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Mailserver

05.06.2005 | 17:12 Uhr |

Funktionsreicher Mailserver mit ausgefeilten Sicherheitsmechanismen

kerio mailserver
Vergrößern kerio mailserver

Während viele Nutzer heute einen Dienstleister für Email-Services nutzen, macht es gerade für kleine und mittelständische Unternehmen Sinn, einen eigenen Mailserver zu betreiben und so zu konfigurieren, dass er auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Mit dem Mailserver 6 stellt das amerikanische Unternehmen Kerio seine Lösung nun auch für Mac-OS X vor. Neben einem ausgefeilten Mailserver für alle gängigen Protokolle einschließlich Webmail und Wap-Mail bietet die Kerio-Lösung auch Groupware-Tools wie gemeinsame und private Adressbücher und Terminverwaltung.

Damit zielt das Unternehmen besonders auf solche Anwender, die bisher einen Microsoft-Exchange-Server als Groupware nutzten. Man bietet in diesem Falle sogar ein Migrationstool an, um Mailboxen, Kontakte und Termine zu übernehmen. Aber auch für Mac-Anwender macht diese Kombination durchaus Sinn. Im Gegensatz zum Apple Mailserver, der im Lieferumfang von Mac-OS X Server enthalten ist, bietet Kerio Mailserver haufenweise nützliche Funktionen. Auf der Macworld Expo in San Francisco zeigte man eine Vorabversion des 6.1-Release, das sogar iCal direkt unterstützt.

Grund genug für uns, den Kerio Mailserver 6 genauer unter die Lupe zu nehmen. Zum Betrieb eines Mailservers im eigenen Netzwerk benötigt man eine Standleitung ins Internet, eine DSL-Flatrate ist hier ausreichend. Zwar arbeitet Kerio Mailserver auch mit Wählleitungen zusammen, bei einem Internetserver sollte es dennoch eine dauerhafte Verbindung sein. Praktisch ist es zudem, vom Internet-Provider eine feste IP-Nummer für den Server nebst Nameserver-Eintrag zu beantragen. Alternativ lässt sich der Server auch mit der kostenlosen Lösung Dyn-DNS betreiben (siehe auch Macwelt Sonderheft „Netzwerk“, Seite 98-101), bei der ein Host- und Domainname dem Mailserver zugewiesen wird, auch wenn die Zuteilung der IP-Nummer durch den Provider dynamisch erfolgt. Wir führen unseren Test ohne Probleme mit der Dyn-DNS-Lösung durch.

InstallationDie Installation und Ersteinrichtung des Servers erfolgt Mac-like per Installer und Konfigurations-Assistent. Hier sind im ersten Schritt der Host- und Domainname, das Administrator-Account samt Passwort und der Lagerort für Emails auf der lokalen Festplatte festzulegen.Nach der Ersteinrichtung startet der Anwender das Programm Administration Console, in dem alle Einstellungen des Servers vorzunehmen sind Das Wort Console deutet zwar auf ein Terminal-Eingabemedium hin, es handelt sich dabei aber um eine Mac-Applikation im Aqua-Look. Man findet hier alle wichtigen Einstellparameter. Unter „Services“ zeigt das Programm alle unterstützten Verbindungsmöglichkeiten (Protokolle) an, über die Anwender später Mails abfragen können. Dazu gehört neben POP3, IMAP und SMTP auch Webmail, jeweils unverschlüsselt oder verschlüsselt, falls ein SSL-Zertifikat zur Verfügung steht. Per Voreinstellung sind alle Services eingeschaltet. Kerio Mailserver ist Multidomain-fähig, kann also Mails für mehrere Domains empfangen.

User und GruppenNach einem Klick auf die Option „Users“ lassen sich die Mail-Accounts für eine oder mehrere Domains anlegen. Das Programm führt den Anwender in sieben Schritten durch die Einrichtung. Hier werden nicht nur der Usernamen festgelegt, der Administrator kann über so genannte Quotas auch die maximale Anzahl von Mails und den zur Verfügung stehenden Speicherplatz festlegen. Zu guter letzt lassen sich noch die User-Informationen im Verzeichnis „Öffentliche Kontakte“ der jeweiligen Domain anzeigen. Auf diese Weise entsteht automatisch ein Mail-Telefonbuch. Jeder User kann später dazu noch private Kontakte anlegen, die natürlich nicht veröffentlicht werden. Der Administrator kann zunächst alle Accounts einrichten, sie sind per Voreinstellung noch nicht aktiviert, das erfolgt erst nach einem Doppelklick auf den oder die angelegten Anwender und der Freigabe der entsprechenden Checkbox im Dialogfenster.Nach dem Anlegen und Freischalten der User lassen sich noch Gruppen festlegen, geht ein Mail an die Gruppenadresse, erhalten alle zugehörigen User die Nachricht. In den meisten Firmen werden deutlich weniger „echte“ Accounts als Mailadressen benötigt. Für diesen Fall lassen sich zu jedem Account „Alias-Adressen“ festlegen. So kann es die Alias-Adressen „info“, „kontakt“, „empfang“ und „presse“ zum Account peter.pan@meinserver.de geben. Mails an die Alias-Adressen werden immer an den Account zugestellt.

