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Reaktor 5.5: Viiiel Musik unter der Haube

23.02.2011 | 16:55 Uhr |

Die neue Version des Synthesizer-Baukastens Reaktor kommt mit stark verbesserter Oberfläche und interessanten neuen Instrumenten.

Reaktor 5.5
Vergrößern Reaktor 5.5

Bislang sah die Oberfläche von Reaktor immer etwas unaufgeräumt auf: Einzelne Fenster mit einzelnen Modulen machten es schwer, den Überblick zu behalten. Das ist mit dem Upgrade auf die Version 5.5 erfreulich anders: Alle Elemente finden sich übersichtlich in einem einzigen Fenster wieder. Die Verwaltung von Presets, Bänken und Snapshots ist nun ebenfalls deutlich einfacher geworden, auch wenn Reaktor Probleme hat, sich bevorzugte Speicherorte zu merken.

Schließlich profitieren der eingebaute Sample-Recorder und der Map-Editor für die Samples vom neuen Interface: Beide sind nun direkt in die Oberfläche integriert und wirken damit wesentlich besser aufgehoben als vorher.

In der Struktur von Modulen und Presets werden sich neue Benutzer viel schneller zurechtfinden als bisher; erfahrene Anwender müssen sich aber erst an die veränderte Benutzerführung gewöhnen. Am Ende profitieren alle von der neuen Übersichtlichkeit bei Reaktor 5.5.

Neue Module: Sine Bank und Modal Bank

Wo Native Instruments gerade dabei war, haben die Programmierer ihrem Synthesizerbaukasten auch gleich zwei neue Module im ansonsten nicht direkt unterversorgten Arsenal von Klangbausteinen spendiert: Sine Bank und Modal Bank .

Additive Synthese, die Klangerzeugung aus der Überlagerung von Sinusklängen, war auch schon vor der Sine Bank möglich. Neu ist es mit der Bank, so Native Instruments, die aufwändig zu berechnenden Sinusschichten jenseits der CPU-Last zu erledigen. So sei es möglich, große Anzahlen von Partialtönen effizienter zu nutzen als bei den früheren Reaktor-Versionen. Ein Beispiel für den neuen Baustein liefert NI auch gleich mit: Lazerbass (s. unten).

Die modale Synthese der Modal Bank basiert auf einem Exciter-Signal und einem Resonator. Beide Bausteine erlauben flexible Modulationen der Obertöne eines Klanges. Der eingebaute Algorithmus für Physical Modeling orientiert sich bei der Klangsynthese an "echten" Instrumenten. Auch hier liefert Native Instruments einen fertigen Synthesizer mit: Prism .

Neue Instrumente: Lazerbass und Prism

Reaktor kommt mit einer veritablen Auswahl praxisfertiger, teils aufregend neuer oder zumindest ungewöhnlicher Instrumente. Über die Webseite von NI stehen noch mal mehr als 3.000 von den Usern gefertigte Instrumente bereit. Kein anderer Synthesizerbaukasten erfreut sich einem so großen Zuspruch einer engagierten Community.

Da lässt sich auch NI nicht lumpen und spendiert Reaktor 5.5 eine deutliche aufgewertete Instrumentenbibliothek. Besonders erfreulich: Die beiden bisher separat erhältlichen Sammlungen Electronic Instruments 1 & 2 sind nun in die Bibliothek integriert, was auf einen Schlag 21 wertvolle Instrumente und Effekte bringt, darunter das hervorragende Flächenwerkzeug Methaphysical Function .

Um die oben beschriebenen neuen Module angemessen vorstellen zu können, packt NI auch zwei neue Instrumente ins Paket: Lazerbass und Prism .

Lazerbass basiert auf der Sine Bank und widmet sich dementsprechend additiven Sinusklängen. Wie der Name verrät, entstehen dabei vor allem Bassklänge - nur selten gewöhnlich, oft böse, hart und aggressiv. Damit eignet sich der Lazerbass , der - anders, als der Name suggeriert - auch Lead- und Flächenklänge hervorbringt, weniger für Pop-Produktionen als für atmosphärische Klangerlebnisse und harten Electropop.

Erfreulich hier wie bei anderen Beigaben von NI auch ist die große Zahl vorgefertigter Presets, bei denen man gleich ausprobieren kann, was man mit den Instrumenten alles so anstellen kann.

Wenngleich sich der Synthesizer Prism an der Emulation natürlicher Instrumente versucht, präsentiert er eher ungewöhnliche und aus dem richtigen Leben kaum bekannte Klänge. Das Instrument nutzt die Modal Bank zur Klangformung, eine Reihe von parallel geschalteten Bandpassfiltern, die als Resonatoren auf der Grundlage eines Exciter-Signals an der Erzeugung und Beeinflussung von Partialtönen arbeiten.

Fazit

NI ist mit Reaktor 5.5 ein deutlicher Sprung nach vorne gelungen. Die Benutzeroberfläche ist wesentlich aufgeräumter als bisher. Die neuen Module und Instrumente sowie die deutlich vergrößerte Werksbibliothek machen aus dem flexiblen Synthesizerbaukasten ein noch universelleres Instrumentensammelsurium als bisher.

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