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Macspeech iListen Deutsch 1.6.4

03.03.2005 | 16:21 Uhr |

Erste deutsche Spracherkennung für Mac-OS X, noch mit vielen Mängeln

Die erste deutschsprachige Spracherkennung auf Mac-OS X bietet iListen. Mit dem Diktierprogramm lässt sich in praktisch jede Applikation diktieren. Ferner gestattet es die Sprachsteuerung von Programmen und der Maus (Klicken, Doppelklicken). Nachdem man das ausgezeichnete mitgelieferte Telex-USB-Headsets angeschlossen und die Konfiguration in der Systemsteuerung eingerichtet hat, geht es mit dem ersten Diktat los, durch das iListen die jeweilige Nutzerstimme besser erkennen will. Danach bieten sich weitere Lerntexte zur Optimierung der Spracherkennung an, oder man macht sich direkt ans eigene Diktier-Werk. Eine Analyse bereits vorhandener Texte offeriert iListen lediglich von Dateien im Text- oder RTF-Format, was jedoch in unserem Test nicht funktioniert. Dennoch sind wir beim ersten Probediktat positiv von der recht hohen Erkennungsquote überrascht. Doch zugleich ernüchtert - denn auch im Jahre 2005 gestattet iListen nicht, in aktueller deutscher Rechtschreibung zu diktieren. So wird etwa aus dem „dass“ wieder „daß“. Doch immerhin ist es möglich, dem Programm im Korrekturmodus umständlich beizubringen, wenigstens Doppel-ss statt ß als Auswahlmöglichkeiten anzubieten. Das nächste Manko zeigt sich, wenn man ein Diktat korrigieren will. Es ist zunächst nicht möglich, nur schnell ein einziges Wort zu bearbeiten, immer serviert iListen den kompletten diktierten Text. Pro ausgewähltes Wort zeigt der Korrekturmodus bis zu neun alternative Begriffe an, die per Klick selektierbar sind. Korrekturen lassen sich unmittelbares Umsetzen oder erst nach Bearbeitungsende per Kopieren und Ersetzen. Das geht besonders bei ersterer Methode langsam und teilweise fehlerhaft vonstatten. Neue Wörter oder Schreibweisen lassen sich im Auswahlmenü „Was man sagt“ hinzufügen. Grundsätzlich ist es im Korrekturfenster möglich, Verbesserungen per Sprache vorzunehmen. Dennoch greift man bei iListen hierzu häufig auf Maus und Tastatur zurück. Ebenfalls gemischte Gefühle löst bei uns der Befehlsmodus aus, in dem man Maus oder Programme steuert. Nicht immer reagiert iListen auf Befehle, obwohl es sie im Feedback-Fenster als richtig erkannt anzeigt. Ferner hat iListen Probleme, Befehle mit deutschen Umlauten so wie in „Nächste Seite“ zu erkennen. Doch dann zeigt sich eine Stärke von iListen. Da alle Befehle auf Apple Scripts beruhen, lassen sie sich leicht editieren. Nachdem wir den genannten Befehl in „Seite runter“ umbenannt haben, funktioniert er zuverlässig. Textmakros etwa mit der eigenen Adresse oder Textbausteine sind ähnlich schnell und einfach angelegt. Eine weitere Funktion von iListen ist, auf einem anderen Medium diktierte Sprache aus einer Sound-Datei heraus zu analysieren und in geschriebenen Text umzusetzen.

Fazit

Zu viele Macken bringt iListen Deutsch noch mit sich. In dieser Verfassung ist es fürs tägliche Diktat nicht geeignet. Weder erreicht es die Zuverlässigkeit noch den Komfort vergleichbarer Produkte aus der Windows-Welt oder von IBM Via Voice für Mac-OS 9. Dennoch ist ein viel versprechender Ansatz gemacht. Bleibt zu hoffen, dass Macspeech möglichst bald seinem hohen Anspruch aus der englischsprachigen Version auch für deutsche Mac-User gerecht wird. tha

Note: 4,0 ausreichend.

Vorzüge: gute Genauigkeit der Spracherkennung nach kurzer Eingewöhnung, steuert Programme und Maus per Sprache, kann Sprachdateien aus Diktiergeräten in geschriebenen Text umwandeln, hervorragendes Mikrofon im Lieferumfang, Sprachprofil übertragbar

Nachteile: keine neue deutsche Rechtschreibung, Korrekturmodus bei Diktaten umständlich und fehlerhaft, teilweise widersprüchliche Dokumentation der Befehle, Handbuch nur in Englisch, keine Skript Pacs für einzelne Applikationen, Probleme mit Komposita, teuer

Alternative: Sound Soap Pro

Preis: € (D) 250, € (A) 259, CHF 343

Technische Angaben

Systemanforderungen: ab Mac-OS X 10.1.5

Info: Application Systems Heidelberg

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