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Google Chromecast gegen Apple TV

02.05.2014 | 11:46 Uhr |

Auf den ersten Blick sind Google Chromecast und Apple TV ungleiche Gegner. Doch der erste Eindruck trügt für manche Anwendungen.

Schon für 35 Euro erhält man den Streaming-Adapter Chromecast von Google. Das Prinzip ist simpel: Ähnlich wie mit Airplay kann man Videos, Musik und Fotos zum Chromecast streamen. Als Steuergerät dient dabei vornehmlich ein Android-Smartphone, aber auch mit einem iPhone, iPad sowie vom Mac aus lässt sich der Chromecast verwenden. Den Videostream holt sich der Chromecast direkt aus dem Internet, iPad oder iPhone dienen nur als Steuergerät. Zudem können einige wenige Apps auch Medien wiedergeben, die sich auf dem iPad befinden.

Befindet sich ein Chromecast-Adapter im lokalen Netz, erscheint dieses Icon in Anwendungen, die den Adapter unterstützen.
Vergrößern Befindet sich ein Chromecast-Adapter im lokalen Netz, erscheint dieses Icon in Anwendungen, die den Adapter unterstützen.

Der Chromecast-Stick im Detail

Als Abspielgerät für diese Inhalte dient der sechs Zentimeter lange Streaming-Adapter Chromecast, den man direkt an die HDMI-Schnittstelle des Fernsehers stecken kann. Sollte das nicht reichen, liegt dem Chromecast eine knapp zehn Zentimeter lange HDMI-Verlängerung bei. An manchen Fernsehern ragt der Chromecast selbst mit Kabel hervor, hier muss man sich mit Klebeband behelfen um den Adapter auf der Rückseite des Fernsehers zu fixieren. Der Streaming-Adapter braucht zusätzlichen Strom. Den bezieht er per USB, dem Adapter liegen ein USB-Kabel und ein Netzstecker bei. Der Netzstecker zieht im Leerlauf rund zwei Watt elektrische Leistung aus der Steckdose.

Der Chromecast merkt sich seine Einstellungen auch dann, wenn man den Netzstecker vom Strom trennt. Viele moderne Fernsehapparate bieten bereits eine USB-Schnittstelle, die man statt des Netzsteckers für die Stromversorgung des Chromecast verwenden kann.

Der Hauptbildschirm von Chromecast zeigt eine Diashow von Naturaufnahmen. Leider lässt sich dies nicht durch eigene Bilder ersetzen.
Vergrößern Der Hauptbildschirm von Chromecast zeigt eine Diashow von Naturaufnahmen. Leider lässt sich dies nicht durch eigene Bilder ersetzen.

Die Technik des kleinen Streaming-Adapters ist Basiskost: Der integrierte WLAN-Adapter unterstützt nur den Bereich 2,4 GHz bis zum Standard „n“. Den störungssichereren Frequenzbereich von 5 GHz nutzt das Gerät nicht – anders als das Apple TV. Nutzt man zwei WLAN-Netze, eines mit 2,4 GHz und ein separates Netz im 5-GHz-Bereich, kann man daher nur das 2,4-GHZ-Netz verwenden. Im Dualband-Netz gelingt die Konfiguration problemlos. Übrigens setzt Chromecast für eine einfache Konfiguration voraus, dass der WLAN-Router einen DHCP-Server verwendet und verbundenen Geräten automatisch eine IP-Adresse zuweist. Deaktiviert man den DHCP-Server am Router und vergibt die Adressen manuell, ist es sehr aufwändig, den Chromecast zu installieren. Einmal eingerichtet reicht die Ausstattung des Chromecast völlig aus, um wie das Apple TV auch Full-HD-Filme abzuspielen.

Der Chromecast bietet einen HDMI-Stecker und auf seiner Rückseite einen USB-Anschluss für die Stromversorgung. Hält man mehrere Sekunden den einzig vorhandenen Schalter gedrückt, setzt man den Adapter zurück.
Vergrößern Der Chromecast bietet einen HDMI-Stecker und auf seiner Rückseite einen USB-Anschluss für die Stromversorgung. Hält man mehrere Sekunden den einzig vorhandenen Schalter gedrückt, setzt man den Adapter zurück.

