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Internet im Urlaub: Mobile Router im Test

09.08.2013 | 13:53 Uhr |

Urlaubszeit: Die ganze Familie verlässt das Haus, doch das Internet soll möglichst mitkommen. Wie das geht? Ein mobiler WLAN-Router ist die Lösung. Drei aktuelle Geräte stellen sich dem Test

Während man in heimischen Gefilden meist gute und preisgünstige mobile Internet-Abdeckung durch UMTS oder LTE bekommt, sieht das im Ausland unter Umständen ganz anders aus. Hohe Gebühren für das Daten-Roaming verleiden einem schnell den Spaß. Zumal man in den letzten Jahren einen Trend feststellen kann, demzufolge WLAN-Netze für Hotelgäste langsam verschwinden oder nur über hohe Gebühren genutzt werden können.

Genau hier lohnt sich ein mobiler WLAN-Router. Man besorgt sich eine SIM-Karte für das Urlaubsland, steckt sie in den Router und die ganze Familie, egal ob per Mac, iPhone, iPad oder iPod Touch ist im Internet.

Berühmt geworden sind mobile WLAN-Router eigentlich erst durch einen Zwischenfall auf einer Apple-Keynote von Steve Jobs. Im Jahre 2010, bei der Vorführung des iPhone 4 , ging auf einmal gar nichts mehr. Der Grund: Im Publikum hatten nicht weniger als 500 Teilnehmer einen aktiven mobilen WLAN-Router im Gepäck. Das hatte die WLAN-Frequenzen dermaßen überlastet, dass Steve Jobs’ iPhone 4 auf der Bühne die Flügel streckte. Dieses Worst-Case-Szenario dürfte allerdings in einer normalen Urlaubsumgebung, unterwegs im Auto, im Hotel oder auf dem Campingplatz, kaum auftreten.

WLAN-Datenfallen im Ausland

Prepaid-SIM-Karten im Ausland sind meist günstig, aber sie enthalten oft eine Datenbremse. Zwischen 300 Megabyte und zwei Gigabyte bekommt man meist in voller Geschwindigkeit, danach drosselt der Provider die Geschwindigkeit auf quälendes GPRS-Niveau. Um die Datenmenge nicht vorzeitig zu verbrauchen, sollte man einige Optionen unter iOS im Urlaub ausschalten.

Fotostream

Einstellungen / Fotos & Kamera

Schalten Sie hier die Option „Mein Fotostream“ auf jeden Fall aus. Da das iPhone sich in einem WLAN wähnt, lädt es andernfalls jedes Urlaubsfoto sofort in die iCloud hoch. Das braucht jede Menge Daten.

Automatisches Laden

Einstellungen / iTunes & App Stores

Die automatischen Downloads sollte man besser abschalten. Vor allem dann, wenn man sich eine Apple-ID mit einem Daheimgebliebenen teilt. In dem Fall würde das Urlaubs-iPhone jedes neue iBook, jeden neuen iTunes-Song und jede neue App automatisch herunterladen und installieren.

iCloud-Backup

Einstellungen / iCloud / Speicher & Backup

Auch hier können innerhalb von kurzer Zeit viele Daten übertragen werden. Schalten Sie die Backup-Option im Urlaub besser aus, um Datenaufkommen zu sparen.

Podcasts

Einstellungen / Podcasts

Falls sie viele Podcasts abonniert und die Option „Automatische Downloads“ aktiviert haben, würde das iPhone jede neue Podcast-Folge im Urlaub herunterladen, was unter Umständen ein hohes Datenaufkommen verursacht. Schalten Sie den automatischen Podcast-Download daher ebenfalls vorübergehend ab.

