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Goodbye Deponia im Test für OS X

17.12.2013 | 12:00 Uhr |

Mit mehr Umfang, mehr Spaß, mehr Überraschungen und viel mehr Rufus entpuppt sich Goodbye Deponia im Test nicht nur als würdiger Abschluss der Müllplaneten-Trilogie – sondern auch als eines der besten Adventures der letzten Jahre.

Das Dynamit sollte das Sprengen von Tunneln erleichtern, erleichterte aber auch das Sprengen von Menschen. Der Biosprit sollte die Abhängigkeit von explodierenden Ölpreisen lösen, sorgte aber auch für explodierende Getreidepreise. »Gut gemeint« ist eben oft das Gegenteil von »gut«. Dieser alte Sinnspruch trifft ebenfalls auf alles zu, was der Antiheld Rufus in unserem Test des Point&Click-Adventures Goodbye Deponia anpackt, dem Abschluss und Höhepunkt von Daedalics Deponia-Trilogie . In seinem aberwitzigen Bestreben, den namensgebenden Müllplaneten vor der Sprengung durch das Organon zu bewahren sowie seine Angebetete Goal zu retten, hinterlässt Rufus eine Schneise der Verwüstung. Und Lachfalten auf unseren Gesichtern.

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Geschichte mit Kniff

Denn keine Angst vor allzu schwerer Kost: Ähnlich wie bei der kleinen Lilli im Adventure Harveys neue Augen versteht es der Autor Jan »Poki« Müller-Michaelis auch in den Deponia-Spielen das tieftragische Werk und Schicksal seine Hauptfiguren in absurde Komik zu verpacken. Für Goodbye Deponia zieht er deshalb nochmal alle Register, von einer überraschenden Wendung nach der anderen über Klamauk im Stile klassischer Verwechslungskomödien bis hin zum dreifach geklonten Rufus.

Moment: Rufus gibt's jetzt dreimal? Stimmt, wie genau es dazu kommt, wollen wir nicht verraten, zumal die Geschichte noch mehr Überraschungen dieses Kalibers auffährt. Daher nur so viel: Während die von Rufus angezettelte Revolution auf Deponia sich verselbständigt hat und scheinbar kurz vor dem Sieg steht, hält der Organon an seinen Sprengungsplänen eisenhart fest.

Rufus hingegen ist wieder mal vorrangig damit beschäftigt, Goal zu retten, die er natürlich erneut in eine missliche Lage gebracht hat. Während seiner Abenteuer klont er sich schließlich vorsätzlich, um alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen: Goal retten, Deponia vor der Zerstörung bewahren und nach Elysium aufsteigen. Na, das kann ja heiter werden. Und wird es auch.

Day of the Tentacle reloaded

In Sachen Umfang ist Goodbye Deponia im Vergleich zu den Vorgängern deutlich gewachsen, rund zwölf Stunden dauert der Showdown auf dem Müllplaneten. Einen Großteil davon können wir alle drei Rufus-Klone parallel steuern, dürfen jederzeit zwischen ihnen hin und her wechseln und sogar Gegenstände austauschen, sofern es die Örtlichkeiten zulassen.

Traum oder Realität: Wird für Rufus und Goal am Ende alles gut?
Vergrößern Traum oder Realität: Wird für Rufus und Goal am Ende alles gut?

Wer jetzt Day of the Tentacle schreit, hat natürlich Recht und sei beglückwünscht, weil er den LucasArts-Klassiker von 1994 gespielt hat. Neu ist die Idee mit dem Charakter-Wechsel also nicht, allerdings braucht Goodbye Deponia den Vergleich mit dem Vorbild auch nicht zu scheuen. Die Dialoge, die skurrilen Charaktere und die Slapstick-Komik erreichen durchaus das Niveau des legendären Tentakel-Abenteuers.

Lediglich beim Rätseldesign sorgte damals die zusätzliche Zeitreise-Komponente für einen Tick mehr Komplexität und Um-die-Ecke-Denk-Potenzial. Zwar steigt dank der anspruchsvollen Rätselketten um die drei Rufusse (oder Rufii?) der spielerische Anspruch, aber noch immer lassen uns fehlende Journaleinträge oder Hilfestellungen stellenweise ratlos herumprobieren, was wohl der nächste sinnvolle Schritt sein könnte.

Außerdem unterbrechen immer wieder Mini-Knobelspielchen den Spielfluss, die sich wenigstens per Knopfdruck überspringen lassen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Lösungen sind meinst auf in sich logisch - auch wenn man statt normaler eher rufus'sche Logik-Maßstäbe anlegen muss: abgedreht, tollkühn, waghalsig oder schlicht und einfach wahnsinnig.

Der Wahnsinn

Apropos Wahnsinn: Davon sprudeln die Dialoge und die Charaktere auch in Goodbye Deponia seriengetreu über. Nicht nur der selbstverliebte Antiheld Rufus hat einen an der Waffel, sondern auch nahezu alle anderen, etwa der Klonmeister Hermes, der Revolutionär Janosch oder der in Apathie und Depression verfallene Bozo - von Rufus' Ex-Freundin Toni natürlich ganz zu schweigen. Besonderes Vergnügen bereiten dabei zwei große Gastrollen.