Apps für Google Chromecast

Eine Momentaufnahme der zum Testzeitpunkt Anfang April verfügbaren Apps für den Chromecast fällt mager aus: Kaum eine App, die so richtig Freude bereitet. Highlights sind hier die Google eigenen Apps Youtube und Play Movie, die Apps von Watchever und Maxdome sowie Photo Cast, eine App, mit der man eigene Fotos auf dem Fernseher betrachten kann. Doch wir vermissen noch Apps, die Google-Dienste auf den Chromecast bringen. So lassen sich beispielsweise weder die eigenen Fotos des Google-Plus-Accounts betrachten noch erlaubt es die App Play Music am iPhone, die bei Google gekaufte Musik auf den Chromecast zu streamen. Es ist also noch viel Luft nach oben, wegen seiner rasanten Verbreitung bietet der Chromecast viel Potenzial. Künftig dürften weitere Settop-Boxen von Google folgen, die auf die gleiche Streaming-Methode setzen.

Sucht man im App Store nach dem Suchbegriff „Chromecast“, kann man die Ergebnisse nach Beliebtheit sortieren. So erhält man schnell einen Überblick von brauchbaren Apps mit Chromecast-Unterstützung.
Vergrößern Sucht man im App Store nach dem Suchbegriff „Chromecast“, kann man die Ergebnisse nach Beliebtheit sortieren. So erhält man schnell einen Überblick von brauchbaren Apps mit Chromecast-Unterstützung.

Google Chromecast in der Praxis

Die Konfiguration des Chromecast ist in fünf Minuten erledigt und gestaltet sich unproblematisch. Als Zutat braucht man nur noch eine App, die es für alle gängigen Plattformen gibt. Chromecast startet zunächst mit einem eigenen WLAN, per Chromecast-App kann man dann den Streaming-Stick in ein bestehendes WLAN integrieren. Wer ein iPad oder iPhone besitzt, lädt dazu die App Chromecast. Mac-Anwender rufen die Internet-Seite http://www.google.com/chromecast/setup auf und können über einen Link die Mac-Version der App laden. Übrigens sendet Chromecast nach der Installation automatisch Nutzungsdaten an Google. Dies lässt sich in der iOS-App unter dem Punkt „Allgemein“ und in der Mac-App unter „Einstellungen“ deaktivieren.

Der Google Chromecast ist ein wenigen Minuten über die Chromecast-App eingerichtet.
Vergrößern Der Google Chromecast ist ein wenigen Minuten über die Chromecast-App eingerichtet.

Möchte man einen Film wiedergeben, braucht der Chromecast etwas länger als das Apple TV zum Starten des Films. Der Chromecast muss den Film entsprechend vorpuffern, spielt dann aber selbst Full-HD-Filme störungsfrei ab. Das iOS-Gerät dient dabei als Steuergerät und der Chromecast spielt den Stream direkt aus dem Internet ab. Ist die App noch aktiv, kann man das iPad oder iPhone zum Schonen des Akkus in den Ruhezustand versetzen und den Film später immer noch steuern. Beendet man eine Anwendung, lässt sich später ein Film nicht mehr steuern.

Vom Mac per Webbrowser zum Chromecast

Über den Chrome-Browser kann man auch am Mac Apps für den Chromecast laden. Hier ist vor allem die App Videostream for Chromecast empfehlenswert. Mit dieser Anwendung, die im Chrome-Browser läuft, kann man eigene Filme per Drag-and-Drop in das Browser-Fenster ziehen und so auf dem Chromecast wiedergeben. Es werden aber nur gängige Formate unterstützt und der Mac muss die Aufgabe des Renderns übernehmen. Ruft man im Chrome-Browser ein Youtube-Video auf, kann man dort direkt den Chromecast auswählen. Das ist in Safari nicht möglich.

Online-Videotheken: Google Chrome versus Apple TV

Mit dem Chromecast lassen sich bequem Filme wiedergeben, die man über Google Play ( play.google.com/store) gekauft beziehungsweise geliehen hat. Im Vergleich zum iTunes-Store ist das Angebot gering, aber man kann durchaus den einen oder anderen Film günstiger leihen beziehungsweise kaufen. Das Shop-System ist unkompliziert: Per Webbrowser kann man nach Filmen suchen und diese kaufen, dazu registriert man sich mit seiner Kreditkarten-Nummer auf Google Wallet ( wallet.google.com ). Gekaufte beziehungsweise geliehene Filme zeigt die App „Play Movie“ an und kann diese über den Chromecast wiedergeben.

Macwelt 6/14

Google Chromecast gegen Apple TV
© 2015

Mehr zum Apple TV lesen Sie in der Macwelt 6/14: Was muss Apple zur Verbesserung tun und was kommt zur WWDC? Plus: Die besten Tipps und Tricks für Apples Settopbox. Mehr zur Macwelt 6/14

Im Vergleich zu Google Play bietet der iTunes Store die größere Auswahl. Der Bezahlvorgang ist ähnlich einfach. Und naturgemäß kann man keine bei Apple gekauften oder geliehenen Filme auf dem Google Chromecast wiedergeben.

