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Lightroom Mobile im Praxis-Test

18.12.2015 | 13:18 Uhr |

Lightroom mobile ist die iOS-Erweiterung von Lightroom und nur eine Ergänzung zur Desktop-Version und nur für Abonnenten der Creative Cloud geeignet. Die App für iPad und iPhone ist eine interessante Erweiterung des eigenen Workflows

Seit nun rund eineinhalb Jahren gibt es schon Lightroom Mobile für das iPad und jetzt ist eine neue Version herausgekommen, die das iPad Pro unterstützt. Lightroom Mobile ist nur für die Abonnenten der Desktop-Version von Lightroom interessant. Ein Abo kostet ab 11,89 Euro pro Monat und beinhaltet neben Lightroom CC auch Photoshop CC. Interessant ist Lightroom Mobile für das schnelle Sichten neu importierter Bilder, doch das braucht Vorarbeit. Denn zunächst müssen die importierten Bilder in eine Sammlung für den Sammlungs-Satz "Von Lr mobile" landen. Nach wie vor kann Lightroom Mobile keine Smart-Sammlungen anzeigen.

Doch Lightroom Mobile lässt sich auch so gut nutzen. Beispielsweise zum präsentieren von Bildern auf dem iPad, ohne die Bilder vorher exportieren zu müssen. Auch interessant ist die Sterne-Vergabe per Fingerwisch. Besonders für die digitalen Nomaden ist dies eine gute Alternative zum Bilder auswählen direkt am Mac.

Die Neuerungen im Detail und unsere Einschätzung:

- Laut Adobe soll Lightroom Mobile auf dem iPad Pro noch besser die Farben darstellen können. Zumindest bei unseren Tests können wir keine signifikante Qualitätsverbesserung des iPad-Pro-Displays messen. So deckt das iPad Pro wie das iPad Air 2 knapp den sRGB-Farbraum ab.

- Verbessert hat Adobe das Multitasking von Lightroom Mobile. So funktioniert nun die Splitview-Darstellung auch auf dem iPad Pro. Dies ist eine Funktion von iOS 9 und somit ebenso auf dem iPad Air verfügbar.

- Die Kamera-Funktion von Lightroom Mobile (zu finden unten rechts) erlaubt es nun, bis zu fünf Voreinstellungen zu wählen. Diese sind Hoher Kontrast, Flach, Warme Schatten, Hoher Kontrast S/W und Flach S/W. Diese Neuerung ist etwas mau, denn die Apple-Kamera-App für das iPhone bietet beispielsweise bereits acht verschiedene Effekte.

- Die Gradationskurven lassen sich nun auch für einzelne Farbkanäle anpassen. Das ist eine wirklich sinnvolle Neuerung, die auf dem iPad mehr Flexibilität bei der Bildkorrektur ermöglicht.

- Anpassungen für Teiltonungen: Die Lichter und Schatten lasen sich nun in ihrer Farbtemperatur anpassen. Ein super Effekt vor allem für monochrome beziehungsweise Schwarzweiß-Bilder.

- Die Lightroom-Kamera lässt sich nun über das Notification-Center aufrufen. Das macht das Fotografieren mit dem iPhone beziehungsweise iPad in Verbindung mit Lightroom dpcj deutlich komfortabler, denn so lässt sich die Lightroom-Kamera direkt aus dem Sperrbildschirm aufrufen. Das Einrichten geht einfach: Wischen Sie vom oberen Bildschirmrand nach unten um das Notification-Center zu öffnen. Klicken Sie im Notification-Center auf „Bearbeiten“ und fügen Lightroom Mobile hinzu. 

- Lightroom Mobile unterstützt das 3D Touch vom iPhone 6S: Per Peek und Pop kann man beispielsweise fest auf ein Bild in der Übersicht von Lightroom Mobile  drücken um es groß zu sehen. Drückt man nicht mehr auf das Display, dann kehrt man zur ursprünglichen Gesamtansicht des gewählten Albums zurück.

