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Garageband und Logic Pro X im Vergleich

07.07.2014 | 14:19 Uhr |

Wem Garageband zu klein geworden ist, findet in Logic Pro X womöglich eine Alternative. Welches der beiden Apple-Programme ist das Richtige für Sie?

Apple bietet derzeit zwei Musikproduktionsprogramme an. Das eine – Garageband – ist kostenlos und auf jedem Mac vorinstalliert, das andere – Logic Pro X – ist eine professionelle Software, vollgepackt mit virtuellen Instrumenten, erweiterten Sounddesign-Tools und Bearbeitungswerkzeugen. Kostenpunkt: 180 €. Aber welche Suite ist die richtige für Sie? Im folgenden Vergleich wollen wir die Vorzüge von Garageband und Logic Pro X untersuchen.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, in die faszinierende Welt der Audioproduktion einzutauchen, dann hat Apple genau das Richtige für Sie. Auf jedem aktuellen Mac ist Garageband bereits vorinstalliert. Diese Software ist durch ihre Benutzerfreundlichkeit und die enthaltenen Ressourcen für den Einsteiger bestens geeignet und bietet jede Menge Optionen für den erfahrenen Anwender.

Für professionelle Produktionen bietet Apple Logic Pro X für 180 € exklusiv im Mac App Store an und ist damit äußerst konkurrenzfähig, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenten Cubase und Pro Tools 11 mit derzeit ca. 500 € zu Buche schlagen.

Aber warum überhaupt upgraden, wenn Garageband bereits so Vieles kostenlos anbietet? Selbstverständlich wird es entscheidend sein, was Sie mit Ihrer Produktionssoftware erreichen wollen. Deshalb möchten wir mit diesem Vergleich eine Entscheidungshilfe anbieten, um das richtige Produkt für Ihre Kreativität zu finden.

Funktionen im Vergleich

Sehen wir uns zunächst einmal an, was die beiden Programme an Funktionen bieten. In den aktuellen Versionen hat Apple damit begonnen, Features aus Logic Pro X in Garageband zu implementieren. Dennoch gibt es noch jede Menge Unterschiede.

Im Grunde genommen ist Garageband eine abgespeckte Version des "großen Bruders" Logic Pro X, mit der es möglich ist, echte Instrumente und Stimme/Gesang mit dem Mac aufzunehmen. Um dies zu ermöglichen, sind externe Interfaces wie zum Beispiel USB-Mikrofone, MIDI-Keyboards oder das universell einsetzbare iRig Pro (derzeit 117 €) notwendig.

Man kann selbstverständlich auch mit dem integrierten Mikrofon des Mac aufnehmen. Dieses ist allerdings von Haus aus eher für den Bereich Telefonie konzipiert und für die Aufnahme von echten Instrumenten nicht gut geeignet . Wesentlich bessere Ergebnisse erzielt man mit externen Geräten. Explizit ist hier der Anschluss über USB anstelle des 3,5mm-Toneingangs zu empfehlen.

Alternativ kann man die Tastatur des Mac als MIDI Controller verwenden oder die kostenlose App Logic Remote herunterladen, um  das iPad als Bedienfeld zu nutzen und die in beiden Programmen enthaltenen virtuellen Instrumente darüber einzuspielen. Garageband verfügt standardmäßig über 50 Keyboard-, Drum- und Gitarrensounds, 500 Loops, einen virtuellen Session-Drummer und zwei Basic-Tutorials für Gitarre und Piano. Für lediglich 4,49 € kann man diese Library per In-App-Kauf auf 200 Sounds, 2.000 Loops, 15 Session-Drummer und 40 Basic-Tutorials erweitern. Ein absolut sinnvoller und unbedingt zu empfehlender Kauf.

Die oben genannten Loops eignen sich hervorragend etwa zum Erstellen von Demo-Playbacks oder um das Spektrum der eigenen Kompositionen zu erweitern. Sie decken eine große Bandbreite an musikalischen Genres, Soundeffekten und Jingles ab. Zudem sind all diese Loops lizenzfrei – Sie können damit einen Welthit komponieren, ohne Bedenken wegen des Copyrights haben zu müssen.