Über dem Webbrowser kann man bei Google Play unter anderem Filme kaufen oder leihen. Die Einkäufe zeigt die iOS-App Play Movie an und gibt sie auf dem Chromecast wieder.
Vergrößern Über dem Webbrowser kann man bei Google Play unter anderem Filme kaufen oder leihen. Die Einkäufe zeigt die iOS-App Play Movie an und gibt sie auf dem Chromecast wieder.

Doch andere Dienste lassen sich verwenden: Watchever unterstützt Google Chromecast ebenso wie Apple TV, es ist sogar als App auf dem Hauptmenü vom Apple TV zu finden. So braucht man bei Watchever nicht den Umweg über ein iOS-Gerät zu nehmen um die Filme am Fernseher betrachten zu können. Auch Maxdome unterstützt beide Streaming-Boxen: Beim Chromecast erscheint dazu das Streaming-Icon in der Maxdome-App. Beim Apple TV ist es etwas komplizierter: Hier stellt man beispielsweise beim iPad zunächst Airplay für das Apple TV ein, indem man vom unteren Bildschirmrand nach oben wischt. Ist Airplay für Apple TV ausgewählt, zeigt die Maxdome-App Filme in niedrigerer SD-Auflösung auf dem Apple TV. Aus lizenzrechtlichen Gründen klappt dies nicht mit HD-Filmen, hier gibt das Apple TV nur den Ton wieder. Anders der Google Chromecast: Der kleine Stick kann Maxdome-Filme auch in HD-Auflösung wiedergeben.

Fazit: Bei dem Angebot an nutzbaren Online-Videotheken gewinnt das Apple TV mit leichtem Vorsprung gegenüber dem Google Chromecast. Das umfangreichere Angebot im iTunes Store gegenüber Google Play gibt hier den Ausschlag.

Maxdome (im Bild) und Watchever unterstützt den Google Chromecast. Maxdome kann im Gegensatz zum Apple TV in HD-Auflösung wiedergegeben werden.
Vergrößern Maxdome (im Bild) und Watchever unterstützt den Google Chromecast. Maxdome kann im Gegensatz zum Apple TV in HD-Auflösung wiedergegeben werden.

Live TV: Google Chrome versus Apple TV

Dank Airplay lassen sich bereits einige Live-TV-Angebote am Apple TV nutzen. Denn es gibt einige Apps für iOS-Geräte mit entsprechenden Möglichkeiten, beispielsweise die App von ARD oder ZDF. Sie bilden zwar das Programm der Sender nicht 1:1 ab, bieten aber einen höheren Komfort und mehr Flexibilität.

Bei Live-TV steht der Chromecast komplett blank da: Wir haben keinen erwähnenswerten Dienst gefunden, der dies per App ermöglicht. Hier merkt man, dass das Apple TV bereits etabliert und Chromecast noch sehr neu ist. Aktuell unterstützt eine ganze Reihe von Apps Airplay und sicherlich werden in Zukunft auch einige Apps mit Live-TV erhältlich sein, die Google Chromecast unterstützen.

Fazit : Beim Empfangen von Live-TV ist der Einäugige König unter den Blinden. Während der Chromecast quasi kein Live-TV bietet, kann man auf dem Apple TV unter anderem ARD und ZDF live sehen, wenn auch über den Umweg des Streamings von iPhone und iPad.

Eigene Medien wiedergeben: Google Chrome versus Apple TV

Eine eigene Sammlung von Musik, Video und Fotos lässt sich auf dem Google Chromecast nur eingeschränkt wiedergeben. Apple-Anwender können hier nicht direkt auf ihre Bibliotheken von iTunes und iPhoto zugreifen. Es bleibt der Umweg über den Medienserver Plex. Dieser ist als Medienserver für den Mac kostenlos und man kann dort seine Medien verwalten. Doch zur Wiedergabe über den Chromecast muss zum einem der Mac in Betrieb sein, zum anderen muss man sich für 4,49 Euro die iOS-App Plex kaufen. Wer eine Synology-NAS besitzt, kann Plex auch auf der NAS installieren oder die kostenlose App DS Video laden, die ebenfalls auf Medieninhalte auf der NAS zugreifen und diese über den Chromecast auf den Fernseher wiedergeben kann. Im App-Store findet man zudem einige wenige Apps für die Wiedergabe von eigenen Fotos und Filmen, beispielsweise CastOnTV, PixoCast oder Photo Cast. Richtig überzeugen können sie aber nicht. Eine eigene Musiksammlung lässt sich außer mit Plex oder der Lösung von Synology gar nicht per iPad oder iPhone über den Chromecast wiedergeben.

