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Netatmo Welcome: Überwachungskamera für das Zuhause

18.07.2016 | 18:00 Uhr |

Die Kamera für mehr Sicherheit im Smart Home: Ein viel versprechendes Konzept mit hervorragender Gesichtserkennung.

Mit der Welcome stellt Netatmo seine erste Kamera für die Überwachung des Smart Home vor. Das schicke und weitgehend unauffällig filmende Gerät kann Sorgen um die Unversehrtheit der Wohnung und des Hausrats reduzieren und beeindruckt mit ihrer Gesichtserkennung. So kann man stets auf dem Smartphon sehen, ob jemand zu Hause ist. Ergänzend zur Kamera hat Netatmo Bewegungsmelder für Fenster und Türen im Angebot, die recht empfindlich auf Erschütterungen aller Art reagieren.

Die Netatmo Welcome zeichnet Videos bevorzugt im Eingangsbereich des Hauses oder Wohnung auf und speichert diese bei einer erkannten Bewegung auf seine interne Speicherkarte und zusätzlich im Web. Als Zubehör liefert der Hersteller Tags genannte Bewegungsmelder mit, die man an Türen, Fenster, Garagentore oder Briefkästen kleben kann und die schon leichtes Rütteln erkennen und dem Besitzer melden. Ohne die Kamera als zentralen Hub sind die Tags jedoch nutzlos.

Auf das Licht achten – dann werden Gesichter gut erkannt

Am besten funktioniert die Überwachungskamera freilich, wenn die Lichtverhältnisse passen, wir konnten jedoch keine andere Aufstellung als gegen das von der Terrasse herein flutendem Licht finden. Auch andere werden Probleme mit der Lichtführung haben, wenn Glastüren im Spiel sind. Nachts filmt die Kamera dank Infrarotsensor mit, die in der Dunkelheit aufgezeichneten Videos bieten eine überzeugende Qualität

Die Kamera ist aber weit mehr als ein Aufzeichnungsgerät, das auf Bewegungen reagiert, die Welcome kann gefilmte Gesichter bestimmten Personen zuordnen und so per Push-Meldung auf das iPhone mitteilen, welchen Mitbewohner sie gerade erfasst hat. In folge dessen teilt die App in ihrem Dashboard auch mit, wer denn zu Hause ist und wer nicht. So weit die Theorie.

Überwachungskamera erstellt Profile für jeden Mitbewohner

Um Gesichter zuverlässig zu erkennen, benötigen die Algorithmen möglichst viele Aufzeichnungen der Personen. Sobald die ersten Gesichter gespeichert sind, lässt die Netatmo Welcome das Einrichten von Profilen für jede Person zu. Erkennt die Software danach ein Gesicht nicht, weist man in der App die Aufnahme entweder einem bestehenden Profil zu oder man legt ein neues an. Innerhalb des Profils zeigt die Software mit einem farbigen Fortschrittsbalken, wie sicher sie den Bewohner oder Gast nun zu erkennen meint. Nach einer Woche  Einsatz haben wir bei den vier Personen in unserem Haushalt die Profile gerade einmal auf etwas mehr als die Hälfte des gedachten Maximums "verstärkt", wie es die App ausdrückt. Das führt zu Verzögerungen bei der Identifizierung: So kann es eine halbe Stunde zwischen der Push-Meldung "Bewegung registriert" bis "S. gesehen" dauern.

Gesichter auf dem TV erkannt

Vergewissern wir uns lieber selbst und sehen uns den Film an, den die Kamera in voller Auflösung auf die mitgelieferte Micro-SD-Karte (8 GB) und in niedrigerer auf unseren Netatmo-Account und unsere Dropbox speichert. Ach ja, die Katze kennt die Software noch nicht. Aber der Sohn ist dann doch schon eine halbe Stunde eher daheim als uns das die Software mitteilt. Und die Tochter hat Gäste, die nun bei den unbekannten Gesichtern auftauchen. Nein, hat sie doch nicht – sie hat den Fernsehapparat so gedreht, dass sie beim Mittagessen glotzen kann, die Netatmo im Flur erkennt aus gut acht Metern Entfernung aber, dass Gesichter vor ihrer Linse auftauchten. Respekt! Die unbekannten Personen löschen wir aber gleich aus der App...

Was sind denn das für Leute, die plötzlich heute Nachmittag uns die Aufwartung machen, ohne dass sich die Tür öfter bewegt hätte? Ach so - die Tochter schaut TV...
Vergrößern Was sind denn das für Leute, die plötzlich heute Nachmittag uns die Aufwartung machen, ohne dass sich die Tür öfter bewegt hätte? Ach so - die Tochter schaut TV...