Mit der stattlichen Anzahl von 20.000 Sounddateien ist Logic Pro X hier Garageband weitaus überlegen. Die meisten davon sind in einem optionalen Download einer 35 Gigabyte großen Datei enthalten. Und nicht nur bezüglich Quantität, sondern auch bezüglich Qualität besteht hier ein essenzieller Unterschied. So sind die Loops in Logic Pro X Sounddatenbanken zugeordnet, zum Beispiel "70s Electric Piano". Diese lassen sich nahtlos aneinanderreihen und so kann man vielfältige Muster erstellen. In Logic sind die Loops vollständig, in Garageband eher rudimentär, was die Erzeugung einer komplexen Spur sehr schwierig macht. Beispielsweise verfügt Logic über 29 (!) verschiedene Varianten eines 70er-Jahre-Elektropianos, Garageband lediglich über zwei. Das soll nicht heißen, dass man mit Garageband keine hervorragenden Tracks produzieren kann. Sollten Sie aber einen Schwerpunkt auf Looping legen, wäre eine Entscheidung zugunsten von Logic Pro X nahezulegen.

Außerdem kann Logic mit einer ganzen Palette von Sounddesign-Tools aufwarten, wie zum Beispiel Space Designer, Ultrabeat Drum Synthesizer oder EXS24 Sampler. Dies sind äußerst präzise Effekte, um eigene Klänge zu erzeugen. Der vermutlich ungewöhnlichste Effekt ist Sculpture, der es laut Apple ermöglichen soll, vibrierende Materialien wie etwa Holz, Glas, Nylon oder Metall zu imitieren. Damit gelingt es spielerisch, unterschiedlichste Klangfärbungen von Streichinstrumenten, Glocken, Chimes und anderen Instrumenten zu reproduzieren. Ebenfalls an Bord ist eine komplette Notationssoftware, die Ihre Komposition in Notentext übersetzt, diesen bearbeitbar macht und zum Ausdruck bereitstellt.

Gemeinsam haben beide Audioprogramme den virtuellen Drummer. Hierbei handelt es sich um von Studioschlagzeugern aufgenommene Grooves, Fills, Rolls etc., die sehr flexibel zu den von Ihnen erstellten Spuren kombiniert werden können. Diese Möglichkeit ist recht innovativ und noch nicht sehr weit verbreitet, funktioniert aber überraschend gut und ist ein genialer Weg, um den Sound und vor allem das Gefühl eines echten Schlagzeugers zu genießen und sich darüber hinaus stundenlanges Programmieren zu ersparen. So ist schnell ein Songdemo für die eigene Band oder Freunde zusammengestellt. In Logic kann man sich mit dem Drum Kit Designer sogar noch das Wunschdrumset selbst zusammenstellen. Allerdings reichen in der Regel die hinterlegten Setups völlig aus.

Gitarristen und Bassisten werden ebenfalls bestens bedient, bieten doch beide Anwendungen 25 virtuelle Gitarren- und Bassamps sowie 35 Effektpedale an. Der Klang ist sehr gut und die Bedienbarkeit in Form von virtuellen Drehknöpfen und Schaltern vermittelt ein realistisches Gefühl. Ein Feature, das bisher Garageband vorbehalten ist, sind die "Learn to play"-Tutorials. In interaktiven Lektionen können hier durchaus Grundfertigkeiten an Gitarre und Piano vermittelt werden. In diesen Lektionen tauchen auch Profimusiker wie Sting oder Norah Jones auf und erklären einige Ihrer Songs.

