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Macspeech iListen 1.7.1

01.02.2008 | 12:51 Uhr |

Wie bei Raumschiff Enterprice: Der Anwender spricht – der Computer gehorcht aufs Wort. Doch dieser Wunsch ist selbst mit moderner Spracherkennungssoftware noch nicht ganz wahr geworden. Aber manche Entwicklungen sind mit einer gewissen Einübungszeit doch nahe daran.

Macspeech iListen 1.7.1, ASH
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Einzige Spracherkennung

Auch iListen von Macspeech, die momentan einzige deutschsprachige Diktiersoftware für Mac-OS X, kommt mit einer angenehm kurzen Ersttrainingsphase von zirka zehn Minuten aus, bevor es unsere Spracheingaben schon erstaunlich gut versteht. Am besten diktiert man Texte mit dem im Lieferumfang enthaltenen USB-Headset. Durch konsequente Korrektureingaben lernt das Programm die Stimme des Anwenders sowie noch unbekannte (Fach-)wörter recht schnell. Zudem lassen sich für unterschiedliche Zwecke (verschiedene Anwender, „Erkältungsstimme“ und Ähnliches) jeweils eigene Benutzerprofile anlegen. Eine automatische Analyse von vorhandenen Texten des Users, allerdings nur im RTF-Format, sorgt für eine unkomplizierte Aufnahme des individuellen Sprachstils und auch exotischer Wörter – endlich klappt es in diesem Test, dass iListen die neu gefundenen Begriffe nicht wieder „vergisst“. Allerdings ist dazu ein Neustart des Programms erforderlich. Zudem bietet iListen in der von uns getesteten Version 1.7.1 wie gehabt weitere Trainingseinheiten mit zusätzlichen Texten, um die Spracherkennung zu optimieren. Grundsätzlich kann man in beliebige Applikationen diktieren – von Textedit über Mail/Entourage bis zu Microsoft Word. Sogar ins betagte Apple Works lassen sich Texte per Stimme eingeben und elementare Programmsteuerungen (wie Speichern oder eine neue Datei aufrufen) vornehmen.

Unkomfortable Korrektur

Gewöhnungsbedürftig ist immer noch der eigenwillige Korrekturmodus, der ein separates Fenster mit dem in der aktuellen Sitzung diktiertem Text öffnet und für die angewählten Worte mehrere Vorschläge bereithält. Ist jedoch keine passende Vokabel dabei, muss man das gewünschte Wort komplett eingeben. Weitere Angebote quasi in „Echtzeit“ macht iListen nicht. Entweder lässt man die Korrekturen sofort in den Text einfließen, was mitunter sehr langsam geht, wenn der Cursor bedächtig zum Textanfang zurückläuft. Die Alternative ist, erst den gesamten korrigierten Text einzufügen – dabei jedoch überschreibt iListen ohne Rückfrage bereits vor dem Diktat vorhandenen Text.

Aus die Maus

Auch das Betriebssystem lässt sich mit iListen per Stimme steuern oder gezielt eine Website im Standardbrowser aufrufen. Doch leider funktionieren die Befehle „Maus klicken“ oder „Maus doppelklicken“ nicht mehr. Für Anwender, die besonders wegen gesundheitlicher Probleme (Sehnscheidenentzündung, RSI) gern darauf zurückgreifen, ist das ein entscheidender Nacheil. Eine Nachfrage beim deutschen Anbieter bestätigte diese stillschweigende Streichung dieser wichtigen Funktion. Die entsprechenden Befehle wurden entfernt, da es damit zu einigen Problemen gekommen sei, wovon wir in früheren Versionen aber nichts bemerkten. Eine weitere erhebliche Einschränkung des Nutzwerts vom deutschsprachigen iListen ist die auch in der Vergangenheit bereits kritisierte Tatsache, dass die Spracherkennung immer noch nichts von den Rechtschreibreformen gehört hat. Im Jahre 2007, da selbst die konservative Presse das „Altdeutsch“ aus seinen Seiten gestrichen hat, ist das inakzeptabel. Man sollte zumindest die Wahl haben.

Fazit

iListen 1.7.1 zeigt deutliche Fortschritte gegenüber seiner Vorgängerversion und eine gute Spracherkennung schon nach kurzem Training. Einige „Macken“ sowie das notorische, exklusive Festhalten an der alten deutschen Rechtschreibung lassen es aber nur eingeschränkt alltagstauglich erscheinen. Das Warten auf eine deutschsprachige Diktiersoftware für das Mac-OS X, die an den Windows-Standard heranreicht, geht leider weiter. tha

Wertung

Note: 3,4 befriedigend

Vorzüge gute Erkennung diktierter Worte nach kurzem Training, Diktat in praktisch alle Applikationen unter Mac-OS X, USB-Headset im Lieferumfang

Nachteile keine Sprachsteuerung der Maus mehr, nur teilweise intuitiver Korrekturmodus, keine neue deutsche Rechtschreibung, noch keine Kompatibilität mit Leopard

Alternative keine

Preis € (D) 175, € (A) 177, CHF 251, Online-Update von Version 1.6: € (D) 40

Technische Angaben

Systemanforderungen: ab Mac-OS X 10.3.9

Info ASH

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