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Mac Pro Basiskonfiguration im Praxistest

11.04.2014 | 15:41 Uhr |

Knapp 3000 Euro verlangt Apple für die Basiskonfiguration mit vier Rechenkernen. Im Test hatten wir bislang nur eine High-End-Version mit acht Kernen, nun stellt sich der "Einsteiger" Mac Pro zum direkten Vergleich. Erfahren Sie, ob er für echte Profianwender ausreicht

Letztlich geht es um die Frage: Lohnt sich die 3000 Euro kostende Basiskonfiguration des Mac Pro oder soll man doch besser zu einem iMac greifen? Genau aus diesem Grunde vergleichen wir die beiden bisher getesteten Mac-Pro-Modelle mit dem schnellsten iMac , den Apple bislang zu bieten hat.

Speicher-, CPU- und Grafikleistung

Die Gemeinsamkeiten der beiden Systeme sind größer als man denkt. Beide Macs arbeiten mit Vierkern-Prozessoren und Grafikchips der Oberklasse. Im Mac Pro sind sogar zwei davon verbaut aber Software, die von der zweiten Grafikkarte wirklich Gebrauch macht, ist nach wie vor rar. In beiden Systemen ist der SSD-Speicher (beim iMac kommt ein Fusion-Drive zum Einsatz) per PCI-Express angebunden. Der Flaschenhals des mit 6 Gbit/s vergleichsweise langsamen SATA-III-Ports entfällt somit.

In der Praxis machen sich diese Ähnlichkeiten tatsächlich bei den meisten Programmen bemerkbar. Bei alltäglichen Rechenarbeiten, wie beispielsweise beim Kodieren von Musik in iTunes (MP3- oder AAC), beim Komprimieren von Video (Mpeg 2 oder MP4) oder in aufwändgen Filter-Aktionen in Photoshop CS6 liegen beide System sehr eng beieinander. Mal liegt hier der iMac knapp vorn, mal der Mac Pro aber die Abweichungen sind marginal. Trotz Unterschied in der Basistaktfrequenz - der Xeon E5 im Mac Pro läuft um 200 Megahertz schneller, kann sich der Profi-Mac nicht so richtig vom Core i7 des iMac absetzen. Erstaunlicherweise setzt sich das auch in 3D-Anwendungen fort, wo der Mac Pro aufgrund seiner zwei eingebauten Grafkkarten eigentlich deutliche Vorteile zeigen müsste. Aber selbst komplexe 3D-Spiele wie Batman Arkham City profitieren nicht von den zwei AMD-Grafik-Chips. Hier ist der iMac mit der Geforce GTX780M sogar einen Tick schneller. Der Grund: Die zweite Grafikkarte im Mac Pro wird ausschließlich zu komplexen Rechenaufgaben eingesetzt. Open CL heißt hier das Zauberwort. Spiele nutzen Open CL allerdings in der Regel gar nicht und so muss auch der Mac Pro hier mit einer Grafikkarte auskommen. Die AMD Firepro D300 liefert dabei zwar durchaus eine beachtliche Leistung, kann sich aber nicht von dem ebenfalls sehr schnellen Nvidia-Chip im iMac absetzen.

Das ändert sich erst in ganz speziellen Anwendungen, beispielsweis ein Final Cut Pro X. Beim Rendern von Videomaterial für die finale Ausgabe rennt der Mac Pro dem iMac deutlich davon. Hier sieht man, was es bringt, wenn die Entwickler Open CL intensiv einsetzen und komplexe Rechenaufgaben nicht nur auf alle verfügbare CPU-Kerne, sondern auch auf alle Grafik-Chips verteilen. Doch Final Cut Pro X bleibt eine der wenigen Ausnahmen. Weitere Programme finden sich meist ebenfalls im professonellen Video-Umfeld.

