und Jawbone übertragen Daten automatisch, beim Runtastic Orbit reicht es immerhin, die App zu öffnen, bei Withings muss man im Normalfall die App öffnen und zudem die Taste am Tracker einige Sekunden halten, um die Daten zu importieren. Dramatisch sind die Unterschiede in der Praxis nicht, aber der Hintergrundabgleich erlaubt es, dass die App uns im Laufe des Tages per Pushnachricht anfeuern oder gratulieren kann, wenn sie zwischendurch aktuelle Datenupdates erhalten hat. Außerdem muss man sich dann nicht manuell darum kümmern, die Daten regelmäßig zu übertragen, was sonst Teil unserer täglichen Routine werden sollte.

Patricks Fazit

So sehr mich die elektronischen Tracker immer wieder faszinieren, so schnell verfliegt die Begeisterung meist auch wieder. Die Tracker verändern mein Verhalten nicht, sie quantifizieren es nur. Bin ich aktiv, freue ich mich über die virtuellen Belobigungen, bin ich faul, ist mir das Feedback aus einer App auch egal. Healthkit ändert daran leider gar nichts, sondern ist derzeit eher eine stumme Datenverwahrungsstelle.

Der Fitbit Charge HR (kommt 2015) misst dauerhaft die Herzfrequenz des Trägers.
Vergrößern Der Fitbit Charge HR (kommt 2015) misst dauerhaft die Herzfrequenz des Trägers.

Wer körperliche Ziele hat, egal ob Gewichtsverlust oder mehr Fitness, wird wohl leider um schweißtreibendes Training und halbwegs bewusste Ernährung nicht herumkommen. Ein, zwei Kilometer am Tag mehr zu gehen, hilft dabei genau so wenig, wie sich neue Joggingsschuhe vom Lebensmitteldiscounter nach ganz hinten in den Schrank zu stellen, fürchte ich. Ein Schrittzähler ist in solchen Fällen wohl eher nur ein Placebo, egal ob mit oder ohne Health-Anbindung.

Mir gefällt der Runtastic Orbit recht gut, weil ich damit meine Radfahrten ins Büro einfach über die Runtastic-App einbeziehen kann. Auch der Fitbit Charge HR mit Puls-Dauermessung ist viel versprechend, den konnte ich aber bisher nur kurz auf einer Veranstaltung ausprobieren, der kommt erst Anfang 2015. Wirklich schlecht ist zum Glück keines der getesteten Geräte.

Name

Jawbone Up 24

Runtastic Orbit

Withings Pulse Ox

Fitbit Charge

Preis

120 Euro

110 Euro

120 Euro

130 Euro

Fazit

Unkomplizierter Tracker mit guter App.

Für Jogger und Radfahrer sehr gut geeignet, minimalistischste App im Vergleich.

Für Gesundheitsbewusste. Trägt am Handgelenk leider dick auf.

Prima Armband mit gut lesbarem Display und Anruf-ID

Vorteile

Lange Akkulaufzeit, gute App

Zeigt Trainings mit Runtastic-App

Gute Akkulaufzeit

Gutes Ökosystem, umfassende App, gutes Display

Nachteile

Kein Display

Vergleichsweise kurze Akkulaufzeit, minimalistische App

Kann keine Trainings aufzeichnen oder sammeln, Pulsmessung funktioniert unzuverlässig

Keine Healthkit-Anbindung

Unterstützt Apple Health

Ja

Ja

Ja

Nein

Wasserdicht

Dusche erlaubt

Ja

Nein

Nein

Besonderheiten

 Vibration, Wecker

Aus Armband herausnehmbar, Vibration, Wecker

Puls- und Blutsauerstoffmessung mittels Sensor auf Rückseite, Touchscreen

Zeigt Anrufer, Vibration, Wecker

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