Flott dank LTE: Zyxel WAH7130

Während die meisten WLAN-Router für das Mobilfunknetz maximal das 3G-UMTS-Netz unterstützen, kann der Zyxel WAH7130 auch Daten über eine LTE-Verbindung (4G) übertragen. Der LTE-Router unterstützt dabei die beiden Frequenzen 800 MHz und 2600 MHz. Dafür muss man aber auch deutlich mehr Geld ausgeben als bei einem herkömmlichen 3G-Router. Und zwar nicht nur für das Gerät selbst, sondern auch für die Mobilfunkverbindung. Denn LTE-Datentarife sind – zumindest in Deutschland – momentan nur mit Verträgen erhältlich, Prepaid-Angebote gibt es keine. Sich also nur für den Deutschlandurlaub einen schnellen LTE-Zugang zuzulegen, geht darum nicht. Für den Funktionstest verwenden wir darum eine SIM-Karte mit Prepaid-Tarif von Vodafone für das 3G-Netz , testen den Router aber noch zusätzlich mit einer LTE-Karte der Telekom aus einem anderen Gerät, was problemlos funktioniert. Das WLAN ist ab Werk verschlüsselt, die Zugangskennung ist auf den Router aufgedruckt. Eingerichtet wird er über einen Browser, IP-Adresse und Gerätepasswort stehen in der Kurzanleitung. Auf dem kleinen Bildschirm des iPhone macht das Einrichten aber keinen Spaß, eine iOS-App gibt es bisher nicht. Um den Zugang zum Mobilfunknetz zu aktivieren, muss man auch die APN angeben, die PIN der SIM-Karte alleine genügt nicht. Achten muss man zudem darauf, die Firewall einzuschalten, sie ist ab Werk deaktiviert.

Der Zyxel WAH 7130 ist einer der ersten mobilen WLAN-Router, der LTE-Verbindungen unterstützt.
Vergrößern Der Zyxel WAH 7130 ist einer der ersten mobilen WLAN-Router, der LTE-Verbindungen unterstützt.
© Zyxel

Für das WLAN, das im 2,4-GHz-Frequenzband funkt und den Standard 802.11b/g/n unterstützt, kann man zusätzlich ein Gästenetz anlegen und einen MAC-Adressfilter aktivieren. Zehn Geräte können sich gleichzeitig verbinden. Im Test surfen wir ohne spürbare Verzögerungen sowohl auf einem Mac Mini als auch auf einem iPad Mini, spielen Musik über den Amazon Cloud Player auf einem iPod Touch ab und schauen uns die Fernsehstreams von ARD und ZDF an. Leider ist der Spaß aber recht schnell vorbei, denn nach dreieinhalb Stunden ist der Akku leer, der 1700 mAh bietet. Aufgeladen wird er über das mitgelieferte USB-Ladegerät oder über USB-Anschluss an einem Mac.

Wer unterwegs möglichst flexibel in das Internet möchte, hat mit dem mobilen WLAN-Router MR3040 von TP-Link mehrere Optionen. Denn das Gerät kann sich auf vier verschiedene Arten mit dem Internet verbinden und stellt die Verbindung dann über das eingebaute WLAN zur Verfügung. So lässt sich der Router per Ethernet-Kabel mit einem lokalen Netz verbinden und verwendet dann den dort verfügbaren Internetzugang. Oder man schließt den Router direkt an ein DSL- oder Kabelmodem über Ethernet an. Die dritte Möglichkeit besteht darin, einen Surf-Stick an den USB-Steckplatz des Routers anzuschließen und dann das Mobilfunknetz zu nutzen. Und viertens kann sich der Router als Client mit einem anderen WLAN verbinden.

Der TP-Link MR 3040 braucht einen USB-Surf-Stick, bietet aber auch einen Ethernet-Anschluss.
Vergrößern Der TP-Link MR 3040 braucht einen USB-Surf-Stick, bietet aber auch einen Ethernet-Anschluss.
© TP-Link

Konfiguration

Eingerichtet wird der Router per Browser. Das geht sowohl über den Anschluss per Ethernet an einen Mac oder per WLAN und ist auch vom iPad aus möglich. Beim iPhone oder iPod Touch ist das wegen der kleinen Bedienelemente kein Vergnügen. Im ersten Schritt wählt man aus, welchen Modus man verwenden möchte und nimmt anschließend die dazu nötigen Einstellungen vor. Das geht entweder mit der Assistentenfunktion (Quick Setup), oder man wählt die Einstellungsseiten über die Liste am linken Rand der Bedienoberfläche aus. Die verfügbaren Optionen sind zahlreich, was Anwender ohne Vorkenntnisse vor das eine oder andere Rätsel stellen dürfte. Es gibt zwar ausführliche Hilfetexte, diese sind aber ebenso wie die Bedienoberfläche nur in Englisch verfügbar. Ein Handbuch kann man sich auf der Webseite von TP-Link besorgen, die mitgelieferte CD ist nur im Miniformat und darum auf einem Mac, sollte dieser überhaupt noch ein CD-Laufwerk besitzen, nicht verwendbar.