Logic Pro X vs. Garageband - Gemeinsamkeiten

Anfangs wird man feststellen, dass beide Anwendungen nahezu identisch aussehen. Dies war eine bewusste Entscheidung von Apple. Man will mit Garageband eine Art "Spielwiese" anbieten und es Musikern, die sich für die Profilösung Logic Pro X entscheiden, leicht machen, direkt weiterzuarbeiten, ohne sich an einen komplett neuen Workflow gewöhnen zu müssen. Die Gemeinsamkeiten sind nicht nur grafischer Natur. Beide Tools arbeiten mit den gleichen Codecs, man kann also eine in Garageband erfasste Aufnahme problemlos in Logic weiterverarbeiten.

Der Hauptbildschirm gliedert sich in die gängigen Steuertools wie Zeitachse, verfügbare Instrumente, Effekte, Editoren und Loop-Bibliothek. Diese können durch die im oberen Bereich hinterlegten Knöpfe jederzeit ein- und ausgeblendet werden. Logic geht hier noch etwas mehr ins Detail. So gibt es einen "Channel Strip" für jede einzelne Spur. Von hier aus lassen sich Effekte, Equalizereinstellungen, Signalstärke und weitere Parameter zuweisen. In Garageband kann man diese Bearbeitung ebenfalls auf die einzelnen Tracks herunterbrechen, die Bearbeitungsmöglichkeiten in Logic sind aber wesentlich feiner gerastert. Außerdem verfügt Logic über ein virtuelles Mischpult, mit dem die Einzelspuren kontrolliert werden können. Das ist äußerst sinnvoll und angenehm für eine reibungslose Kommunikation mit externen MIDI-Geräten.

Beide Tools sind für als "One-Window"-Anwendung konzipiert, das heißt man muss nicht gleichzeitig mehrere Fenster und Paletten im Auge behalten. Mit einem einzigen Klick öffnet sich die angewählte Spur zur detaillierten Bearbeitung. Nach erneutem Klick wird sie wieder verkleinert. Für Produzenten, die mit mehreren Bildschirmen arbeiten, bietet Logic die Möglichkeit, die gewünschten Kontrollfenster den einzelnen Bildschirmen separat zuzuweisen.

Die grafische Oberfläche ist schlicht, intuitiv und effizient zu bedienen. Die Einzelspuren unterscheiden sich farblich und je nach gewähltem Instrument sind ihnen entsprechende Icons zugeordnet. Jedes Instrument verfügt über Smart Controls wie Drehregler, Schieberegler und Knöpfe. Diese Art der Bedienung erzeugt vor allem auf dem iPad und anderen Geräten mit Touchscreen ein realistisches Gefühl, da sich die Regler hier analog zur Berührung bewegen. Das Handling ist bewusst schlicht gehalten. Es soll die Scheu von den allzuoft überfrachteten, komplizierten Audioproduktionsprogrammen genommen werden und der Fokus einzig auf dem "Musik machen" liegen.

Weitere Funktionen in der Tiefe

Man könnte den Eindruck bekommen, dass Logic aufgrund dieser einfach gehaltenen Oberfläche ein Amateurspielzeug ist. Weit gefehlt. Selbstverständlich handelt es sich um ein ausgefeiltes, komplexes Tool. Man muss die erweiterten Wekzeuge nur einschalten, zu finden unter "Einstellungen". Und schon erhält man Zugriff auf Kontrollfenster wie MIDI-Control, Advanced Editing und weitere.

Hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen: Garageband arbeitet mit sehr einfachen Kontrollreglern. Lautstärke rauf/runter, Stereopanorama links/rechts oder Fade in/Fade out. Außerdem ist es mit "Flex Time" sehr leicht, Aufnahmeteile, die etwas außerhalb des Timings geraten sind, in den Beat zurückzuschieben. In Sachen Intonation kann die rudimentäre "Pitch"-Funktion Abhilfe schaffen. In Logic Pro X findet man hingegen eine Unmenge von Bearbeitungswerkzeugen, was deutlich macht, dass man es hier mit einer professionellen Audiosoftware zu tun hat. "Track Stacks" ermöglicht einen Submix zusammengehörender Spuren wie zum Beispiel Vocals, Orchesterinstrumente oder anderer Gruppen, um diesem dann übergreifende Effekte, EQs oder andere Parameter zuzuweisen. Man kann auf diese Weise ein regelrechtes MIDI-Orchester erschaffen oder neue Instrumentengruppen kreieren, die dem Song einen unverwechselbaren Sound geben. Letztendlich kann man die Aufnahme auf eine einzige Spur zusammenmischen, um die Timeline optimal im Griff zu behalten.