- Verbesserungen bei der Bedienführung, so lassen sich Fotos nun schneller importieren und leichter mehreren Alben zufügen.

So funktioniert das Zusammenspiel zwischen Lightroom Mobile und Lightroom

Voraussetzung für das Zusammenspiel mit Lightroom Mobile ist Lightroom 5.4 oder neuer. Die Desktop-Version von Lightroom dient als Bilder-Lieferant. Zusätzlich kann man mit dem iPhone oder iPad eigene Bilder erstellen und über die Adobe Cloud mit der Desktop-Version teilen.

Damit das Teilen von Bildern der Desktop-Version von Lightroom klappt, muss man die zu teilenden Bilder zunächst als Sammlung anlegen und kann diese dann automatisch mit der iPad-Version synchronisieren. Dabei wird nicht das Original-Bild verwendet, sondern ein Vorschaubild mit maximal 2560 Pixel auf der breiten Kante. Lightroom muss zunächst ein Vorschaubild berechnen, das zu einem Cloud-Speicher übertragen wird. Bei umfangreichen Sammlungen von mehreren hundert Fotos muss man eine entsprechende Wartezeit einkalkulieren. Leider ist es nicht möglich, eine Smart-Sammlung oder Ordner zu teilen.

Die Bilder landen in einem Cloud-Speicher und werden dann auf das iPad geladen. Adobe gibt hier kein Limit vor, dieses ist jedoch durch den Speicher des iPad gegeben. Denn ein niedrig aufgelöstes Vorschaubild der synchronisierten Fotos landet auch auf dem iPad. Übrigens zieht Adobe den benötigten Cloud-Speicher nicht dem Online-Speicherplatz ab, den jeder Abonnent nutzen kann.

Die Oberfläche von Lightroom für das iPad

Das Design ist den App-Entwicklern  gut gelungen: Die Oberfläche ist schlicht und schwarz. Nichts soll von der Darstellung der Fotos ablenken. Sehr dezent, fast schon zu dezent, sind die Steuerelemente untergebracht. Zum Navigieren durch die App ist ein kleines Dreieck oben links von zentraler Bedeutung: Hier gelangt man beispielsweise zu der Übersicht der Sammlung und beendet eine Bildkorrektur. Auch muss man sich an die Bedienlogik zunächst etwas gewöhnen, aber nach einen Nachmittag herumspielen mit der App hat man die Bedienung schnell verinnerlicht. Die App zeigt zudem beim ersten Benutzen an, welche Fingersteuerungen möglich sind. Diese Hilfe lässt sich auch später wieder aktivieren.

Bilder sortieren

Mit der iPad-Version von Lightroom kann man Bilder mit Flaggen markieren. Dazu streicht man mit dem Finger über das Foto nach oben um es auszuwählen beziehungsweise nach unten um es abzulehnen. In der Praxis markiert man schon einmal unbeabsichtigt ein Bild, besonders wenn man zu schnell durch die Bilder scrollt und diese nicht schnell genug nachgeladen werden. Daher ist die App-Version zwar zum Markieren kleinerer Bildserien durchaus geeignet, doch bei umfangreichen Projekten mit 1000 Fotos und mehr  ist dies keine Option.

Die Bilder einer Sammlung kann man nach Unmarkiert, Ausgewählt und Abgelehnt filtern. Diese Markierungen werden auch mit der Desktop-Version synchronisiert. Hier lassen sich die Bilder im Bereich „Bibliothek“ in der Rasteransicht unter Attribut ebenfalls filtern. Eine Sterne-Bewertung ist mit der App nicht möglich, auch lassen sich mit der iPad-App bereits mit Sternen bewertete Fotos nicht filtern. Fotos aus der gleichnamigen App von Apple lassen sich übrigens problemlos in voller Auflösung in die Lightroom-App importieren und so zur Desktop-Version übertragen. Dort erscheint es als Sammlungssatz „Von Lr mobile“.