Da das WLAN, das im Frequenzband mit 2,4 GHz nach dem Standard 802.11b/g/n mit maximal 150 Mbit/s funkt, nicht ab Werk verschlüsselt ist, muss man dies unbedingt selbst tun, um nicht ungebetene Gäste auf dem Router zu haben. Dann wählt man am besten den sichersten Standard WPA2 , der wie die älteren Varianten WPA und WEP unterstützt wird. Ebenfalls sollte man daran denken, das Standardpasswort für den Gerätezugang zu ändern. Da wir im Test zwischen den verschiedenen Verbindungsmodi wechseln, setzen wir den Router jeweils über die Reset-Taste zurück. Dadurch vermeidet man zuverlässig, mit falschen Einstellungen zu beginnen.

Testergebnisse

Im Test verbinden wir den Router per Ethernet-Kabel mit einer Airport-Basisstation, die für das lokale Netz den Internetzugang herstellt, sowie direkt mit einem DSL-Modem. In beiden Fällen steht der Internetzugang nach der Einrichtung sofort zur Verfügung. Während beim Zugriff auf das Internet nichts zu bemängeln ist und der Zugang (circa 10 Mbit/s) genauso schnell funktioniert wie beim Zugriff direkt über die Airport-Station, ist die Datenübertragung von einem Mac zum anderen über den TP-Link-Router mit drei Megabyte pro Minute ausgesprochen langsam. Für den Test mit dem Mobilfunknetz verwenden wir einen Surfstick von Congstar . Dieser wird vom Router nach etwas Wartezeit erkannt und die Verbindung wird hergestellt. Mit einem älteren Surfstick der Telekom haben wir dagegen keinen Erfolg. Man kann also nicht davon ausgehen, dass jeder Surfstick am Router funktioniert.

Eine aktuellere Ausgabe des Routers mit der Bezeichnung V2 kann laut Hersteller auch mit LTE-Sticks verwendet werden, er ist an einem zusätzlichen Modus-Schalter zu erkennen. Ganz problemlos funktioniert die Mobilfunkverbindung aber nicht, denn während ein Mac und ein iPad auf das Internet zugreifen, bricht plötzlich die Verbindung ab und der Router meldet, dass der Stick abgezogen worden sei. Nach einer erneuten Verbindungsaufnahme tritt der Fehler aber nicht mehr auf. Surfen sowie Live-Fernsehen über den Browser sowohl auf dem Mac als auch auf dem iPad klappt ohne spürbare Verzögerung. Gar keinen Erfolg haben wir jedoch mit der Option, den Router als Client mit einem anderen WLAN zu verbinden. Unsere Airport-Extreme-Station wird zwar erkannt, aber auch nach mehrfacher (korrekter) Eingabe des Passworts kommt keine Verbindung zu Stande.

Insgesamt hält der kleine Router mit einer Akkuladung (2000 mAh) im Test fünf Stunden und sieben Minuten durch, ein durchaus passabler Wert. Aufgeladen wird der Akku entweder über das mitgelieferte USB-Ladegerät oder durch den Anschluss an den USB-Port eines Mac oder Windows-Rechners.

Modell

TP-Link M5350

Zyxel WAH7130

TP-Link MR3040

Preis

€ 80, CHF 99

€ 182, CHF 225

€ 41, CHF 51

Gesamtwertung

1,7 gut

2,3 gut

2,4 gut

Einzelwertungen

Leistung (40 %)

2

1,7

3

Ausstattung (20 %)

1,8

1,8

1,5

Handhabung (20 %)

1,5

2,1

2,5

Ergonomie (20 %)

1,4

4

2

Testurteil

Lange Laufzeit, WLAN ab Werk verschlüsselt

Hohe Datenraten per LTE, WLAN ab Werk verschlüsselt, Firmware über den Browser aktualisierbar

