Von Thomas Bergbold - 12.11.2012, 18:04

Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung

Test Noise Canceling-Kopfhörer

©Parrot

Umgebungsgeräusche können Noise-Canceling-Kopfhörer aktiv unterdrücken. Wir testen den Tivoli Radio Silenz und den Parrot Zik.
Während Kopfhörer einen hochfrequenten Umgebungsschall wie Stimmen oder allgemeine Umgebungsgeräusche meist durch die geschlossene Bauform des Hörers gut dämpfen können, gelingt dies bei tieffrequentem Schall deutlich schlechter. Denn beispielsweise das Brummen eines Flugzeuges oder das Schienenpoltern im Zug kann ein Kopfhörer nur durch Elektronik ausblenden. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert dies so: Zwei Mikrofone an den Kopfhörern nehmen den Schall auf. Daraus wird ein Gegenschall berechnet, der an das Ohr weiter geleitet wird. Im Idealfall wird dadurch eine Ruhe erzeugt, die den Musikgenuss nicht mehr beeinträchtigt. Diese Methode ist auch als Active Noise Cancellation (ANC) bekannt. Das klappt bei den meisten Kopfhörern sehr gut, hat aber eine kleine Nebenwirkung, der sich bei einigen Menschen als ein erhöhter Druck im Ohr bemerkbar machen kann. Bei längerem Musikhören wird es dann unangenehm. Wir testen den mit 160 Euro recht günstigen Tivoli Radio Silenz sowie den mit 350 Euro schon deutlich teureren Parrot Zik.

Tivoli Radio Silenz

Der Radio Silenz von Tivoli ist vom Aufbau her ein klassischer ANC-Kopfhörer, bei dem die Elektronik mit Stromversorgung in einer Kabelbox untergebracht ist. Das ist vor allem mit der Batterie sehr schwer – gut, dass es einen stabilen Clip zur Befestigung an der Kleidung gibt. Wer die ANC-Funktion nicht benötigt, kann auf die AAA-Batterie auch verzichten oder sie einfach ausschalten. Neben diesem Schalter befinden sich an der Box ein Lautstärkeregler und ein Taster für die Kommunikation mit der Außenwelt. Dabei werden die Mikrofone benutzt, um mit jemanden zu sprechen, ohne den Kopfhörer abzunehmen. Im Gegensatz zu anderen ANC-Kopfhörern ist der Radio Silenz kein geschlossener Kopfhörer, sondern ein Kopfhörer mit auf den Ohren aufliegender Ohrmuschel. Das hat den Nachteil, dass Umgebungsgeräusche nicht so gut ausgeschlossen werden. Auch sollte man seinen Kopf nicht zu schnell bewegen, da der Kopfhörer leicht vom Ohr rutscht. Mit seinem Holzgehäuse sieht er richtig chic aus, klanglich ist er eher ein zurückhaltender Vertreter. Der hell abgestimmte Radio Silenz kann keinen tiefen Bass zaubern, sorgt aber mit klaren Höhen für eine sehr gute Stimmverständlichkeit und Hochtondifferenzierung.

Parrot Zik

Weiter als Tivoli geht Parrot und verbannt auch das Kabel. Der Bluetooth-Kopfhörer Zik, entworfen von dem französischen Designer Philippe Starck, geht über eine ANC-Funktion hinaus und packt gleich noch einen digitalen Signalprozessor (DSP) als Sound-Aufpolierer mit hinein. Bluetooth als Musikübertragungsmethode zeichnet sich meist dadurch aus, dass der Klang lustlos und angestrengt klingt. Es fehlt deutlich an Spielfreude, kurz gesagt: Es macht keinen Spaß. Beim Zik wird der DSP dazu genutzt, diesen Makel auszumerzen, das gelingt ihm gut.
Das Beste am DSP ist aber, dass dieser mit der iOS-App Parrot Audio Suite nicht nur ein- beziehungsweise ausgeschaltet werden kann, sondern er ist auch frei einstellbar bezüglich Raumcharakterristik und dem Abstand der Stereokanäle. Das ist genial und geht weit über das hinaus, was die Mitbewerber zu bieten haben. Der Erfolg ist ein individuell einstellbares Klangbild, welches unter Bluetooth-Kopfhörern seinesgleichen sucht. Wer allerdings einen neutral klingenden Kopfhörer sucht, ist hier falsch und mit der Leichtigkeit sehr guter kabelgebundener Kopfhörer kann der Parrot Zik auch nicht mithalten. Für die meisten dynamischen Musikrichtungen dürfte er aber viele Hörer zufrieden stellen, weil er nicht mit einem übertriebenen Bass daher kommt, wie es bei vielen Kopfhörern für junge Musikhörer üblich ist.
Die Geräuschunterdrückung wird ebenso über die App aktiviert und verrichtet ihre Aufgabe sehr gut. Klasse ist die Bedienung über die berührungsempfindliche Oberfläche. Einmal auf die rechte Ohrmuschel tippen und die Musikwiedergabe pausiert oder man nimmt einen Anruf entgegen. Mit Wischen nach oben oder unten ändert man die Lautstärke und ein Wischen nach rechts oder links führt zum Liedwechsel. Ebenfalls sehr schick: Die Musik pausiert automatisch, wenn man den Kopfhörer abnimmt. Ein Sensor im Polster macht dies möglich. Der eingebaute Akku hält im Test knapp sieben Stunden.
Empfehlung Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung
Für die Reise sind beide Kopfhörer dank klappbarer Ohrmuscheln gut geeignet. Die Hersteller liefern entsprechende Schutztaschen mit, wobei der Tivoli Radio Silenz wesentlich kompakter  und dadurch leichter zu verstauen ist. Während der Zik auf eine proprietäre Li-Ion-Batterie setzt, verfügt der Tivoli über eine AAA-Batterie. Beide Kopfhörer lassen sich auch ohne Stromversorgung verwenden, beim Zik wird hierzu ein mitgeliefertes Klinkenkabel angeschlossen. Klanglich könnten die Beiden nicht unterschiedlicher sein, zurückhaltend-hell der Tivoli Radio Silenz und zupackend der Parrot Zik. Das Holzgehäuse des Tivoli macht einiges her und preislich gehört er zu den günstigsten NC-Kopfhörern. Dafür verfügt er auch nicht über eine iPhone-Steuerung und die NC-Funktion ist beim Parrot Zik speziell im hochfrequenten Bereich besser. Der Parrot Zik setzt Maßstäbe im Bereich Bluetooth-Kopfhörer – sowohl klanglich wie durch seine tolle Touch-Bedienung.

Radio Silenz

Leichter ANC-Kopfhörer mit schickem Holzgehäuse

Tivoli
Preis: € 160, CHF 175
Note: 2,3 gut
Leistung (50 %) 2,4
Ausstattung (20 %) 2,0
Handhabung (20 %) 2,2
Ergonomie (10 %) 3,0
Vorzüge: Kompakte Maße, sehr guter Wirkungsgrad
Nachteile: Etwas zu hell und kühl abgestimmt

Zik

Super Bluetooth-Kopfhörer mit iOS-Unterstützung

Parrot
Preis: € 350, CHF 380
Note: 1,5 gut
Leistung (50%) 1,7
Ausstattung (20%) 1,5
Handhabung (20%) 1,3
Ergonomie (10%) 1,3
Vorzüge: Guter Klang, sehr gute Steuerungsmöglichkeiten via Touch-Oberfläche, sehr guter Sitz, 4 Mikrophone für NC-Funktion
Nachteile: Schwer, hoher Preis
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