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Tado im Test

Getestet: Die Heizung per iPhone steuern

08.11.2013 | 09:54 Uhr |

Das Steuern der Heizung gehört zu den Aufgaben im "Smart Home", bei denen das iPhone gute Dienste leisten kann. Wir testeten die recht kostengünstige Lösung von Tado.

Wann immer das Thema "Smart Home" in die Medien gerät, ist oft von zweifelhaften Anwendungen die Rede, die einen endgültig davon abhalten, sich überhaupt noch vom Sofa zu erheben – wie etwa Kühlschränke, die automatisch Milch nachbestellen. Viele Systeme versprechen die totale Kontrolle über jede Lampe, jede Steckdose und die Alarmanlage, was sehr reizvoll klingen mag, aber dank der Allmachtsversprechen solcher Lösungen den Leuten auch Angst macht – vor der Bedienung, den Kosten und den Missbrauchsmöglichkeiten.

Die Installation läuft über das Web und beginnt damit, das Gateway an den Router anzuschließen.
Vergrößern Die Installation läuft über das Web und beginnt damit, das Gateway an den Router anzuschließen.

Warum also nicht eine Nummer kleiner denken und sich eines Themas annehmen, bei dem die Automatisierung wirklich sinnvoll ist, das eng begrenzt und kostengüns­tig zu lösen ist, nämlich die Steuerung der Heizung. Eine Heizung kann etwas mehr Intelligenz durchaus gebrauchen. Verschiedene Temperaturen tagsüber und nachts beherrschen manche Heizungen schon von Haus aus, aber die Verbindung mit einem iPhone macht einiges mehr möglich. So kann sich die Heizung automatisch abschalten, sobald man das Haus mit dem iPhone in der Tasche verlässt. Die Temperatur lässt sich über eine App aus der Ferne überwachen, und man kann das Haus anwärmen, bevor man nach Hause kommt. Und noch mehr als das: Die Steuerung kann intelligent agieren, sich merken, wann man gewöhnlich aufsteht oder aus dem Büro zurück ist, die lokale Wettervorhersage einbeziehen und vieles mehr.

Steuern auf bayerische Art

Damit ist die Funktion der von der Münchner Firma Tado entwickelten Heizungssteuerung schon recht vollständig beschrieben. Im Vergleich zu manch anderen ist sie sehr einfach zu installieren und kos­tengünstig. Sie ersetzt den zentralen Thermostaten der Heizungsanlage durch eine selbst entworfene "Tado-Box", die drahtlos Kontakt mit einem Gateway am Router aufnimmt. Darüber ist das System mit dem Internet und den Servern des Anbieters verbunden, und mit diesen wiederum nimmt die Tado-App auf dem iPhone, mit der sich die Heizung konfigurieren und steuern lässt, Kontakt auf.

Installation

© 2015

Durch die Installation der Box leitet eine gut gemachte Webhilfe, die jeden Schritt einzeln erklärt und auf die vorhandene Heizungsanlage abgestimmt ist. An Werkzeug braucht man einen Schraubendreher und womöglich eine Bohrmaschine für die Wandbefestigung. Wir benötigten keine halbe Stunde für alles, doch auf Wunsch gibt es auch einen Installationsservice.

Nicht für alle Heizungen

Bislang funktioniert die Lösung nur bei Heizungsanlagen, die sich komplett vom Bewohner steuern lassen. Nutzt man also Fernwärme oder wohnt in einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung, bei der nur die einzelnen Heizkörper geregelt werden können, kommt das System nicht infrage. Immerhin funktioniert es mit einer großen Bandbreite an Heizungsanlagen von Öl über Gas und Pellets bis hin zu Wärmepumpen. Auch die in vielen Wohnungen vorhandenen Gasetagenheizungen lassen sich meist problemlos steuern.

