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Test: Raw-Fotos entwickeln mit Raw Therapee 4.0.10

13.05.2013 | 17:49 Uhr |

Hochwertiger Raw-Konverter mit vielen Funktionen, der aber hohe Systemanforderungen stellt und eine komplexe Bedienoberfläche aufweist

Der Raw-Konverter Raw Therapee ist eine bei Windows-Anwendern recht beliebte Open-Source-Software für das Entwickeln von Raw-Fotos. Es gibt schon längere Zeit Versionen für den Mac, aber erst neuere Ausgaben sind nach unserer Einschätzung alltagstauglich. Überzeugend ist die mit dem Tool erreichbare Bildqualität, alle für den Umgang mit Raw-Dateien wichtigen Korrekturfunktionen stehen zur Verfügung. Die Lernkurve ist allerdings hoch und viele Funktionen setzen Vorwissen voraus. Überbelichtete Bereiche kann man auf fünf verschiedene Methoden korrigieren und wiederherstellen, nach einiger Einarbeitung sind beispielsweise mit der Funktion „Color Propogation“ sehr gute Ergebnisse erzielbar. Überzeugen kann die Software ebenfalls bei der Entfernung von Bildrauschen. Es gibt eine Perspektivkorrektur, Unterstützung des LAB-Farbraums und Tools für das Entfernen von Chromatische Aberrationen und Vignettierung.

Schnell wechselt man bei der Anzeige zwischen Kanälen und Histogrammanzeigen und kann Lichter- und Schattenwarnungen aktivieren. Die wichtigsten Kameras werden unterstützt, häufig genutzte Arbeitsschritte kann man mit Profilen automatisieren und eine Stapelbearbeitung nutzen. Die Ergebnisse der automatischen Level-Korrektur und der automatische Weißabgleich erscheinen dagegen etwas unzuverlässig. Allgemein fällt störend auf, dass das sehr technisch aufgebaute Programm oft für eine Korrekturaufgabe mehrere Werkzeuge anbietet und diese kaum erklärt. So ist wohl selbst manch erfahrener Anwender von dem Angebot von neun verschiedenen Demosaicing-Filtern und optional nutzbaren Farbmodellen wie CEICAM02 überfordert. Die Nutzung von Objektiv-Profilen ist per Adobe Lens Profile Downloader möglich, aber recht kompliziert. Eine Einbindung in iPhoto ist ebenfalls nicht möglich und das Beenden des Programms nur über den roten Fenster-Knopf. Negativ fällt eine sehr hohe CPU-Last und RAM-Last auf. Grund dafür ist laut Entwickler, dass Raw Therapee intern mit 32-Bit-Fließkomma-Arithmetik arbeitet – gegenüber Konkurrenten sollen so besonders feine Korrekturen möglich sein. Beim Konvertieren der Raw-Fotos sollte man außerdem auf die Zahl der Bearbeitungsschritte achten. Diese werden nämlich beim Export der Fotos Stück für Stück abgearbeitet, was bei mehreren Dutzend Aktionen zu langen Entwicklungszeiten führt.

Empfehlung: Raw Therapee

Die Leistungsfähigkeit von Raw Therapee ist gut, für fehlerhafte Fotos bietet das Tool einige mächtige Korrekturfunktionen. Die Bedienung ist aber verbesserungsfähig und auf Funktionen wie Bildverwaltung oder Präsentation muss man verzichten. Einsteigern ist das komplexe Raw Therapee nur eingeschränkt zu empfehlen, außerdem fehlt es der Mac-Version noch etwas an Feinschliff.

Raw Therapee

Preis: kostenlos
Note: 2,6 befriedigend
Leistung (50 %)   1,9
Ausstattung (30 %)   2,4
Bedienung (10 %)    3,0
Lokalisierung (10 %)    6,0
Vorzüge: Hochwertige Korrekturfunktionen
Nachteile: Unübersichtliche Korrektur-Werkzeuge, hohe Systemanforderungen
Alternative: Lightroom, Aperture
Ab OS X 10.6
Gabor Horvath

www.rawtherapee.com

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