Mit "Flex Pitch" erhält man perfekte Kontrolle über Vokal- und Instrumentalaufnahmen. Timing und Intonation können hier fein eingestellt werden. Wäre ja schade um die ansonst perfekt gelungene Aufnahme, wenn es mit Tonhöhe oder Rhythmik nur leicht hapert. Im Gegensatz zu Garageband können in Logic auch innerhalb eines Songs verschiedene Timings fest zugewiesen werden. Die Liste der Werkzeuge ließe sich ellenlang fortsetzen, würde hier aber zu weit führen.

Logic oder Garageband?

Obwohl beide Tools viele Gemeinsamkeiten in Funktionalität und Oberfläche aufweisen, sind sie doch im Grunde genommen sehr unterschiedliche Plattformen. Das ist nicht wirklich überraschend, reden wir hier doch von einer Freeware und einer in Tonstudios auf der ganzen Welt anzutreffenden Lösung.

Garageband mag zunächst sehr amateurhaft im Vergleich zum großen Bruder Logic Pro X erscheinen, ist es aber nicht. Die intuitive Bedienbarkeit, Anschlussmöglichkeit externer Interfaces und die erstaunlich große und sehr gut klingende Soundbibliothek ermöglichen ohne weiteres die Produktion von beeindruckenden Aufnahmen, ohne sich dabei dem nerven- und zeitraubenden Studium komplexerer Programme hingeben zu müssen.

Als Singer/Songwriter oder kleine Band, die Demos oder eigene Songs aufnehmen wollen, ist Garageband eine hervorragende Lösung, die schnell verfügbar und gut ausgestattet ist. Ebenfalls gut geeignet ist Garageband für die Produktion von Hörspielen aufgrund der vorhandenen Soundeffekte und der guten Möglichkeit, einzelne Stimmen zu mischen.

Produzenten von Podcasts dürften ziemlich enttäuscht sein, da die Podcast-Funktion in der aktuellen Version von Garageband nicht mehr existiert. Nachdem diesbezüglich regelrecht ein Aufschrei durch die Audioszene ging, dürfte Grund zur Hoffnung bestehen, dass Apple bald nachbessert.

All diese Möglichkeiten sind in Logic in fast dem selben Design natürlich ebenfalls gegeben. Blendet man allerdings nach und nach die vielen, kleinen, feinen Bearbeitungswerkzeuge ein, ist der Kreativität definitiv keine Grenze mehr gesetzt. Ein großer Vorteil bei der Gestaltung der Oberfläche von Logic Pro X  ist, dass man nicht von vornherein durch die komplexe Aufgabe einer Audioproduktion abgeschreckt wird, sondern sich Schritt für Schritt und Klick für Klick durch die Aufnahmen hangeln kann, auf diesem Weg auch immer mehr dazulernt und sicherer wird.

Fazit

Logic Pro X ist und bleibt ein höchst komplexes Tool und man kann schon einmal die Orientierung verlieren, wenn man nicht genau weiß, was man tut. Deswegen seien in jedem Fall Handbücher und/oder Youtube-Tutorials empfohlen, um wirklich in den Genuss einer perfekten, sicheren Bedienung dieser Suite zu gelangen. Darüber hinaus sind 180 € zu berappen, aber wenn man ernsthaft Audioproduktion betreiben will und ein riesiges Spektrum an Klängen erleben möchte - etwa mit der Funktion "Sculpture": Es gibt nichts Besseres für diesen Preis - Logic Pro X ist quasi ein Schnäppchen.

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