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The Mouth von Native Instruments: Mund auf zum Singen

25.03.2011 | 10:56 Uhr |

The Mouth von Native Instruments ist ein experimentierfreudiges Spielzeug für Vokalartisten. Vocoder und Harmonizer kann das Plugin aber nicht ersetzen.

The Mouth
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Das Instrument, das mit Reaktor 5 oder dem kostenlosen Reaktor 5 Player läuft, lässt zunächst vermuten, dass es sich hier um einen klassischen Vocoder und Harmonizer handelt.

Dem ist aber nicht so. Zwar beherrscht das Plugin beides - aber eben nicht so, wie man es sich eigentlich vorstellt. Nicht umsonst reiht sich The Mouth von Native Instruments in die Kategorie "Synthesizer, Multi-Effekte" ein. The Mouth ersetzt den vierstimmigen Hintergrundchor in der Band nicht; das Instrument sorgt vielmehr für überraschende Effekte im Studio und bei Live-Performances.

The Mouth nutzt Audiomaterial aller Art (live eingespielt oder als Konserve in Form von Audio-Loops) und steuert damit seine eigene Klangerzeugung. Dafür analysiert das Plugin die Tonhöhe des eingehenden Signals und passt es einer vorher ausgewählten Tonskala oder an per MIDI in Echtzeit eingespielte Noten an.

Für die Wiedergabe der analysierten Signale stehen in The Mouth vier Tonerzeuger zur Verfügung, die unabhängig voneinander gemischt werden können: Input (mit der Möglichkeit zwischen dem reinen Audio-Eingangssignal oder einer bereits "auto-tuned" Version zu wählen), Synthesizer, Bass und Vocoder. Alle Tonerzeuger werden gleichzeitig getriggert und durch die fünf Fader in der Mixer-Sektion individuell gemischt, darunter auch ein speziell für dieses Instrument optimierter Delay-Effekt. Für jeden Tonerzeuger steht eine Vielzahl von Sounds zur Auswahl, die über eine Preset-Matrix komfortabel ausgewählt werden können.

Zusammen mit den Parametern zur Klangformung lässt sich so das Audiomaterial auch in Echtzeit zum Teil drastisch verfremden.

In der Standalone-Version sind Signalverarbeitung und MIDI-Steuerung völlig unproblematisch. Als Plugin in Ableton Live oder Logic (Express) ist es dagegen etwas aufwändiger, das Effektgerät - als solches tritt es auf - per MIDI zu steuern. In Garageband funktioniert die MIDI-Steuerung überhaupt nicht.

Um mit dem Plugin überhaupt musikalisch brauchbares Material zu gewinnen, ist es wichtig, das Konzept von The Mouth zu verstehen: Nicht der Effekt kontrolliert die Audio-Spur (das geht auch, im Live-Betrieb), sondern das Audio-Signal formt den Vokalsynthesizer. Das bringt dann sehr ungewöhnliche Klangformungen hervor, die mitunter zwar an einen Chor erinnern, sich durch die eher experimentelle Intonation aber nicht für klassischen Chorsatz eignen. Saubere vierstimmige Gesänge sind für The Mouth eher nichts. Dreckige Stimmverfremdungen dagegen lassen sich mit dem Programm sehr wohl erzeugen.

Fazit

The Mouth hinterlässt einen leicht zwiespältigen Eindruck. Wer aufgrund der Ankündigungen einen vollwertigen Vocoder und Harmonizer erwartet hat, wird ein wenig enttäuscht sein, weil das Plugin diesen Erwartungen nicht gerecht wird. Aber folgt man dem tatsächlichen Anspruch des Instruments, ein ungewöhnliches Effektgerät für Audiospuren zu sein, wird man sich über die experimentellen und damit durchaus auch musikalisch einsetzbaren Klänge freuen können.

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