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GTA: Vice City im Test für iPhone und iPad

11.01.2013 | 13:00 Uhr |

Nach GTA: Chinatown Wars und der Geburtstagsedition zu GTA III kommt mit Vice City nun schon der dritte Ableger der Gangster-Serie in den App Store. Grund genug im Test in die verrückte Welt der 80er zurückzukehren

Wahnsinn, schon wieder zehn Jahre vergangen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Im Jahre 2002 brachte Rockstar Games mit GTA: Vice City ein komplett neues Setting für seine Gangster-Spiele aufs Tableau – die 80er Jahre in Vice City, der GTA-Version von Miami. Viel Neonlicht, viel Koks, schrille Klamotten und elektronische Musik waren nur einige der Markenzeichen dieser Dekade. Wir haben uns das Hawai-Hemd übergestreift und uns die 10th Anniversary Edition von GTA: Vice City angeschaut.

Vom Knast ins Chaos

Wie schon zehn Jahre zuvor schlüpfen wir auch in der iOS-Inkarnation von Vice City in die Rolle des Tommy Vercetti. Der hat gerade eine 15-jährige Haftstrafe wegen Mordes für seinen Boss Sonny Forelli aus Liberty City ( GTA -Version von New York City) abgesessen und wird prompt mit einem neuen Auftrag betraut: einer Reise nach Vice City. Der Zweck der Reise ist ein wichtiger Drogendeal mit den Vance-Brüdern.

Leider geht der Deal ziemlich in die Hose, denn bei einem Hinterhalt erwischt es Victor Vance – was Bruder Lance gar nicht gefallen will. Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich auch noch die Drogen von Tommy‘s Boss Sonny Forelli abhanden kommen. Unter dem Strich also ein denkbar ungünstiger Start in der neuen Stadt. Durch viele kleine Anleihen aus der Popkultur der 80er-Jahre kommt die schon damals unverwechselbare Stimmung von Vice City auch auf iPhone und iPad erneut auf.

Sagt Hallo zu meiner Freundin – Vice City und Scarface

Ein Haufen Koks? Ein Typ, der von ganz unten nach ganz oben möchte und obendrein noch eine kriminelle Vergangenheit hat? Eine fiktive Version von Miami als Schauplatz? Filmfans werden da wahrscheinlich hellhörig: Das Spiel ist an vielen Stellen eine liebevolle Reminiszenz an einen der populärsten Gangsterfilme der 80er-Jahre: Scarface (1983) mit Al Pacino in der Rolle des kubanischen „Einwanderers“ Tony Montana. Beispiele gefällig? Ein Teil der Musik der Ingame-Radiostation „Flashback FM“ entstammt dem Original-Soundtrack des Films. Die Villa im Spiel sieht dem Montana-Anwesen ziemlich ähnlich – inklusive schwarz getäfeltem Arbeitszimmer mit Überwachungsmonitoren und Kokshaufen auf dem Schreibtisch. Und auch der „Malibu Club“ weist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Babylon Club aus dem Film auf. Auch die fast legendäre Kettensägenszene des Films findet sich in einem Hotelbadezimmer wieder. Und ohne zuviel zu verraten: Auch die Enden ähneln sich.

GTA bleibt GTA

Am Spielprinzip hat sich derweil nichts geändert. In der Rolle von Tommy muss der Spieler wir nach wie vor Missionen absolvieren, deren Startpunkte er in der frei befahrbaren Stadt ansteuern kann. Auf dem Weg dahin darf er sich aber getreu dem Sandkastenprinzip des Genres nahezu unbegrenzt austoben: Neben dem namensgebenden Autoklau darf er mit allerlei Schießprügeln und geballten Fäusten vom unbescholtenen Zivilisten bis hin zum fiesen Bandenmitglied so ziemlich jedem eins vor den Latz knallen, der seinen Weg kreuzt.

Darüber hinaus gerät man in wilde Verfolgungsjagden mit den Cops und steigt, wenn der Erdboden es nicht mehr hergibt, sogar mit Helikoptern in die Luft – spielerische Freiheit in Reinkultur. Die eigentlichen Missionen treiben indes die Handlung um die Rückgewinnung der zu Beginn abhanden gekommenen Drogen und den Aufbau eines eigenen Mafia-Imperiums voran. Mittendrin: der Strategie-Part. Denn mit dem vielen Geld aus dem Drogengeschäft werden Gebäude gekauft und das Imperium vergrößert. Insgesamt ist man mit GTA: Vice City gute 30 Spielstunden beschäftigt.

Zwischen Freude und Frust

Hier "überzeugen" wir einen Geschworenen, indem wir sein Auto einem Redesign unterziehen.
Vergrößern Hier "überzeugen" wir einen Geschworenen, indem wir sein Auto einem Redesign unterziehen.

