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Im Test: Cinema 4D R16

12.08.2014 | 16:41 Uhr |

Seit mittlerweile vier Jahren erscheinen jährliche Major-Updates für Cinema 4D. Wir haben uns angesehen, was sich Maxon im Jahr 2014 für die Anwenderschaft hat einfallen lassen.

Nachdem in der Vorgängerversion die Bereiche Modelling und Rendering im Fokus standen, war nicht unbedingt zu erwarten, dass dies auch für die Version 16 gelten könnte. Doch erfreulicherweise haben sich die Entwickler nicht einfach anderen Programmteilen gewidmet, sondern dort weitergemacht, wo sie mit der Arbeit aufgehört hatten. Im Ergebnis dürfen sich die Anwender nicht nur über neue Funktionen und Weiterentwicklungen, sondern auch über die Beseitigung einiger Unzulänglichkeiten und Kritikpunkte freuen.

Modelling und Sculpting

Ein gutes Beispiel für die Weiterentwicklung bestehender Funktionen ist der neue Bevel-Deformer. Sein Einstellungsdialog gleicht zum größten Teil dem des Bevel-Werkzeugs, erlaubt aber in Verbindung mit eingefrorenen Selektionen nicht-destruktives Abfasen. Mit der entsprechenden Anzahl an Bevel-Deformern lässt sich parametrisches Beveling auch an komplexeren Modellen realisieren.

Ein weiteres Highlight beim Modelling ist der neue Polygon-Stift. Er eignet sich nicht nur zum freien Zeichnen von Polygonen, er vereinigt auch viele andere Einzelwerkzeuge beim Bearbeiten vorhandener Geometrie in sich. Damit bleibt einem der Wechsel zum Messer-, Extrudieren- oder auch Verschieben-Tool sehr oft erspart. Für die Kontrolle der Geometrie bietet sich die Mesh-Prüfung an, sie hebt auf Wunsch farblich hervor, wo bei unebenen und schlechten Polygonen oder auch problematischen Stellen wie isolierten Punkten oder komplexen Polen nachgebessert werden sollte.

Komplett überarbeitet präsentiert sich auch das neue Zahnrad-Objekt. Sein Einstellungsdialog bietet nun alle erdenklichen Parameter für die Gestaltung von Zahnrädern oder auch Sägeblättern. Auch der innere Teil des Zahnrades ist umfangreich definierbar, was die Erstellung von Speichenrädern oder auch Bremsscheiben erleichtert.

Cinema 4D - Das ist neu

  • Motion-Tracking (nur Studio-Variante)

  • Server für Team-Render

  • Polygon-Stift-Werkzeug

  • Bevel-Deformer

  • Neues Zahnrad-Objekt

  • Verbesserte Sculpting-Pinsel

  • Reduzierbare Catmull-Clark-Unterteilungen

  • Reflektivitäts-Kanal ersetzt Spiegelungs- und Glanzlicht-Kanal

  • UV-Peeler

  • Sketch-and-Toon- und Hair-Renderer kombinierbar

  • Kommentar-Tag

  • Interaktions-Tag

  • Verbesserter Script-Manager

Sculpting bleibt der Dauerbrenner bei den Cinema 4D-Updates. Die Sculpting-Pinsel integrieren sich immer mehr in den Arbeitsalltag, so dass man sie nun zum Beispiel auch zur Bearbeitung des FFD-Deformers oder auch des Korrektur- oder Muskel-Objekts verwenden kann. Die Pinsel unterstützen jetzt außerdem Spline-Snapping und können für Stempel und Schablonen auch mit Shadern arbeiten. Während man beim Sculpting bis zuletzt die Unterteilungen immer nur erhöhen konnte, funktioniert dies nun auf Basis der gängigen Catmull-Clark-Unterteilung bei ausschließlich vierseitigen Polygonen auch in die andere Richtung, um zu hoch aufgelöste Polygon-Meshes zu reduzieren.        

Texturing und Rendering

Der neue Reflektivitäts-Kanal tritt an die Stelle des Spiegelungs-Kanals und vereinnahmt dabei auch gleich noch die Funktionalität des vormaligen Glanzlicht-Kanals. Jetzt lassen sich sowohl Spiegelungen als auch Glanzlichter in beliebig stapelbaren Ebenen organisieren und mit Shadern bzw. Texturen steuern. Speziell komplexe Materialien wie Metallic-Lacke oder auch Textilien können auf diese Weise wesentlich besser simuliert werden, was sich in wesentlich realistischeren Ergebnissen beim Rendering zeigt.

Zu den Texturing-Neuerungen gehören außerdem erweiterte Displacement-Einstellungen beim Ziegel-Shader sowie ein sogenannter UV-Peeler, mit dem sich in BodyPaint 3D die UV-Gitter von zylinderförmigen Objekten sehr elegant abwickeln und anschließend texturieren lassen.