Wer nun wirklich daheim ist, wissen wir nicht so genau. Das liegt einerseits an der noch nicht perfekten Erkennung, andererseits ist es auch eine Einstellungssache. Denn ob eine Person abwesend ist, legt man in deren Profil fest. Wurde sie eine bestimmte Zeit lang nicht gesehen, verschwindet sie aus der Liste "Daheim". Die App kann aber nicht wissen, ob der Sohn in sein Zimmer verschwunden ist, um die Hausaufgaben zu erledigen, oder ob er sich sein Smartphone geschnappt hat und auf Pokémonjagd gegangen ist. Das können wir allenfalls wissen, wenn wir alle kurz vorher aufgenommenen Videos sichten. Wir denken kurz über die Anschaffung einer zweiten Kamera nach.

Verwerfen den Gedanken aber doch, da wir erstens den Kindern vertrauen, dass sie nicht zu viel Fernsehen am Nachmittag und weil wir zweitens die Familie und unsere Besucher nicht wirklich überwachen wollen, nach einer Woche bauen wir die Testumgebung wieder ab.

Dokumentationen auf die Dropbox gelegt

Wirklich sinnvoll ist der Einsatz der Netatmo Welcome aber in anderen Konstellationen. So kann sie zwar keine Einbrüche verhindern, sie aber doch dokumentieren. Ob nun aber der Film eines Einbruchs vor Gericht als Beweissicherung durchgeht, hängt davon ab, ob die Videoüberwachung zulässig war. Entscheidend ist dabei, dass die Überwachungskamera nur den privaten Bereich filmt und keinen öffentlichen, auch dürfen keine unbefugten Dritten an das Material gelangen und es widerrechtlich verwerten.

Hier wird es auf den Einzelfall ankommen. So kann zwar nur ein Administrator mit der Welcome-App die Kamera steuern, solange er keine anderen Nutzer respektive deren Netatmo-Konten dafür freigibt. Andererseits lässt sich die MicroSD-Karte mit einem schnellen Griff entfernen und deren Inhalt auf den Rechner spielen – unser Mac hatte jedoch das Format der Karte nicht erkannt. Wie gesagt: Grund zum Misstrauen unserer Familie gegenüber haben wir nicht, aber doch gewisse Skepsis, ob uns die Kamera im Zweifelsfall weiter hilft. Zumal sie recht schick ist und einem potentiellen Einbrecher wohl gleich im Eingangsbereich als potentielle Beute ins Auge fallen würde. Die Videos sind zwar schnell auf den Webserver gestellt, aber auch schnell genug?

Sensibel an Fenster und Tür

Beeindruckt sind wir aber von den Tags. Noch beeindruckter wären wir gewesen, hätten wir erst deren Bedienungsanleitung gelesen. Denn beim Einrichten begehen wir gleich einen Fehler. Muss ja auch reichen, Batterien rein, Schutzfolie abgezogen, an die Tür und die Fenster geklebt, dann erst einrichten. Leider nein. Wir müssen sie in Bluetooth-Nähe zur Kamera bringen, die Batterien wieder entnehmen und wieder einstecken (Aus/Ein geht nicht anders...) und dann mit Hilfe der App mit der Kamera koppeln. Das geht mit einer Ausnahme (siehe Fehlermeldung "unbekannter Fehler" in der Bildergalerie) auch problemlos. Nur haben wir beim Herunterrupfen von Tür und Fenstern die Klebestreifen nicht gerade verbessert, einer der insgesamt sechs musste dran bleiben. Immerhin hat der Hersteller Ersatzklebestreifen in die Verpackung gelegt.

Tags haften an Fenster, Türen, den Briefkasten oder das Garagentor, ihre Reichweite gibt der Hersteller mit 80 Metern an.
Vergrößern Tags haften an Fenster, Türen, den Briefkasten oder das Garagentor, ihre Reichweite gibt der Hersteller mit 80 Metern an.
© Netatmo

Zwei der Tags hatten wir intuitiv richtig fern der Tür- respektive Fensterangel angebracht, den dritten nahe der Drehachse. Das macht aber nichts, die Bewegungsmelder sind erstaunlich empfindlich. Die an den Fenstern merken schon, wenn der Rollladen auf oder zu geht, der an der Tür spürt die vom Postboten ausgehenden Vibrationen, wenn er zur Zustellung von Briefen auf die unterste von drei Treppenstufen tritt – faszinierend. Wir brauchen also keinen Tag für den Briefkasten...

