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GTA: San Andreas im Test für iPhone und iPad

07.01.2014 | 14:00 Uhr |

Bandenkrieger Carl Johnson ist nicht nur in Los Santos immer unterwegs, sondern auch in echt. Rockstars Gangster-Epos von 2004 macht jetzt iOS/Android-Smartphones und -Tablets unsicher – trotz wackeliger Steuerung.

Ah, Los Santos! Perle am Pazifik, sonnenverwöhntes Juwel der Westküste! Kein Wunder, dass sich Michael, Trevor und Franklin aus Grand Theft Auto 5 genau hier niedergelassen haben. Aber Moment, schon lange vor dem Chaos-Trio haben wir doch schon einen GTA-Helden durch die Straßen von Los Santos begleitet. Carl Johnson, kurz CJ, kurvt in GTA: San Andreas von 2004 als Mitglied der Grove Street Gang durch die Westküsten-Metropole.

© 2015

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Das PlayStation 2-Spiel begeistert damals vor allem durch die riesige Spielwelt, neben der an Los Angeles angelehnten Stadt Los Santos gibt es nämlich auch noch San Fierro (San Francisco) und Las Venturas (Las Vegas) sowie eine riesige Landschaft zwischendrin zu erkunden. Der Preis dieser Größe: Die gute alte PS2 wird von GTA: San Andreas hart an ihre Leistungsgrenzen gebracht, Ruckler und Fernsicht-Nebelwände sind an der Tagesordnung. Moderne Smartphones und Tablets kommen locker an die Rechenleistung der PlayStation 2 ran, da müsste doch eine Mobil-Version von GTA: San Andreas viel besser sein als die Konsolen-Vorlage, oder?

In the Ghetto

Die Geschichte von Grand Theft Auto: San Andreas in aller Kürze: CJ kehrt nach Jahren an der Ostküste wieder nach Los Santos und damit in den Schoß seiner Gang zurück. Seine Mutter - die gute Seele der Grove Street Family - ist gestorben, gemeinsam mit seinem Bruder Sweet und den anderen Mitgliedern will Carl die Bande jetzt wieder auf Vordermann bringen. Das bewerkstelligt er in typischer GTA-Manier in unzähligen Haupt- und Nebenmissionen, in denen gefahren, geballert und geprügelt wird.

Die konkurrierenden Gangs machen CJ dabei genauso zu schaffen wie der korrupte Polizist Tenpenny. Wer sich jetzt an Filme wie Menace 2 Society, Training Day oder Boyz N the Hood erinnert fühlt, liegt goldrichtig. GTA: San Andreas fängt die Atmosphäre dieser Gangster-Filme perfekt ein und spielt ebenfalls in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Aus dem letzten Jahrzehnt stammen einige spielerische Elemente, die den Titel nach heutigen Maßstäben etwas alt aussehen lassen. Da sind zum Beispiel die repetitiven Besuche im Fitness-Studio, damit CJ ein paar Muckis auf die Arme bekommt. Oder die langen Fahrten nach Hause am Ende mancher Aufträge, die man in einem modernen Spiel einfach weglassen würde. Und dann natürlich das antiquierte Speichersystem, Spielstände darf man nur beim Save-Symbol (einer 3,5"-Diskette) in CJs Haus anlegen.

Zwar hat Rockstar innerhalb der Missionen zusätzliche Checkpoints eingebaut, wirklich komfortabel ist die Speicherei dadurch aber noch lange nicht. Immerhin: Wer mag, lagert seinen Spielstand in die Cloud aus und kann so auf jedem beliebigen Gerät weiter spielen - ideal, wenn daheim ein Tablet liegt, man aber unterwegs lieber das Smartphone nutzt.

Welcome to the Jungle

Für die einzigartige Atmosphäre des Titels ist - wie so oft in GTA-Titeln - die Musik im Spiel mit verantwortlich. GTA: San Andreas bietet elf Radiosender, von Hiphop bis zum reinen Wortprogramm. Während auf Bounce FM Funk-Größen wie George Clinton zu hören sind, gibt's im Alternative-Sender Radio X Soundgarden, Faith No More oder Danzig aufs Trommelfell. Und natürlich fehlt mit Radio Los Santos auch ein Rap-Sender nicht, der entsprechend 2Pac, Cypress Hill oder N.W.A. spielt. Wem das alles nicht gefällt, der legt sich via iTunes eine Playlist mit eigenen Titeln an und benennt sie als »GTASA«. Im Spiel taucht diese Liste dann als Mixtape auf.

Parodie auf die Popkultur der 90er: Die Jungs aus der Grove Street sprechen finstersten Ghetto-Slang.
Vergrößern Parodie auf die Popkultur der 90er: Die Jungs aus der Grove Street sprechen finstersten Ghetto-Slang.