Vorher und nachher: Das Thermostat (oben) muss der Tado-Box weichen (unten).
Vergrößern Vorher und nachher: Das Thermostat (oben) muss der Tado-Box weichen (unten).

Das System steuert die Heizung über die sogenannte Tado-Box. Im einfachsten Fall ersetzt diese den bereits vorhandenen, zentralen Raumthermostaten. Bei anderen Anlagen wird die Box in der Nähe der Heizung angebracht, und ein zusätzlicher Wärmefühler im Wohnraum übermittelt seine Erkenntnisse per Funk. Individuell für jeden Raum lässt sich mit dieser Methode die Heizung also nicht steuern, denn in allen anderen Räumen bleiben auch weiterhin nur die Thermostate am Heizkörper übrig. Hängt der Fühler beispielsweise im Wohnzimmer, ist es kaum möglich, dort die Heizkörper kalt zu lassen und nur das Arbeitszimmer zu heizen. Das mag wenig flexibel klingen, ist aber andererseits bei vielen Heizungsanlagen auch ohne smarte Steuerung die seit Jahren geübte Praxis. Eine individuelle Raumregelung will Tado in Zukunft allerdings noch nachreichen.

Wer ohne iPhone in der Tasche das Haus betritt, kann die kleine Taste an der Box nutzen, um die Steuerung über seine Anwesenheit zu informieren.
Vergrößern Wer ohne iPhone in der Tasche das Haus betritt, kann die kleine Taste an der Box nutzen, um die Steuerung über seine Anwesenheit zu informieren.

Installation

Wir testeten die Tado-Steuerung an einer Gasetagenheizung in einer normalen Mietwohnung, was übrigens voraussetzt, dass der Vermieter dem Eingriff in die Heizungsanlage zustimmt. Die eigentliche Installation gestaltete sich recht simpel und sollte jedem, der schon mal ein Kabel in einer Lüsterklemme verschraubt hat, auch ohne Installateur gelingen. Tado liefert ein Paket mit der Steuerungsbox, einem Gateway zum Anschluss an den Internet-Router und einem Netzteil dafür. Die eigentliche Installa­tionsanleitung findet sich online und passt sich dabei der vorhandenen Heizung an.

Konfiguration

© 2015

Die Konfiguration der Anlage erfolgt nun über die Tado-App auf dem iPhone oder auf Wunsch auch über den Webbrowser. Einstellen tut man die gewünschten Temperaturen sowie einen Zeitplan für den Wechsel zwischen Tag- und Nachtbetrieb. Dabei lassen sich die iPhones so konfigurieren, dass die Heizung automatisch heruntergefahren wird, wenn alle außer Haus sind. Die Konfiguration ist sehr simpel und kann von überallher erfolgen, also auch von unterwegs.

Steuerung per iPhone

Die Tado-App fürs iPhone verbindet sich nicht direkt mit der Steuerung zu Hause, sondern über die Server von Tado, wo alle Informationen zusammenlaufen. Wahlweise über die App oder den Browser auf dem Rechner lässt sich die Heizung nun konfigurieren: So legt man – auf Wunsch für jeden Wochentag einzeln – die Schlafenszeit fest und bestimmt die Wunschtemperatur für Tag und Nacht.

Wenn man möchte, fährt die Steuerung die Heizung automatisch herunter, sobald alle Bewohner mit ihrem iPhone in der Tasche das Haus verlassen haben. Dazu nutzt die App die fortwährende Positionsbestimmung per GPS beziehungsweise WLAN. Dieses "Geofencing" verbraucht zwar nur relativ wenig Strom, erwies sich im Test aber auch als etwas grob, denn im Laden um die Ecke wähnt sich die App meist noch zu Hause und erst in einiger Entfernung schaltet sich die Heizung ab. Für Bewohner ohne iPhone gibt es eine Tas­te am Steuergerät, zudem lassen sich generelle Heizzeiten festlegen. Die Heizung wird nicht ganz abgeschaltet, sondern nur so weit, dass sich das Haus mit vertretbarem Aufwand wieder aufheizen lässt.

