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Mac-Scan 3: Gegen Ransomware und andere Schädlinge

29.03.2016 | 12:03 Uhr |

Benötigen Nutzer von Apple-Rechnern tatsächlich externe Sicherheitssoftware? Wir haben Mac-Scan 3.0 getestet.

Lange Zeit fühlten sich Mac-User mit ihrem Rechner auf der ganz sicheren Seite: Viren oder andersartige Schadsoftware (Malware) waren praktisch nicht bekannt oder wurden von den in OS X integrierten Sicherheitsmaßnahmen abgewehrt. Doch mit dem Erfolg der Apple-Rechner wächst auch das Interesse, Mac-Nutzer virtuell zu bedrängen, um etwa sensible Daten wie Passwörter auszuspähen. Die manchmal fast schon apokalyptisch vorgetragenen Warnhinweise, die Entwickler von Virenscannern und anderer Sicherheitssoftware für den Mac nicht uneigennützig immer wieder ausgegeben haben, wirken inzwischen nicht mehr ganz so übertrieben. Obwohl unser aktueller Test von Antivirensoftware auf dem Markt noch beruhigend resümiert: ”Wer zu Hause an einem Mac arbeitet, braucht keinen Virenscanner”.

Mac-Scan erkennt auch ”Ransomware”

Parallel zum Beginn unseres Tests von Mac-Scan 3 gab es sehr ernsthafte Hinweise darauf, dass sogenannte Ransomware sich auf Macs geschlichen hat : ”KeRanger” verschlüsselt demnach Dateien auf dem Mac und gibt sie erst wieder frei, wenn das Opfer an die Erpresser ein Lösegeld (Ransom) bezahlt hat. Diese dreisten Erpressungsversuche kannte man bis dato nur von Windows-Rechnern. Apple immerhin hat recht schnell reagiert und einen Schutz gegen die Ransomware in das in OS X integrierte XProtect mit Informationen zu KeRanger eingebaut. Die konkrete Gefahr bestand durch den Bit-Torrent-Client Transmission.

Solche Informationen enthält auch Mac-Scan 3.0 von Entwickler Secure Mac in der Library gegen Schadsoftware, wenn auch in diesem Fall erst nach der Reaktion von Apple, das sofort und zuerst durch Entdecker Palo Alto Networks informiert wurde. Gefährdet war man freilich nur in diesem speziellen Fall, dass man sich diesen bestimmten Client zum falschen Zeitpunkt heruntergeladen hatte. Der Hersteller der befallenen Software Transmission schätzt, dass auf weniger als 7.000 Macs KeRanger gelandet war. Wer aber  auf Nummer Sicher gehen will, ist bestimmt beruhigter, eine solche Software auf seinem Mac zu wissen, die außer nach Malware auch nach Tracking- und Flash-Cookies fahndet.

Weg mit spionierenden Cookies!

Immerhin können Cookies in gängigen Browsern wie Chrome, Firefox oder Safari durch Tracking mithelfen, Profile des Surfers zu erstellen, die wie im Fall personalisierter Warenangebote zwar nicht unmittelbar schädlich sind, aber doch ungewünscht die Privatsphäre verletzen. Da manche Webseiten ohne Erlaubnis für das Setzen der Cookies nicht richtig funktionieren, ist es jedenfalls ratsam, diese wenigstens hin und wieder vom System entfernen zu lassen. Was Mac-Scan 3 ”Quick Scan” im Benutzerordner (Home Folder) recht flott erledigt. Je nach Anzahl der eingesetzten Browser und Größe des belegten Speichers sollte man hierfür eine knappe Stunde einplanen – das Tool arbeitet aber ziemlich Ressourcen-schonend, so dass wir parallel fast ungestört am Mac weiterarbeiten konnten. Mit dem ”Smart” oder ”Full Scan” der gesamten Festplatte ist entsprechend mehr Zeit einzuplanen.

