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Garageband 1.2 fürs iPad

27.04.2012 | 13:30 Uhr |

Garageband 1.2 bringt ein neues Smart-Instrument, erlaubt spontane Jam-Sessions und das Editieren von Einzelnoten. Wir testen, wie gut sich das Update auf dem neuen iPad macht

Garageband
Vergrößern Garageband

Um schnell und stressfrei eigene Musik zu komponieren, gibt es kaum eine bessere Lösung als Garageband . Musiker und Nichtmusiker finden in dem genialen Studio alle wichtigen Möglichkeiten, um Mehrspuraufnahmen einzuspielen, mit Effekten zu verfeinern und abzumischen. Premiere hatte das Programm auf dem Mac, später folgten iOS-Versionen, mit denen man mobil musiziert. Die mobilen Ableger sind gerade für Nichtmusiker ein Hit: Mit Touch- und Smart-Instrumenten gelingen schnell eigene Beats, Akkordfolgen und Melodien auf Gitarre, Bass oder Tasteninstrumenten.

Garageband stand der großzügige iPad-Bildschirm schon immer gut: Mehrspurprojekte brauchen Platz und wirken auf dem iPhone-Display gedrängt - auch wenn die Miniversion insgesamt gut gelungen ist. Das Programm zeigt in Clips gespielte Noten als kleine Punkte oder Linien: Dank der vierfachen Auflösung des Retina-Displays erscheinen sie auf dem neuen iPad detaillierter als auf dem Vorgänger. Das spart Zoomen. Ansonsten sieht das Programm mit seinen realistischen Instrumenten einfach besser aus als je zuvor.

Zweiter Vorteil ist die bessere Performance. Mehrspurprojekte mit Echtzeiteffekten und Aufnahmen von echten Instrumenten wie Gitarren oder Gesang überforderten den Prozessor des iPad (2. Generation) leicht. Das machte sich durch Probleme der App beim Abspielen des Projekts oder bei der Aufnahme neuer Spuren bemerkbar. Nicht nur beim Aufnehmen und Editieren lief Garageband in unserem Test flüssig und zuverlässig, beim Heruntermischen von Songs war es rund doppelt so schnell.

Spielfehler nachbessern

Softwareinstrumente sind besonders praktisch in Garageband. Sie zeichnen eigentlich nur Steuerinformationen auf, wann welcher Ton wie stark angeschlagen wurde und mit welchem Instrument. Vorteil: So lassen sich kleine Spielfehler leicht nachbessern, indem man falsche Noten oder schiefes Timing einfach gerade-rückt. In den mobilen Ablegern wurde bisher die Möglichkeit, einzelne Töne nachzubearbeiten, leider vermisst. Dafür musste ein Song immer erst auf den Mac übertragen werden. Das Update auf Version 1.2 schließt diese Lücke. Jetzt ist es auch unterwegs schon möglich, einzelne Noten zu bearbeiten.

Tippt man auf einen Loop, erscheint im Kontextmenü neben den bekannten Möglichkeiten wie "Löschen" oder "Kopieren" auch "Bearbeiten". Damit springt man in den Editor-Modus. Dort lassen sich die als Balken erscheinenden Töne antippen, horizontal fürs Timing oder vertikal für die Tonhöhe verschieben. Auch die Anschlagstärke lässt sich verändern.

Ein Abstrich im Vergleich zur Desktop-Version war die Begrenzung auf maximal acht Spuren. Das reicht locker für die meisten Songs, ab und zu fehlt aber mal eine weitere Spur im Köcher, zum Beispiel für mehrstimmige Hintergrundchöre. Dafür bringt Garageband zum Glück eine Funktion zum Zusammenführen mehrerer Spuren mit. Dabei werden zwei oder mehrere Spuren zusammen gemixt und schaffen Platz für weitere. Bei diesem als "Ping-Pong" oder "Heruntermischen" bekannten Trick aus Vierspurzeiten ist es nur wichtig, auf den richtigen Mix zu achten. Die Lautstärke einzelner Instrumente lässt sich anschließend nicht mehr verändern. Clever, dass Garageband automatisch eine Kopie des Songs für alle Fälle vor diesem Schritt anlegt.