Mindestens genauso wichtig für die Atmosphäre wie die Musik sind die Dialoge. Die sind - wie eigentlich immer bei GTA - in Englisch gehalten und werden lediglich deutsch untertitelt. Gut so, denn so gehen die, äh, schillernden und ausdrucksstarken Slang-Ausdrücke von CJ und seinen Gang-Kollegen nicht im Übersetzungs-Häcksler verloren. Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, GTA: San Andreas mit einem Kopfhörer zu spielen. Wer sein Gerät auf stumm stellt, verliert viel vom Flair und damit Spielspaß.

Schön unterwegs

Das Ur-San Andreas lief auf der PlayStation 2, einer mittlerweile über 14 Jahre alten Hardware-Plattform. Moderne Handys und Tablets haben deutlich mehr Rechen- und Grafikleistung. Zum Glück weiß das auch Rockstar Games bzw. das Entwicklerstudio War Drum ( Max Payne Mobile , GTA: Vice City Mobile ), das für die Mobil-Umsetzung von GTA: San Andreas verantwortlich ist. Deshalb gibt es in der Neuauflage mehr Farben, schärfere Texturen, Schatten, Reflexionen und Lichteffekte.

Kurz: GTA: San Andreas sah noch nie so gut aus wie heute - von Fan-Verbesserungen für die PC-Version mal abgesehen. Der Preis der Schönheit sind vergleichsweise hohe Hardware-Anforderungen. Zwar läuft das Spiel auch schon auf einem iPhone 4S, richtig Spaß macht es aber erst ab einem iPhone 5 bzw. entsprechend rechenstarken Android-Geräten.

Grafikbugs: GTA: San Andreas ist nicht frei von ärgerlichen Grafikfehlern.
Vergrößern Grafikbugs: GTA: San Andreas ist nicht frei von ärgerlichen Grafikfehlern.

Daneben getatscht

Ewiger Kritikpunkt bei der Umsetzung von Konsolen-Titeln auf Mobilgeräte: die Steuerung. Leider ist GTA: San Andreas da keine Ausnahme, auch hier ist erst mal Ärgern angesagt. Zwar müht sich Rockstar redlich, mit einer Vielzahl von Optionen die Bedienung per Joypad zu emulieren, in der Praxis wird es aber oft ganz schön mühselig. Schließlich ist der PS2-Controller im Ur-Spiel voll belegt, in der Touch-Bedienung müssen dann Wischbewegungen in bestimmten Bildschirmbereichen statt Tastendrucken (etwa zum Senderwechsel) herhalten.

Zudem eignet sich der doch manchmal hektische Spielablauf mehr schlecht als recht. Wenn man bei einer Motorrad-Verfolgungsjagd beim Einfädeln in eine schmale Gasse zum fünften Mal wegen der trägen Bedienung gegen eine Mauer rumpelt und deshalb die Mission scheitert, möchte man sein teures Tablet am liebsten im Pazifik vor Los Santos versenken. Vor dem Durchspielen sind also ein paar Stunden Steuerungs-Eingewöhnung Pflicht. Lichtblick: Wer eins der neuen iOS 7-kompatiblen Smartphone-Joypads von Logitech oder Moga besitzt, sollte es deutlich leichter haben.

Fazit von Markus Schwerdtel : Es ist ein Dilemma: Einerseits sieht GTA: San Andreas auf einem modernen Tablet oder Smartphone deutlich besser aus als seinerzeit auf der PlayStation 2. Andererseits verflucht man sein schönes neues Mobilgerät angesichts der sperrigen Tatschbedienung mit den farbigsten Metaphern aus CJs Gangster-Vokabular. Wer sich jedoch durchbeißt, den erwartet eins der bislang besten GTA-Spiele. Dialoge, Story und natürlich Musik sind nach wie vor Meilensteine der Videospielgeschichte, die man nicht verpassen darf. Umso besser, wenn sich solche Bildungslücken jetzt auch unterwegs schließen lassen.

Steckbrief: GTA: San Andreas

Hersteller: Rockstar Games

Preis: 5,99 Euro (App Store)

Altersfreigabe: keine Angabe

Note: 2,3 gut

Grafik (25%): 2,1

Sound (25%): 1,7

Umfang (25%): 1,7

Bedienung (25%): 3,7

Vorzüge: höhere Auflösung als auf der PS 2, Lichteffekte, Weitsicht, erstklassige (englische) Dialoge, umfangreicher Soundtrack, riesige Spielwelt, Story um Gangster-Heimkehrer, massenhaft Popkultur-Anspielungen, abwechslungsreiche Aufträge

Nachteile:

grobe Polygon-Gangster, immer wieder kleine Blitzer, seltene Ruckler, dünne Waffen-Effekte, wiederholende Fußgänger-Kommentare, sehr hakelige Bedienung, antiquiertes Speichersystem,viel Fahrerei

Alternative: GTA: Vice City, GTA III, Gangstar: Rio

Anforderungen: iPhone 4S, iPad 2

Bezugsquellen: App Store

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