Gute Akkulaufzeit, flexible Anschlussmöglichkeiten

Keine iOS-App, Firmware-Update nur mit Windows möglich

Kurze Akkulaufzeit, keine iOS-App

WLAN ab Werk nicht verschlüsselt, Verbindung als Client zu anderem WLAN funktioniert nicht, keine iOS-App

Technische Angaben

Anschlüsse

Micro-USB als Ladeanschluss, Micro-SD-Kartensteckplatz für Datenspeicherung

Micro-USB als Ladeanschluss

1x Fast Ethernet (WAN/LAN), 1x USB 2.0 für 3G-Surfstick, 1x Micro-USB als Ladeanschluss

Größe (B x H x L) mm

56,7 x 19,8 x 94

88 x 17 x 89

62 x 13 x 100

Gewicht

92,5 g

120 g

94 g

Sonstiges

OLED-Display für Statusanzeige

OLED-Display für Statusanzeige

Der TP-Link M5350 ist ein mobiler WLAN-Router für das 2G- und 3G-Mobilfunknetz, der maximal 21,6 Mbit/s im Download und 5,76 Mbit/s im Upload unterstützt.

Die Stromversorgung erfolgt über einen Akku mit 2000 mAh, der entweder mithilfe des mitgelieferten USB-Ladegeräts oder direkt per USB-Anschluss an einem Mac aufgeladen wird. Das WLAN funkt im 2,4-GHz-Frequenzband mit dem Standard 802.11b/g/n, ist ab Werk per WPA2 verschlüsselt und kann bis zu zehn Clients bedienen. Der Router wird über einen Browser konfiguriert. Auf einem iPhone oder iPod Touch ist dies aber fummelig, da die Bedienelemente sehr klein sind, ein iPad oder iPad Mini sind hier deutlich komfortabler. Eine zu diesem Router kompatible iPhone-App gibt es von TP-Link bisher nicht. Über den Browser wird auch die PIN für die SIM-Karte eingegeben, danach wird die Verbindung aufgebaut. Die Karte wird innen im Gehäuse unterhalb des Akkus einlegt. Dort ist auch Platz für eine Mirco-SD-Karte, die man zur Datenspeicherung verwenden kann, wenn man den Router über USB an ein Gerät anschließt.

TP Link M5350 kann nur 3G, ist aber sehr klein und der Akku hält lange durch.
Vergrößern TP Link M5350 kann nur 3G, ist aber sehr klein und der Akku hält lange durch.
© TP-Link

Im Test verwenden wir eine Prepaid-Karte von Vodafone und als Testgeräte einen Mac Mini, ein iPad Mini und einen iPod Touch. Surfen und E-Mail machen keine Probleme, ebenso wenig wie das Hören von Musik über den Amazon Cloud Player. Fernsehstreams von ARD und ZDF lassen sich ebenfalls abspielen, nur manchmal gibt es Klötzchen zu sehen. Bei HD-Videos von Vimeo muss man aber ab und zu warten, bis Daten nachgeladen sind. An einem anderen Standort kann dies aber besser sein. Sechseinhalb Stunden hält der kleine Router durch, bis ihm der Saft ausgeht, was ein sehr guter Wert ist.

Kaufempfehlung und Fazit

Der 4G-Router von Zyxel lohnt sich nur, wenn man eine LTE-Prepaid-Karte bekommen kann oder einen LTE-Vertrag besitzt. Man muss sich aber mit der recht kurzen Laufzeit zufrieden geben. Für das 3G-Netz gibt es günstigere Alternativen mit deutlich längerer Laufzeit.

Wer für unterwegs eine möglichst flexible Lösung benötigt, bekommt mit dem TP-Link MR3040 eine preisgünstige und praktikable Lösung. Man sollte aber unbedingt ausprobieren, ob der eigene Surf-Stick mit dem Gerät funktioniert.

Der TP-Link M5350 ist einfach zu bedienen und bringt zudem einen besonders ausdauernden Akku mit. Zudem benötigt er im Reisegepäck kaum Platz.

Vorteile: Flexible Einsatzmöglichkeiten in den meisten Ländern, 5 bis 10 Clients möglich, gute Datenraten.

Nachteile: Teilweise kurze Akkulaufzeiten, Konfiguration nicht immer ganz einfach.

Für Einsteiger: TP-Link M5350

Für Profis: Zyxel WAH7130

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