Nun lässt sich eine ganze Reihe von Voreinstellungen in den Präferenzen des Tools vornehmen, beispielsweise die Option, beim Beenden eines Browsers sämtliche Cookies gleich zu löschen. Zusätzlich kann man bestimmte Cookies auf eine White- oder Blacklist setzen, sodass sie entweder auf jeden Fall gelöscht oder auch unbehelligt gelassen werden. Es gibt einen Scheduler, mit dem sich ein Zeitplan für automatische Scans aktivieren lässt. Wer noch genügend Platz und Übersicht in seiner System-Menüleiste hat, kann sich auch dort für den schnellen Zugriff ein Menulet des Programms einrichten lassen.


Transparente Schadstoff-Bibliothek

Möchte man ein wenig genauer wissen, nach welcher Schadsoftware Mac-Scan 3 eigentlich fahndet, erfährt man dies recht detailliert in der Library, einem eigenen, leicht zugänglichen Menüpunkt des Tools. Aufgeführt wird dort etwa Adware, die sich als Erweiterung oder Toolbar für einen Browser über eine andere Installation einnistet ( darunter auch bei Downloads von Macupdate.com ) und gezielt Informationen sammelt. Oder sogenannte Exploits, die Schwächen in einem Programm oder im Betriebssystem selbst ausnutzen und im schlimmsten Fall an sensible Informationen des Nutzers herankommen. Dazu Hacking Tools, Keylogger (machen genaue Aufzeichnungen über jeden Tastaturanschlag einschließlich Passwörtern und können diese beispielsweise als E-Mails verschicken), Malware im weiteren Sinn, darunter  trojanische Pferde oder Ransomware.

Lesetipp: 10 Antivirus-Lösungen für den Mac im Vergleich

Und eine ganze Reihe mehr. Dazu gibt es jeweils kurze englischsprachige Erklärungen und die entsprechenden Bezeichnungen der integrierten Datenbank zu den Schädlingen. Das alles ist, wenn auch leider nicht in deutscher Sprache verfügbar, so doch intuitiv und eingängig gemacht – auch für Nicht-Profis. Ein Virenscanner im herkömmlichen Sinn ist Mac-Scan 3 freilich nicht, es hat aber zahlreiche Schädlinge im erweiterten Sinn des Begriffs an Bord respektive als Definition in der Library, so etwa Trojanische Pferde und Würmer. Ein dedizierter Virenscanner wie Bitdefender kann sich unter Umständen zusätzlich empfehlen.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Mac-Scan 3 setzt einen Mac ab OS X 10.8 voraus. Der Preis beläuft sich auf 50 US-Dollar – und zwar pro Jahr! Einen Rabatt gibt es, wenn man gleich zwei Jahre bucht – dann bezahlt man 80 US-Dollar dafür. Ob man das teuer oder günstig findet, hängt davon ab, wie wichtig einem dieser zusätzliche Schutz ist, und ob man im Zweifel damit eine Bedrohung findet oder bereits gefunden hat. Nach Registrierung mit der eigenen E-Mail-Adresse gibt es immerhin eine Testversion zum Download.

Fazit und Empfehlung

Auf unserem Rechner hat sich außer einigen relativ harmlosen Cookies nichts Übles gefunden. Es sei denn, Mac-Scan 3 hat schlicht etwas übersehen. Doch in diesem Fall lässt sich außer dem Einsatz einer anderen Software nicht viel daran ändern. Empfehlenswert ist insbesondere das kostenlose Malwarebytes , das auf unserem Mac freilich auch nichts finden konnte.

Immerhin schützt Apple selbst durch sein XProtect den Nutzer auf einer Basisebene ebenso. Und wie immer gilt: Das größte Risiko sitzt vor dem Bildschirm. Also keine fragwürdigen Dateien öffnen, schon gar nicht als E-Mail-Anhänge, keine Downloads, denen man nicht sicher vertrauen kann, Entsprechendes gilt für Websites. Insgesamt ist die Gefahr für Mac-User noch sehr gering. Wer dennoch ein zusätzliches Sicherheitsbedürfnis hat oder einfach gewappnet sein will, was immer da als böswillige Attacken noch kommen könnte, findet in Mac-Scan 3 ein leicht handhabbares und zuverlässig wirkendes Tool.

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