Benutzung

© 2015

Eigentlich gibt es, nachdem man einmal alle gewünschten Temperaturen und Zeiten eingestellt hat, nicht mehr viel für die Bewohner zu tun, denn ab hier übernimmt die Steuerung praktisch allein das Ruder. Aber man darf überwachen und die Tado-Steuerung natürlich auch überstimmen. Die grafische Auswertung der Tages- und Wochenverläufe ist eine praktische Hilfe, wenn man herausfinden möchte, ob sich die Steuerung bezahlt gemacht hat.

Intelligente Steuerung

Die eigentliche Steuerungsintelligenz liegt bei den Tado-Servern, und sie sorgen dafür, dass die Heizung ständig dazulernt. So lernt der Algorithmus, wie schnell die Wohnung sich aufheizen lässt, wann auf jeden Fall und wann nie jemand da ist. Außerdem beachtet die Steuerung die Wettervorhersage und heizt etwas weniger, wenn ein warmer Tag folgt, um nicht zu viel Energie zum Fenster hinauszublasen. Die Steuerung erkennt am plötzlichen Temperaturabfall auch selbstständig, dass man zum Lüften die Fenster geöffnet hat, und stellt für eine Weile die Heizung ab. Über die App lässt sich das Verhalten nur wenig beeinflussen, indem man mit einem Schieber zwischen mehr Wirtschaftlichkeit und mehr Komfort wählt.

Komfort und Einsparpotenzial

Heizungsssteuerungen wie die von Tado versprechen meist eine Kombination aus mehr Komfort und Amortisation durch Einsparungen. Beides muss man aber differenziert betrachten: Der Komfort der Tado-Lösung ist schon durch dessen Einfachheit recht hoch, zudem punktet das System mit der einfachen Installation. Die Möglichkeit, von unterwegs die Heizung an- oder abschalten zu können, ist natürlich enorm praktisch – vor allem für vergessliche Naturen. Für Haushalte, in denen nicht jeder ein iPhone besitzt, ist der Komfort allerdings eingeschränkt, zumal man stets einen funktionierenden Internet-Zugang benötigt, um die Heizung zu regeln. Wer nicht online ist, kann nicht einmal nachsehen, ob die Heizung eingeschaltet ist, denn manuelle Regelmöglichkeiten oder Anzeigen am Gerät gibt es kaum.

Ob sich durch die Installation des Tado-Systems wie erhofft Geld einsparen lässt, konnten wir natürlich im kurzen Testzeitraum kaum herausfinden. Im Rahmen eines Sommerangebots gab es die Hardware zum Testzeitpunkt kostenlos, normalerweise würde sie 150 Euro kosten. Die Nutzung des Dienstes an sich schlägt mit 99 Euro im Jahr zu Buche, sodass Tado in der Tat vergleichsweise günstig ist, denn andere, oft auch mehr Geräte umfassende Systeme sind inklusive aller Einrichtungspauschalen und Gebühren meist deutlich teurer. Doch auch den Hunderter pro Jahr muss man erst einmal einsparen: Wenn die Heizungssteuerung auch zuvor schon zwischen Tag und Nacht unterscheiden konnte, man immer brav zum Lüften oder beim Hinausgehen die Heizung abgeschaltet hat, muss man vor allem bei kleineren Wohneinheiten dieses Geld erst mal zusätzlich erwirtschaften.

Doch je mehr Leute im Haus wohnen, umso unwahrscheinlicher ist es, dass jeder die Disziplin wahrt, und das dürfte erst recht für kleine Firmen gelten, in denen sich keiner um die Heizung kümmert. Hier liegt zweifellos die Stärke des Systems: Einmal konfiguriert, kümmert sich die Heizung einfach um sich selbst. Und durch die Steuerung per iPhone sind kleine Änderungen kein Problem.

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