Lautheit und Stromverbrauch

Apple hat den Mac Pro mit einem neuen Ansatz aktiver Kühlung ausgestattet. Nur noch ein Lüfter kühlt sämtliche inneren Komponenten. Das klappte bereits bei der Achtkern-Version ganz prima und der Vierkerner liefert hier erwartungsgemäß ein noch besseres Bild ab. Mit 0,1 Sone im normalen Betrieb bleibt der Lüfter buchstäblich unhörbar und das ändert sich auch nach 20 Minuten Volllast aller CPU- und Grafikkerne nicht. Es bleibt bei 0,1 Sone. Da muss sich der iMac deutlich geschlagen geben, denn unter Volllast brüllt er quasi seinen Stress heraus. 2,6 Sone sind schon beachtlich und nerven - beispielsweise in einer Tonstudio-Umgebung - gehörig. Auch der Achtkern-Mac Pro ist hier mit 1,8 Sone alles andere als unhörbar. Freunde der Audio-Verarbeitung sollten sich den Basis-Mac-Pro also einmal näher ansehen.

Der Flash-Speicher im Basis-Mac-Pro ist zwar nicht besonders groß (256 GB) aber superschnell. Die Datenraten liegen konstant bei über 700 MB/s. Die Zugriffszeit messen wir mit 0,09 ms.
Vergrößern Der Flash-Speicher im Basis-Mac-Pro ist zwar nicht besonders groß (256 GB) aber superschnell. Die Datenraten liegen konstant bei über 700 MB/s. Die Zugriffszeit messen wir mit 0,09 ms.

Beim Stromverbrauch sind sich beide Macs wiederum sehr ähnlich. Zwar braucht der iMac grundsätzlich wegen des eingebauten Displays etwas mehr Strom, aber ein Display muss man ja am Mac Pro schließlich auch noch anschließen. Insgesamt liegt der Mac Pro dann in etwa gleichauf mit dem iMac. Auch im Ruheszustand und ausgeschaltet messen wir keine entscheidenden Unterschiede.

Ausstattung

Klar, der Vergleich zwischen iMac und Mac Pro hinkt zumindest in diesem Punkt. Der iMac kommt quasi mit Vollausstattung: 27 Zoll Bildschirm, Maus, Tastatur und ein Fusion-Drive mit ordentlicher Kapazität. Wenn man sich diese Komponenten beim Mac Pro dazukaufen muss, steigt der Preisunterschied ins Astronomische. Dennoch: Auch der Mac Pro kann hier in einigen Spezialdisziplinen punkten. Sechs Thunderbolt-2-Anschlüsse, damit lässt sich eine ganze Menge anstellen. Allein die Möglichkeit bis zu drei 4K-Displays an einem Mac zu betreiben ist ein Alleinstellungsmerkmal, das der iMac nicht bieten kann. Auch der HDMI-Port (4K-fähig) ist ein Punkt, den professionelle Videoschnitt-Anwender gern sehen und auf den sie beim iMac nur mit speziellen Adapern zurückgreifen können (zudem geht hier dann ein Thunderbolt-Port verloren). Der Integrierte HDMI-Port des Mac Pro erleichtert in der Praxis den Anschluss von Großbild-Monitoren im Studio eheblich. Aber auch hier gilt: Das sind schon ganz spezielle Anwendungsszenarien, die nur selten vorkommen, aber sie kommen vor.

Kaufempfehlung & Fazit

Basis-Mac-Pro oder iMac? Wie so soft entscheidet hier das Anwendungs-Szenario. Der bessere Allrounder ist zweifellos der iMac. Ruckzuck ist er aufgebaut, angeschlossen und betriebsbereit. Von der Leistung her bietet er zudem genug Power, um auch anspruchsvolle Aufgben in angemessener Zeit zu erledigen. Der Mac Pro ist hingegen ein echter Spezialist und als solcher besonders für den Videoschnitt in Final Cut Pro X geeignet. Hier muss es nicht mal ein Sechs- oder Achtkerner sein, der Vierkerner erkämpft sich dank der zwei Grafikkarten auch schon einen spürbaren Vorteil. Einen ganz besonderen Platz dürfte sich der Basis-Mac-Pro in modernen Tonstudios erkämpfen. Stille ist hier sicher mehr erwünscht als pure Leistung.

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