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Test Ableton Live 8.0: Günstige Musikbearbeitung für Live- und Studioeinsatz

05.06.2009 | 11:13 Uhr |

Das ideale Werkzeug zum Komponieren, Aufnehmen, Produzieren, Mixen oder für die Live Performance. Das sagt Ableton von seinem jüngsten Kind Live 8.0. Dass sagen aber auch viele DJs und Produzenten, die sich zum Benutzerkreis von Live zählen. Darunter CLP, Akufen, Avi Bortnick, Mogwai, Gabriel & Dresden oder Daft Punk. Wir schauen uns an was sich mit Live 8.0 anstellen lässt, was die neuen Funktionen zu bieten haben und für wen sich das Update lohnt.

Ableton bietet Live in drei Versionen an. Die Ableton Suite mit Live 8 und viel Zubehör, Ableton Live 8 mit der Basisausrüstung und Ableton LE mit Live 8 in der Light-Version. Alle drei Produkte sind in einer Download und einer Box Version erhältlich. Wobei die Box Version jeweils noch ein paar Extras bietet. Bei der LE-Version sind dies lediglich die gedruckten Handbücher, bei der Basis Version sind noch zusätzliche Loops und die Essential Instrument Collection 2 dabei, eine Sammlung von Instrumenten die 15 GB stark ist.

Wir beschränken uns in diesem Test auf die Basis Version von Live 8.0 mit den neuen Funktionen. Die Download Version von Live 8 umfasst 220 MB und belegt nach der Installation auf der Festplatte rund 400 MB. Installieren lässt sich Live einfach, mittels Drag-and-Drop in den Programme Ordner. Beim ersten Start, warnt mich Live auch gleich, dass meine Live-Library nicht zu finden sei. Doch nach kurzer Nachhilfe findet es den Library Ordner der Version 7 und installiert brav alle bereits vorhandenen Instrumente der Vorgänger Version. Mit der Testversion von Live 8.0 kann ausser dem Speichern und Exportieren alles gemacht und ausprobiert werden. Wer sich dann zum Kauf entscheidet kann dies Online tun mittels Code zum Freischalten. Zum Testen mit allen Funktionen kann Online eine 14-Tage Lizenz angefordert werden.

Das ist Neu

Werfen wir einen Blick auf die Neuerungen von Live 8.0. Neu ist die Warp-Engine mit einer umgestalteten Bedienoberfläche und einer verbesserten Transienten-Erkennung. Damit können nun Warp-Marker einfacher erzeugt und bearbeitet werden. Die Groove-Engine ist ebenfalls neu und bietet eine dynamische Steuerung des Timings pro Clip. Sie können einfach von der Groove-Library auf den gewünschten Audio- oder Midi-Clip gezogen werden. Die folgenden Neuerungen hat Live in Sachen Bedienung und Arbeitsfluss erfahren: Crossfades können in der Arrangement-Ansicht erzeugt werden, ein überarbeiteter MIDI-Editor, Gruppen-Spuren, Zoom über die Gesamte Benutzeroberfläche, Vorhör-Bereich im Browser, Gleichzeitige Parameter-Änderungen, Farbmarkierungen für Spuren, Szenen und Makros. Zudem bietet Live 8.0 die folgenden neuen oder verbesserten Geräte: Operator, Collision & Corpus, Looper, Vocoder, Limiter, Multiband Dynamics, Overdrive, Frequency Shifter. Und neben dem verbesserten Support für Drittanbieter Plug-Ins können nun via Ableton Website Live-Sets mit anderen Live-Benutzern ausgetauscht werden.

Das Hauptfenster von Ableton Live 8.0.
Vergrößern Das Hauptfenster von Ableton Live 8.0.

Das Look and Feel von Live ist gebenüber der Vorgängerversion weitgehend unverändert. Die Einfenster-Benutzeroberfläche hat sich bewährt und wurde beibehalten. Auf der linken Seite befinden sich die Browser-Fenster für Live Geräte, Plug-Ins, Library und Datei-Browser, welche nach Bedarf ausgeblendet werden können. Links unten ist ein Info-Fenster welches einem Kontext-Hilfe anbietet zu allen Funktionen. In der Mitte befindet sich das Hauptfenster in der die Session- oder Arrangier-Ansicht angezeigt werden kann. Die Sessionansicht ist die eigentliche Spezialität von Live, sie bietet eine nicht-lineare Ansicht der Clips und Spuren. Während andere Audiosoftware ausschliesslich mit der Arrangieransicht arbeitet, bei der die Spuren horizontal angeordnet sind und die Clips auf einer Zeitleiste eingefügt und arrangiert werden können, sind die Spuren in der Session-Ansicht von Live vertikal angeordnet und die Clips können darunter auf die Spuren gezogen werden und in Szenen angeordnet werden. Dies hat den Vorteil, dass man die Clips im Überblick hat und darunter jeweils Platz für die Effekte die auf einen Clip angewendet werden können. Vor allem aber sind sie so nicht an eine Zeitleiste gebunden. Live spielt alle Clips die aktiv geschaltet sind in einer Szene durch und es können beliebig Effekte dazu gemischt werden oder an den Clips getunt werden. Kurzum alles was man sich für eine Live-Performance, oder das Improvisieren wünscht. Es können beliebig Clips und Szenen kombiniert werden. Es kann aber auch in die Arrangieransicht gewechselt werden mit der Zeitleiste. Eine neue und sehr praktische Funktion für das Ein-Mann-Orchester ist der Looper. Damit können einzelne, kurze Sequenzen aufgenommen und in einer Endlosschleife wieder gegeben werden. Damit lässt sich prima ein kleines Orchester erschaffen. Es ist aber gerade auch für Live-Sessions sehr wertvoll, wo einem die Band im Hintergrund fehlt. Der Looper lässt sich auch mit einem Pedal koppeln, womit die Bedienung einiges einfacher wird, gerade wenn man noch eine Gitarre in der Hand hat.

Wir haben Live 8.0, wie schon sein Vorgänger, mit mehr als 100 Audio- und Midi-Spuren und mehreren Effekten pro Spur getestet zum schauen wie es sich unter Hochlast verhält. Mit zunehmender Anzahl Clips wurde das Einfügen zwar etwas verlangsamt, das Programm reagierte aber weiterhin ohne große Verzögerung auf Befehle, sei dies bei Parameter Anpassungen von Effekten, dem Starten/Stoppen von Clips oder Lautstärke Anpassungen. Einzig bei einem Hinzufügen eines neuen Effektes jenseits der 30 Effekte Marke blieb Live 8.0 einmal der Ton weg. Das Phänomen war aber wohl eine seltene Ausnahme, denn wir konnten es nicht reproduzieren.

Empfehlung

Ableton Live 8.0 ist nicht nur ein zuverlässiger Partner für das Improvisieren und die Live Performance es hat auch als Studiowerkzeug alles dabei was man braucht. Der Funktionsumfang ist sehr groß und der Preis vergleichsweise klein. Marc Buchser

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