Bei der Portierung hat man auf Seiten von Rockstar sehr gute Arbeit geleistet, denn technisch steckt die iOS-Version den Playstation-2-Klassiker locker in die Tasche: Die Grafik wurde im Vergleich deutlich aufgebessert. Das zeigt sich vor allem bei  den Zwischensequenzen, in denen die Handlung vorangetrieben wird. Denn zehn Jahre nach dem Original bekommen die Figuren endlich: Finger! Auch die Reflexionen der Sonne können sich sehen lassen.

Weniger schick ist aber, dass nach wie vor Gebäude in größerer Entfernung einfach aufploppen. Das tut der stimmigen Atmosphäre und dem abgefahrenen 80er-Jahre-Charme des Spiels keinen Abbruch. Einen großen Anteil daran hat auch der sehr stimmungsvolle Soundtrack. Hier geben sich Künstler wie Michael Jackson, Blondie, die Pointer Sisters oder Iron Maiden die Klinke auf neun Radiostationen in die Hand. Außerdem bietet GTA: Vice City die Möglichkeit, Spielstände über iCloud zu synchronisieren – ein tolles Feature für Besitzer von mehreren iOS-Geräten.

Was allerdings die Nerven auch auf dem teuersten iPad absolut blank liegen lässt, ist die Steuerung. Bislang mussten sich viele iOS-Titel mit diesem Problem herumschlagen: Ein Touchscreen kann kaum die Analogsticks und Tasten eines richtigen Gamepads ersetzten. Unter dieser Eingabe-Krankheit leidet auch Vice City. Schon die ersten Meter im Auto grenzen an eine Fahrt in volltrunkenem Zustand, wir schlängeln uns nur so durch die Straßen der Stadt. An schnelle Verfolgungsjagden möchte man gar nicht denken. Auch zu Fuß sieht es kaum besser aus. Hier funktioniert die Navigation dank eingeblendetem Analogstick-Ersatz zwar ganz ordentlich, leider macht die miese Zielhilfe einen gehörigen Strich durch beinahe  jeden Schusswechsel.

Denn viel zu oft visiert die Zielhilfe alles an, nur nicht den Feind, den es auszuschalten gilt. So steigt sehr oft das Fahndungslevel durch versehentlich erschossene Passanten an. Großen Anteil daran hat auch noch die arg bockige Kamera. Glücklicher Weise sind bei Rockstar zumindest die Tasten frei konfigurierbar und so hat der Spieler wenigstens die Möglichkeit, sich besser an die Steuerung zu gewöhnen – das gelingt auch, braucht aber Zeit und vor allem: Geduld.

Empfehlung

Auf der Karte von Vice City sind gut die beiden "Hauptinseln" zu erkennen.
Vergrößern Auf der Karte von Vice City sind gut die beiden "Hauptinseln" zu erkennen.

Da bleibt trotz Einsatz des Hawai-Hemdes und viel Begeisterung schließlich das lachende und das weinende Auge. Lachend, weil Rockstar es schafft, einen Klassiker wie Vice City optisch runderneuert und ohne Charmeverlust auf unsere iPhones und iPads zu bringen; weinend, weil einmal mehr deutlich wird, dass ein komplexer Titel wie GTA ohne ein Gamepad kaum vernünftig zu steuern ist. Und das ist nun mal das Totschlagargument für einen mobilen Titel. Die Stimmung kann noch so toll sein, die Grafik und der Sound alles da gewesene in den Schatten stellen. Wenn sich das Ganze nicht vernünftig steuern lässt, kommt nur wenig Spielspaß auf – trotz des ohne Abstriche noch immer gut funktionierendem Gameplay von GTA: Vice City.

GTA: Vice City

Hersteller: 2k Games, Rockstar Games, Wardrum Studios

Preis: € 4,49 (Universal-App)

Altersfreigabe: 17+ (App Store Richtlinie)

Note: 2,75 befriedigend

Grafik (25 %) 2,0

Sound (25 %) 1,5

Umfang (25 %) 2,0

Bedienung (25 %) 5,5

Vorzüge: Nach wie vor tolle 80er-Stimmung, aufpolierte Optik, riesiger Soundtrack, Spielstände in der Cloud, abgefahrene Charaktere

Nachteile: Richtig miese Steuerung, teilweise nervige Pop-ups

Alternative: Grand Theft Auto 3: German Edition ( App-Store-Link ), Grand Theft Auto: Chinatown Wars ( App-Store-Link ), Gangstar Rio: City of Saints ( App-Store-Link )

Anforderungen: iPhone 4, iPhone 4S, iPhone 5, alle iPad-Modelle und iPod touch der 4. und 5. Generation

Testgeräte: iPad 2, iPhone 5

Bezugsquellen: App Store ( App-Store-Link )

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