Bilder, die sich in der Camera Roll auf dem iPad oder iPhone befinden, lassen sich noch am Besten mit der App Photo Cast am Fernseher betrachten.
Vergrößern Bilder, die sich in der Camera Roll auf dem iPad oder iPhone befinden, lassen sich noch am Besten mit der App Photo Cast am Fernseher betrachten.

Eleganter ist hier Apple TV. Beim Apple TV ist die Medienwiedergabe vor allem dann einfacher, wenn man in der Apple-Umgebung bleibt. Hier lässt sich die iTunes-Mediathek eines Mac direkt nutzen, Fotos von iPhoto, Aperture oder im Finder organisierten Ordnern problemlos betrachten. Zudem unterstützt die App Fotos auch die Wiedergabe über das Apple TV. Zudem gibt es einige Apps, mit denen man einen DLNA-Medienserver verwenden kann (Siehe Seite 110)

Fazit: Das Apple TV bietet für Anwender, die im Apple-Umfeld bleiben, die deutlich eleganteste und flexibelste Möglichkeit, eigene Medien auf dem Apple TV wieder zu geben. Beim Google Chromecast lässt sich dies momentan nur mit Kompromissen und weniger Komfort bewerkstelligen.

Spiele: Google Chrome versus Apple TV

Als Spielekonsole ist der Google Chromecast denkbar ungeeignet. Daher gibt es auch nur wenige Spiele-Apps für den Adapter, die sehr simpel aufgebaut sind, etwas Up Down Fish oder TicTacToe for Chromecast. Auch das Apple TV ist nicht gerade eine ausgewachsene Spielekonsole. Doch einige iOS-Apps für das iPad oder iPhone lassen sich per Airplay ganz gut auf dem Fernseher betrachten. Einige wenige Spiele unterstützen auch den Mehrspieler-Modus, hier muss jeder mit einer eigenen Apple-ID angemeldet sein.

Fazit: Wer eine Spielekonsole auf dem Fernseher nutzen möchte, für den ist das Google Chromecast ungeeignet. Für gelegentliche Spiele kann man das Apple TV verwenden. Doch wer regelmäßig am Fernseher spielen möchte, für den sind beide Lösungen ungeeignet.

Peripherie nutzen: Google Chrome versus Apple TV

Mit dem Google Chromecast lässt sich zunächst nur der Fernseher verwenden, an den er angeschlossen ist. Ist der Fernseher mit einer Stereoanlage verbunden, kann man über sie via Chromecast auch Musik hören. Smart ist das nicht, denn das heißt, dass zum Musikhören der Fernseher in Betrieb sein muss. Das Apple TV ist deutlich flexibler. Es lässt sich nicht nur mit dem Fernseher sondern auch direkt mit einer Stereoanlage verbinden, die sich so in einen Airplay-Lautsprecher wandelt. Die Musik lässt sich über ein iOS-Gerät oder iTunes auf dem Mac steuern. Eine Tastatur kann man mit dem Google Chromecast ebenfalls nicht direkt nutzen. Das ist aber auch gar nicht nötig, da der Chromecast ein reiner Streaming-Adapter ist.

Fazit: Das große Plus des Apple TV ist die Möglichkeit, eine angeschlossene Stereoanlage direkt als Airplay-Lautsprecher verwenden zu können. Möchte man nur Musik hören, muss beim Chromecast der Fernseher angeschaltet bleiben und die Stereoanlage mit dem Fernseher verbunden sein.

Empfehlung: Google Chrome versus Apple TV

Der Google Chromecast eignet sich vor allem für zwei Anwendergruppen: Die erste ist diejenige, die im Haushalt iOS-Geräte zusammen mit Android-Smartphones oder Tablets nutzt. Denn auf der Android-Plattform, auf die der Chromecast zugeschnitten ist, gibt es ein deutlich umfangreicheres Angebot an Apps, die den kleinen Streaming-Stick unterstützen. Die zweite Anwendergruppe dürfte deutlich kleiner sein: Sie beschränkt sich auf diejenigen, die sehr häufig die Google-Play-Angebote nutzen. Auch Maxdome lässt sich derzeit mit dem Chromecast besser verwenden als mit dem Apple TV.

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