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Test JVC GY-HM100: Full HD ohne Konvertieren für Final Cut

15.10.2009 | 10:59 Uhr |

Meist richten sich Software-Hersteller nach bestehenden Kamera-Standards, doch JVC geht jetzt den Weg anders herum: HDV und XDCam EX landen bei der GY-HM100 direkt im Apple-freundlichen Quicktime-Format auf der Karte.

Die Aufzeichnungsformate der kleinen Profi-Kamera sind vielfältig: HDV in 50 und 60 Hz, im Broadcast-Standard XD Cam EX kommen noch 24p, 25p und 30p dazu. Neben Full HD unterstützt der Camcorder GY-HM100 auch die kleinere HD-Variante von 1280 x 720 Pixel, diese dann sogar in 50p und 60p. Dabei steht jeweils die Wahl zwischen der eigentlichen Datei-Endung *.MP4 und Apples *.MOV, was den Workflow im Schnitt deutlich verändert.

Apple-Integration

Die GY-HM100 ist mit seinen vielen Bedienelementen als Profimodell konzipiert und zeichnet auf Wunsch im Apple-Format auf.
Vergrößern Die GY-HM100 ist mit seinen vielen Bedienelementen als Profimodell konzipiert und zeichnet auf Wunsch im Apple-Format auf.
© JVC

Final Cut Pro importiert normalerweise HDV und XD-Cam EX-Material über den Menüpunkt Loggen und Übertragen. Damit wird das komprimierte 25- und 35Mbit-Material in den Apple-Pro-Res-Codec gewandelt, was zwar den Festplattenbedarf verringert, dafür aber auch die Echtzeitleistung erhöht. Bei der MOV-Aufzeichnung des GY-HM100 ist der Weg anders: Die Quicktime-Dateien kommen über die Importieren-Funktion in die Timeline, um welchen Standard es sich handelt, erkennt Final Cut Pro selbst. Weil die Dateien in nativem MPEG vorliegen, sollte der Mac allerdings recht fix sein. Weiterer Nachteil des reinen Dateiimports: Eine Vorschau der Quicktime-Dateien ist nicht möglich, man importiert besser alles. Dafür gibt es weder Zeit- noch Qualitätsverlust und wer mag, kann direkt von der SD-Karte schneiden.

Final Cut Express 4.01 kann mit den nativen MPEG-2-Dateien der XDCam- und HDV-Aufzeichnung allerdings nichts anfangen, es kommt nur die Fehlermeldung "Codec konnte nicht aktiviert werden". Weil JVC auch die bei älteren Festplatten-Kameras noch übliche Firewire-Schnittstelle weggelassen hat, lässt sich die kleinere Ausgabe zu keiner Mitarbeit bewegen.

Camcorder

Einige Bauteile stammen zwar aus dem Consumer-Segment, JVC positioniert die GY-HM100 jedoch als Profi- Camcorder . Dementsprechend ist die Ausstattung: Am 10-fachen Zoomobjektiv sitzt ein großer Ring zur Steuerung von Fokus oder Zoom, ein ND-Filter sorgt für bessere Blendenwerte und Filmerfunktionen wie Weißabgleich oder Gain sind direkt per Schalter erreichbar. Im Menü lässt sich das Bild in Schärfe und Farbe anpassen, selbst Einstellungen zur Bilddynamik lässt die GY-HM100 zu. Ein Highlight ist die Tonabteilung: Zusammen mit einem Griff wird sie auf den Zubehörschuh geschraubt und stellt professionelle XLR-Anschlüsse samt manueller Aussteuerung zur Verfügung. Weniger professionell gelingen jedoch Aufnahmen bei wenig Licht: Trotz ¼-Zoll großer CCDs bleiben die ansonsten recht guten Bilder deutlich zu dunkel und können nur mit einer rauschenden Verstärkung aufgeholt werden.

Empfehlung

Die GY-HM100 ist durch die vielen Aufzeichnungsmöglichkeiten sowie ihr flexibles Tonkonzept sehr variabel. Einzige Wermutstropfen sind kleine Ungereimtheiten in der Bedienung, sowie eine nicht mehr zeitgemäße Lichtempfindlichkeit. Profis werden anhand des für einen Broadcast-Camcorder günstigen Preises darüber hinwegsehen, ambitionierte Amateure sind dagegen im gehobenen HDV-Lager besser bedient. Holger Scheel

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