Spam, Viren und BackupSo unverzichtbar Email heute auch ist, die zunehmende Flut an per Mail verschickte Viren und vor allem Spam-Mails nerven Serverbetreiber und Anwender. Kerio bietet eine Version des Mailservers mit integrierter McAfee Antivirus Software an, alternativ kann der Anwender auch externe Produkte direkt mit dem Mailserver einsetzen (F-Secure, NOD32, AVG, eTrust InoculateIT, Sophos). Die Virussignaturen werden automatisch aktualisiert, der Mailserver verfügt folglich stets über einen aktuellen Schutz.

Als „Seuche des Internet“ sorgen besonders unerwünschte Emails – kurz Spam – für Verdruss. Viele Anwender müssen sich mit Dutzenden der Plagegeister täglich herumschlagen und die Spamfilter ihrer Email-Clients ständig neu justieren. Kerio setzt hier an der Wurzel an, eingehende Mails werden bereits vom Server überprüft. Kerio Mailserver setzt dabei auf den Spamfilter von Spam Eliminator. Der Filter erkennt eingehende und ausgehende Spam. Somit werden nicht nur die Benutzer geschützt, sondern auch der Serverbetreiber, da seine Anwender sich nicht als Spammer betätigen können. Kerio Mailserver klassifiziert Spam-Mails anhand öffentlicher Blacklists und der Überprüfung von Absenderadressen.

Ebenfalls der Sicherheit dient die Backup-Funktion des Servers. Hier besteht die Möglichkeit, einzelne Accounts oder den gesamten Server in Intervallen zu sichern (Inkrementell oder Vollbackup).

Mailzugriff und Groupware-Tools

Die Mailaccounts lassen sich mit allen gängigen Email-Clients abfragen, Kerio unterstützt dabei neben POP3, IMAP und SMTP in der Standardversion auch sichere Verbindungen über SSL. Besonders für mobile Zeitgenossen ist die Webmail-Funktion interessant. Kerio hat das Design dem Mailclient Outlook angelehnt, wer jemals mit einem Email-Client gearbeitet hat, findet sich sofort zurecht. Neben einem Webbrowser lässt sich zum Abfragen der Mailbox sogar ein Wap-Handy einsetzen, für die Puristen unterwegs.

Wer mit Outlook arbeitet, kann die Groupwarefunktionen auch direkt im Email-Client nutzen, hier greift Kerio Microsofts Exchangeserver direkt an, bietet sogar ein Migrationstool. Die Version 6.1, die das Unternehmen bereits auf der Macworld im Januar und auf der Cebit gezeigt hat, wird am Mac iCal unterstützen. Anwender können dann die gemeinsamen Terminpläne automatisch abgleichen lassen.

Fazit

Kerio Mailserver ist top unter den Mailservern für Mac-OS X. Er lässt sich einfach einrichten und warten und bietet mit den Groupware-Tools eine runde Lösung, der Apple mit seiner Mailserverversion nicht das Wasser reichen kann. Wer die Basisversion auf einem Mac mini installiert, hat für unter 1000 Euro einen eigenen Mailserver. Vr

Feedback: christian.moeller@macwelt.de

Note: 1,0 sehr gut.

Vorzüge: extrem einfach einzurichten und zu konfigurieren, unterstützt alle gängigen Mailprotokolle (auch SSL) sowie Webmail und Wap-Mail

Nachteile: hoher Preis

Alternativen: Apple Mail Server, Stalker Internet Mailserver

Preis: (20 Benutzer) € (D) 460, € (A) 476, CHF 630

Technische Angaben

Systemanforderungen: ab Mac-OS X 10.2, Windows, Red Hat oder SUSE Linux, Internetanbindung

Info Kerio , Brainworks

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