Die Einschränkung, dass sich Hair- und Sketch and Toon-Elemente aufgrund ihrer unterschiedlichen Renderer nicht miteinander kombinieren lassen, fällt in Cinema 4D Release 16 mit der Einführung von BiRender. So kann man nun beide Render-Effekte problemlos in den Render-Voreinstellungen gleichzeitig aktivieren.

Der Hauptkritikpunkt des mit der Vorgängerversion eingeführten neuen Netzwerkrenderers Team-Render war der Wegfall des eigenen Servers, so dass die Render-Clients beim Absturz des Hauptrechners kein Rendermaterial mehr erhielten. Nun hat Maxon nachgebessert und in Anlehnung an den früheren NET Render wieder einen eigenen Team-Render-Server eingeführt. Über ein Web-Interface lassen sich dem Server Render-Jobs zuweisen, hochladen und kontrollieren.

Motion-Tracking und Workflow

Natürlich hat Maxon auch an eine Zugabe für die Besitzer der Studio-Variante gedacht: Motion-Tracking. Dieses auch unter der Bezeichnung „Matchmoving“ bekannte Verfahren ermittelt aus einer vorgegebenen Filmsequenz (dem „Footage“) über sogenannte Tracking-Punkte die Kamerainformationen wie Positionen, Ausrichtung und Brennweite. Nach erfolgreicher 3D-Rekonstruktion und Kalibrierung lassen sich dann beliebige 3D-Elemente in die animierte Szenerie integrieren.

Wahlweise lässt man sich einfach durch den Motion-Tracking-Workflow führen und geht anschließend an das Feintuning oder geht Schritt für Schritt selbst durch die einzelnen Stationen und hilft dem Motion-Tracker bei der Auswahl guter Tracks, durch Masken oder auch Kameravorgaben auf die Sprünge. Am Ende der Rekonstruktion erzeugt Cinema 4D ein animiertes Kameraobjekt und eine mittels Tracks generierte Punktewolke aus Features (Null-Objekte mit den zugehörigen 3D-Positionen). Zur Kalibrierung der Szene dienen anschließend Positions-, Vektor- und Ebenen-Constraints. Mit ihnen definiert man Ursprung und Achsen der Szene, bevor die Einbindung von 3D-Elementen erfolgen kann.

Weitere Neuerungen widmen sich ganz dem Workflow in Cinema 4D. Per Solomodus blendet man gezielt Objekte oder auch Gruppen während der Arbeit ein- bzw. aus. Mit dem neuen Kommentar-Tag versehene Objekte zeigen enthaltene Kommentare oder Anweisungen direkt in der Ansicht an und mit dem Interaktions-Tag bieten sich noch mehr Möglichkeiten zur interaktiven Steuerung von Elementen.

Empfehlung

Die weitaus meisten Neuerungen kommen erfreulicherweise allen Anwendern zu Gute, und auch das Motion-Tracking für Studio-Besitzer überzeugt, deshalb können wir das Update allen Anwendern empfehlen. Wer die letzte Version aufgrund des fehlenden Netzwerkrendering-Servers ausgelassen hat, könnte nun mit Version 16 wieder den Aufsprung wagen.   

Cinema 4D R16

Hersteller: Maxon

Preise:

Prime R16: 833 EURO, 1011 CHF

Broadcast R16: 1547 EURO, 1877 CHF

Visualize R16: 1904 EURO, 2310 CHF

Studio R16: 3570 EURO, 4332 CHF

BodyPaint 3D R16: 952 EURO, 1155 CHF

Upgrade Prime von R15: 309 EURO, 375 CHF

Upgrade Broadcast von R15: 536 EURO, 651 CHF

Upgrade Visualize von R15: 655 EURO, 795 CHF

Upgrade Studio von R15: 893 EURO, 1084 CHF

Maxon Service Agreements (jährlich):

MSA Prime: 183 EURO, 223 CHF

MSA Broadcast: 309 EURO, 375 CHF

MSA Visualize: 381 EURO, 463 CHF

MSA Studio: 595 EURO, 722 CHF

Gesamtnote: 1,4 sehr gut

Funktionsumfang (30%) --- 1,7

Geschwindigkeit (30%)--- 1,3

Bildqualität (30%)--- 1,2

Bedienung (10%)---  1,3

Vorzüge: Polygon-Stift-Werkzeug, parametrische Bevels per Deformer, erweiterte Sculpting-Funktionen, verbessertes Zahnrad-Objekt, ebenenbasierter Reflektivitäts-Kanal, Motion-Tracking, Team Render-Server, interaktive Steuerungen per Interaktions-Tag, Kommentar-Tag.

Nachteile: Hohe Systemanforderungen, kaum Neuerungen im Bereich Animation, Ausdruck der Online-Hilfe nur seitenweise möglich

Alternative: Maya , Lightwave 3D

Systemanforderungen: Ab Mac OS X 10.6.8, Mac mit Intel Core 2 Prozessor

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