Netzwerkeinstellungen manuell vergeben

Kommen wir aber zu kleinen Problemen, die uns bei der Einrichtung begegnet sind. Die Ersteinrichtung nahmen wir noch gemütlich auf dem Sofa sitzend vor, hat alles geklappt. Die Kamera und das iPhone verstehen sich auf Anhieb, die Netatmo Welcome übernimmt für sich die Netzeinstellungen vom iPhone. Erste Bilder aufgenommen, zufrieden gewesen. Dann sollte die Kamera in ihre finale Position in den Eingangsbereich kommen. Zwischendrin war die Kamera abgestöpselt und die Internetverbindung weg: Keine Chance, sie wieder mit dem Netz zu verbinden, ohne sie neu einzurichten. Und hier haben wir dann eine Stunde lang für die Neueinrichtung gebraucht, die Kamera konnte keine korrekten Netzeinstellungen mehr finden und meckerte vor allem, keinen DNS-Server zu kennen. Vom Forschergeist beflügelt versuchten wir die Neueinrichtung anschließend mit der entsprechenden Software für den Mac – klappte dann erst im dritten Versuch, nachdem wir die Kamera komplett zurück gesetzt und neu benannt haben. Am folgenden Tag dann war der WLAN-Router kurz aus – und die Welcome erneut nicht zu bewegen, Verbindung mit dem Internet aufzunehmen, auch nicht als wir sie mit dem mitgelieferten Ethernetkabel direkt an den Router hängten. Also nochmals komplett neu eingerichtet, mit dem gleichen Netzwerkproblem. Immerhin konnten wir die Netzwerkeinstellungen via App auch manuell vornehmen. Von daher vermuten wir ein Softwareproblem mit DHCP, können das aber nicht reproduzieren. Denn nach dem Beenden des Tests haben wir die Kamera erneut zurückgesetzt und noch mal schnell neu eingerichtet – funktionierte innerhalb von wenigen Minuten ohne jedweden Fehler. Nichtreproudzierbare Phänomene schätzt ein jeder Tester. Laut Hersteller sollte es genügen, in einem solchen Fall in der App die Netzwerkeinstellungen der zickenden Kamera aufzurufen und sie neu zu setzen, eine Neueinrichtung wäre nicht notwendig gewesen

Die zuvor gekannten Gesichter und Profile konnte die Kamera nach den erzwungenen Restarts immerhin wieder verwenden, wir mussten nicht vollkommen bei Null anfangen. Auch die Tags erkannte sie wieder, nur hatte sie deren Namen vergessen. Wenigstens aber nicht deren Einsatzzweck, seither meldet sich bei uns der "Tag an der Tür" und nicht der Tag "Haustür". Welches der Fenster nun aber bewegt wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Tags bleiben aber bis zum Ende des Tests dort kleben, wir richten sie nicht nochmals neu ein. Zumal sich das Batteriefach nicht wirklich mit der mitgelieferten Klammer öffnen und schließen lässt, wir mussten einen Schraubenzieher holen.

Im Web oder in der App sehen wir, wer zu Hause ist und können Videos abrufen.
Vergrößern Im Web oder in der App sehen wir, wer zu Hause ist und können Videos abrufen.
© Netatmo

Fazit

Wer eine schlaue Kamera zur Überwachung von Privat- oder Büroräumen benötigt, ist mit der Netatmo Welcome gut bedient. Sofern die Geduld für eine längere Anlernzeit der Kamera ausreicht und alle dauerhaft oder kurzfristig gefilmten Personen zumindest wissen, dass ihre Abbilder auf Micro-SD-Karte und Webserver gebannt werden. Die Tags - bis zu zwölf kann man laut Hersteller mit einer Netatmo Welcome koppeln - sind sehr zuverlässige, da empfindliche Bewegungsmelder und gewiss eine nützliche Erweiterung bei der Sicherung des Heims. Die App hat noch leichte Schwächen, wir haben aber bereits während des Test festgestellt, dass die Entwickler sie ständig verbessern. So war etwa ein Designfehler im Dashboard verschwunden, bevor wir ihn dokumentieren konnten. Der Preis von 200 Euro für die Netatmo Welcome und 100 Euro für den Dreierpack Netatmo Tags erscheint uns für diejenigen angemessen, die auch in ihrer Abwesenheit einen Einblick in ihre Wohnung oder ihr Büro haben wollen.

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