Streichkonzert mit Multitouch

Streicher ergänzen in der neuen Version die Smart-Instrumente. Das ähnliche Bedienprinzip zu Tasten, Gitarre und Bass erleichtert den Einstieg. Antippen der Tonart reicht, um dem iPad gezupfte Töne zu entlocken, Wischen von oben nach unten ergibt lange, gestrichene Töne, die in Intensität und Lautstärke variieren, einmal Wischen kurze Betonungen, bei denen die Streicher nur einmal den Bogen über die Saiten ziehen. Die Tonhöhe lässt sich durch Antippen in einem der vier Bereiche unter jeder Tonart steuern.

Die Autoplay-Funktion und Auswahl erzeugt kurzerhand vorgefertigte Streicherarrangements, die zu verschiedenen Stilrichtungen von Filmmusik "Cinematic" bis Klassik "Romantic" passen. Da Streichersätze aus Instrumenten von der ersten Violine bis zum Kontrabass reichen und alle zum Spielen und Kombinieren bereitstehen, ist das neue Smart-Instrument sehr vielfältig. Die Instrumente lassen sich für den Streichersatz aktivieren oder per Antippen ausschalten. So kann man verschiedene Klangbilder und Stimmungen erzeugen. Melodien lassen sich im "Notes"-Modus spielen, indem man die Saite einer Violine, eines Cellos et cetera auf dem Griffbrett antippt oder darüberwischt. Das Halten einer Saite erzeugt einen beliebig langen Ton. An der linken Seite sind noch zwei Buttons, mit denen sich gezupfte oder mit dem Bogen gespielte Töne steuern lassen. Man tippt auf den Button und wischt rechts gleichzeitig über die Saite - je schneller, desto lauter wird der Ton.

Spontane Jam-Session

Garageband war bisher immer etwas für Solokünstler, mit der neuen Jam-Session-Funktion lädt man andere zum Mitspielen ein. Mitmachen können andere iPad-, iPhone- oder iPod-Touch-Besitzer. Ähnlich wie bei einem Multiplayer-Spiel eröffnet einer die Session, und weitere können per Wi-Fi oder Bluetooth einsteigen. Der "Bandleader" genannte Gastgeber bestimmt über Tonart und Tempo des Songs, danach können Mitglieder einsteigen, ein Instrument wählen. Sobald der Bandleader die Aufnahme beginnt, startet die gemeinsame Session, und jeder kann improvisieren. Nach Beenden der Aufnahme landen sämtliche gespielten Parts als Spuren auf dem iPad des Bandleaders. Da Jam-Sessions auch mit Smart-Instrumenten funktionieren, können selbst Einsteiger losjammen.

Songs auf Facebook & Co.

Das Teilen eigener Songs wird mit der neuen Version ebenfalls einfacher. Im Songfenster lassen sich Projekte direkt an Facebook, Youtube, Soundcloud schicken. Das Verteilen auf andere iOS-Geräte gelingt mit iCloud kinderleicht. Filmmusiker schicken ihre neuen Soundtracks direkt an iMovie weiter.

Fazit & Empfehlung

Garageband auf dem neuen iPad ist mehr denn je eine Pflicht-App für alle, die Spaß daran haben, eigene Musik zu machen. Nie sahen die Instrumente so schick aus wie auf dem Retina-Display. Dank der Jam-Session ist die App nicht mehr nur etwas für Solotüftler. Erfahrene Musiker freuen sich über willkommene Verbesserungen. Zusammen mit der schnelleren Hardware wird Garageband zum ultimativen mobilen Musikstudio.

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