Bilder bearbeiten

Sind Bilder in Lightroom bereits bearbeitet, wird das Bild des letzten Bearbeitungsschritts synchronisiert. Die iPad-App bietet hier zwar nicht die Möglichkeit, über ein Protokoll die letzten Bearbeitungsschritte rückgängig zu machen. Aber man kann die Bearbeitung zum Ausgangsbild zurück setzen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten der App sind bei weitem nicht so umfangreich wie bei der Desktop-Version: Man kann alle Werkzeuge der Grundeinstellungen verwenden sowie alle Vorgaben (Presets) auf das Bild anwenden, die von der Desktop-Version vorinstalliert sind. Bilder lassen sich übrigens auch nach sieben vorgegebenen Seitenverhältnissen oder frei definiert beschneiden. Tippt man mit zwei Fingern in den Beschneiden-Rahmen, ändert sich das Gittermuster.

Bildkorrekturen am iPad werden mit der Desktop-Variante synchronisiert. Im Test braucht dies zwischen 15 bis 20 Sekunden, das ist abhängig von der Internet-Verbindung. Am Mac lässt sich der Bearbeitungsschritt von der iPad-Version übrigens über das Protokoll wieder rückgängig machen. Allerdings erklärt das Protokoll nur knapp „Von Lr mobile“ und so weiß man nicht, welche Bearbeitung man am iPad im Detail vorgenommen hat.

Bilder präsentieren

Sammlungen lassen sich mit der iPad-App als Diashow wiedergeben, vier Übergänge stehen zur Auswahl und die Darstellungsdauer lässt sich zwischen zwei und 15 Sekunden einstellen. Leider vermissen wir die Möglichkeit, eine Diashow per Airplay auf ein Apple TV wiedergeben zu können. So bleibt entweder der Umweg über die Bildschirmsynchronisation, die allerdings nicht die optimale Bildqualität auf dem Fernseher bietet. Oder man speichert die gewünschten Bilder in die Apple-App „Fotos“, die eine Airplay-Unterstützung bietet. So belegen die Fotos allerdings doppelten Speicherplatz.

Lightroom im Webbrowser

Die für Lightroom Mobile freigegebene Sammlungen lassen sich über die Adresse lightroom.adobe.com auch in einem beliebigen Webbrowser aufrufen. Hier bietet sich die Möglichkeit, eine Sammlung frei zu geben und den Link auf Facebook, Twitter oder Google Plus zu teilen. Fotos lassen sich leider nicht nach den Markierungen filtern, die man in der iPad-App vorgenommen hat. So kann man nur die komplette Sammlung veröffentlichen.

Empfehlung Adobe Lightroom Mobile

Die Lightroom-App kann noch wenig und wer die App in seinen Workflow integrieren möchte, muss sich vor allem dann umstellen, wenn man seine Bilder in Ordner und/oder Smart-Sammlungen organisiert. Doch die App präsentiert sich schick und angenehm schlicht. Und das, was sie schon kann, klappt im Test reibungslos. Wer also kein Cloud-Abonnent ist, hat bis jetzt noch nichts verpasst, kann aber immerhin für 30 Tage die Funktionen dieser App selber testen. Doch neue Funktionen werden die App in Zukunft sicher deutlich attraktiver machen.

Lightroom Mobile

Adobe

Preis: Kostenlos

Note: 2,4 gut

Funktionsumfang (50 %) 3,0

Bedienung (20%) 1,9

Geschwindigkeit (20%) 2,0

Lokalisierung (10%) 1,0

Vorzüge: Zukunftweisendes Konzept für eine sinnvolle Ergänzung, neue Präsentationsmethode

Nachteile: Nur für Cloud-Abonnenten, nur Sync von Sammlungen möglich, Internet-Verbindung nötig

Alternativen: Keine

Nur für Adobe-Cloud-Abonnenten, ab iPad 2 oder iPad Mini, ab Lightroom 5.4

www.adobe.de

 

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