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Buchrezension Digitale Fotografie: Gute Tipps aus dem Galileo-Verlag

26.10.2009 | 10:34 Uhr |

Rezepte für bessere Fotos verspricht Autorin Jacqueline Esen. In ihrem Buch, das sich vornehmlich an engagierte Fotografie-Einsteiger wendet, erfüllt sie diesen Anspruch auf knapp 380 Seiten überzeugend.

Buch Digitale Fotografie
Vergrößern Buch Digitale Fotografie

Es ist heutzutage leicht, sich eine digitale Kamera zu kaufen und damit einfach loszulegen. Mit der immer feiner abgestimmten Technik und Automatik für alle Spezialfälle gibt es damit nur noch selten wirkliche Ausfälle, zumal man das Ergebnis sofort am Display kontrollieren kann. Andererseits sehen sich Fotos dadurch immer ähnlicher, die Programmautomatik lässt individuelle Arrangements und Perspektiven schnell in den Hintergrund treten. Um aber seinen Fotos, sei's von der Geburtstagsfeier des Kindes über berühmte Bauwerke bis hin zu schönen Szenerien im Urlaub den persönlichen Pep zu verleihen, bedarf es auch für engagierte Einsteiger und Amateure keiner Zauberei. Lediglich Grundkenntnisse in Technik und ein Blick fürs Motiv sind erforderlich. Genau das vermittelt Jacqueline Esen, freiberufliche Fotografin, in lockerer, aber stets kompetenter Weise. Dazu tragen auch die zahlreichen Fotos bei, wobei sie nicht davor zurückschreckt, ihrer Meinung nach misslungene Aufnahmen zu zeigen und mit einem "x" für Negativbeispiel zu markieren. Im Kontrast dazu erhalten empfehlenswerte Aufnahmen und Motive ein Häkchen im grünen Kreis.

Inhalt und Gliederung

Der Band bietet insgesamt sechs größere Kapitel. Zunächst geht es um die Technik, damit man seine Kamera und elementare Parameter wie Zoom, Entfernung, Schärfentiefe und Perspektive sowie Exif-Daten verstehen und einschätzen kann. Im zweiten Kapitel behandelt die Autorin die Frage der Bildgestaltung, wozu zum Beispiel der goldene Schnitt gehört, aber auch, wann und wie ein Schwarzweiß-Foto einem farbigen vorzuziehen ist. Weiter geht es mit der Thematik Licht und Belichtung: die "Blaue Stunde", natürliche und künstliche Lichtquellen, Gegenlicht, Available Light, High und Low Key zählen zu den behandelten Abschnitten. Dann folgt ein Kapitel über die Art und Weise, wie man Menschen vor dem Objektiv stimmungsvoll und adäquat zur jeweiligen Situation einfängt. Hier fehlen weder die Frage, wie sich Babys und Kinder als Motive eignen, noch die Themen Porträt und Blitzlicht, Hochzeiten, Partys und Sportfotos. Auch wer mit der Kamera unterwegs ist, sei es im Urlaub, um Architektur in Szene zu setzen oder sich durch Wind und Wetter bewegen will, erhält auf gut 40 Seiten wertvolle Tipps. Ist der Leser dann schon einigermaßen fortgeschritten, kann er seine Kenntnisse im letzten Kapitel über "Motive und Motivation "noch einmal in Bezug auf Perfektion und Stimmung einschließlich Regeln zum angemessenen Feedback auf fremde und eigene Fotos vertiefen. Immer wieder sind zwischen diesen großen Blöcken kurze, aber wichtige Exkurse eingestreut, die zu den behandelten Themen weiteres Hintergrundwissen bieten. Diese kleinen Lehrgänge kann man, aber sollte man nicht übergehen, weil das Buch erst so rund wird und die Kenntnisse des Lesers für den Bereich der Amateurfotografie wirklich umfassend genug sind.

Fotografieren erklärt man am besten durch Fotos

Wie schon erwähnt, geizt die Autorin nicht mit Fotos. Die allermeisten davon in Farbe und oft im Vergleich verschiedener Aufnahmen mit unterschiedlichen Blenden, Verschlusszeiten und/oder variiertem Licht. Die genauen Beschreibungen der einzelnen Schritte bringen in Kombination mit den Bildern den entscheidenden Lerneffekt. Zudem ist fast jedes Foto mit den Parametern Verschlusssache, Blende, Brennweite und Lichtempfindlichkeit in ISO gekennzeichnet. So gewöhnt man sich wie nebenbei daran, auf derartige Feinheiten, die keineswegs Nebensächlichkeiten sind, auch beim eigenen Fotografieren zu achten, insbesondere wenn sich diese Werte an der Kamera manuell einstellen lassen. Sicherlich kann man in Geschmack und Bewertung bei dem einen oder anderen Bild verschiedener Meinung mit der Autorin sein. Doch auch in diesem stillen Dialog entsteht ein Lerneffekt, wenn man sich seiner eigenen Kriterien dabei bewusst wird. Das Buch schließt mit einem ausführlichen Index. Wer will, kann sich über einen Code, der im Buch zu finden ist, über die Website des Verlags weitere Informationen zu Buch und Thema holen.

Empfehlung

Profis und sehr erfahrenen Fotografen bringt dieser Band nur wenig Neues. Aber diese sind auch nicht die Zielgruppe von Jaqueline Esen. Jeder, der vielleicht schon intuitiv gute Fotos macht, aber die Technik und die geeignete Motivwahl noch besser verstehen möchte oder auch ganz neu ins anspruchsvolle Fotografieren einsteigen will, findet hier eine kompetente Einführung mit zahlreichen wertvollen Tipps und Fotos, die im Bild verdeutlichen, worauf es wirklich ankommt.

Info: Jacqueline Esen: Digitale Fotopraxis. Rezepte für bessere Fotos, Galileo Press 2009,375 Seiten, ISBN 378-3-8362-1213-7, 30 Euro (D), 50 Schweizer Franken

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