In seiner Verzweiflung, und um mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen, klont sich Rufus selbst. Fortan existiert er in dreifacher Ausführung.
Vergrößern In seiner Verzweiflung, und um mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen, klont sich Rufus selbst. Fortan existiert er in dreifacher Ausführung.

So ist der aus Chaos auf Deponia bekannte Akademiker-Obdachlose Goon (gesprochen von der Let´s-Play-Koryphäe Gronkh) wieder mit von der Partie. Neu zum Irrsinns-Ensemble stößt der schnöselige Starsänger Cowboy Dodo. Diesen verkörpert kein Geringerer als der (im echten Leben hoffentlich weniger schnöselige) Smudo von den Fantastischen Vier.

Wie immer sind die Charaktermodelle stilsicher von Hand gezeichnet und verhältnismäßig aufwändig animiert. Überhaupt übertrifft der technische und künstlerische Aufwand für das Finale die beiden ersten Serienteile bei Weitem. Es gibt mehr Schauplätze, mehr animierte Zwischensequenzen, mehr Rufusse und mehr Gesangseinlagen des begleitenden Erzählers.

Zwischen Tragik und Komödie

Die Schlüsselfrage aber lautet: Lernt Rufus im letzten Teil nun endlich etwas dazu? Das verraten wir natürlich genauso wenig wie die Antwort auf die Frage, ob er Elysium erreicht, Goal für sich gewinnt oder Deponia rettet. Zieht er aber immer noch verantwortungslos und selbstgerecht einen Rattenschwanz an Katastrophen hinter sich her?

Der größte Teil von Goodbye Deponia spielt in der Stadt Porta Fisco. Hier treffen die drei Rufusse auch alte Bekannte wie den obdachlosen Akademiker Goon wieder.
Vergrößern Der größte Teil von Goodbye Deponia spielt in der Stadt Porta Fisco. Hier treffen die drei Rufusse auch alte Bekannte wie den obdachlosen Akademiker Goon wieder.

Natürlich tut er das, sonst hätten wir beim Spielen doch nur halb so viel Spaß. Doch Goodbye Deponia entfesselt das Chaos nicht nur um des Chaos' Willen, sondern bettet es auch in einen durchdachten und tiefernsten Rahmen ein, wenn Rufus im Laufe des Spiels mit den bitteren Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird.

Dass das Schlusskapitel so zwischen den Zeilen immer wieder sehr erwachsene Untertöne anklingenlässt, ohne uns Spielern dabei den kindlichen Spaß und die blanke Freude am Wahnwitz zu nehmen, entpuppt sich als erzählerische Leistung, die nicht nur gut gemeint, sondern tatsächlich gut ist. Ach was: ausgezeichnet!

Fazit von Patrick C. Lück: Ich mag die Daedalic-Adventures, von Whispered World über Harveys neue Augen bis hin zur Deponia-Trilogie. Und das nicht nur, weil sie teils bauchschmerzend komisch sind. Oder stilsicher gezeichnet. Oder in Deutschland entwickelt. Oder weil sie bei Rätseldesign und Originalität fast das Niveau der alten LucasArts-Klassiker erreichen - wenn auch nicht ganz.

Nein, ich liebe die Daedalic-Spiele dafür, dass unter ihrer kindlich-albernen Oberfläche meist sehr erwachsene Themen brodeln: Verlust, Verantwortung oder Versagensangst. Selbstüberschätzung, Selbstaufopferung und Selbsterkenntnis. Oder die Verarbeitung von Beziehungsstress und die schwierige Kunst loslassen zu können. Das macht aus Goodbye Deponia nicht nur ein sehr gutes Adventures, sondern in meinen Augen auch ein herausragendes Spiel. Weil es mehr als nur ein Spiel ist.

Wer da nur mit den Schultern zuckt, der kann Rufus' Abenteuer gerne ignorieren, nicht mögen oder sich einfach daran erfreuen, dass Goodbye Deponia die grandiosen Vorgänger bei Umfang, Komplexität und Humor nochmals übertrifft. In meinem Spielekanon erhält die Deponia-Trilogie aber einen besonderen Ehrenplatz.

Steckbrief: Goodbye Deponia

Hersteller: Daedalic Entertainment

Preis: 25 Euro

Altersfreigabe: Freigegeben ab 6 Jahren

Note: 1,3 (sehr gut)

Grafik (25%): 1,2

Sound (25%): 1,2

Umfang (25%): 1,4

Bedienung (25%):1,4

Vorzüge: wunderhübsche und stimmige Hintergründe, flüssige und gut handgezeichnete Animationen, schöne und zahlreiche Zwischensequenzen, sehr schöne und dynamische Hintergrundmusik (teilweise auf Schrott eingespielt), ausgezeichnete deutsche Sprecher, spannend, tragisch, tiefsinnig und komisch zu gleich

Nachteile: kein Journal oder Rätselhilfe, gelegentliche Ebenenwechsel nerven, kaum Wiederspielwert

Alternative: Deponia, Chaos auf Deponia, Night of the Rabbit

Anforderungen:  OS X Lion (10.7), 2 GHz (Dual Core) Intel, 2 GB RAM, 3 GB HDD frei

Testgeräte: Macbook Air 4,1

Bezugsquellen: Mac App Store , Amazon

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