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Papiere für Fine Art und Kunst

31.05.2011 | 17:27 Uhr |

Der Begriff "Fine Art" bezeichnet den Weg vom sorgfältig ausgearbeiteten Foto über die bewusste Auswahl eines passenden Papiers bis zum fertigen perfekten und lange haltbaren Druck. Wir testen interessante Papiere für Tintenstrahl-Drucker.

Fine Art bezeichnet eigentlich ein Handwerk, wie es auch schon die Meister des chemischen Labors praktiziert haben. Das bedeutet übersetzt in das digitale Zeitalter aber auch, dass die technischen Voraussetzungen stimmen müssen: Der Monitor zeigt die Farben und Helligkeit korrekt, ist also mindestens mit einem Messgerät wie dem Spyder 3 von Datacolor oder dem Colormunki von X-Rite profiliert. Des weiteren kennt man sich mit dem Thema Farbmanagement aus und verwendet optimierte Profile für die Kombination aus Fotopapier, Drucker und Tinte.

Das richtige Profil

Auch in diesem Test zeigt sich, dass nicht für jeden Drucker ein Profil vom Papierhersteller geliefert wird und selbst wenn, es nicht ideal sein muss. So zeigt das Profil von Permajet zu viel Magenta und bei Harman und Hahnemühle sind die Blautöne zu gedämpft. Die Tecco-Profile hingegen zeigt sich für unseren Epson Stylus Photo R3000 ideal. Abhilfe schafft entweder der Profilierungsservice von Permajet oder das Selbermachen zum Beispiel mit dem Spyderprint oder Colormunki.

In Verbindung mit Fine Art gehört Pigmenttinte (wie sie beispielsweise der neue Epson Stylus Photo R3000 oder sein Konkurrent Canon Pixma Pro 9500 Mark II verwenden) zum guten Ton. Nur diese hat eine hohe Haltbarkeit, die auf dem passend abgestimmten Medium schnell 80 Jahre und mehr erreichen kann. Also ein Wert, bei dem man sich keine Gedanken mehr darüber machen muss, wann die Farben verblasst sind und das Papier vergilbt ist. Davon können Bilder aus dem chemischen Nasslabor nur träumen.

Was ein fehlerhaftes Profil ausmacht, sieht man hier anhand einer blauen Eisfläche. Das Oberste ist ein Ausdruck auf Epson Premium Glossy, das dem Original sehr nahe kommt.
Vergrößern Was ein fehlerhaftes Profil ausmacht, sieht man hier anhand einer blauen Eisfläche. Das Oberste ist ein Ausdruck auf Epson Premium Glossy, das dem Original sehr nahe kommt.

Neben der Pigmenttinte ist hierfür das Papier verantwortlich und zeigt einen deutlich aufwändigeren Aufbau und haltbarere Materialien als bei dem Papier aus dem Supermarkt. Das können entweder eine lingnifreie Alpha-Zellulose oder Baumwolle sein. Meist spürt man das schon beim Anfassen an einem sehr steifen Bogen oder einer weichen Rückseite.

Fine Art Papiere

Fine-Art-Papiere für Tintenstrahldrucker zählen zu dem Feinsten, aber auch zu dem Teuersten, das man seinem Drucker gönnen kann. Der aufwändige Aufbau mit einer Beschichtung in Museumsqualität - also die Farben bleiben auch nach vielen Jahren unbeeinflusst von der Sonne - und das hochwertige Trägermaterial, treiben den Preis in die Höhe. Diesen Aufwand merkt man aber auch. Wenn man zum ersten Mal ein so hochwertiges Papier in den Händen hält, ist das schon ein sinnliches Erlebnis und das Bild beginnt zu leben.

Diesmal haben wir richtig schwere Papiere ins Testlabor geholt. Mit sehr weißer Oberfläche und Barytbeschichtung das Hahnemühle Baryta FB 350 und das Permajet FB Distinction 360 . Auffallend ist bei beiden Papieren, dass sie kaum zu unterscheiden sind. Man könnte meinen, sie sind identisch. Das Dritte im Bunde ist das Harman Gloss Art Fibre , nominell mit 300g etwas leichter und mit einem leichten warmen Weißton vergleichbar mit dem Tecco BT270 . Alle drei verwenden Aufheller für den hellen Weißton, sind säurefrei und PH neutral.

Vor Jahren haben wir noch die divahaften Baryt- beziehungsweise Fine Art Papiere bemängelt, aber das ist passe. Alle drei Papiere zeigen sich sehr robust - natürlich kann man Kratzer provozieren - aber dank der genarbten Oberfläche sind sie relativ unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Hier zeigt das Papier von Harman leichte Vorteile, was auch daran liegt, dass es als einziges Papier nicht klebrig ist. Die Struktur ist bei allen eine längs verlaufende Narbung, die Motive angenehm unterstützt. Bei Harman ist sie etwas stärker ausgeprägt und Bilder gewinnen hierdurch mehr an Tiefe. Die "Zwillinge" von Hahnemühle und Permajet spiegeln etwas mehr.

Problemloser Druck

Im Vergleich zum Epson Premium Glossy sieht man die silbernen Reflexe sehr deutlich.
Vergrößern Im Vergleich zum Epson Premium Glossy sieht man die silbernen Reflexe sehr deutlich.

Die Verarbeitung über den regulären Papiereinzug bei unseren beiden Testdruckern von Epson, dem neuen Stylus Photo R3000 und dem Stylus Pro 3800, ist unproblematisch. Nach dem Druck biegen sich beim Harman die Ecken leicht nach oben. Hahnemühle und Permajet liegen perfekt plan. Alle drei sind sehr steif und biegen sich nicht, wenn man sie nur an der kurzen Kante hoch hält. Das ist klasse.

Druckworkflow optimieren

Papierwechsel beziehungsweise das Drucken auf speziellen Papieren wie den hier vertretenen Fine Art-Medien erfordern auch spezielle Einstellungen im Druckertreiber. Wer sich das Prozedere vereinfachen möchte und eine individuelle Positionierung seiner Bilder auf dem Papier wünscht, dem sei das Druck-Plug-In Mirage von Dinax empfohlen. In der neuen Version gibt es auch ein Standalone-Modul und die Möglichkeit, Droplets zu erstellen, was den Druckworkflow ungemein vereinfacht.

Die Druckergebnisse sind bei allen drei fehlerfrei und zeigen ausgezeichnete Tonwerte. Durch das hellere Weiß von Hahnemühle und Permajet bekommen Farbmotive mit sehr differenzierten Farben keinen extra Warmton und werden perfekt reproduziert. Zu welchem man greift, ist Geschmackssache, aber mit den drei hier vertretenen und den im letzten Vergleichstest mit sehr gut abgeschnittenen Papieren von Canson und Tecco kann man nichts falsch machen. Wie immer bei Fine-Art-Papieren empfiehlt es sich, einen Testpack zu kaufen und selbst auszuprobieren.

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